Zur Professoralisierung der Digital Humanities

12 Veröffentlicht von Patrick Sahle am

Als „gelernter Historiker“ kann ich nicht anders, als die Entwicklung der Digital Humanities auch in ihrer Genese zu betrachten. DH als Forschungsfeld und als eigenständige akademische Disziplin formiert sich über die Stabilisierung von Institutionen (DH-Zentren, Datenzentren, Abteilungen für digitale Forschung) und Strukturen an den Hochschulen. Dazu gehören dann vor allem auch Lehrstühle, die dem Bereich der DH mehr oder weniger eindeutig zuzurechnen sind. Die folgende Tabelle ist der Versuch, einen Überblick über die Ausschreibungen von Professuren in den DH im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren zu geben.

Jahr Ort Stufe Denomination Zuordnung Ergebnis
46 2017 Graz Laufbahn-professur* [2] Digital Humanities mit Schwerpunkt Museologie Zentrum für Informationsmodellierung / ACDH offen
45 2017 Erlangen-
Nürnberg
W3 Korpus- und Computerlinguistik [1] Department Germanistik und Komparatistik offen
44 2017 Erlangen-
Nürnberg
W1* Digital Humanities mit Schwerpunkt Kunstgeschichte Institut für Kunstgeschichte offen
43 2017 Potsdam W3 Foundations of Computational Linguistics Humanwissenschaftliche Fakultät offen
42 2016 Wuppertal W3 Digital Humanities (Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung) Historisches Seminar offen
41 2016 Halle W1 eHumanities Institut für Informatik offen
40 2016 Stuttgart W3 Digitale Phonetik Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung offen
39 2016 Aachen W3 Methodology and Theory of Computer-based Humanities and Social Sciences Center of Interdisciplinary Science and Technology Studies Strohmaier
38 2016 Paderborn W3 Digitale Kulturwissenschaften Fakultät für Kulturwissenschaften offen
37 2016 Bamberg W1* Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte offen
36 2016 Trier W3 Digital Humanities Fach Computerlinguistik / Digital Humanities offen
35 2016 Potsdam W2*° Digital Humanities FH Potsdam, Fachbereich […] Informationswissenschaften offen
34 2015 Mainz W2* Digital Humanities FH Mainz, Fachbereich Technik, Geoinformatik Schrade
33 2015 Wien A1 Digital Humanities Historisch-kulturwissenschaftliche Fakultät Andrews
32 2015 Paderborn W2 Musicology/Digital Music Edition/Digital Humanities Institute for Musicology Münzmay
31 2015 Graz A1* Digital Humanities Zentrum für Informationsmodellierung Vogeler
30 2015 Darmstadt W3 German Linguistics – Corpus and Computational Linguistics Institute of Linguistics and Literary Studies Müller
29 2015 Darmstadt W2 Modern German Literature – Digital Literary Studies Institute of Linguistics and Literary Studies Weitin
28 2015 Leipzig W1* Text Mining Institut für Informatik Potthast
27 2015 Köln W2 Digital Humanities / Sprachliche Informationsverarbeitung (Computerlinguistik) Institut für Digital Humanities Witt
26 2015 Köln W2 Digital Humanities / Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung Institut für Digital Humanities Eide
25 2014 Stuttgart W1* Computerlinguistik Institut für Maschinelle Sprachverarbeitung Thang Vu
24 2014 Stuttgart W3 Digital Humanities Institut für Literaturwissenschaft Viehhauser
23 2014 Göttingen W3 Digital Humanities Fakultät für Mathematik und Informatik Sporleder
22 2014 Basel open Digital Humanities Philosophische Fakultät, DHLab
21 2014 Leipzig W1* Computational Philology Fakultät für Mathematik und Informatik
20 2013 Heidelberg W3 Computerlinguistik Institut für Computerlinguistik Markert
19 2013 Köln W1* Digital Humanities Cologne Center for eHumanities Mathiak
18 2013 Köln W2 Archäoinformatik Archäologisches Institut Paliou
17 2013 Darmstadt W3 Linguistics with a focus on corpus and computational linguistics Institute of Linguistics and Literary Studies
16 2013 Darmstadt W2 Literary Studies and Cultural Studies with a focus on Digital Literary Studies / Digital Cultural Studies Institute of Linguistics and Literary Studies
15 2012 Leipzig W3 Digital Humanities Fakultät für Mathematik und Informatik Crane
14 2012 Bern AssProf* Digital Humanities Philosophisch-Historische Fakultät Andrews
13 2012 Passau W3 Digital Humanities Philosophische Fakultät Rehbein
12 2012 Luxemburg open Digital History Faculty of Language and Literature, Laboratoire d’Histoire Fickers
11 2012 Göttingen W1 Klassische Archäologie und ihre digitale Methodik Archäologisches Institut Langner
10 2011 Frankfurt W1* Angewandte Computerlinguistik Institut für Informatik Chiarcos
9 2011 Trier W2 Digital Humanities Fachbereich Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften Sporleder
8 2010 Darmstadt W1* Language Technologies Fachbereich Informatik Biemann
7 2010 Leipzig W3 Computational Humanities Fakultät für Mathematik und Informatik
6 2009 Bamberg W1 Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie (IVGA) Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte Lambers
5 2009 Darmstadt W3 Germanistische Computerphilologie bzw. Humanities Computing Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft Rapp
4 2009 Bielefeld W2 Computational Linguistics Faculty of Linguistics and Literary Studies Schlangen
3 2008 Frankfurt W2 Text Technology & Computational Linguistics Mehler
2 2008 Würzburg W3 Computerphilologie Institut für deutsche Philologie Jannidis
1 2008 Berlin (FU) W1 Archäoinformatik Institut für klassische Archäologie Polla

