Where the magic happens – Einfache Werkzeuge zum Einstieg in die digitalen Geisteswissenschaften

0 Veröffentlicht von Christian Günther am

So lautet jedenfalls der Titel der Übung, die ich im kommenden Wintersemester an der Bergischen Universität Wuppertal [BUW] in verschiedenen Fachkontexten anbieten möchte. Mein Ziel ist es, den Studierenden einen einfachen Erstkontakt mit den Digital Humanities anzubieten. Aufgrund der Menge an mehr oder weniger einstiegsfreundlichen DH-Werkzeugen, fragte ich letzte Woche auf Twitter um Rat und erhielt viele Hinweise, welche ich in diesem Beitrag zusammenfassen möchte. Davon erhoffe ich mir nicht nur neue Vorschläge für Werkzeuge, die im Zuge der Veranstaltung behandelt werden können, sondern auch eine Diskussion über Möglichkeiten für einen leichten Einstieg in die Digital Humanities.

Der Beitrag besteht aus zwei Teilen. Der erste beschreibt die Rahmenbedingungen der Veranstaltung an der BUW und schildert die Ziele der Übung; der zweite sammelt die Hinweise aus der Community und stellt eine kleine Umfrage vor, die ich nutzen möchte, um ein Feedback zum Konzept zu bekommen.

Digital Humanities an der BUW

Die Veranstaltung wird vom Lehrstuhl für Digital Humanities organisiert. Dieser ist seit Mai 2019 von Patrick Sahle besetzt und gehört zum Historischen Seminar. Die BUW ist aus meiner Sicht vor allem eine „Lehramtsuni“. Selbst im Fachstudium Geschichte spielt das Einüben von Forschungspraxis eine eher untergeordnete Rolle. Mit den Projekten am DH-Lehrstuhl und dem Seminar insgesamt oder Spezialeinrichtungen wie dem Interdisziplinären Zentrum für Editions- und Dokumentwissenschaft (IZED) und einer Vielzahl von kleineren Projekten gibt es aber sehr viele Anknüpfungspunkte zu den Digital Humanities.

Im Format “Übung” müssen die Studierenden bei mir keine Prüfungsleistungen erbringen und wir werden uns – wahrscheinlich – in einem wöchentlichen Turnus treffen. Auf welches Interesse die Veranstaltungen aus den Digital Humanities stoßen, ist für uns noch schwer vorherzusagen. Im Lehrstuhl sammeln wir ganz unterschiedliche Teilnehmer*innenzahlen. Spezielle Übungen zu „Chatbots und HisTutorials“ (Chr. Günther), zu “Python für die Geisteswissenschaften” (M. Windrath) oder “X-Technologien” (P. Sahle) erreichen eine eher kleine Zielgruppe, während sich bei allgemeineren Themen wie “Nachlässe”, “Digitale Kodikologie” oder “Informationsvisualisierung” (jeweils P. Sahle) größere Gruppen von 20-30 Teilnehmer*innen angesprochen fühlen. Aus strukturellen Gründen handelt es sich dabei fast durchweg um Studierende der Geschichte. Die überfachliche Adressierung ist also noch ausbaufähig.

