{"id":9750,"date":"2018-04-16T11:49:03","date_gmt":"2018-04-16T09:49:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9750"},"modified":"2018-04-18T17:41:10","modified_gmt":"2018-04-18T15:41:10","slug":"nachlese-zum-panel-alles-ist-im-fluss-ressourcen-und-rezensionen-in-den-digital-humanities-dhd2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=9750","title":{"rendered":"Nachlese zum Panel \u201eAlles ist im Fluss &#8211; Ressourcen und Rezensionen in den Digital Humanities\u201c #dhd2018"},"content":{"rendered":"<p><em>VerfasserInnen: Ulrike Henny-Krahmer, Frederike Neuber, Patrick Sahle und Franz Fischer.<\/em><\/p>\n<p>Auf der Jahreskonferenz der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum organisierte das <a href=\"https:\/\/www.i-d-e.de\/\">Institut f\u00fcr Dokumentologie und Editorik (IDE)<\/a> ein Panel mit dem Titel \u201eAlles ist im Fluss &#8211; Ressourcen und Rezensionen in den Digital Humanities\u201c. Angeregt durch das Tagungsthema \u201e<a href=\"http:\/\/dhd2018.uni-koeln.de\/call-for-papers\/\">Kritik der digitalen Vernunft<\/a>\u201c \u00a0wurden dabei Mittel und M\u00f6glichkeiten von Rezensionen als Form der Kritik an digitalen Ressourcen als Grundlage und Ergebnis geisteswissenschaftlicher Forschung diskutiert.<\/p>\n<p>Rezensionen als traditionelle Form der Kritik und des Diskurses in den Wissenschaften beziehen sich in aller Regel auf Forschungsergebnisse, die in gedruckter Form (z.B. Monografien und Textausgaben) publiziert sind. Bei den Forschungsergebnissen und -objekten der Digital Humanities handelt es sich dagegen um oftmals komplexe und vielschichtig konzipierte digitale Ressourcen, die etwa als digitalen Editionen und Textsammlungen, Bilddatenbanken und\/oder spezifische Software (oft) kollaborativ erstellt werden und prinzipiell offen und erweiterbar sind. Bisher zeichnen sich die Digital Humanities nicht gerade durch ein besonders reges Rezensionswesen aus. Wenn digitale Forschung diskutiert wird, dann meist aus der Perspektive der einzelnen (,traditionellen\u2019) F\u00e4cher. Zu den ersten Ans\u00e4tzen, die digitale Ressourcen auch explizit aus der Perspektive der Digital Humanities in den Blick nehmen, z\u00e4hlen die Aktivit\u00e4ten des IDE, das mit den Kriterienkatalogen zur Bewertung digitaler Ressourcen sowohl Richtlinien der Rezension vorschl\u00e4gt als auch mit RIDE ein entsprechendes Publikationsorgan f\u00fcr die Besprechung digitaler Ressourcen gegr\u00fcndet hat. Im Kontext dieser Aktivit\u00e4ten entstand die Idee, Errungenschaften, Desiderate und Problemfelder eines spezifisch digitalen Rezensionswesens im Rahmen eines Panels bei der <a href=\"http:\/\/dhd2018.uni-koeln.de\/\">DHd2018<\/a> in K\u00f6ln in breiterer Runde zur Diskussion zu stellen.<\/p>\n<div id=\"attachment_9754\" style=\"width: 605px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/panel1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9754\" class=\"wp-image-9754 \" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/panel1-1024x516.jpg\" alt=\"\" width=\"595\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2018\/04\/panel1-1024x516.jpg 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2018\/04\/panel1-300x151.jpg 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2018\/04\/panel1-768x387.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 595px) 100vw, 595px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9754\" class=\"wp-caption-text\">Die PanelistInnen des Rezensions-Panels.