„Ich hätte in keinem anderen Fach die große Interdisziplinarität meiner Herkunftsfächer behalten können“ – Sarah Langs Weg in die Forschung

1 Veröffentlicht von Max Hebeis am

Eine Karriere in der Wissenschaft? Zu unsicher, zu kompetitiv, denken viele Studierende. Besonders in stark interdisziplinären Fächern wie den Digital Humanities kommt der Zweifel über die eigenen Fähigkeiten hinzu: Kenne ich mich wirklich gut genug in meinen Fachgebieten aus? Und wie komme ich eigentlich in die Forschung? Fragen, die auch mich als Erstsemester der Digital Humanities an der Universität Bamberg umtreiben. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich über Zoom einige Interviews mit Wissenschaftler:innen am Rande der DHd2022 über ihren Weg in die Forschung geführt, die nun hier im DHd-Blog gepostet werden. Die Interviews sind zugleich mein Medienbeitrag als Reisestipendiat der DHd.

Dies ist das fünfte Interview der Reihe und wurde am 14.03.2022 geführt.

 

Wie bist Du bei den Digital Humanities gelandet?

Ich habe angefangen, im Lehramt Latein und Geschichte zu studieren, und bin dann an unterschiedlichen Instituten herumgewandert, weil ich gemerkt habe, dass ich eigentlich nicht unterrichten möchte. Ich war dann an der Religionswissenschaft und an der Philosophie mal studentische Mitarbeiterin. Aber diese Stellen waren meistens so auf ein Jahr befristet oder solange man noch kein abgeschlossenes Studium hatte. Nach dem Master ging es nicht weiter. Und dann habe ich einfach geschaut, welche gratis Zertifikate gibt es denn? Dann habe ich ein Zertifikat zur Informationsmodellierung in den Geisteswissenschaften gefunden. Was mich dann tatsächlich dazu bewogen hat, die DH vor der Philosophie oder der Religionswissenschaft zu bevorzugen: Ich hätte in keinem anderen Fach die große Interdisziplinarität meiner ganzen Herkunftsfächer behalten können. In den DH habe ich die Möglichkeit, mir diese Türen offenzuhalten.

Was gefällt Dir am meisten an der Arbeit in der Forschung? Siehst Du auch Nachteile im Vergleich zur freien Wirtschaft?

In der Wissenschaft ist der Vorteil, dass ich da genau das machen kann, was mich interessiert. Ich kann in der freien Wirtschaft einen Job finden, für den ich mich begeistere und vielleicht schöne Aufgaben bekommen, aber in der Wissenschaft kann ich mir eben selbst definieren, was ich machen will und genau das dann machen. Ich habe sehr viel Gestaltungsfreiraum. Aber natürlich ist das auch nicht immer der Fall in der Forschung. Ich glaube, es kommt drauf an, wie man angestellt ist. Ich zum Beispiel bin an einem DH-Institut, das ist ein traumhaftes Umfeld. An einer geisteswissenschaftlichen Institution stelle ich mir das schwieriger vor, wenn ich die einzige Person bin, die DH macht, weil man dann noch für viele andere Leute Dienstleistungen erbringen muss.

Was fasziniert Dich an Deinem Forschungsgebiet am meisten?

Mein konkretes Forschungsgebiet ist die Wissenschaftsgeschichte, und dort speziell die Alchemieforschung. Das ist eine sehr spannende Epoche und am meisten fasziniert mich daran, wie die Leute früher gedacht haben. Alchemie ist auch sehr schlecht erforscht, weil das bis in die 90er mit Esoterik assoziiert wurde und die Wissenschaft sich deshalb nicht damit beschäftigt hat. Deshalb haben wir da einen riesigen blinden Fleck, an dem es noch viel Forschungsbedarf gibt.

Woran arbeitest Du im Moment oder was ist Dein nächstes Projekt?

Ich habe jetzt nach meiner Dissertation natürlich erstmal viele Altlasten aufzuarbeiten, die auch mit der Entschlüsselung von alchemischen Texten zu tun haben. Für meine Habilitation möchte ich inhaltlich im selben Bereich bleiben, aber mich jetzt vermehrt mit Computer Vision beschäftigen.

 

Sarah Lang hat in Digital Humanities promoviert und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Informationsmodellierung der Karl-Franzens-Universität Graz. Auf der DHd2022 hielt sie den Vortrag „Mithilfe von Machine Reasoning alchemische Decknamen entschlüsseln“.

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