Vor diesem Hintergrund möchte ich für das Wintersemester eine Übung anbieten, die Geisteswissenschaftler*innen aller Disziplinen anspricht, und einen möglichst gut ausgestatteten “digitalen Werkzeugkoffer” präsentieren, der ohne jegliche Vorkenntnisse benutzt werden kann. Die Werkzeuge sollen intuitiv und ohne lange Registrierungs- oder Installationsprozesse nutzbar sein. Außerdem soll die Auswahl sicherstellen, dass die Studierenden schnelle Erfolgserlebnisse haben. Letzteres ist mir aufgrund eigener Erfahrungen sehr wichtig. Im Prinzip zeichne ich mit dieser Übung meinen eigenen Weg in die Digital Humanities nach. Während meiner Masterarbeit und der Arbeit am Projekt “Gestapo Aachen” lagen mir serielle Quellen und ein Literaturkorpus vor, welche ich digitalisieren und maschinenlesbar machen wollte, weil ich das Potenzial sah, komplexe Netzwerke darzustellen. Dafür versuchte ich, die aus den Digitalisaten erhobenen Daten in CSV-Dateien zu konvertieren und weiterzuverarbeiten. Das war eine Arbeit, die mit vielen Rückschlägen und Frustration verbunden war, weil mir sowohl praktisches, wie methodisches als auch theoretisches Wissen fehlten. Mit jedem gelösten Problem traten gefühlt zwei neue auf. Aus jeder gelungen oder missglückten Visualisierung ergaben sich hingegen neue Fragen und damit neue Motivation.

Das Teilprojekt HistoriaApp und meine Übung

Ich glaube deswegen, dass es sinnvoll ist, mit einem bestimmten Problem konfrontiert zu sein, für das es eine Lösung aus den Digital Humanities gibt. Mein Kollege Malte Windrath hatte vor einigen Monaten die Idee, die HistoriaAPP weiterzuentwickeln. Die App ist als funktionaler Prototyp aus einem Projekt der Universität Düsseldorf entstanden. Sie bietet eine digitale Karte mit Katalogen von Erinnerungsorten, Kontextinformationen und verbindenden Routen – wenn man so möchte, also eine Art interaktives Geschichtsbuch. Malte hat viele Ideen, wie man die App funktional erweitern kann. Durch meine Gedenkstättenpraxis und Museumserfahrung kann ich diese wiederum erweitern oder weitere beisteuern. Uns verbindet das Forschungsinteresse am Nationalsozialismus und die Frage nach digitalen Werkzeugen zur Geschichtsvermittlung. So entstand die Idee, unsere Übungen aufeinander abzustimmen und das größere Projekt, also die Erweiterung der HistoriaApp, in kleinere Teilprojekte aufzuteilen. In den Übungen, so die Idee, könnten die Studierenden viel Projekt- und Problembezogener arbeiten und dabei auch wertvolle Erfahrungen im Projektmanagement sammeln. Am Ende der Übung steht außerdem noch ein Ergebnis, welches wir nachhaltig verfügbar machen können. Dafür sind wir schon im Gespräch mit einigen lokalen Erinnerungsakteueren, denen wir unsere technische Unterstützung anbieten können. Parallel habe ich beim Zentrum für Graduiertenförderung [ZGS] der BUW eine Arbeitsgruppe zum Thema “Digitale Forschungs- und Vermittlungsmethoden” gegründet, um dort noch interdisziplinärer theoretische Impulse für unser Großprojekt einholen zu können. Mittelfristig planen wir, eine Plattform zu bauen, auf der wir Projektergebnisse vorstellen und Repository anbieten können.
Im ersten Teilproject, das meine Studierenden im Wintersemester erwartet, werden wir uns in einem Archiv daran machen, Akten zu erschließen und mit einigen bereits vorhandenen Daten arbeiten. Die Werkzeuge die wir besprechen werden, werden nach der Funktionen Netzwerkvisualisierung, Kartenanwendungen und Korpusanalyse aufgeteilt.

Meinen vorläufigen und unfertigen Semesterplan möchte ich hier schon teilen, weil er eine Idee über die inhaltliche Ausgestaltung der Übung vermitteln kann. Er entsteht natürlich auch noch unter der Bedingung, dass wir noch nicht wissen, ob sich Treffen im ‘meatspace’ wirklich realisieren lassen. Ich wäre aber gespannt, welche der beiden hier vorgestellten Varianten Ihr bevorzugen würdet

Hinweise aus der Community

Auf den Tweet bekam ich einige Reaktionen und Likes. Auf das Angebot, meinen tweet in diesen kleinen Beitrag zu verwandeln, bin ich gerne eingegangen. Zwar ist die Diskussion auf Twitter schneller und die Sichtbarkeit tendenziell etwas höher, dafür bietet ein Blog eine höhere Halbwertszeit und vielleicht auch mehr Raum, eine Debatte über einen Einstieg in die Digital Humaities zu führen. Außerdem ist es für meine zukünftigen Lehrveranstaltungen einfach praktisch, auf einen Beitrag zurückgreifen zu können, der so viele Werkzeuge auflistet.

