{"id":9834,"date":"2018-05-02T16:10:43","date_gmt":"2018-05-02T14:10:43","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9834"},"modified":"2018-05-02T16:10:43","modified_gmt":"2018-05-02T14:10:43","slug":"workshopbericht-reisewege-in-raum-und-zeit-koeln-27-02-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9834","title":{"rendered":"Workshopbericht \u201eReisewege in Raum und Zeit\u201d, K\u00f6ln, 27.02.2018"},"content":{"rendered":"<p>Am 27.02.2018 fand der DARIAH-DE-Expertenworkshop \u201eReisewege in Raum und Zeit\u201d im Rahmen der DHd-Jahrestagung in K\u00f6ln statt. Der Workshop war dem Thema Reisewege historischer Akteure gewidmet und wurde gemeinsam vom Leibniz-Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte (Anna Aschauer, Marco B\u00fcchler) und dem Lehrstuhl f\u00fcr Medieninformatik der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg (Tobias Gradl, Andreas Henrich) organisiert.<\/p>\n<p>Die Organisatoren des Workshops gingen von der Pr\u00e4misse aus, dass Reisewege gut und genau zu kennen von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Geschichtsforschung sei. Damit k\u00f6nnen pers\u00f6nliche Kontakte der Akteure reflektiert werden, sowie Verbreitungswege der G\u00fcter und Ideen nachvollzogen werden. Weiterhin zeigen Reisewege auf, \u00fcber welches Ortswissen eine bestimmte Person verf\u00fcgt hat.<\/p>\n<p>Durch den Einsatz digitaler Werkzeuge ist es m\u00f6glich, die Eigenschaften, die eine Gruppe auszeichnen, zusammenzufassen. Diese Aggregation zu Gruppenprofilen erm\u00f6glicht historisch Arbeitenden, ihre Hypothesen zu bilden oder zu st\u00e4rken. Es w\u00fcrde beispielsweise erm\u00f6glichen, etablierte Thesen in der klassischen Geschichtswissenschaft bez\u00fcglich der Korrelation zwischen Konfessionalit\u00e4t bzw. Beruf und Mobilit\u00e4t auch mit Hilfe quanititativer Verfahren zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Der Gegenstand des Workshops war die geographische Darstellung von Reisewegen sowie deren technischen Anforderungen und wissenschaftlichen Implikationen f\u00fcr die Digital Humanities. Das Ziel des Workshops bestand neben der Pr\u00e4sentation des aktuellen Entwicklungsstandes insbesondere im Sammeln von R\u00fcckmeldungen und Anforderungen f\u00fcr die weitere Konzeptualisierung und Entwicklung des Werkzeugs.<\/p>\n<p>Eine grundlegende Hypothese ist, dass ein Mehrwert durch die automatisierte Erstellung biographischer Profile entsteht. Die Gruppenprofile k\u00f6nnen anhand der von FachwissenschaftlerInnen erstellten Wortfelder aggregiert werden. So k\u00f6nnen Aggregationskriterien wie beispielsweise Berufsfelder oder Konfessions-\/Religionsgruppen beschrieben werden.<\/p>\n<p>Nach den einf\u00fchrenden Worten von <b>Marco B\u00fcchler<\/b> stellte <b>Tobias Gradl<\/b> das erste Impulsreferat \u201eAnalyse und Kombination forschungsspezifischer Methoden auf dem infrastrukturellen Fundament von DARIAH-DE\u201c vor. In dem Vortrag wurde die Funktionsweise der DARIAH-DE Datenf\u00f6derationsarchitektur (DFA) in Bezug auf Integration der Webservices und Daten im Kontext des DARIAH-DE-Werkzeugs CosmoTool erl\u00e4utert.<\/p>\n<p>Im ersten Teil des Vortrags skizzierte der Redner, wie die Webservices \u201e<a href=\"http:\/\/chronontology.dainst.org\/\">Chronontology<\/a>\u201c und \u201e<a href=\"https:\/\/gazetteer.dainst.org\/app\/#!\/home\">Gazetteer<\/a>\u201c des Deutschen Arch\u00e4ologischen Instituts \u00a0mit der DFA verbunden werden, um Zeitbegriffe mit Datierungen und Ortsnamen sowie Koordinaten zu verbinden. Der zweite Teil war der Integration und der sprachlichen Analyse der Wikipedia-Daten durch DARIAH-DE\u2019s Werkzeug CosmoTool gewidmet. Das dritte Beispiel besch\u00e4ftigte sich mit der Integration des kleinen Datenbestandes aus <em>Controversia et Confessio <\/em>(Projekt der digitalen Akademie (AdW &#8211; Mainz) und IEG, das Biographien der Theologen des 16. Jahrhunderts beinhaltet). In der darauffolgenden Hands-on Session wurde veranschaulicht, wie benannte Methoden im CosmoTool realisiert werden und welche Entwicklungsm\u00f6glichkeiten in Bezug auf geisteswissenschaftliche Fragestellungen noch m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Ferner stellte <b>Anna Aschauer <\/b>die Reise und Reisewege in der Fr\u00fchen Neuzeit vor. Die Referentin \u00fcberblickte mit ihrem Impulsvortrag die M\u00f6glichkeiten eines Reisenden in der Vormoderne, eine Reise zu planen und durchzuf\u00fchren. Erl\u00e4utert wurde, welche Rolle die Heeres-, Handels- und Wasserwege spielten, und wie die D\u00f6rfer und St\u00e4dte miteinander verbunden waren. Ein besonderes Augenmerk lag auf Orientierungs- und Planungshilfen der fr\u00fchneuzeitlichen Reisenden wie Routenb\u00fccher, Kreuzsteine, Kapellen, Zollh\u00e4user oder (einheimische) Begleiter. Zum Schluss pr\u00e4sentierte die Rednerin einige deutschsprachige Reiseberichte nach und in Russland aus dem fr\u00fchen 18. Jahrhundert, die Reiserouten und Reisealltag beschrieben.