<\/p><\/div>\n<p>Die Einreichung das Panels organisierten Ulrike Henny-Krahmer (Moderation), Frederike Neuber, Patrick Sahle und Franz Fischer als Mitglieder des IDE und Mit-HerausgeberInnen von RIDE. Als PanelistInnen diskutierten R\u00fcdiger Hohls (Humboldt-Universit\u00e4t Berlin), Anne Baillot (Universit\u00e9 Le Mans), Christof Sch\u00f6ch (Universit\u00e4t Trier), J\u00fcrgen Hermes (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) sowie Frederike Neuber (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) und Patrick Sahle (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln). Die Gruppe der DiskutantInnen auf dem Podium war also bunt gemischt, sowohl was den disziplinspezifischen Hintergrund der PanelistInnen (von Philologien und Geschichtswissenschaften bis hin zu Computerlinguistik) als auch was ihren Erfahrungsschatz im \u201aRezension-Herausgeben\u2018 und\/oder \u201a-Schreiben\u2018 angeht. Entsprechend verschieden waren die Perspektiven auf das Thema des Panels, die im folgenden einzeln dargestellt werden, bevor wesentliche Aspekte der anschlie\u00dfenden Diskussion zusammengefasst werden.<\/p>\n<p><strong>Panel-Beitr\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Als erster Panelist der Runde vertrat <strong>R\u00dcDIGER HOHLS<\/strong> mit seinem Beitrag \u201eDie Rezension analoger und digitaler Medien bei H-Soz-Kult\u201c das eher \u201atraditionelle\u2018 Rezensionswesen. Auf <a href=\"https:\/\/www.hsozkult.de\/\">H-Soz-Kult<\/a> wurden seit 2003 mehr als 14.000 gedruckte B\u00fccher rezensiert. Demgegen\u00fcber sind digitale Ressourcen als Rezensionsobjekte wesentlich weniger vertreten: Seit 2003 wurden rund 173 Webseiten rezensiert, seit 1999 insgesamt rund 200 digitale Ver\u00f6ffentlichungen, womit vor allem CD-ROMs gemeint sind. Insgesamt machen Rezensionen in H-Soz-Kult rund 10-20% aller Beitr\u00e4ge aus, wobei in den letzten Jahren ein leichter R\u00fcckgang zu beobachten sei, so Hohls. Gleichzeitig sei die Sparte \u201eRezensionen\u201c aber immer noch die popul\u00e4rste bei den Lesern von H-Soz-Kult, wie Nutzerstatistiken der Webseite nahelegen (und dabei sind diejenigen NutzerInnen, die Rezensionen \u00fcber die Mailingliste beziehen und lesen, noch nicht einmal erfasst). F\u00fcr den geringen Anteil von Rezensionen digitaler Forschungs(ergebnisse) gab Hohls verschiedene Gr\u00fcnde an: Zum einen fehle eine entsprechende Fachredaktion bei H-Soz-Kult, zum anderen sei aber auch die Doppelanforderung an die RezensentInnen ein Problem, da man sich sowohl mit Inhalt als auch mit Technik der Ressource auskennen m\u00fcsse. Eine Handreichung f\u00fcr Web-Rezensionen zur Unterst\u00fctzung der RezensentInnen habe mit 7,5 Seiten au\u00dferdem mittlerweile \u201edas Ausma\u00df eines Ehevertrags angenommen\u201c. Ein weiterer Grund f\u00fcr die geringe Anzahl von Rezensionen sei das fehlende Anreiz- und Belohnungssystem, denn schlie\u00dflich k\u00f6nne man nicht wie bei Rezensionen von B\u00fcchern \u00fcblich ein Rezensionsexemplar an die RezensentInnen aush\u00e4ndigen. Abschlie\u00dfend nannte Hohls als Grund f\u00fcr die geringe Betrachtung digitaler Ressourcen auch die fehlende Reputation digitaler Ressourcen selbst.<\/p>\n<p>Ebenfalls aus der herausgeberischen Praxis mit Rezensionen berichtete <strong>FREDERIKE NEUBER<\/strong> mit \u201eRIDE und die Herausforderungen der Digitalit\u00e4t\u201c. <a href=\"https:\/\/ride.i-d-e.de\/\">RIDE<\/a> (A Review Journal for Digital Editions and Resources) wird seit 2014 vom IDE herausgegeben und z\u00e4hlt derzeit 45 Rezensionen zu digitalen wissenschaftlichen Editionen und digitalen Textsammlungen. Zum methodischen Rahmen von RIDE z\u00e4hlen Kriterienkataloge als Handreichungen f\u00fcr die RezensentInnen und formalisierte Frageb\u00f6gen zur stichhaltigen Zusammenfassung der Ressourceneigenschaften. Bisher sind vom IDE zwei \u201aressourcenspezifische\u2018 Kriterienkataloge und Frageb\u00f6gen \u2013 f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.i-d-e.de\/publikationen\/weitereschriften\/kriterien-version-1-1\/\">digitale wissenschaftliche Editionen<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.i-d-e.de\/publikationen\/weitereschriften\/criteria-text-collections-version-1-0\/\">digitale Textsammlungen<\/a> \u2013 erarbeitet worden. Au\u00dferdem durchl\u00e4uft jede Rezension einen Peer Review-Prozess. Laut Neuber haben die Rezensionen in RIDE durch Umfang und methodischer Reflexionstiefe eher den Charakter von Forschungsaufs\u00e4tzen als von \u201ahandels\u00fcbliche Rezensionen\u2018. Als Hauptherausforderung f\u00fcr RezensentInnen und HerausgeberInnen in RIDE stellte Neuber die Ver\u00e4nderbarkeit digitaler Ressourcen heraus, denn Datengrundlage, User Interface, Features und Mitarbeiter seien variabel. Trotz dokumentarischer \u201aVorbeugungsma\u00dfnahmen\u2018 (genauer Ausweis der Temporalit\u00e4t, Linkarchivierung und Screenshots) w\u00fcrde oftmals die \u201eRessource die Rezension \u00fcberholen\u201c, so Neuber. Dabei erl\u00e4uterte sie beispielhaft F\u00e4lle in RIDE, bei denen die Rezensionen vor oder kurz nach der Ver\u00f6ffentlichung bereits \u201ahistorisch\u2018 geworden waren, da die Ressourcen sich ver\u00e4nderten (z.B. Relaunch der Website). Neuber stellte die These zur Diskussion, dass die Rezensionen in RIDE und allgemein noch nicht ausreichend \u201adigital gedacht\u2018 seien und verwies dabei auf die methodische L\u00fccke zwischen Ressource und Rezension (z.B. die Ressource als prinzipiell erweiterbar, die Rezension als abgeschlossen). Sie schloss ihren Beitrag mit der Frage, ob denn die Rezension im digitalen Zeitalter mehr sein k\u00f6nne und m\u00fcsse als eine Momentaufnahme und wenn ja, wie dies konkret umsetzbar sei. Zur Diskussion stellte sie dabei dialogisch-kontinuierliche Rezensionsformen, kollaborativ erstellte Rezensionen sowie den Einbezug der RessourcenbetreiberInnen, die m\u00f6glicherweise durch eine offene Kommentarfunktion und\/oder \u201akontrollierte\u2018 Updateberichte die Rezensionen \u201aauf dem neuesten Stand\u2018 halten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Um \u201eDaten als Rezensionsobjekte\u201c drehte sich der Beitrag von <strong>ANNE BAILLOT<\/strong>. Daten k\u00f6nnen Teil und Basis einer digitalen Ressource sein, aber auch eigenst\u00e4ndig ver\u00f6ffentlicht werden. Als \u201aneue Publikationsform\u2018 der digitalen Geisteswissenschaften folgen Daten bestimmten Erwartungsstandards, darunter etwa Nachnutzbarkeit, \u00dcberpr\u00fcfbarkeit und Langzeitverf\u00fcgbarkeit. Die Erhebung und Modellierung von Datens\u00e4tzen werden in den Naturwissenschaften bereits in Data Papers diskutiert und auch die Digital Humanities n\u00e4hern sich dieser Form der Ver\u00f6ffentlichung an (das <a href=\"https:\/\/journal.tei-c.org\/journal\/index\">Journal of the Text Encoding Initiative (jTEI)<\/a> wird demn\u00e4chst das erste Data Paper ver\u00f6ffentlichen). Wie bei der Rezension von digitalen Ressourcen im Allgemeinen stellt sich auch nach einer Evaluation von Daten die Frage, inwieweit Datens\u00e4tze in der Folge \u00fcberarbeitet werden und ob sie dann nicht auch erneut evaluiert werden m\u00fcssten. Eine M\u00f6glichkeit, zu signalisieren, das ein Datensatz eine bestimmte Qualit\u00e4t erreicht hat, k\u00f6nnte z.B. die Ausweisung durch ein \u201eData Seal of Approval\u201c sein. Auch f\u00fcr Datens\u00e4tze ist zu diskutieren, welche Begutachtungskriterien angesetzt werden sollten. Das jTEI hat f\u00fcr die Bewertung von Beitr\u00e4gen, die als Data Paper eingereicht werden, entsprechende Kriterien erarbeitet. Die Idee, f\u00fcr eine Begutachtung von Daten das Einreichen eines Data Papers vorauszusetzen, hat mehrere positive Effekte: So wird ein Anreiz geschaffen, Daten zu ver\u00f6ffentlichen und zu dokumentieren. Au\u00dferdem wird dem Erstellen von Datens\u00e4tzen selbst ein wissenschaftlicher Wert zugesprochen. Auf der anderen Seite f\u00fchren die Data Papers dazu, dass neben den Daten an sich dann auch deren Beschreibung in Form des Aufsatzes begutachtet wird. Sowohl das Format der Data Paper als auch die Kriterien f\u00fcr deren Begutachtung befinden sich im Moment noch in einer Testphase.