DHd2025: Vor dem Call for Papers

2 Veröffentlicht von Nils Reiter am

Update: Zoom-Link für Community-Sprechstunde (24.05., 14-15 Uhr): https://uni-koeln.zoom.us/j/4578576065.

Traditionellerweise erscheint Mitte Mai der Call for Papers für die nächste DHd-Konferenz. Das werden wir dieses Jahr nicht ganz schaffen, da wir (= Programmkomitee DHd2025 und DHd-Vorstand) die Begutachtungskriterien gerade einer Generalüberholung unterziehen. Wir möchten die geplanten Änderungen in diesem Blog-Post vorstellen und allen Teilen der Community Gelegenheit geben, sich dazu zu äußern. Den hier beschriebenen Stand könnte man als Beta-Version bezeichnen — es ist also noch möglich, Dinge zu ändern.

Im Kern sind es drei Änderungen gegenüber dem DHd2024-Verfahren (zusätzlich zur Abschaffung der Rebuttal-Phase, die die Mitgliederversammlung in Passau beschlossen hat):

  1. Einreichungen für Vorträge werden in inhaltlich definierte Unterkategorien eingeteilt.
  2. Alle Kriterien aller Kategorien und Unterkategorien werden expliziter, präziser und spezifischer formuliert.
  3. Den Punktwerten bei der Begutachtung werden aussagekräftigere textliche Beschreibungen beigefügt.

Im folgenden werden diese Änderungen etwas genauer beschrieben, und unten befindet sich eine Liste von Fragen und Antworten.

Unterkategorien für Vorträge

Wie in den Jahren zuvor können bei der DHd Einreichungen für das Doctoral Consortium, Panels, Poster, Vorträge und Workshops eingereicht werden. Für Vorträge gelten zudem die u.g. Unterkategorien. Wer einen Vortrag einreichen möchte, muss ihn einer dieser Unterkategorien zuordnen. Leitgedanke sollte dabei sein, wo der Fokus der Einreichung liegt. Je nach Unterkategorie werden in den Formulierungen spezifischere Punkte genannt, die aber den gleichen abstrakten Kriterien zugeordnet sind.

  • Tool/Ressource: Im Fokus steht die Vorstellung eines neuen Tools oder einer neuen Ressource. Beispiele dafür sind Webservices, herunterladbare Programme, Apps, Korpora, (digitale) Editionen oder Datensammlungen. Neu “verpackte” Tools/Ressourcen (Wrapper) stellen nur in Ausnahmefällen einen publikationswürdigen Beitrag dar. Zu begutachtende Tools oder Ressourcen müssen den Gutachtenden mindestens in einer Beta-Version zur Verfügung gestellt werden.
  • Theorie/Metareflexion/Positionspapier: Im Fokus steht eine theoretische Überlegung zu den Digital Humanities, eine Reflexion über die Praxis, eine Forderung an die Community, die Herausforderung etablierter Ansichten oder eine Zukunftsvision.
  • Methode: Im Fokus steht die Entwicklung einer neuen Methode oder die Weiterentwicklung einer existierenden zur Lösung eines konkret definierten Problems.
  • Computergestützte Analyse/Interpretation: Im Fokus stehen Erkenntnisse, die mit digitalen/computationellen Methoden gewonnen wurden. Dies sind typischerweise Beiträge, die eine konkrete geisteswissenschaftliche Frage bearbeiten.
  • Offenes Feld: Beiträge, die einen sonstigen Fokus haben. Dieser muss im Beitrag explizit genannt werden.

Hier wären wir für Rückmeldungen dazu dankbar, ob es weitere Unterkategorien braucht — gerne auch mit Verweis auf Beiträge aus der Vergangenheit, die einen Fokus verfolgen, der hier nicht abgedeckt ist.

Kriterien

Es ist nicht ganz leicht, die ausformulierten Kriterien für 9 Ober- und Unterkategorien in einer übersichtlichen Art und Weise darzustellen. Wir haben sie daher in dieser Google-Tabelle aufgeführt.

Hinweise zum Lesen:

  • Ein großer Bildschirm hilft.
  • Man darf in der Tabelle kommentieren (aber es lassen sich nur ganze Zellen kommentieren, und keine einzelnen Wörter — eine Einschränkung der Plattform).
  • In der ersten/linkesten Spalte befinden sich zur Information die Kriterien, wie sie im Conftool für die DHd2024 aufgeführt waren (ohne den erklärenden Text aus der Handreichung).
  • Für Panels, Poster und Workshops werden nicht alle Kriterien verwendet, die auch für die Vorträge gelten. Stattdessen kommen andere, kategorienspezifische Kriterien zum Einsatz, die in der Tabelle etwas weiter unten stehen.