Zum Verständnis. Das Jahr meint die Bewerbungsfrist der Ausschreibung. Die Zuordnung bezieht sich in der Regel auf den Ausschreibungstext. Die Zuordnung ist in den Ausschreibungen manchmal offen und wird dann erst bei Besetzung konkretisiert. Das * an der Stufe bedeutet „befristet“, das ° bedeutet „nebenberufliche Professur“.

Auswahl. Die Auswahl der Ausschreibungen folgt meinem Konzept eines drei-Sphären-Modells. Die DH bestehen danach (1.) aus DH als einer eigenständigen Disziplin und (2.) aus DH als Summe spezialisierter Teilbereiche  – dabei wären die digital transformierten traditionellen Disziplinen alle unter dem Dach einer breiten DH versammelt: Computerlinguistik, Computerphilologie, Archäoinformatik, Digital History usw. usf. Die dritte Sphäre betrifft die Anwendung von DH in den bestehenden Fächern.

Vollständigkeit. Falls etwas fehlen sollte, bitte ich um Hinweise. Verschiedene Ausschreibungen habe ich bewusst nicht aufgenommen, wenn sie mir z.B. von ihrem Selbstverständnis her weder zu den Digital Humanities im engeren noch im weiteren Sinne zu gehören schienen. Das betrifft z.B. einige Ausschreibungen in den Informations- oder Bibliothekswissenschaften.

Quellen. Wo möglich, sind Links zu den Ausschreibungen hinterlegt. News und Ausschreibungen auf Universitätswebseiten gehören allerdings zu den besonders fragilen digitalen Objekten. Ich würde mir wünschen, dass mehr Kollegen ihre Institutionen darauf hinweisen, dass Archivierung / dauerhafte Vorhaltung und stabile Adressierung in diesem Bereich wünschenswert und nicht schwer einzurichten sind.

Aussagekraft. Die gegebenen Informationen zu den einzelnen Ausschreibungen sind nicht gut vergleichbar. Hinter jeder Ausschreibung steckt eine eigene Geschichte und weitere Rahmenparameter. Erst damit (und mit den vollständigen Ausschreibungstexten) lassen sich die hier aus den Ausschreibungen entnommenen Angaben richtig lesen. Dies betrifft z.B. die mit den Ausschreibungen intendierte Ausrichtung und strategische Zielstellung. Für die Entwicklung des Feldes ist es u.a. besonders interessant, ob mit einer Stelle die Digital Humanities in ihrer ganzen Breite abgedeckt und als interdisziplinäres Strukturelement einer Hochschule aufgebaut werden sollen – oder ob es um ein eher spezialisierter, fachbezogener Fokus gewählt wird.  Dabei muss man dann auch genauer sehen, was sich jeweils hinter den ausgeschriebenen Denominationen verbirgt: so erscheint z.B. die rezente Ausschreibung einer „Digital Humanities Professur“ in Mainz in etwas anderem Licht. Wenn man hier bedenkt, dass sie an einer Fachhochschule am Fachbereich Technik, Fachrichtung Geoinformatik und Vermessung angesiedelt ist, kann man sich schon fragen, welche Bedeutung der Begriff „Humanities“ hier hat. Die Stelle ist zudem mit einem laufenden Forschungsprojekt verbunden und auf fünf Jahre befristet – soll aber am Aufbau einer hochschulübergreifenden DH-Struktur mitwirken.
Auf der anderen Seite lässt sich auch das genau entgegengesetzte Phänomen beobachten: Die Aachener Professur für „Methodology and Theory of Computer-based Humanities and Social Sciences“ liefert als Selbstbeschreibung eine ungewöhnlich präzise und zugleich umfassende Definition der Digital Humanities, der Begriff selbst wird aber in der gesamten Ausschreibung vermieden: „the position will address fundamental methodological aspects of conceptualising and applying electronic procedures in the humanities and social sciences. Key responsibilities will be the work with computer-based methods for acquisition, analysis and interpretation of highly complex data from cultural artefacts, and the critical reflection on their potentials and limitations, encompassing hermeneutical, qualitative and quantitative methodological traditions“

