Rückblick auf die DHd 2024 aus Studi-Sicht

1 Veröffentlicht von Anastasia Bauch am

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reisekostenstipendiums für die DHd2024 entstanden. Ich möchte mich bei NFDI4Culture an dieser Stelle herzlich dafür bedanken, mir die Teilnahme an der Konferenz zu ermöglichen. Auch möchte ich die tolle Arbeit der Organisator*innen hervorheben und mich dafür bedanken, dass meine Konferenzerfahrung so positiv war und mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Den digitalen Geisteswissenschaften bin ich während der Coronazeit nähergekommen. Nicht dass ich vorher uninteressiert war, aber Studium und Arbeit erst in der Architektur, dann in der Denkmalpflege, haben nur bedingt Zeit zum Ausprobieren gelassen. Da war die forcierte Digitalisierung der Pandemie für mich nicht gänzlich unwillkommen und hat mich schließlich sogar zum zweiten Masterstudium Computing in the Humanities gebracht.

Ein entscheidender Nachteil war dagegen der Wegfall an Austauschmöglichkeiten, die nicht auf die Stabilität meines Internetanschlusses angewiesen waren. Das schließt Konferenzen sowie den zuvor selbstverständlichen Kontakt mit Kommiliton*innen ein. Was es sehr schwer macht, einzuschätzen wie realistisch die eigenen Projektideen (die Masterarbeit steht noch aus) sind. Hier ist das Ziel automatisch Methodiken beider Disziplinen zu vernetzen — statt eine Fragestellung für das eine Fachgebiet zu erarbeiten und dann zu schauen, welche Werkzeuge sich aus der anderen Disziplin dafür verwenden lassen.

Mit dieser Ausgangslage auf einmal mit 500 Leuten, die in der gleichen Doppeldisziplin unterwegs sind, in einer Keynote-Vorlesung zu sitzen, bildete für mich entsprechend ein Kontrastprogramm zu meinen bisherigen Digital Humanities Erfahrungen. Zusammen einem Soziologen zuzuhören, der aufzeigt wie mühsam es ist Datenpunkte so aufzubereiten, dass ihre komplexen Zusammenhänge realistisch untersucht werden können, aber auch, dass es möglich und lohnenswert ist, bildete einen erfreulichen Kontrapunkt zu den alltäglichen Detaildiskussionen um die Datenaufbereitung.

Entsprechend war ich aber auch froh, nicht direkt in diesen Kontrast geworfen worden zu sein, sondern am Dienstag sanft in den kleinen Workshopgruppen anzufangen. Hier hatte ich mit Impresso einen Einblick in den aktuellen Stand der digitalen Gazetteer Plattformen und mit Geovistory in eine Oberfläche, die das Erstellen von Graphdatenbanken zugänglicher macht.

Die Vortragssessions starteten für mich direkt mit dem Fokus Highlight zu Kulturgütern, in dem Franziska Klemsteins Projekt zur vereinheitlichten Sammlung von Denkmallistendaten für mich besonders interessant war. In den übrigen Sessions konnte ich ein wenig freier wählen, da ich hier meist in für mich unbekannte Forschungsfelder schnuppern „musste“. Natürlich ist das eine wunderbare Gelegenheit, wenn man den Karriereweg noch nicht durch längere Forschungsarbeiten abgegrenzt hat, sondern umgekehrt noch auf der Suche nach kombinierbaren Möglichkeiten ist. Neben verschiedenen Anwendungsbeispielen zu Graphdatenbanken, dem Feld mit dem ich mich schon beschäftigt habe, überraschte mich die umfassende Anwendung von ML bis hin zu der Pose-Analyse von Stefanie Schneider. Außerdem war ich sehr erfreut über die Beiträge aus den Gamestudies und wie umfassend hier auch zur Art, wie Spiele konsumiert werden, z.B. über Backseat Gaming, geforscht wird. Dazu passend auch die Abschluss Keynote über Narrative.

Spannend war auch die Fishbowl Diskussion zum Stand der DH und ob sie nun dran arbeiten sich selbst abzuschaffen oder nicht. Mit dem Vorteil des zeitlichen Abstands dazu mein Senf: Einerseits werden immer mehr Geisteswissenschaftler*innen auch mit digitalen Methoden arbeiten, aber das kann man auch ohne die informatischen Hintergründe tiefer zu verstehen. Ich glaube es braucht weiter die Leute, die sich in beiden Fachrichtungen auskennen, um die Brücke zu bilden. Sonst reden die Vertreter*innen beider Disziplinen zwar miteinander, aber Missverstehen sich, weil sie die – nach meiner Erfahrung – doch recht unterschiedlichen, Denkstrategien der anderen Fachrichtung gar nicht kennen.

Für mich ein wenig schade war die wenigen Raumgezogenen Projekte. Dazu sehr interessant Cindy Kröbers Vortrag zu Verknüpfungen und Kontextualisierung durch Annotationen. Das motiviert andererseits auch, mehr mit Karten und räumlich bezogenen Daten zu machen und beim nächsten mal ein entsprechendes Beispielprojekt einzureichen.

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