Studiolo Digital Humanities Lab Winter school 2026 in Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance

0 Veröffentlicht von Richard Jakeš am

Vom 25. bis 27. Februar 2026 wurde eine online Winter School zu Digital Humanities im Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance (CSMBR) in Pisa unter dem Namen Studiolo Digital Humanities veranstaltet. Vormittags widmeten wir uns einem praktischen Kurs zur Programmierung in Python für die Geisteswissenschaften; nachmittags fanden Workshops und Fachvorträge statt, die die praktische Anwendung der Digital Humanities in aktuellen Forschungsprojekten vorstellten.

The Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance
The Centre for the Study of Medicine and the Body in the Renaissance (Bild: Fabrizio Bigotti)

Studiolo Digital Humanities Lab gehört zur Reihe Winter Schools: Humanities for the Future des CSMBR, die alle zwei Jahre vom Zentrum veranstaltet wird. Dieses Jahr fand der zweite Kurs seit der Gründung des Zentrums im Jahr 2018 statt. Die Schulung bot mir eine einzigartige Gelegenheit, mehr über die Verwendung der Digital Humanities im medizinhistorischen Kontext zu erfahren und meine bisherigen Kenntnisse zu vertiefen. Dank des Stipendiums des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd e.V.) wurde es mir ermöglicht, an dieser Winter School teilzunehmen, wofür ich mich herzlich bedanken möchte.

Die drei intensiven Tage waren vollständig durch die Veranstaltungen ausgefüllt. Vormittags hatten wir die Gelegenheit, uns in die Programmierung mit Python und ihre Anwendungen in den Geisteswissenschaften einzuarbeiten. Bei der Einführung in die Programmierung erwarben wir praktische Kenntnisse über Funktionen, Dateiverwaltung und Daten sowie über Module – vor allem über die Bibliothek Pandas. Damit konnten wir Datensätze genauer mittels Statistik und Grafiken untersuchen. Während jeder Sitzung hatten wir genügend Gelegenheit, gezielte Fragen zu stellen, die unsere eigene Forschung und unsere Forschungsperspektiven betrafen.

Jeder Nachmittag war wissenschaftlichen Anwendungsszenarien der DH in aktuellen Forschungsprojekten oder Workshops zum Thema Entwicklung interaktiver Forschungsergebnisse in der Wissenschaftsgeschichte gewidmet, mit aktiver Diskussion offener Fragen, wie zum Beispiel: Was ist eine interaktive wissenschaftliche Veröffentlichung? Dieser Workshop veränderte meine Sicht auf wissenschaftliches Arbeiten und auf Veröffentlichungsmethoden, da interaktive Publikationen die Möglichkeit bieten, komplexe Inhalte klarer und differenzierter darzustellen. Die Fragenstellungen führten unsere Forschungsideen an eigenen Feldern durch DH-Anwendungsszenarien zur Unterstützung. Bei mir handelt es sich vor allem um lateinische mittelalterliche medizinische Handschriften. Mit Hilfe der Bibliothek Pandas können Statistiken und Diagramme erstellt werden, was meiner Forschungsrichtung sehr nützlich sein kann. Ich habe vor, die lateinischen medizinischen Handschriften einer Gattung und deren Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte genauer zu untersuchen, wozu mir das neu erlernte Modul unbedingt behilflich sein wird. Dadurch lässt sich die Entwicklung der Gattung „regimen sanitatis“ anhand der DH-Daten vergleichen. Die allgemeine Vertiefung der vorher erworbenen Kenntnisse inspirierte mich auch, mich mehr mit den digitalen Editionen der veröffentlichten Texte zu beschäftigen.

Mein zweites Forschungsfeld, das durch die Winter School sehr profitierte, ist meine Arbeit zu den mittelalterlichen Schreibern. Ich sammelte mittlerweile mehrere Dateneinträge zu einigen Schreibern der Handschriften, aber dank dieses Kurses bekam ich breiteren Überblick darüber, was und vor allem wie man mittels DH-Methoden erreichen kann. Sei es die Statistik der Überlieferung, die Ausbreitung der Handschriften oder Diagramme, mit denen man anschließend Vergleiche zu bereits existierenden Daten ziehen kann.

Die Vorträge der gegenwärtigen Forschungsprojekte waren vielfältig: Sie reichten von 3D-Modellierungen über Python-Datenbanken bis zur Gamification, von archäologischen Ansätzen (Digitalisierung der Handschriften) bis zur Medizin und zur Geschichte der Entwicklung von Vorstellungen über Organe. All diese Felder galten als nahezu unerschöpfliche Quellen für Anwendungsszenarien und Ideen für die zukünftigen Forschungsrichtungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach jedem Vortrag gab es genügend Zeit für einen bereichernden Austausch. Natürlich kann man während eines Kurses nur eine gewisse Menge an Kenntnissen erwerben, aber auch darauf war der Veranstalter vorbereitet. Für viele Themen gab es Literaturvorschläge und Hinweise zum Weiterlesen, um sich weiterzuentwickeln.

Das gesamte Programm kann man auf der Website des CSMBR unter folgendem Link genauer einsehen; dort findet man auch aktuelle Veranstaltungen, Schulungen und Konferenzen, die nicht nur mit Medizingeschichte zusammenhängen. Hiermit möchte ich mich beim Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum nochmals für die Unterstützung bedanken und meine Überzeugung äußern, dass mir die Teilnahme an der Winter School nicht nur neue Kenntnisse in DH, sondern auch wissenschaftliche Kontakte in meinem Bereich der Medizingeschichte brachte, von denen sowohl mein Studium als auch meine Forschung profitieren werden.

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