Universitätsübergreifendes Doktorandenkolloquium in den Computational Literary Studies

0 Veröffentlicht von Ariadne Baresch am

Für Promovierende stellt der Austausch mit anderen FachkollegInnen eine grundlegende Möglichkeit dar, sich zu vernetzen, um die eigene Forschung zu erläutern und diese kontinuierlich zur Diskussion zu stellen. Die Chance dazu gaben am 29. und 30. November die Professoren Fotis Jannidis (Universität Würzburg) und Christof Schöch (Universität Trier) ihren DoktorandInnen, indem sie zu einem gemeinsamen Doktorandenkolloquium nach Lorch am Rhein einluden.

Grundgedanke des Kolloquiums war es, PromovendInnen des Faches Digital Humanities verschiedener universitärer Standorte zu versammeln, um ihnen die Perspektive zu bieten, den aktuellen Stand des eigenen Dissertationsprojektes vorzustellen und durch die jeweiligen fachlichen Affinitäten der anderen Teilnehmenden in einen regen wissenschaftlichen Austausch miteinander zu treten. Die Kulisse der rheinländischen Weinberge fernab sonstiger Verpflichtungen half dabei, eine produktive und angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen.

Das Ergebnis war ein thematisch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm mit Präsentationen zu Arbeiten, die sich in den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung befinden und von Überlegungen zu möglichen Promotionsthemen bis hin zu verteidigungsreifen Dissertationen reichten.

Den Auftakt des Kolloquiums am 29.11 machten mit einem vornehmlich technischen Schwerpunkt Matthias Bremm (Uni Trier) zur Textannotation mit teil-überwachtem und aktivem Machine Learning und Keli Du (Uni Würzburg) zur Evaluation von Topic Modeling. Darauf folgte ein Beitrag von Nicolas Schenk (Uni Trier) zum Spannungsverhältnis zwischen Emil Ludwigs biographischen und autobiographischen Schriften. Andreas Büttner (Uni Würzburg) stellte seine Beschäftigung mit Alignierungsstrategien latein-arabischer Übersetzungen vor und Ariadne Baresch (Uni Trier) schloss den ersten Tag mit einer Präsentation zu Adaptionen des Romanzyklus Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust.

Im Mittelpunkt der Beiträge am 30.11 stand die vielseitige Beschäftigung mit dem Begriff des Genres. Julian Schröter (Uni Würzburg) leitete mit seinem Habilitationsprojekt zur Abgrenzung deutschsprachiger Novellen von Erzählungen den zweiten Tag des Kolloquiums ein. Leonard Konle (Uni Würzburg) erarbeitete mögliche Strategien zur Repräsentation von Genre durch die Erstellung und Evaluation von Wortlisten und Wortclustern. Spanischsprachige Romane stellten den Untersuchungsgegenstand sowohl für Ulrike Henny-Krahmer (Uni Würzburg), welche ihren Fokus auf prototypische Strukturen legte, als auch für José Calvo Tello (Uni Würzburg) dar, welcher Genreanalyse und maschinelles Lernen kombinierte. In einer gemeinsamen Diskussionsrunde verwies Fotis Jannidis auf die Herausforderungen von Gattungsklassifikation, welche er mit einem Praxisbeispiel aus seiner Beschäftigung mit Komplexität von Groschenromanen in Abgrenzung zu anderen literarischen Gattungen plausibilisierte. Den letzten Beitrag leistete Christof Schöch (Uni Trier) mit der Darstellung eines von der Forschungsinitiative Rheinland-Pfalz geförderten Linked Open Data Projekt für die Literaturgeschichte („Mining and Modeling Text“).

Rückblickend hat sich dieses erste universitätsübergreifende Doktorandenkolloquium in den Digital Humanities für die Teilnehmenden aus Würzburg und Trier als sehr produktiv und erkenntnisgewinnend erwiesen. Daher soll dieses Format in Zukunft in regelmäßigen Abständen zwischen den Universitäten Würzburg und Trier angeboten werden, um PromovendInnen der DH in ihren Dissertationsprojekten zu unterstützen und untereinander zu vernetzen.

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