Punktwertungen

Im bisherigen Review-Formular gibt es für die inhaltlichen Kriterien Punktwertungen (0-5), die als “trifft gar nicht zu” bis “trifft völlig zu” beschrieben sind. Die inhaltlichen Punktwertungen werden stärker und expliziter formuliert. In der Tabelle sind sie in der Spalte “Skala” notiert.

Selbstverständlich sind (wie bisher auch schon) alle Gutachter:innen aufgefordert, in ihren Gutachten die Bepunktung zu begründen.

 

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Fragen und Antworten

In welcher Weise kann ich Rückmeldung geben?

Es gibt vier Kanäle, über die wir Feedback zu diesen Änderungen sammeln:

Warum überhaupt etwas ändern?

Die Review-Kriterien bestehen seit der ersten DHd und wurden kaum verändert. Dabei sind sie in mehrfacher Hinsicht unzulänglich, was sich etwa auch in der Handreichung ausdrückt: Wichtige Kriterien (z.B. nachhaltige Verfügbarkeit, Reproduzierbarkeit oder methodische Korrektheit) tauchen überhaupt nicht auf, womit es der Fantasie und Erfahrung der Gutachtenden überlassen bleibt, ob sie berücksichtigt werden.
Die Kriterien zu konkretisieren macht ihre Anwendung (hoffentlich) leichter und weniger subjektiv.

Vorträge: Was passiert mit Einreichungen, die falsch zugeordnet wurden?

Für die richtige Zuordnung sind die Einreichenden verantwortlich, und sie haben auch das letzte Wort. Da die Kriterien (innerhalb der Vortrags-Unterkategorien) aber insgesamt kompatibel sind, sollte eine falsche Einsortierung keine schwerwiegenden Konsequenzen haben.

Vorträge: Werden die Kriterien auch genutzt, um Gutachtende zuzuweisen?

Nein, die Zuweisung von Gutachtenden erfolgt wie bisher über die Themen, die diese und die Autor:innen angeben.

Vorträge: Was passiert mit Einreichungen, die mehrere Fokusse ansprechen?

Angesichts der Kürze der Abstracts (1500-2000 Wörter) ist es ohnehin sehr schwer, mehrere Fokusse zu vereinen, ohne oberflächlich zu werden. Autor:innen sollten sich auf den Beitrag konzentrieren, nach der der Beitrag beurteilt werden soll.

Vorträge: Warum denn diese Unterkategorien?

Die Beiträge nach inhaltlichen Beitragskategorien zu sortieren hat drei Vorteile: i) Es erlaubt spezifische und damit konkrete Review-Kriterien zu definieren, die (hoffentlich) leichter anwendbar sind. Das macht das Reviewing zuverlässiger, fairer und weniger subjektiv. ii) Es zwingt die Autor:innen dazu, sich festzulegen, wie der Beitrag gelesen werden soll, und führt damit zu mehr Klarheit in den Beiträgen. iii) Es steckt das Feld möglicher Beiträge klarer ab, und gibt womöglich auch Hinweise darauf, was man einreichen könnte.

Und was ist mit dem open-peer-review-Verfahren?

Die Frage der Anonymität von Gutachtenden und/oder Autor:innen ist von diesen Änderungen nicht betroffen. Es bleibt also bei dem Verfahren, das die Mitgliederversammlung im Jahr 2023 beschlossen hat.

Ist der Plural von Fokus wirklich Fokusse?

Ja, sagt der Duden

 

2 Kommentare Kommentar schreiben
  • Gerrit Brüning

    Antworten

    Zunächst großen Dank an die Kolleg*innen, die diesen Prozess angestoßen haben und koordinieren. Ich habe eine Anmerkung zur Unterkategorie „Computergestützte Analyse/Interpretation …“. Für mich entsteht hier der Eindruck, es könnten bestimmte Subfelder der DH privilegiert werden. Vermutlich ist das nicht beabsichtigt. Ich würde aber annehmen, dass es faktisch für einige Subfelder (z.B. CLS) wesentlich leichter ist, sich erfolgreich in dieser Kategorie zu platzieren, als für andere.

    • Nils Reiter

      Antworten

      Vielen Dank für diese Rückmeldung!

      Es ist in der Tat nicht beabsichtigt, bestimmte Subfelder zu privilegieren, und wir haben in einer PK-Sitzung genau darüber auch schon diskutiert.

      Aus unserer Sicht besteht die Gefahr nicht, da nach wie vor für die finale Annahme alle Vorträge gemeinsam betrachtet werden — dazu sind die Kriterien ja auch extra untereinander kompatibel. Das heißt auch, dass es *keine* feste Mindestquote o.ä. für jede Unterkategorie gibt.

      Es ist aber sicher richtig, dass wir das im Blick behalten und ggf. nächstes Jahr überdenken/überarbeiten müssen, wenn diese Unterkategorien ungewünschte Effekte zeigen.

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