DH2026 DAEJEON, SÜDKOREA • Engagement zwischen Schnittmuster, Daten und 3D Garment Reconstruction

0 Veröffentlicht von Laura Pascale Berg am

Dank des Reisestipendiums der DHd durfte ich diesen Sommer zur DH2026 nach Daejeon, Südkorea, reisen. Da ich zurzeit an der Schwelle zwischen Masterarbeit und Konzeption meines Promotionsprojektes stehe, war die Konferenz für mich eine transformative Erfahrung: eine Woche voller interdisziplinärer Impulse, wertvollem Fachfeedback und neuer internationaler Perspektiven, alles unter dem diesjährigen Fokus „Engagement“.

Hands-on: Die ersten Konferenztage

Der Auftakt der Konferenz bestand wie üblich aus Workshops und Minikonferenzen, die für mich ganz im Zeichen des praktischen Ausprobierens und des methodischen Querdenkens standen. Durch meinen Hintergrund in Medienwissenschaften/Medieninformatik habe ich besonders Gefallen an Workshops/Minikonferenzen gefunden, die Visualisierung und interaktive Medienformen aufgriffen.

Rubber duck doing craftsSo bot mir bereits am ersten Tag der Workshop zu IIIF-Tools von Glen Robson und Martin Kalfatovic direkte Anwendungsmöglichkeiten für die eigene Forschungspraxis. Ein besonderes Highlight für mich folgte jedoch direkt im Anschluss beim Brainstorming & Prototyping für Educational Games mit Sophia Booij und Nellie Seale. Das metaphorische „toying with ideas“ zeigte nachdrücklich, wie Fachinhalte und Informationen für unterschiedliche (schwierige) Zielgruppen zugänglich gemacht und methodisch aufgearbeitet werden können. 

Ähnlich verhielt es sich am zweiten Tag in der Minikonferenz „#DHMakes: Embodied Craft as Critical Engagement“. Das Verknüpfen von klassischem Handwerk und textiler Kunst mit Datenvisualisierung eröffnete für mich neuartige Zugänge der Interaktion: Die Übersetzung von Daten in das Haptisch-Physische verändert grundlegend, wie wir uns mit Inhalten auseinandersetzen können. Da ich mich im Digitalen viel mit textiler Kunst auseinandersetze, sprach mich hier die Minikonferenz besonders an.

Digital Fashion als Forschungsmethode: Mein Beitrag auf der DH2026

Der Kern meiner Reise war die Präsentation meines Konferenzbeitrags am dritten Tag. Vorgestellt habe ich das Paper „From 2D sewing patterns to dynamic 3D models: documenting cultural heritage in digital fashion.“, welches ich in Zusammenarbeit mit meinem Co-Autor Prof. Dr. Øyvind Eide eingereicht habe. Das Paper fokussiert sich auf ein in den Digital Humanities bislang stark unterrepräsentiertes Themenfeld: die Erforschung und Dokumentation von Kleidung als materielles und immaterielles Kulturerbe.

Der Erhalt von Kleidung als materielles Kulturerbe und damit die Dokumentation von Fashion, oder auch Mode, als immaterielles Kulturerbe, steht in enger Abhängigkeit von der Minimierung des materiellen Zerfalls von Textilien. Entsprechende Aufbewahrungsrichtlinien schränken dadurch jedoch die Rezipierbarkeit der Kleidung in ihrem ursprünglichen Kontext stark ein. Einflüsse wie Gravitation, Bewegung und das Gefühl des Stoffes, sowie das Binden, Knoten oder Layering von Kleidung gehen hier nahezu oder vollständig verloren.

Unsere reproduzierbare Methodik der digitalen Rekonstruktionen basiert auf 2D-Schnittmustern und transformiert diese zu dynamischen 3D-Kleidungssimulationen, welche dabei nicht nur als Erkundung der Beziehung zwischen Schnittmustern, Kleidungsstücken und dem Digital Fashion Object dienen, sondern auch eine direkte Simulation darstellen, wie wir Kleidung tragen und herstellen.

Da diese Forschung auf meiner Masterarbeit aufbaut und das Fundament meines geplanten PhD-Projektes bildet, war der direkte Austausch vor Ort von hohem Wert für mich. Das konstruktive Feedback aus unterschiedlichen Disziplinen und kulturellen Kontexten hat mir wichtige Impulse in Sachen 3D-Modellierung, Verbindungen mit Game Studies und die Einbettung in das Digital Cultural Heritage geliefert. Die aufschlussreichen Diskussionen verankerten unsere theoretische Arbeit in der Modelltheorie und der Intermedialität und unterstrichen gleichzeitig die Bedeutung der Forschung. Die Verbindung zu der globalen Community hat meine wissenschaftliche Perspektive zutiefst bereichert und mich für die nächste Phase meines akademischen Weges inspiriert. Nicht nur durch Feedback, sondern auch durch neue Kontakte.

Austausch und Nachwuchsperspektive

Neben den wissenschaftlichen Panels lebte die DH2026 von der warmen Gastfreundschaft und dem lebendigen Austausch bei der Poster-Session, den Coffee Breaks oder dem Konferenzbankett. Daejeon by night

Die Teilnahme an der DH2026 hat noch einmal meinen Horizont hinsichtlich der Vielfältigkeit der Digital Humanities erweitert. Auch wenn mir diese Vielfalt vorher schon bewusst war, ist das Erleben der Bandbreite an unterschiedlichen Forschungsfeldern, Interessen und kreativen Anwendungsansätze sehr aufschlussreich für mich gewesen. Vor allem aber hat die Vielfältigkeit mich dazu angeregt, mich weiterhin mit unterschiedlichen Medientypen auseinanderzusetzen und verschiedene Formen der Visualisierung, Modellierung und Dokumentation stetig kritisch zu reflektieren. Was langfristig meine eigene akademische Praxis beeinflussen wird.

Besonders gefallen hat mir unter anderem der Beitrag „Where War Lived“ von Liam Isaac Downs-Tepper und dessen Einblicke in Photogrammetry oder die Keynote von Maciej Eders als Antonio Zampolli-Preisträger, die ganz unter dem Motto stand: „All you need is a coffee machine and a couch!“.

Die DH2026 hat mir gezeigt, dass „Engagement“ für mich nicht nur die aktive Teilnahme an einer Konferenz bedeutet. Es bedeutet auch, sich auf neue Methoden einzulassen, Forschung über Disziplingrenzen hinweg zu denken und Teil einer internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft zu werden.

Meine Erfahrung auf der DH2026 habe ich ebenfalls in einer Live-Dokumentation über meinen Mastodon-Account (https://fedihum.org/@lpascale) geteilt. Auch hier war ich begeistert von der schnellen Aufnahme in die Community, die mich und meine Reporterquietscheente mit offenen Armen empfangen hat.

Fazit & Dank

Die DH2026 in Daejeon war geprägt von inspirierenden Keynotes, informativen Vorträgen und bereichernden Begegnungen. Der Tagungsabschluss hat verdeutlicht, wie essenziell der persönliche Kontaktaufbau für Forschende ist. Mein herzlicher Dank gilt meinem Co-Autor Prof. Dr. Øyvind Eide, den Organisator*innen vor Ort sowie insbesondere der DHd für die finanzielle Unterstützung durch das Reisestipendium. Ohne diese Unterstützung wäre diese wertvolle Erfahrung für mich nicht möglich gewesen!

 

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