Will man nicht nach „Ausschreibungen in Digital Humanities“ fragen, sondern nach tatsächlichen „DH-Professuren“, dann müsste man noch weitere Entwicklunsgtendenzen berücksichtigen. Erstens können sich Lehrstühle ohne DH Denomination zu de facto DH-Lehrstühlen entwickeln. Zweitens können Lehrstühle, die noch mit einem Hinweis auf DH ausgeschrieben waren in der Praxis ohne einen solchen Bezug ausgefüllt werden. Und drittens gibt es auch außerplanmäßige DH-Professuren, die bei einer Liste der Ausschreibungen nicht auftauchen.

Zurück zu den empirischen Zahlen. Die zeitliche Entwicklung scheint eindeutig:

DH-Ausschreibungen

Nach meiner Interpretation ergibt sich außerdem grundsätzlich die folgende Verteilung auf verschiedene Fachbereiche …

pie-Ausrichtung

[Bemerkung: Stand der Grafik 8.2.2017]

Die Zuordnung nach Fachbereichen ist nicht einfach: Häufig steckt hinter einer allgemeinen Ausschreibung (Digital Humanities) doch eine Ausrichtung auf bestimmte Gegenstände oder geisteswissenschaftliche Fächer. Diese Fokussierung kann sich auch aus der Ansiedlung an einer bestimmten Abteilung ergeben. In der Tortengrafik sind einige Ausschreibungen den allgemeinen, übergreifenden DH zugerechnet, auch wenn hier eigentlich eine linguistische oder philologische Ausrichtung gemeint war. Insofern ist die Dominanz dieses Gegenstandsbereiches eigentlich noch größer als es nach der Grafik scheint. Die Gruppe „andere Fachbereiche“ umfasst die Archäoinformatik (5 Ausschreibungen) sowie historische und kunsthistorische Schwerpunktsetzungen.

Erste Interpretationen. Das Feld ist offensichtlich äußerst heterogen. Die Bezeichnungen der Professuren lassen überhaupt nur bei einer entsprechend weiten Definition eine Zusammenführung als „DH“ zu. Auch die Zuordnung der Stellen zu verschiedenen Fächern, ja verschiedenen Fakultäten und ihre Aufhängung auf verschiedenen Ebenen (Institut vs. Fakultät) spricht eigentlich dagegen, dass man es hier mit einer Disziplin zu tun hat. Auf der anderen Seite ist es ja nicht ungewöhnlich, dass innerhalb einer Disziplin verschiedene Spezialisierungen anzutreffen sind.

Akzeptiert man aber die durch eine weite Definition begründete Zusammenstellung, dann wirkt die Liste mit 44 Einträgen auf den ersten Blick überraschend lang. Wenn man nun aber bedenkt, dass …

  • von den 33 abgeschlossenen Verfahren 6 zu keiner Besetzung geführt haben
  • 16 Ausschreibungen Juniorprofessuren, Assistenzprofessuren, nebenberufliche oder befristete Anstellungen betreffen
  • mindestens 27 Ausschreibungen nur mehr oder weniger spezielle Teilbereiche der DH betreffen
  • mindestens weitere 5 der „Digital Humanities“ betitelten Ausschreibungen de facto auf bestimmte Teilfachbereiche zielten
  • alleine 3 der zuletzt ausgeschriebenen Professuren befristet sind

… dann kann man sich fragen, an welchen Standorten überhaupt eine Strategie erkennbar ist, um die DH als fachübergreifende Disziplin und als Fakultätsweites Strukturelement nachhaltig zu etablieren. Davon bleibt dann nur noch eine handvoll übrig.