Neben den schon im Tweet erwähnten Werkzeugen (DARIAH-Geobrowser, Voyant Tools, Palladio) kamen noch einige Empfehlungen zusammen, die ich hier (hoffentlich vollständig) teilen möchte:

Noch nicht kategorisieren kann ich:

Quer zu den einzelnen Werkzeugen liegt die Wundertüte „The Programming Historian“ aus der man ohne Zweifel weitere Inspiration ziehen kann.

Mit den von mir genannten Werkzeugen habe ich hinsichtlich der intuitiven Bedienbarkeit sehr gute Erfahrungen gemacht. Alle boten darüber hinaus noch einen fertigen Datensatz an mit denen man experimentieren konnte. Den Support von Nodegoat habe ich in ganz guter Erinnerung, musste mich aber letzten Endes dagegen entscheiden, weil mir die Speicherung von personenbezogenen Daten auf einem externen Server zu heikel war. Im Rahmen von Projekten habe ich etwas mit antconc und easytranscript arbeiten können. Über letzteres bin ich wegen eines Blogbeitrages von Christoph Damm gestoßen. Ein Twitter-Projekt mit autoChirp durchzuführen habe ich schon seit längerem vor. Jürgen Hermes hat dazu einen schönen Beitrag geschrieben. Wahrscheinlich werde ich die nächsten Wochen noch damit verbringen, hilfreiche Tutorials und Erfahrungsberichte zu den hier Vorgeschlagenen Werkzeugen zu suchen. 

Soweit ich diese kenne oder oberflächlich einschätzen kann, lässt sich das “where the magic happens” aber auch auf diese übertragen: Webbasierte Programme können relativ schnell benutzt werden. Die Strukturierung der Daten für erste Ergebnisse ist nicht besonders komplex. Theoretische Vorkenntnisse braucht man dafür nicht. Frei nach Arthur C. Clarke  möchte ich die Studierenden damit eben auf ein inhärentes Problem hinweisen: Es wichtig, den intransparenten technischen oder “magischen” Prozess zu problematisieren: Ist man in der Lage, die selbst erhobenen Daten auf deren Unzulänglichkeiten hin zu beurteilen und die in den Anwendungen zum Einsatz kommenden Algorithmen zu verstehen? Ich bin mir noch nicht sicher, wie sich so etwas in der Übung thematisieren lässt. Meine Hoffnung ist, dass die Studierenden fehlerhafte Datensätze produzieren und sich daraus unterschiedliche Ergebnisse und damit Räume für Diskussionen ergeben.

Aus didaktischer Perspektive bin ich mir noch unsicher, ob es sinnvoll ist, so viele Werkzeuge in einer Übung vorzustellen. Methodisch werde ich wohl wenig vermitteln können, dafür vielleicht einigen Studierenden neue Perspektiven eröffnen und Anreize liefern, sich weitergehend mit den Digital Humanities auseinanderzusetzen. Insofern wäre ich auch auf Eure Erfahrungen gespannt: Gab es ähnliche Formate schon oder erfolgt eine Einführung in die Digital Humanities zunächst eher theoretisch?

Variante 1: Der Rundumschlag

Datum

Thema, Ziel

Geplant (Methoden)

Aufgabe

Vorab:

  • Wissenstand der Studierenden
  • ggf. Tools installieren, sich auf Plattformen regisitriere
  • Bürokratisches? (cps, ..)
 

– Lesen, was von Jannidis/Kohle: Digital Humanities – Eine Einführung, 2017?

