Memorandum: digitale Forschungsinfrastrukturen

2 Veröffentlicht von Mirjam Blümm am

Memorandum zur nachhaltigen Bereitstellung digitaler Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Kulturwissenschaften in Deutschland

Dieses Memorandum entstand in Folge der zweiten Konferenz zum Thema „Nachhaltigkeit digitaler Forschungsinfrastrukturen für die Geisteswissenschaften“ am 19.10.2015 in Berlin, zu dem die beiden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsinfrastrukturprojekte TextGrid und DARIAH-DE eingeladen hatten.

Ziel der Unterzeichnenden ist es, die Voraussetzungen für die nachhaltige Bereitstellung digitaler Forschungsinfrastrukturen für die Geistes- und Kulturwissenschaften innerhalb Deutschlands zu schaffen, damit ihre Forschenden und Lehrenden zur Spitzenforschung und deren Entwicklung langfristig beitragen können. Dies ist insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung von Wissenschaft und Gesellschaft von herausragender Bedeutung. Zur Gestaltung, Deutung und Forcierung dieses tiefgreifenden Wandels leisten die Geistes- und Kulturwissenschaften einen wesentlichen Beitrag.

Um digitale Forschungsinfrastrukturen auf europäischer Ebene langfristig, d.h. mit Nutzungsphasen in Zeiträumen von über 20 Jahren, gemeinsam weiterentwickeln und betreiben zu können, wurde für Projekte des „European Strategy Forum on Research Infrastructure“ (ESFRI) eine eigene Rechtsform geschaffen: das „European Research Infrastructure Consortium“ (ERIC). Unter den ESFRI-Projekten, die bislang ein ERIC gegründet haben, sind DARIAH-EU und CLARIN-EU.

Die Unterzeichnenden begreifen die Nachhaltigkeit von digitalen Forschungsinfrastrukturen aber auch als eine nationale Aufgabe, die in Deutschland für die gesamten Geistes- und Kulturwissenschaften zu leisten ist. Sie appellieren an die Wissenschaftspolitik Strukturen zu schaffen, die neue Handlungsoptionen für die langfristige Bereitstellung digitaler Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Kulturwissenschaften in ihren organisatorischen, rechtlichen, technologischen und finanziellen Aspekten bieten. Digitale Forschungsinfrastrukturen – meist Informationsinfrastrukturen – erfordern in ihrer virtuellen, verteilten und multidisziplinären Ausrichtung besondere Organisationsformen, da sie nur sehr begrenzt auf die über viele Jahre für Forschungsgroßgeräte oder Gebäude entwickelten Instrumente wie Abschreibungen, Verkehrswerte oder Mieten zurückgreifen können. Die Geistes- und Kulturwissenschaften heben sich in diesem Zusammenhang zudem besonders dadurch hervor, dass sie nur geringe materiell begründete Kosten, jedoch ausgeprägte informationelle, personelle und logistische Komponenten beinhalten, die eine sehr breit gefächerte und heterogene Fachgemeinde betreffen. Dennoch haben sich im Projektbetrieb belastbare Steuerungsformen etabliert, die sich für zahlreiche assoziierte Projekte und Forschende als leistungsstark und tragfähig erwiesen haben – sich aber nicht direkt in die üblichen Betriebsformen für Forschungsinfrastruktur überführen lassen.

Digitale Forschungsinfrastrukturen der Geistes- und Kulturwissenschaften stellen aus diesen Gründen einen geeigneten Modellfall für die Entwicklung adäquater Organisationsformen für Informationsinfrastrukturen dar. Die Unterzeichnenden erklären sich bereit den zur Entwicklung dieser Organisationsformen notwendigen Diskurs mit zu prägen und die erforderlichen Infrastrukturen mit zu gestalten. Sie bitten die Wissenschaftspolitik um Unterstützung in diesem Prozess durch Koordinierung und Finanzierung geeigneter Maßnahmen zur Schaffung technischer Voraussetzungen und Bereitstellung digitaler Werkzeuge zur innovativen Erforschung historischer, literarischer, künstlerischer, philosophischer, sozialer und kultureller Phänomene sowie der Förderung von Rahmenbedingungen zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Digital Humanities.

Sofern Sie dieses Memorandum unterstützen möchten, können Sie gerne das unterzeichnete Memorandum digital an dariah-de-konsortialleitung@sub.uni-goettingen.de versenden.