Wie lesen andere die hier zusammengetragenen Daten?

Anmerkungen

Dieser Beitrag steht in Zusammenhang mit einem Artikel für „Akademie Aktuell“ 56 (2016, Heft 1) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Jener hatte am 14.1.2016 Redaktionsschluss. Die Tabelle hier ist danach noch aktualisiert worden. Gedruckter Beitrag und Blogbeitrag müssen deshalb nicht nur von den enthaltenen Daten her, sondern auch hinsichtlich der davon abhängenden Deutungen auseinanderlaufen.
Nachträge und Korrekturen: 13.2.2016: Professur an der FH Potsdam; 4.3.2016: Professur in Trier; 3.4.2016: Korrektur von Eintrag #13, W1-Professur Archäoinformatik Bamberg; 4.4.2016: Archäoinformatik in Leiden; 21.4.2016: Professur in Aachen (hier ist die Zuordnung wieder sehr schwierig. Von der Beschreibung her klingt es sehr nach DH, der Begriff selbst kommt aber nicht vor. Es ist deshalb unklar, was mit der Ausschreibung intendiert ist und ob die Stelle in der Entwicklung der DH eine Rolle spielen wird); 17.05.2016: Professur in Paderborn.

Wenn man den Blick leicht über den deutschsprachigen Raum hinaus schweifen lässt, dann wären z.B. für die Niederlande zwei Assistant-Professorships in Leiden (2016), eine Archäoinformatik-Stelle in Leiden (2014), ein Assistant Professorship in Utrecht (2016) und ein Assistant Professorship in Digital Humanities and Information Cultures in Amsterdam zu berücksichtigen.

[1] Diese Ausschreibung ist historiografisch sehr schwer zu fassen. Sie ist – soweit mir bekannt – nur an der FAU selbst und auf http://www.duz-wissenschaftskarriere.de veröffentlicht worden. In beiden Fällen auf dynamischen Seiten, die erfahrungsgemäß nicht lange abrufbar bleiben und die auch vom Internet Archive nicht gut archiviert werden können. Als Fallback füge ich hier einen screenshot ein.

Ausschreibung W3 Korpuslinguistik FAU 2017

Ausschreibung W3 Korpuslinguistik FAU 2017

[2] Laufbahnprofessur: „Die Besetzung erfolgt zunächst befristet auf 6 Jahre als Assistenzprofessor/in mit Qualifizierungsvereinbarung. Karriereziel ist die Überleitung in ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit als Assoziierte/r Professor/in“

10 Kommentare Kommentar schreiben
  • Charlotte Schubert

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    Lieber Herr Sahle, vielen Dank für diese sehr hilfreiche Zusammenstellung! Natürlich kann man eine solche Übersicht aus ganz verschiedenen Blickwinkeln heraus lesen – und ich würde, etwas anders als ich es aus Ihrer leicht skeptischen Bewertung meine herauslesen zu können, die Entwicklung als ausgesprochen positiv und ermutigend ansehen. M.E. ist es ein gutes Zeichen, daß verschiedene Fächer sich auf die DH einlassen und – angesichts von verbreitetem Sparirrsinn – in ihren Bereichen kostbare Stellen bereitstellen oder sogar neu schaffen, um die neuen Entwicklungen in ihre Fachkulturen zu integrieren. Gerade auch, daß einige dieser Stellen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt sind, ist m.E. ein Zeichen dafür, daß sich die zwei Kulturen nicht nur in der Theorie, sondern endlich auch in der Praxis aufeinander zubewegen und wenn die DH dazu einen – vielleicht sogar entscheidenden – Beitrag leisten, dann umso besser!
    Ihre Frage nach einer einheitlichen Strategie zielt wohl auf die Grundsatzfrage ab, die auch hier schon mehrfach diskutiert wurde: Sind die DH als ein eigentständiges Fach zu verstehen oder sind sie wie die traditionellen Hilfs- bzw. Grundwissenschaften ein subsidiärer Bestandteil anderer Fachkulturen? Meine Position – ebenfalls als „gelernte Historikerin“ – dürfte hinlänglich bekannt sein, ich sehe die DH als einen neuen und wichtigen Bestandteil unserer Fächer an und insofern fällt es mir auch leicht, hier die angesprochenen, positiven Seiten der Entwicklung zu sehen. Die Bedeutung der DH kann (und wird hoffentlich) darin liegen, daß sie ein Motor für die Brücke zu den Naturwissenschaften sind (s.o.) und somit auch zur methodischen Weiterentwicklung derjenigen Fächer beitragen werden, die sich auf die DH einlassen. Wenn man sich ansieht, mit welchem Aufwand und welcher Intensität z.B. ein Fach wie Geschichte über seinen Fachverband, den Historikerverband, sich dieser Frage der Weiterentwicklung durch und mit den DH widmet (Einrichtung der AG Digitale Geschichtswissenschaften, Einrichtung eines Unterausschusses – in beiden wirken Sie bekanntlich auch mit), dann ist das sehr wohl als strategische Positionierung zu erkennen. Aufgabe der universitären Strategieplanungen wäre es m.E., sich daran zu orientieren!
    Nochmals aber Dank für diesen Anstoß, hoffentlich hat er eine breite Resonanz!
    Charlotte Schubert