Susanne Kurz: Digital Humanities, 2016?

(Da muss es doch  schöne Videos oder Podcasts geben?)

06.11.2020

Erste Sitzung

  • Vorstellen des Themas und der Lernziele
  • Semesterplan vorstellen
  • Kennenlernen
  • Vorraussetzungen/ Vorwissen klären

 

„Speeddating“

 

13.11.2020

„Datenmüllhalden“

  • Worst Practice Beispiele ansehen(?)

 

​​​​​​​Text zu Datenmanagement, Einführung, Was sind Daten …

Was von Annette Strauch oder Swantje Dogunke?

20.11.2020

„Von Knoten und Kanten

   

27.11.2020

„Knoten und Kanten“ 2

   

04.12.2020

Timeline JS

 

Da gab es Blogbeiträge…irgendwo in meinen Lesezeichen.

11.12.2020

Timeline JS 2

   

18.12.2020

 Autochirp?

  • Hier böten sich wieder die Daten von 1938 an.
 

Viele Blogbeiträge. Was von Levke Harders oder Jürgen Hermes?

25.12.2020

fällt aus

   

01.01.2020

fällt aus

   

08.01.2021

Editionen, TEI ||Catma

Alternativ:

Python?

   

09.01.2021

Editionen, TEI 2?

 

Alternativ

Python?

Oder

Textkorpora analysieren

  • Voyant tools
 

Voyant-tools

Da gab es einige schöne Blogbeiträge…hab ich abgespeichert. raussuchen!

22. 02.2021

Kartenvisualisierungen

Dariah DE vorstellen

 

Was aus Alberto Cairo: The Truthful Art: Data, Charts, and Maps for Communication?

Ansonsten nach Blobeiträgen suchen…in den Lesezeichen.

29.02.2021

Kartenvisualisierungen 2.0.

  • Besprechung der Aufgaben

Diskussion über Mehrwert etc.

   

05.02.2021

VR?

(Stand: 03.06.: Vorläufige Zusage für einen Workshop im VR-Lab!)

 

Janet Murray: Hamlet on the Holodeck, 2017 (17€)

12.02.2021

VR?

   

26.02.2021

Abschluss und Ausblick

 

Battershill / Ross: Using Digital Humanities in the Classroom, 2017 

Nach Feierabend Digital Humanities 2013

Was vom DH-Theorie Block?

Alternative Planung: Spezialist*innengruppen, die kontinuierlich an einem noch kleineren Teil-Projekt arbeiten:

Zeit

Thema, Ziel

Aufgabe

Vorab

Wissenstand der Studierenden ?

Für mich:

Gute Videos/Präsentationen finden, in denen die einzelnen Themen gut gezeigt werden, diese den Studis zur Verfügung stellen

06.11.2020

Semesterziel vorstellen

Daten erheben lernen

Daten strukturieren lernen

Projektmanagement kennen lernen

Projekt finalisieren

Methodisches vorgehen dokumentieren

Daten zur Verfügung stellen

Projekt präsentieren

Die Studierenden sollen sich für eine der Arbeitsgruppen entscheiden. Es sollen gleichgroße Gruppen entstehen. Diese werden bis kurz vor dem Semesterende miteinander Arbeiten. Zum Ende des Semesters präsentieren sie den anderen Gruppen die von Ihnen erstellten Projekte

ggf. setzten sie dabei noch Methoden des agilen Projektmanagements um.

Sich für eine der Gruppen entscheiden, die möglichen Werkzeuge auf maximal zwei[?] begrenzen].

Netzwerkanalyse

Kartenanwendungen

Korpusanalyse

„Wissenschaftskommunikation“

Audio

FDM(?)

 

[???]

Hier muss ich mir einen sinnigen Turnus überlegen, in dem asychrone und sychrone Phasen stattfinden

 

22.02.2021

26.02.2021 [?]

Vorstellen der Ergebnisse

 

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