Liste der UnterzeichnerInnen:

1) Institutionen / Verbände

  • AG Digitale Kunstgeschichte, G. Schelbert
  • AG Digitale Rekonstruktion, P. Kuroczyński
  • AG Digitale Romanistik, C. Schöch
  • AG Germanistik im digitalen Zeitalter, T. Gloning / M. Huber / F. Jannidis / A. Rapp / A. Storrer
  • Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, S. Tangermann
  • Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz, C. Geisler
  • Bayerische Akademie der Wissenschaften, K.-H. Hoffmann
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, M. Grötschel
  • CLARIN-D, E. Hinrichs
  • DAASI international GmbH, P. Gietz
  • DARIAH-DE und TextGrid, W. Horstmann
  • Deutsches Archäologisches Institut, F. Fless
  • DHd Verband, C. Moulin
  • DH-Zentrum Cedifor – TU Darmstadt & Goethe-Universität Frankfurt,  J. Gippert / I. Gurevych
  • DH-Zentrum Kalimachos, H.-G. Schmidt / K. Südekum
  • FH Potsdam – Fachbereich Informationswissenschaften, H. Neuroth
  • Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel, U. Raulff
  • Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, E. Fuchs
  • Gesellschaft für Medienwissenschaft, M. Christen (für den Vorstand)
  • Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung, R. Yahyapour
  • Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz), S. Schomburg
  • Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, P. Haslinger
  • Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, P. Burschel
  • Humboldt-Universität Berlin – Professur Wissenschaftsgeschichte und Sprecher des Exzellenzclusters TOPOI, G. Graßhoff
  • Institut für Deutsche Sprache, Mannheim, L. Eichinger
  • Institut für die Geschichte der deutschen Juden, A. Brämer
  • KIT – Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale, C. Y. Robertson-von-Trotha
  • Koordinierungsstelle f. wissenschaftl. Universitätssammlungen in Deutschland, C. Weber
  • Leibniz-Institut für Europäische Geschichte, I. Dingel
  • Ludwig-Maximilian-Universität München, IT-Gruppe Geisteswissenschaften, C. Riepl / S. Lücke
  • Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, J. Renn
  • Max Weber Stiftung, H. Rosenbach
  • MPCDF – Rechenzentrum Garching der Max-Planck-Gesellschaft, S. Heinzel
  • Nachwuchsgruppe Computergestützte literarische Gattungsstilistik (CLiGS), C. Schöch
  • Nachwuchsgruppe Electronic Text Reuse Acquisition Project (eTrap), M. Büchler
  • Nachwuchsgruppe Hybride Narrativität, A. Dunst / J. Laubrock
  • Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, W. Horstmann
  • PRO WISS, A. Horstmann
  • RDA Europe, P. Wittenburg
  • Salomon Ludwig Steinheim Institut für deutsch-jüdische Geschichte, M. Brocke
  • Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, B. Schneider-Kempf / R. Altenhöner
  • Stiftung Bibliothek Werner Oechslin – Wissenschaftlicher Mitarbeiter, B. Kulawik
  • Technische Universität Darmstadt – Professur germanistische Computerphilologie, A. Rapp
  • Universität Bamberg – Lehrstuhl für Medieninformatik, A. Henrich
  • Universität Detmold/Paderborn – Musikwissenschaftliches Seminar, J. Veit
  • Universität Gießen – Professur für Angewandte Sprachwissenschaft und Computerlinguistik, H. Lobin
  • Universität Hamburg – eHumanities 2020+, K. Wörner
  • Universität Leipzig – Professur Automatische Sprachverarbeitung, G.Heyer
  • Universität Trier – Professur Ältere deutsche Philologie, C. Moulin
  • Universität Würzburg – Professur Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte, F. Jannidis
  • Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin – A. Degkwitz

2) EinzelunterzeichnerInnen:

  • Matthias Arnold, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Mirjam Blümm, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Luise Borek, Technische Universität Darmstadt
  • Jan Brase, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Abt. Forschung und Entwicklung
  • Eric Decker, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Stefan Farrenkopf, Christian-Albrechts-Universität Kiel, Universitätsbibliothek
  • Stefan E. Funk, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Matthias Guth, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Mirko Hering, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Thomas Kollatz, Salomon Ludwig Steinheim Institut für deutsch-jüdische Geschichte, Essen
  • Ingo Kottsieper, Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Forschungsstelle Qumran-Wörterbuch / Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Evangelische-Theologische Fakultät,
  • Heinz-Günter Kuper, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Johannes Mangei, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Abt. Spezialsammlungen und Bestandserhaltung
  • Hanna-Lena Meiners, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Elmar Mittler, Universität Göttingen
  • Steffen Pielström, Universität Würzburg, Computerphilologie und Neuere Deutsche Literaturgeschichte
  • Stefan Schmunk, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Ulrich Schwardmann, Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung
  • Jürgen Schünzel, Stadtarchiv Zwickau
  • Sibylle Söring, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
  • Dennis Stephan, mementoZeitreisen, Buseck
  • Ralf Stockmann, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Referat Innovations-Management – Online-Bibliotheksdienstleistungen
  • Claudius Teodorescu, Heidelberg Research Architecture, Universität Heidelberg
  • Gabriel Viehhauser-Mery, Universität Stuttgart
  • Werner Wegstein, Universität Würzburg
  • Dirk Wintergrün, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte
  • Ulrike Wuttke, Koordinatorin BMBF-Projekt: Aufbau eines europäischen Akademienportals, Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
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  • Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Elmar Mittler, Prof. für Buch -und bibliothekswissenschaften, Altdirektor SUB Göttingen

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