  • Hubert Mara

    Antworten

    Lieber Patrick,

    Vielen Dank für die anschauliche Auflistung, die eine durchwegs positive Entwicklung aufzeigt. #16 und #9 Archäoinformatik (AI) in Köln und Göttingen sind interessant – gerade im Bezug zu Deinen Gedanken im Abschnitt Aussagekraft. Es ist schön, dass die AI in Köln den DH zugeordnet wird und Du die #9 ebenfalls mit aufgenommen hast. Mich würde daher an der Stelle interessieren, ob man dann die AI Professuren in zB Bamberg, Kiel, Leiden, die Spatial Humanities in Tübingen oder das Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie (LBI ArchPro) in Wien nicht ebenfalls in die Liste mitaufnehmen müsste. Das wären dann merkbar mehr Stellen, die gleichzeitig andere Wurzeln haben als die Professuren aus der Historik bzw. (Computer)Linguistik.

    Mit besten Grüßen,

    Hubert (Mara)

    PS: In Heidelberg findet man DH mittlerweile ebenfalls in Ausschreibungen wieder: https://www.academics.de/jobs/professur_w3_fuer_buddhist_studies_124701.html
    PPS Bezüglich Leipzig: Die Humboldt-Professur in #13 wurde doch besetzt? http://dhd-blog.org/?p=419

    • Patrick Sahle

      Antworten

      Lieber Hubert,

      vielen Dank für die wertvollen Anmerkungen!
      #13 habe ich entsprechend korrigiert. Da hatte ich in der Tat übersehen, dass es die Humboldt-Professur war, die dann von Greg Crane besetzt worden ist.
      Der Hinweis auf die Archäoinformatik lenkt den Blick auf ein schwieriges Feld. Einerseits ist die Archäoinformatik als Digital Humanities IN einem etablierten Fach Teil der DH insgesamt, andererseits bleibt sie aber meistens auch sehr stark IN dem Fach und führt kaum zu einem fachübergreifenden Verständnis von DH. Aber wenn man hier die Computerlinguistik aufnimmt, müsste man konsequenterweise auch Archäoinformatik aufnehmen. Ich habe das für die Informationsverarbeitung in der Geoarchäologie Bamberg jetzt mal gemacht, konnte aber die Stellenausschreibung von 2009 oder 2010 (?) nicht finden. Dabei ist die Stellenausschreibung für die Liste essentiell: nur wenn da drin steht, dass es um DH (im weiten Sinne) geht, nehme ich es in die Liste auf. Bei diesem Blog-Post geht es ausschließlich um Professuren, deshalb habe ich Kiel nicht aufgenommen – übersehe ich da eine Professur? Das Gleiche gilt für Tübingen und Wien: ich bräuchte da die Ausschreibung einer Professur.
      Die Ausschreibung der Professur für Buddhist Studies in Heidelberg verweist auf ein interessantes Phänomen: immer häufiger wird DH als erwünschte Zusatzqualifikation angegeben. Diese Kategorie von Ausschreibungen „mit DH-Bezug“ nehme ich in dieser Tabelle aber nicht auf.