<\/p>\n<p>Als vierter Referent thematisierte <strong>CHRISTOF SCH\u00d6CH<\/strong> das \u201eSpannungsfeld von (individuellen und kontextgebundenen) Projektzielen und best practise-Anforderungen\u201c und Erwartungsstandards an Ressourcen. Letztere werden etwa durch Kriterienkataloge etabliert. Sch\u00f6ch beschreibt die individuellen Projektgegebenheiten als nicht kodifizierbar und oft nicht in den besprochenen Ressourcen selbst transparent. Es stellt sich also die Frage, ob man \u00fcberhaupt an Ressourcen, die aus unterschiedlichen Kontexten entspringen und sich beispielsweise auf verschiedene finanzielle und personelle Mittel st\u00fctzen k\u00f6nnen, immer die gleichen technischen Ma\u00dfst\u00e4be (z.B. Verwendung von Standards, Usability, Langzeitverf\u00fcgbarkeit) anlegen sollte. Laut Sch\u00f6ch bilde das fehlende Wissen \u00fcber Hintergr\u00fcnde und Kontexte eines Projekts gro\u00dfes Potential f\u00fcr Fehlkommunikation zwischen Rezensent und Projekt, denn die Ressourcen werden nicht f\u00fcr die RezensentInnen gemacht, sondern folgen bestimmten Projektzielen. Unter anderem stellte Sch\u00f6ch die Frage zur Diskussion, inwiefern die Asymmetrie zwischen Projektzielen und Erwartungsstandards nicht auch auf die Rezension analoger Ressourcen zutr\u00e4fe. Speziell in Bezug auf digitale Ressourcen schloss er seinen Beitrag mit Verweis auf das von Tessa Gengnagel <a href=\"https:\/\/ride.i-d-e.de\/issues\/issue-7\/faustedition\/\">in ihrem RIDE-Beitrag<\/a> aufgeworfene \u201aBeta-Dilemma\u2018 mit der Frage, wie Rezensionen mit der prinzipiellen \u201aUnfertigkeit\u2018 digitaler Ressourcen umzugehen haben und wie sich Rezensionen und Kriterienkataloge auf die kontinuierliche Ver\u00e4nderung des state-of-the-art der technischen Realisierung digitaler Ressourcen in den DH einstellen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>J\u00dcRGEN HERMES<\/strong> zog in seinem Beitrag \u201eDie Rezension als Prozess\u201c eine Verbindung zwischen Rezensionen und internen Peer Review-Prozessen. Beides seien Bewertungsprozesse, von denen der eine (Peer Review) in der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle intern, nicht \u00f6ffentlich und vor der Publikation stattfinde, der andere (Rezension) \u00f6ffentlich und nach Ver\u00f6ffentlichung der entsprechenden Ressource. In beiden F\u00e4llen sprach sich Hermes f\u00fcr eine offene und konstruktive Kommunikation aus. Die Vorteile eines feingranularen, zeitnahen und barrierefreien intensiven Austauschs zwischen Rezensentin und Rezensierter seien nicht von der Hand zu weisen, bed\u00fcrften allerdings eines gewissen Wandels der in den Geisteswissenschaften herrschenden Umgangsformen. Die digitalen Geisteswissenschaften k\u00f6nnten hier durchaus eine Vorreiterrolle spielen.