<\/p>\n<p>Nach der Vorstellung der Diskussionsthemen folgten Diskussionen zu den Themen <em>ethische Aspekte, Unvollst\u00e4ndigkeit der Daten <\/em>und <em>Visualisierung\/Routing<\/em> mit dem Ziel, das weitere Entwicklungsvorhaben mit den Experten und Interessierten zu besprechen und R\u00fcckmeldungen zu erhalten.<\/p>\n<p>Bei der Problematik der <b>unvollst\u00e4ndigen bzw. l\u00fcckenhaften Daten<\/b> f\u00fcr die Modellierung der Reisewege (oder auch gesamter Biographien), wurden mehrere Teilaspekte und L\u00f6sungen besprochen. Zum einen kam die Frage auf, wie eine L\u00fccke in der Informationserfassung identifiziert werden kann? Hilfreich w\u00e4re, eine \u201eDaten-Legende\u201c anzulegen, die beleuchtet wie, wann und von wem die Daten aufgenommen wurden. Eine andere L\u00f6sung w\u00e4re, die Unsicherheiten der erfassten Daten zu annotieren. Dar\u00fcber hinaus ist es auch sinnvoll, am Anfang eines Projekts den Grad der Detailliertheit festzulegen, um die Daten im n\u00f6tigen Umfang und mit n\u00f6tigen Metadaten zu erfassen. Bei der breiteren Datengrundlage k\u00f6nnte Unvollst\u00e4ndigkeit durch \u00dcbereinanderlegen der unterschiedlichen Daten gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>Bei der Besprechung der <b>Visualisierungsproblematik<\/b>, die darin besteht, dass bei der Visualisierung der Verbindung auf einer Karte ein nicht f\u00fcr die Vormoderne realistischer Weg anzeigt wird (zum Beispiel als eine \u201eFluglinie\u201c). Welche Heuristiken w\u00e4ren denkbar, um diese L\u00fccke der fehlenden Reiseinformationen (Routing) zu \u00fcberwinden?<\/p>\n<p>Routing auf Basis geographischer Marker wie Anstiege und Br\u00fccken oder auf Basis der Reisebeschreibungen in Biographien w\u00e4ren denkbar. Au\u00dferdem wurde \u00a0dar\u00fcber diskutiert, welche Gruppenmerkmale (erschlossen aus den Biographien einer Gruppe) Aufschl\u00fcsse dar\u00fcber geben k\u00f6nnen, wie eine Reise verlaufen sei. Die folgenden Merkmale w\u00e4ren m\u00f6glich:<\/p>\n<ul>\n<li>konfessionelle Zugeh\u00f6rigkeit<\/li>\n<li>Reiseanl\u00e4sse<\/li>\n<li>Stand (adelig\/nicht adelig)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine m\u00f6gliche L\u00f6sung w\u00e4re eine Datenbank f\u00fcr historische Reisewege, die Informationen aus verschiedenen Quellen integriert: aus Kartenmaterial, Biographien, GIS.<\/p>\n<p>Eine Realisierung gruppenspezifischer Reisewege w\u00fcrde erm\u00f6glichen, die Gewichtung\/Wichtigkeit bestimmter Orte messen zu k\u00f6nnen (z. B. wenn viele aus einer Gruppe den bestimmten Ort besucht haben).<\/p>\n<p>Im letzten Diskussionsteil zum Thema \u201e<b>ethischen Aspekte<\/b>\u201d erl\u00e4uterte Marco B\u00fcchler die Problematiken, die sich aus dem Umgang mit Biographien ergeben. Wo l\u00e4sst sich die Grenze zwischen historisch motivierter Forschung und Profilbildung ziehen? Wie sch\u00fctzt man Pers\u00f6nlichkeitsrechte der Familienangeh\u00f6rigen, wenn die Biographie der Verstorbenen mit digitalen Methoden erforscht wird? Aus der Diskussion w\u00e4hrend und nach dem Workshop kam es zu unterschiedlichen Vorschl\u00e4gen. M\u00f6glich w\u00e4re, dass wissenschaftliche Institutionen digitale Biographien verstorbener Personen erstellen und damit den kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit \u00f6ffentlichen Informationen zeigen.<\/p>\n<p>Der Workshop \u201eReisewege in Raum und Zeit\u201d konnte mit seinem Schwerpunkt auf Diskussion und Austausch mit Interessenten und Experten aus digitalen und klassischen Geisteswissenschaften eine Reihe von wichtigen Problematiken rund um die Themen Reisen und Biographie ansprechen. Die Ausgangshypothese wurde best\u00e4tigt, dass ein Mehrwert durch die automatisierte Erstellung und Auswertung biographischer Profile entsteht. Da, zu einem, erlaubt die automatisierte Erstellung der Profile mehrere Datenquellen zu nutzen und damit fehlende Informationen zu f\u00fcllen. Andererseits, w\u00fcrde es erlauben gruppenspezifische Reisewege und meist besuchte Orte f\u00fcr gegebene Gruppen zu erkennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 27.02.2018 fand der DARIAH-DE-Expertenworkshop \u201eReisewege in Raum und Zeit\u201d im Rahmen der DHd-Jahrestagung in K\u00f6ln statt. Der Workshop war dem Thema Reisewege historischer Akteure gewidmet und wurde gemeinsam vom Leibniz-Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte (Anna Aschauer, Marco B\u00fcchler) und dem Lehrstuhl f\u00fcr Medieninformatik der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg (Tobias Gradl, Andreas Henrich) organisiert. 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