Konsenspapier „Das brauchen wir: 8 Anforderungen an die zukünftige Lehre in der Germanistik“

38 Veröffentlicht von Ariane Larrat am

Die universitäre Lehre musste im Verlaufe des Jahres 2020 zur Bekämpfung der Corona-Pandemie auf rein digitale Lehrformen umgestellt werden. In diesem Zusammenhang wurde im April 2020 das Austausch- und Wissensportal „Digitale Lehre Germanistik“ aufgebaut.

Am 25. und 26. August kamen 200 Germanist*innen aus vier Kontinenten auf der digitalen Konferenz „Während und nach Corona. Digitale Lehre in der Germanistik“ zusammen. Das Ziel war, gemeinsam die während des digitalen ‚Corona-Semesters‘ gemachten Erfahrungen zu reflektieren und für die hochschuldidaktische Weiterentwicklung der Germanistik fruchtbar zu machen. Das Corona-Semester eignet sich als Brennglas für Probleme der Lehre auch in der Zeit vor Corona und ermöglicht ein besseres Verständnis der zukünftigen Herausforderungen.

Wir empfehlen hiermit den (hochschul-)politischen Entscheidungsträger*innen sowie allen in der germanistischen Lehre Tätigen:

1. Den Wandel der germanistischen Lehre ernst nehmen!

Im Zeichen des ‘shift from teaching to learning’ entwickelt sich die akademische Lehre zusehends weg von Formen einer frontalen Inhaltsvermittlung hin zum Blended Learning sowie zur Kompetenzorientierung und zur Individualisierung von Lernwegen und Betreuung.

2. Präsent oder digital? Präsent und digital!

Das Corona-Semester hat deutlich gemacht, wie unangemessen die bloße Gegenüberstellung von präsent und digital ist. Das wird weder der Realität an den Universitäten vor Corona noch den Herausforderungen der Zukunft gerecht. Unser Ziel ist die bestmögliche Verbindung von präsenten und digitalen Lehr-/Lernphasen und -elementen in der germanistischen Lehre.

3. Über den Wochenrhythmus der Lehre hinausdenken!

Asynchrone Vermittlungsformate bieten eine Flexibilisierung des Studiums (z. B. für Studierende mit Betreuungsaufgaben und Nebenjobs) und können gewinnbringend mit synchronen Elementen (auf dem Campus oder in Formen digitaler Präsenz) kombiniert werden. Diese Flexibilisierung muss bei Deputatsberechnungen berücksichtigt werden, um Überbelastungen zu verhindern.

4. Schreiben Lehren/Lernen geht auch digital

Es gibt eine große Vielfalt an digitalen Tools und Blended Learning-Szenarien, die Lehrende bei der Organisation von Schreibübungen und Studierende beim Erwerb von grundlegenden Lese- und Schreibkompetenzen unterstützen.

5. Digitale Lehre ermöglicht neue Formen der Kooperation

Studierende können sich im digitalen Transformationsprozess stärker in den Prozess der Lehrkonzeption einbringen. Digitale Lernräume bieten vielfältige Möglichkeiten für die Studierenden, um eigenständig (miteinander) zu arbeiten und mit den Lehrenden zu interagieren.

6. Offenheit der Materialien und Datensouveränität sind fundamental

Lehre in der Germanistik erfordert den Open Access-Zugriff auf Medien und Open Educational Resources. Zudem muss die Datensouveränität der Nutzer*innen, insbesondere auf kommerziellen Plattformen, gewährleistet werden.

7. Digitale Lehre ist kein Sparmodell

Viele Studierende und Lehrende haben im Corona-Semester Stress und Überlastung erfahren. Digitalisierung muss nachhaltig vorbereitet und kritisch begleitet werden. Sie bedarf personeller wie infrastruktureller Ressourcen, um die gewünschten Effekte zu erzielen und egalitäre Bildungschancen herzustellen.

8. Wissen über die digitale (Lehre in der) Germanistik weiterentwickeln

Wir benötigen noch mehr dokumentiertes Wissen und Austauschmöglichkeiten zur digitalen Lehre: über neue Best Practices (z.B. der kollaborativen Textbearbeitung), über Tools und Lernplattformen, über die notwendige Digital Literacy der Studierenden und über die Rolle der Germanistik in der digital vernetzten Gesellschaft.

Wir haben diese acht Punkte als Konsens aus der Konferenz „Während und nach Corona. Digitale Lehre in der Germanistik“ destilliert. Sie richten sich als Empfehlungen an alle in der germanistischen Lehre Tätigen sowie an (hochschul-)politische Entscheidungsträger*innen und sollen die Grundlage zukünftiger Diskussionen um Strukturen, Bedingungen und Finanzierungsmodelle der Lehre in der Germanistik werden (das betrifft Workloads, Kontaktzeiten, Ausstattung etc.).

Auf der Webseite der Konferenz finden Sie zeitnah auch die Vorträge und Chatverläufe der Konferenz, die viele dieser Punkte konkretisieren. Damit soll auch der Auftakt für weitere Diskussionen in der germanistischen Fachcommunity gemacht werden, die uns helfen werden, mittel- und langfristig weitere Modelle einer besseren Lehrpraxis zu etablieren.

Das Konsenspapier kann unter digitale-lehre-germanistik.de/konsenspapier unterzeichnet werden.

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