CfP: Romanistentag 2021, Sektion „Digital, global, transdisziplinär: Impulse für eine transdisziplinäre digitale Romanistik“

0 Veröffentlicht von Jan Rohden am

Konzeption der Sektion: AG Digitale Romanistik des Deutschen Romanistenverbandes

Sektionsleitung: Jan Rohden (rohden@maxweberstiftung.de), Nanette Rißler-Pipka (rissler-pipka@sub.uni-goettingen.de), José Calvo Tello (calvotello@sub.uni-goettingen.de)

Globalisierung gilt als eines der zentralen Schlagwörter der letzten Jahrzehnte. Der Begriff bezeichnet die zunehmende überregionale Vernetzung verschiedener Akteure in unterschiedlichen Bereichen, die in den vergangenen Jahren zu einer nie dagewesenen Mobilität von Individuen, Objekten, aber auch Gedankengut geführt hat.
Besonders der zuletzt genannte Aspekt hat wesentlichen Einfluss auf die Schaffung sowie Vermittlung von Wissen und tangiert damit den Kern wissenschaftlicher Forschung. Dass wissenschaftliche Kommunikation seit jeher global orientiert funktioniert, ist vor allem für interdisziplinäre und international ausgerichtete Fächer wie die Romanistik kein neues Phänomen. In den letzten Jahren ist zu der Globalisierung allerdings ein weiterer Prozess hinzugetreten, der nicht nur der wissenschaftlichen Kommunikation, sondern auch im methodologischen Kern der Wissenschaft, eine neue Dynamik verliehen hat: die Digitalisierung.
Die damit einhergehenden Entwicklungen haben in den Geisteswissenschaften insbesondere die Digital Humanities hervorgebracht (Jannidis/Kohle/Rehbein 2017), betreffen aber letztlich alle Bereiche der Forschung:

  • So ermöglichen digitale Daten neue Herangehensweisen, etwa mit digitalen Werkzeugen. Dementsprechend existiert mittlerweile ein breites Spektrum an digitalen Untersuchungsansätzen, das den traditionellen Methodenkanon der verschiedenen Fächer ergänzt (Schöch 2017; Vacano 2020).
  • Digitale Werkzeuge bringen zudem oft Forschungsresultate in digitaler Form hervor, die als „ Forschungsdaten “ betrachtet werden können. Dies wirft einerseits die Frage auf, was unter (geistes)wissenschaftlichen Daten im Einzelnen zu verstehen ist (Schöch 2013). Andererseits stellt sich die Frage nach Anforderungen und Nachnutzungsszenarien von Forschungsdaten (AG Digitale Romanistik 2017; Erben/Grüter/Rohden 2018).
  • Schließlich wird auch die Kommunikation von Forschungsprozessen und -erzeugnissen zunehmend digitaler. Dies beginnt bei kollaborativen Verfahren zur Gestaltung von Forschungsabläufen und mündet in neuartigen Publikationsformaten (DHd-Arbeitsgruppe Digitales Publizieren 2016).

Digitale Ansätze restrukturieren den Wissenschaftsbetrieb und stärken seinen globalen Charakter. Sie können ferner neue Synergien bilden, sowohl zwischen unterschiedlichen Fächern (transdisziplinär), als auch innerhalb der Teildisziplinen eines Faches (intradisziplinär). Für die Romanistik konnten Auswirkungen und Potential der Digitalisierung bereits für unterschiedliche Teildisziplinen aufgezeigt werden. In welcher Weise die Digitalisierung darüber hinaus ein Bindeglied für disziplinübergreifende Forschung romanistischer Prägung bilden kann, hat Thomas Krefeld anhand der Lexikographie herausgearbeitet und dabei zwei wesentliche Leitlinien skizziert: Zum einen gilt es, digitale Daten in strukturierter Form frei und dauerhaft zugänglich zu machen. Zum anderen bedarf es dafür geeigneter technischer Schnittstellen, um den nachhaltigen Datenzugriff und -austausch sicherzustellen (Krefeld 2019).
Zur Umsetzung dieser Leitlinien eignen sich die sogenannten „FAIR“-Prinzipien, die vier Anforderungen an digitale wissenschaftliche Daten definieren: Auffindbarkeit (F indable), Zugänglichkeit (A ccessible), Interoperabilität (I nteroperable) und Wiederverwendbarkeit (R eusable) (Wilkinson/Dumontier/Aalbersberg et al. 2016; Kraft 2017). Dadurch bieten die FAIR-Prinzipien sowohl für die Romanistik als auch darüber hinaus eine fundierte Basis für digitale Forschung und Wissenschaftskommunikation (Krefeld/Lücke 2020).
Zur weiteren Etablierung einer transdisziplinären wissenschaftlichen Forschung romanistischer Prägung im digitalen Raum sind ausgehend von den FAIR-Prinzipien allerdings noch weitere Fragen zu erörtern:

  • Welche Anforderungen an digitale Daten und Werkzeuge stellt ein disziplinübergreifendes digitales Arbeiten in der Romanistik?
  • Welche methodischen Ansätze und Werkzeuge können die Potentiale eines transdisziplinären digitalen Arbeitens entfalten?
  • Welche epistemologischen Folgen haben digitale Daten und Werkzeuge, beispielsweise im Hinblick auf das Konzept der Empirie oder die Verortung quantitativer Ansätze?
  • Welche Auswirkungen hat disziplinübergreifendes digitales Arbeiten auf das (Selbst)Verständnis der Romanistik als Fach?

Die geplante Sektion zielt darauf ab, anknüpfend an die vier aufgeführten Fragen einen ersten Beitrag zur Etablierung einer digitalen transdisziplinären Romanistik zu leisten. Hierfür wird um die Einreichung von Beiträgen mit unter anderem, aber nicht ausschließlich, folgenden Schwerpunkt(en) gebeten:

  • Theoretische Betrachtungen zu digitalen transdisziplinären romanistischen Forschungsansätzen;
  • Beiträge rund um das Thema Forschungsdaten mit Bezug zur Romanistik (etwa Korpora, digitale Editionen, Kataloge, linguistische Annotation, Textsammlungen, Wörterbücher);
  • Beiträge zur Anwendung digitaler Ansätze aus romanistischer Perspektive;
  • Beiträge über frei nachnutzbare Formen digitaler wissenschaftlicher Kommunikation;
  • Beiträge, die digitale Ressourcen mit Blick auf transdisziplinäre Fragestellungen untersuchen;
  • Beiträge aus der digitalen Forschungspraxis, beispielsweise: Computational Literary Studies, digitale Bild-Text-Annotation, digitale Sprachlernforschung, Intertextualität, korpuslinguistische Untersuchungen, Stilometrie.

 

Details zur Einreichung

Abstracts (maximal 500 Wörter zuzüglich selektierter Referenzen) im Word- oder PDF-Format in einer der Vortragssprachen (Französisch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Deutsch, Englisch) werden bis spätestens 29.01.2021 an die SektionsleiterInnen erbeten:

 

Literatur und Quellen

AG Digitale Romanistik (2017): Open Access und Forschungsdaten. Ein Positionspapier der AG Digitale Romanistik. https://zenodo.org/record/3834227.

DHd-Arbeitsgruppe Digitales Publizieren (2016): Working Paper “Digitales Publizieren”. http://diglib.hab.de/ejournals/ed000008/startx.htm.

Erben, Maria/Grüter, Doris/Rohden, Jan (2018): Forschungsdatenmanagement in der Romanistik: Aktuelle Situation und zukünftige Perspektiven. Bonn: Fachinformationsdienst Romanistik. http://hdl.handle.net/20.500.11811/1178.

Jannidis, Fotis/Kohle, Hubertus/Rehbein, Malte (Hg.) (2017): Digital Humanities: eine Einführung. Stuttgart: Metzler.

Kraft, Angelina (2017): Die FAIR Data Prinzipien für Forschungsdaten. In: TIB Blog. https://blogs.tib.eu/wp/tib/2017/09/12/die-fair-data-prinzipien-fuer-forschungsdaten/.

Krefeld, Thomas: Eine neue (digitale) Einheit für ein altes (philologisches) Fach – DromH, Version 10 (04.01.2019, 10:19). In: Korpus im Text, Serie A (8564). http://www.kit.gwi.uni-muenchen.de/?p=8564&v=10

Krefeld, Thomas/Lücke, Stephan (2020): FAIRness: ein contrat social für die Wissenschaftskommunikation im Internet. In: Romanistik-Blog. Das Blog des Fachinformationsdienstes. https://blog.fid-romanistik.de/2020/05/16/fairness-ein-contrat-social-fuer-die-wissenschaftskommunikation-im-internet/.

Schöch, Christof (2013): Big? Smart? Clean? Messy? Data in the Humanities. In: Journal of the Digital Humanities 3, S. 2–13.

Schöch, Christof (2017): Quantitative Analyse. In: Jannidis, Fotis/Kohle, Hubertus/Rehbein, Malte (Hg.): Digital Humanities: eine Einführung. Stuttgart: Metzler. S. 279–298.

Vacano, Johannes von (2020): Tools. In: https://www.fid-romanistik.de/forschungsdaten/suche-nach-forschungsdaten/fid-internetressourcen/tools/.

Wilkinson, M./Dumontier, M./Aalbersberg et al. (2016): The FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship. In: Sci Data 3. https://doi.org/10.1038/sdata.2016.18.

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