<\/p>\n<p><strong>PATRICK SAHLE<\/strong> versuchte unter dem Beitragstitel \u201ePrinzipien der Digitalit\u00e4t\u201c schlie\u00dflich eine Art Vorzusammenfassung der im Panel thematisierten Aspekte unter Bezugnahme auf allgemeine Entwicklungstendenzen, wie sie auch in anderen Bereichen der Digitalisierung der Forschung zu beobachten sind. Er ging dazu auf drei Kernfragen ein. Zun\u00e4chst waren die besonderen Aspekte digitaler Ressourcen als \u201amoving targets\u2018 mit schlechter \u201aFassbarkeit\u2018 zu systematisieren. Hier m\u00fcssen Rezensionen z.B. das Problem des \u201aStatus\u2018 einer Ver\u00f6ffentlichung (Entwurf, reif, unter Ver\u00e4nderung, abgeschlossen) und bei kollaborativen Arbeiten die verschiedenen Beitr\u00e4ge (Urheberschaften) ber\u00fccksichtigen. Rezension ist schlie\u00dflich auch eine Form der Kreditierung! Zu den Schwierigkeiten in der Beschreibung digitaler Ressourcen geh\u00f6rt dann aber auch die Bestimmung der wesentlichen Inhalte, die Unterscheidung zwischen Daten und Publikationsformen, der Abgleich mit allgemeinen Erwartungen und projektspezifischen Zielstellungen und Rahmenbedingungen, das Zusammenspiel zwische Inhalten, Methoden und technischen L\u00f6sungen sowie ggf. Ungleichm\u00e4\u00dfige Bearbeitungsst\u00e4nde aufgrund inkrementeller Vorgehensweisen. Es stellt sich auf dieser Befundlage die zweite Frage, ob wir es mit Funktionsverschiebungen bei Rezensionen digitaler Ressourcen zu tun haben? Als Teilfunktionen benannte Sahle die \u201aHinweisfunktion\u2018 (Bekanntmachung), den bibliografischen Nachweis, den Diskussionsbeitrag, die Aufgabe der Kanonisierung von best Practices, die Bekanntmachung von Innovation und die Dokumentation der Entwicklung der Forschung. Diese Teilfunktionen fallen bei n\u00e4herer Betrachtung f\u00fcr die Besprechung von gedruckten Werken und von digitalen Ressourcen in ihrer Umsetzung und Bedeutung sehr unterschiedlich aus. Es sei deshalb als drittes zu fragen, ob \u201edie Rezension\u201c nicht insgesamt neu zu denken sei.Hier w\u00e4re dann z.B. zu \u00fcberlegen, ob sich ihr Charakter nicht von der \u201awissenschaftlichen Kleinform\u2018 zu echten Forschungsbeitr\u00e4gen ver\u00e4ndern m\u00fcsse &#8211; mit entsprechenden Konsequenzen f\u00fcr die Kreditierung solcher Besprechungen f\u00fcr die Rezensenten. Dabei w\u00e4re zu diskutieren, ob eine Rezension eine Momentaufnahme oder ein fortlaufender Dialog sein sollte und wie Anreizsysteme geschaffen werden k\u00f6nnten, um das digitale Rezensionswesen zu beleben.<\/p>\n<p><strong>Diskussion<\/strong><\/p>\n<p>Im Anschluss an die Vortr\u00e4ge wurde auf dem Podium und mit dem Publikum diskutiert. Wesentliche Aspekte der Diskussion werden hier aufgegriffen:<\/p>\n<p><em>Digitale Ressourcen zwischen Produzenten, Rezensenten und Rezipienten<\/em><\/p>\n<p>Ein Diskussionspunkt auf dem Podium war die Frage, wer denn nun die prim\u00e4ren Adressaten von Rezensionen sind oder &#8211; anders formuliert &#8211; wem es Rezensionen \u201erecht machen\u201c sollen. In diesem Zusammenhang warf Neuber zu Sch\u00f6chs \u201aAsymmetriethese\u2018 ein, dass die Schuld f\u00fcr intransparente Projektkontexte einzig bei den Ressourcenbetreibern selbst l\u00e4ge, die diese in der Dokumentation einer Ressource oft nur unvollst\u00e4ndig oder gar nicht explizit machen. Hingegen w\u00fcrden bestehende Handreichungen wie etwa die Kriterienkataloge des IDE bereits auf die Relativit\u00e4t zu Projektzielen und -ressourcen hinweisen. Hohls brachte einen weiteren Einwand ein, der die Ber\u00fccksichtigung der Projektkontexte ausschlie\u00dft: Rezensionen seien keine Dienstleistung f\u00fcr Produzenten, sondern in erster Linie eine f\u00fcr die Leserinnen und Leser. W\u00e4hrend also Sch\u00f6ch hervorhob, dass Ressourcen nicht f\u00fcr Rezensionen, sondern f\u00fcr Projektziele entstehen und dadurch eine Asymmetrie zwischen allgemein formulierten Anforderungen und \u201aProjektrealit\u00e4ten\u2018 entstehe, setzte Hohls entgegen, Rezensionen h\u00e4tten ausschlie\u00dflich das \u201aProdukt\u2018 zu bewerten und damit die Perspektive der Benutzung einer Ressource zu vertreten. Wie von Neuber hervorgehoben, zielt das IDE mit den Kriterienkatalogen auf eine mittlere Position: Diese sind vor allem auch als m\u00f6gliches Spektrum von Aspekten aufzufassen, die bei einer Rezension besprochen werden k\u00f6nnen. Eine digitale Ressource soll dabei m\u00f6glichst aus verschiedenen Perspektiven bewertet werden, z.B. neben der Pr\u00e4sentation von Inhalten auch der sonst schnell vernachl\u00e4ssigte Aspekt der Nachhaltigkeit in den Blick genommen werden. