Aufruf zur Diskussion “Perspektiven wissenschaftsgeleiteter Organisationsformen des Datenmanagements für die Geisteswissenschaften” (Panel AG Datenzentren DHd 2019)

1 Veröffentlicht von Ulrike Wuttke am

Sehr geehrte Damen und Herren,

die AG Datenzentren des DHd Verbands wird während der DHd 2019 ein Panel zum Thema  “Wie es Euch gefällt? Perspektiven wissenschaftsgeleiteter Organisationsformen des Datenmanagements für die Geisteswissenschaften” durchführen (Link zum Preprint des Abstracts: http://doi.org/10.5281/zenodo.2538290). Den Hintergrund des Panels bildet der NFDI-Prozess und die Frage nach wissenschaftsgeleiteten Organisationsformen des Datenmanagements aus der Sicht der Praxis und unter besonderer Berücksichtigung der Digital Humanities.

Wir würden uns freuen, wenn es uns gelänge, schon im Vorfeld des Panels eine offene Diskussion anzustoßen, um das Stimmungsbild der Community in die Paneldiskussion sowie eine im Nachgang geplante Dokumentation einfließen zu lassen.

Als Leitfragen für das Panel haben wir folgende Fragen formuliert:

  • Welche Rollen spielen disziplinäre Grenzen und disziplinspezifische Fragestellungen für die Etablierung einer Forschungsdatenkultur und ihre Organisationsform in den Geistes- und Kulturwissenschaften?
  • Welche Auswirkungen hat die jeweilige Organisationsform des Datenmanagements auf multimediale, interdisziplinäre Forschungsprojekte? Welche besonderen Herausforderungen und Bedarfe stellen sich hier?
  • Wie können wir sicherstellen, dass auch kleinere Fachdisziplinen beteiligt und ihre Bedarfe adressiert werden?
  • Wie erreichen wir, dass wir uns nicht zu weit vom Forschungsalltag der Wissenschaftler*innen entfernen?
  • Wo sind spezifische Angebote notwendig, wo reichen generische Dienste?
  • Was können wir von anderen Disziplinen lernen, in denen sich schon eine gemeinsame Forschungsdatenkultur etabliert hat?

Wir werden die im Vorfeld eingegangen Meinungen einsammeln und auswerten und im Rahmen des Panels als wichtige Tendenzen kurz vorstellen.

Wir laden Sie daher herzlich ein, uns Ihre Gedanken und Anregungen zu diesem Fragenkomplex mitzuteilen, indem Sie diesen Beitrag kommentieren oder via E-Mail an ulrike.wuttke ( at ) gmx.net.

Bitte teilen Sie uns kurz mit aus welcher Perspektive Sie Stellung beziehen, zum Beispiel als Fachwissenschaftler*in (welches Fach), Vertreter*in eines Datenzentrums/Infrastruktur etc., zu welcher der Leitfragen Sie Stellung beziehen möchten oder ob Sie eine neue Leitfrage formulieren möchten. Die Ergebnisse werden anonymisiert.

Wir freuen uns auf eine angeregte Diskussion, sowohl online als auch bei der DHd 2019 in Mainz und Frankfurt am Main!

Bitte leiten Sie diesen Aufruf auch gerne an relevante Fachverbände, Netzwerke und interessierte Kolleginnen und Kollegen weiter.

Mit freundlichen Grüßen im Namen des Organisationskomitees des Panels der AG Datenzentren

 

Ulrike Wuttke, Patrick Helling und Jonathan Blumtritt

PS: Gerne weisen wir Sie auf in diesem Zusammenhang stehende Publikationen der AG Datenzentren hin, die Sie auf der AG Webseite (https://dhd-ag-datenzentren.github.io/) finden, insbesondere auf den in Vorbereitung auf den dritten NFDI Workshop der Reihe “Wissenschaftsgeleitete Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Kulturwissenschaften in Deutschland” vorgelegten Vorschlag der AG Datenzentren zur Bildung und Strukturierung eines geisteswissenschaftlichen NFDI-Konsortiums.

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  • Frederik Elwert

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    Einige der Leitfragen adressieren die Rolle disziplinärer Grenzen, von Interdisziplinarität und kleinen Fächern. Ich möchte daher gerne ein paar Überlegungen aus Perspektive der Religionswissenschaft als (vergleichsweise) kleinem Fach äußern.

    Die Religionswissenschaft hat ein primär inhaltliches Interesse (an „Religion“ als Gegenstand oder seiner Konstitution). Sie definiert sich nicht in besonderem Maße über ihr Material, was sie (vereinfachend gesprochen) von anderen Disziplinen wie Literaturwissenschaft oder Kunstgeschichte unterscheidet. Damit ist sie selbst multimedial (sie untersucht Texte, Bilder, Objekte, Interviews, Beobachtungen, Statistiken) und oft interdisziplinär (sozialwissenschaftlich, philologisch, [kunst-]historisch).

    Mit Blick auf das Forschungsdatenmanagement stellen sich daher einige Herausforderungen:

    1. Die Religionswissenschaft ist selbst eher klein, insbesondere aber auch keine große Datenproduzentin, sondern eher Datennutzerin. Sie wird daher kaum eigene Datenmanagementstrukturen aufbauen, sondern die anderer datenproduzierender Disziplinen nutzen.
    2. In dem Maße, wie sich Forschungsdateninfrastrukturen materialspezifisch ausdifferenzieren (Text-Daten, Bild- und Tondaten, Survey-Daten), werden die Datenbestände, auf die die Religionswissenschaft zurückgreift, in u.U. heterogenen Datenmanagementstrukturen verwaltet.
    3. Das ist unproblematisch, solange man von geteilten Basis-(Meta-)Datenbeständen ausgeht, bei denen sich ein religionswissenschaftlicher Zugriff nicht von einem philologischen oder geschichtswissenschaftlichen unterscheidet. Es wird aber relevant, wenn stärker inhaltsorientierte, interpretative Meta- und Sekundärdaten Teil der Datenbestände werden. Beispielsweise wird sich eine religionswissenschaftliche Erschließung buddhistischer Kunst von einer kunstwissenschaftlichen unterscheiden, indem sie z.B. stärker motivische Parallelen in der textlichen buddhistischen Überlieferung herausstellt.
    4. Dies zeigt gleichzeitig Grenzen in einem stark faktenorientierten Zugang zu Metadaten auf, der sich etwa in Bestrebungen zu harmonisierten Beschreibungsvokabularen äußert. Disziplinen wie die Religionswissenschaft müssen ebenso partikulare und konkurrierende Interpretationen ihrer Gegenstände ausdrücken können.

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