  • Andrea Rapp

    Antworten

    Lieber Patrick,

    ganz herzlichen Dank für die Aufstellung und Auswertung! Ein paar punktuelle Gedanken dazu: Ich würde die Entwicklung zunächst auch einmal sehr positiv werten – hier hat sich in wenigen Jahren doch sehr viel getan. Meines Erachtens nach gehört es auch zu einer allgemeinen Digital Humanities-Strategie, die DH im Kern der Fächer zu verankern (wie z.B. im Darmstädter Modell), das muss einander nicht widersprechen.
    Die Datenbasis müsste glaube ich auch noch etwas erweitert und bereinigt werden, da nicht alle aus denselben Kategorien stammen. Die Nr. 14 entspricht bspw. der Nr. 27, die 15 der 28 (es sind jeweils dieselben Professuren), in der zweiten Ausschreibungsrunde wurden im Übrigen beide Professuren mittlerweile besetzt bzw. der Ruf angenommen. Bei der Nr. 34 handelt es sich um die neue Ausschreibung der mittlerweile vakanten Nr. 7, auch hier geht es also eigentlich um eine Professur, nicht um zwei. Es wäre in jedem Fall interessant, das Feld weiterzuverfolgen! Herzliche Grüße nach Köln
    Andrea

    • Patrick Sahle

      Antworten

      Liebe Andrea,

      Danke für die Hinweise! Die Tabelle bildet strikt „Ausschreibungen“ ab, nicht Professuren. Deshalb tauchen Ausschreibungen „zweiter Runde“, „erneuter Anläufe“ und wieder vakant gewordene Stellen erneut auf.
      Eine Ist-Aufnahme von bestehenden Professuren wäre ein anderer Ansatz. Da würde man dann auch de-facto-DH-Professuren (also Stellen, die anders ausgeschrieben waren, sich aber in diese Richtung entwickelt haben) oder außerplanmäßige Professuren berücksichtigen.

    • Patrick Sahle

      Antworten

      … für die #28 würde ich dann gerne noch einen Namen nachtragen …

  • Michael Piotrowski

    Antworten

    Hallo Patrick,

    vielen dank für den post – ich hatte neulich überlegt, mal meine eigene tabelle auszuwerten, das hast du mir damit abgenommen 😉

    Zu ergänzen wäre noch die jetzt ausgeschriebene W3 für Digitale Kulturwissenschaften in Paderborn.

    Zwei anmerkungen zur #32:

    1. Es ist eine halbe stelle.
    2. Es stimmt, wenn du bzgl. dieser stelle schreibst, man müsse »genauer sehen, was sich jeweils hinter den ausgeschriebenen Denominationen verbirgt«. Ich habe mit dieser stelle nichts zu tun, kenne aber den mainzer kontext. Und dann ist das alles halb so wild. »Geoinformatik und Vermessung« mag zunächst seltsam klingen, wenn man aber an den engen bezug des i3mainz zur archäologie denkt – auch personell –, ist es nicht mehr so merkwürdig. Das i3mainz spielt in Mainz bei den DH eine wichtige rolle, der direktor und die geschäftsführung des mainzed (http://mainzed.org/) sind dort angesiedelt, und es trägt den neuen DH-studiengang zusammen mit der JGU. Man konnte der ausschreibung auch entnehmen, dass die stelle mit bestimmten funktionen an der Akademie verbunden ist; damit sieht das mit der nachhaltigkeit auch anders aus, als es die befristung zunächst erscheinen lässt.

    Insgesamt zeigt dieses beispiel m. e. gut, dass eine quantitative auswertung der ausschreibungen schwierig ist. Die schwierigkeiten fangen ja schon mit der frage an, was man alles den DH zuordnet. CL kann einen DH-bezug haben, man kann aber sicher nicht alle CL-professuren den DH zuordnen und #23 ziemlich sicher nicht, denn das ist phonetik. Da könnte man dann schon eher die jetzt ausgeschriebene anglistikprofessur dazu zu zählen, denn da sind explizit »anknüpfungspunkte« an DH erwünscht.

    Aussagekräftiger – aber praktisch leider unmöglich – wäre es, die listen der eingeladenen kandidaten zu vergleichen: wenn sich die listen von ausschreibungen überlappen, wäre das m. e. ein wesentlich stärkeres indiz für ähnliche ausrichtung als die ausschreibungstexte.

  • Sarah Mahringer

    Antworten

    Wirklich toll der umfassende Beitrag. Meines Erachtens nach gehört es auch zu einer allgemeinen Digital Humanities-Strategie, die DH im Kern der Fächer zu verankern (wie z.B. im Darmstädter Modell), das muss einander nicht widersprechen. Vielen Dank fürs Teilen

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