Vorstellung der DARIAH DH-Award-PreisträgerInnen 2018: quoteSalute

0 Veröffentlicht von Leonard Wolf am

Mit einem DARIAH-DE DH-Award wurde dieses Jahr die Gruppe quoteSalute ausgezeichnet. Der DARIAH-DE DH-AWARD fördert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ansätze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir PreisträgerInnen und Projekte in den nächsten Wochen vor.

Foto: Dennis Aquila Beckmann

Worum geht es in Ihrem Projekt?

quoteSalute aggregiert Grußformeln aus verschiedenen frei verfügbaren digitalen Briefeditionen und stellt diese über eine Webseite bereit, von wo aus sie per Knopfdruck in eine E-Mail kopiert werden können. So können inspirierende Grußformeln von historisch interessanten Persönlichkeiten, wie zum Beispiel von Alexander von Humboldt, Fanny Lewald und Jean Paul, ganz einfach für die eigene Korrespondenz genutzt werden. Mit quoteSalutewird daher die editorische Arbeit an digitalen Briefeditionen über den wissenschaftlichen Diskurs hinaus spielerisch in den Alltagskontext des E-Mail-Schreibens integrierbar. Damit wollen wir auch die öffentliche Präsenz von digitalen Briefeditionen fördern. Außerdem möchten wir interessierte Editionsvorhaben dazu einladen, selbst Datensätze für quoteSalute beizusteuern. Daten, Code und Dokumentation stehen über ein GitHub-Repositorium unter freien Lizenzen bereit.

Mit welchen Materialien und Daten arbeiten Sie?

Wir arbeiten mit einem Korpus aus Grußformeln, die aus TEI-XML‑kodierten digitalen Briefeditionen extrahiert wurden. Dieses Korpus wird in einem manuellen Kuratierungsprozess von unpassenden Inhalten bereinigt und mit semantischer Information angereichert, sodass eine spätere Filterung in der Webanwendung nach beispielsweise Geschlecht von Empfänger*in und Absender*in, oder die Unterscheidung zwischen formell bzw. informell formulierten Grußformeln, ermöglicht wird.

Gibt es Methoden, Theorien und Tools, welche für diese Aufgabe besonders interessant sind?

Voraussetzung  für die Realisierung des Projektes ist zum einen, dass digitalen Briefeditionen ihre Daten unter freien Lizenzen zur Verfügung stellen. Zum anderen müssen diese Daten für den Extraktionsprozess der Grußformeln in TEI-XML kodiert sein, und zwar mit den in der TEI vorgesehenen briefspezifischen Elementen <salute> und/oder <closer>.  Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, können wir Briefe aus verschiedenen Editionen beziehen und die Grußformeln einheitlich und automatisiert extrahieren.

Aus rein technischer Perspektive war außerdem bei der  Programmierung der Website die Verwendung des Frontend-Frameworks vue.js besonders hilfreich, da dadurch das dynamisch Laden von Inhalten ermöglicht wird, ohne dass die gesamte Seite neu geladen werden muss.

Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu beschäftigen?

Wir alle drei sind studentische Hilfskräfte bei der TELOTA-Initiative an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und haben ganz unterschiedliche Zugänge zu den DH. Lou studiert europäische Ethnologie und entdeckte ihr Interesse für digitale Geisteswissenschaften über einen Kurs zu Webentwicklung an der Universität. Als studentische Hilfskraft im Projekt “Jean Paul – Sämtliche Briefe digital” vertiefte sie dieses Interesse und entdeckte bei der Arbeit mit der Korrespondenz, dass historische Grußformeln eine Bereicherung für heutige Kommunikation darstellen könnten. Luisa und Marvin studieren Medieninformatik und haben daher bereits technische Fertigkeiten während des Studiums erworben, die sie nun bei der TELOTA-Initiative einbringen.

Welche Angebote der digitalen Geisteswissenschaften fänden Sie für Ihre Forschungsprojekte in Zukunft besonders hilfreich?

Grundsätzlich würden wir uns wünschen, dass noch mehr digitale Briefeditionen neben dem freien Zugang zur Web-Edition, auch Zugang zu den Daten bieten und sie mit freien Lizenzen versehen. Derzeit gibt es sehr viele Briefeditionen im WWW, nur wenige stellen jedoch die zugrunde liegenden Daten zur Verfügung. Für die Zukunft wünschen wir uns also, dass sich die Mit-Veröffentlichung von Daten als best-practice im Feld der digitalen Briefeditionen etabliert, damit wir den Datenbestand von quoteSalute kontinuierlich erweitern können.

 

Lou Klappenbach studiert Europäische Ethnologie (M.A.) an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bei TELOTA arbeitet sie als studentische Hilfskraft seit Januar 2017, vorrangig im Bereich Datenmodellierung und Webentwicklung.

Marvin Kullick studiert seit 2014 Medieninformatik (B.Sc.) an der Beuth-Hochschule für Technik. Seit Mitte Januar arbeitet er bei TELOTA als studentische Hilfskraft, vorrangig im Bereich Wartung und Webentwicklung.

Luisa Philippstudiert seit 2014 Medieninformatik (B.Sc.) an der Beuth-Hochschule für Technik. Sie schloss 2017 ein dreimonatiges Praktikum bei TELOTA ab und arbeitet dort seit Januar 2018 als studentische Hilfskraft vorrangig im Bereich Webentwicklung.

Weitere Informationen:


DARIAH-DE unterstützt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre. Dafür baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur für Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien für Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europäischen Partnern und Projektverbündeten zusammen.

Allgemein   

Kommentar schreiben