Einladung zum virtuellen Digital-Humanities-Kolloquium der BBAW, 3. Juli 2020

0 Veröffentlicht von Christian Thomas am

Am 3. Juli 2020 findet das erste rein virtuelle DH-Kolloquium der BBAW statt, zu dem Marie Flüh (Universität Hamburg) und Mareike Schumacher (ebenfalls Universität Hamburg) ihr Projekt m*w (https://msternchenw.de/) sowie einige der dabei eingesetzten digitalen Methoden für die literaturwissenschaftliche Forschung vorstellen werden. 

Der Vortrag, dessen Abstract unten im Anschluss zu finden ist, wird vorab aufgezeichnet und zu Beginn des Kolloquiums, d.h. am 3. Juli 2020, um 17 Uhr bereitgestellt. Der Link zum Vortrag wird zugleich auf Twitter (@DHBBAW) sowie im Channel „berlin_dhberlin“ auf der Plattform discord (⇒ Einladungslink: https://discord.gg/sw4D5NN) gepostet. Anschließend startet auf beiden Plattformen die Diskussion, zu der wir hiermit alle Interessierten sehr herzlich einladen möchten.

Die Diskussion kann auf beiden Kanälen verfolgt werden, auf Twitter ist das Mitlesen auch ohne Account möglich, während sowohl für Twitter als auch für discord eine Anmeldung erforderlich ist, um aktiv Fragen stellen zu können. [Sollten Einzelne mitdiskutieren wollen, die weder einen Twitter- noch einen discord-Account haben, und sich auf keiner der beiden Plattformen registrieren möchten, können auch Fragen per Mail an dh-kolloquium@bbaw.de geschickt werden. Diese werden von den OrganisatorInnen ausgewählt und dann (ggf. verkürzt) auf Twitter veröffentlicht und von den Referentinnen beantwortet.]

Abstract
Von Nebenbefunden und Methodenadaptionen in den Digital Humanities am Beispiel von m*w

Marie Flüh (Universität Hamburg)
Mareike Schumacher (Universität Hamburg)

Im Projekt m*w untersuchen wir seit Sommer 2019 Genderstereotype und -bewertungen (in Form von Emotionen) in literarischen Texten. Anstelle einer Präsentation der literatur- und kulturwissenschaftlich relevanten Erkenntnisse aus dem Projekt (die Sie hier nachlesen können), setzten wir im Rahmen des Kolloquiums einen methodischen Schwerpunkt und zeigen Perspektiven auf eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Named Entity Recognition und Emotion Analysis.

Im ersten Teil des Vortrags möchten wir interessante Nebenbefunde vorstellen, die aus unseren Bemühungen entstanden sind, ein Named Entity Recognition Tool so zu trainieren, dass es eine möglichst leistungsstarke automatische Annotation von weiblichen, männlichen und neutralen Figurenreferenzen erreicht. Wir möchten zeigen, wie wir dabei “zufällig” zu einer Art Barometer für Texte mit besonders stereotypen Figurenreferenzierungen kamen und auf welche Art und Weise Texte ausfindig gemacht werden können, die ihrer Zeit im Hinblick auf die Darstellung von Gender voraus sind. Dabei wird die Methode der automatischen Figurenerkennung mit einigem Vergnügen gegen den Strich gebürstet. Toolbewertungsverfahren werden zum eigentlichen Hilfsmittel der Analyse und ein Scalable-Reading-Prozess setzt ein.

Im zweiten Teil des Vortrags erläutern wir unterschiedliche Perspektiven auf die digitale Analyse sentimenttragender Textmerkmale in novellistischen Texten. Gerade literarische Texte gelten als hochgradig emotionales Unterfangen, wobei die Kommunikation der Figuren eines der wichtigsten Bestandteile der literarischen Emotionalisierungstechniken darstellt (Anz 2007: 219). Auf welche Art und Weise lassen sich positive und negative Emotionen in Abhängigkeit zum Geschlecht einer Figur also wieder aus literarischen Texten herausfiltern? Wie könnte ein computergestütztes Verfahren aussehen, das sowohl der Spezifik literarischer Texte gerecht wird als auch (halb)automatische Arbeitsschritte beinhaltet, die einer emotionsbezogenen Korpusanalyse mit literaturwissenschaftlichem Erkenntnisinteresse den Weg bereitet?

m*w liegt ein Mixed-Methods-Ansatz zugrunde, der methodische Anleihen bei den Sozialwissenschaften/Informationswissenschaften (Sentiment Analysis), den Literatur- und Kulturwissenschaften und Verfahren, die gegenwärtig zur digitalen Analyse von literarischen Texten in den sog. Computational Literary Studies – also: in der digitalen Literaturwissenschaft – eingesetzt werden, macht.

Und: m*w ist ein Projekt der Freude, des Ausprobierens und der literaturwissenschaftlichen Neugierde. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme, Ihr Feedback und Ihre Sichtweise auf unsere Herangehensweise, die von neuen Sichtweisen nur profitieren kann. Das digitale textanalytische Verfahren sowie methodisch relevante Hintergründe für die Emotionsanalyse in Novellen und die (Fort-)Entwicklung der NER-Domänenadaption stellen wir Ihnen in unserem Vortrag am 3. Juli 2020 (17:00 bis 19:00 Uhr) aufgrund der aktuellen Situation digital und virtuell vor.

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