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass der Kontext der Entstehung einer Ressource in eine Besprechung einflie\u00dfen sollte (siehe bspw. den Abschnitt \u201eRahmenbedingungen\u201c im <a href=\"https:\/\/www.i-d-e.de\/publikationen\/weitereschriften\/kriterien-version-1-1\/\">Kriterienkatalog f\u00fcr die Besprechung digitaler Editionen<\/a>).<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich m\u00fcsse laut Hohls die Leserperspektive st\u00e4rker in den Blick genommen werden, denn \u201ewer soll 20 Seiten Rezension lesen?\u201c. Da Hohls sich damit auf die L\u00e4nge der Beitr\u00e4ge in RIDE bezog, f\u00fchrte Henny-Krahmer an, es g\u00e4be schlie\u00dflich Kurzabstracts der Beitr\u00e4ge und den Questionnaire als Zusammenfassung, um den LeserInnen den Zugang zu l\u00e4ngeren Rezensionen zu erleichtern. Sahle argumentierte weiter, eine zu kurze Rezension sei kein echter Forschungsbeitrag und die ausf\u00fchrlichen Beitr\u00e4ge in RIDE w\u00fcrden \u00fcber die Beschreibung der Ressourcen hinaus auch der Sichtung und Diskussion der Entwicklungen und Best-Practices in den DH dienen. Weiter pl\u00e4dierte Sahle f\u00fcr eine entsprechende Kreditierung von tiefgehenden Rezensionen. Im Zuge der weiteren Diskussion auf dem Podium kristallisierte sich heraus, dass eine st\u00e4rkere Unterscheidung von \u201eReview\u201c als Kurzbeitrag und \u201eReview-Essay\u201c als Forschungsartikel sowohl f\u00fcr die Kreditierung der Beitr\u00e4ge f\u00fcr die AutorInnen als auch f\u00fcr die Erwartungen der LeserInnen dienlich sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>Begutachtung von Daten<\/em><\/p>\n<p>Das Thema der Begutachtung von Daten war ein weiterer Punkt, der in der Diskussion vom Publikum und den PanelistInnen mehrfach aufgegriffen wurde. So wurde grunds\u00e4tzlich gefragt, warum Daten \u00fcberhaupt begutachtet werden sollten. Wichtig sei es, zwischen einer Evaluation von Daten vor deren Ver\u00f6ffentlichung und einer Rezension nach einer Ver\u00f6ffentlichung zu unterscheiden. Dieser Hinweis aus dem Publikum deutet auf die Schwierigkeiten hin, die durch das \u201ain den Fluss\u2018 geratene Rezensions- aber auch Publikationswesen entstehen. Bevor \u00fcber angemessene Rezensionsformen von digitalen Ressourcen diskutiert werden kann, muss erst einmal gekl\u00e4rt werden, ab wann diese als publiziert und rezensionsreif gelten k\u00f6nnen. Andernfalls w\u00e4re eine Aufl\u00f6sung klarer Bereiche vor und nach der Publikation zu verzeichnen, die dann mit einem kontinuierlichen Prozess der Bereitstellung von digitalen Ressourcen und einer kontinuierlichen begleitenden Bewertung einhergehen w\u00fcrde, wobei nicht mehr klar zwischen einem Peer Review und einem klassischen Review nach der Ver\u00f6ffentlichung unterschieden werden k\u00f6nnte. Ein Open Peer Review etwa w\u00fcrde sich in einem solchen \u201aKorridor\u2018 zwischen der Erarbeitung und der Besprechung digitaler Ressourcen abspielen.<\/p>\n<p>Weiterhin wurde diskutiert, ob statt der Daten selbst nicht deren Dokumentation begutachtet werden sollte oder auch das Datenmodell oder -schema, welches den eigentlichen Datens\u00e4tzen zugrunde liegt, also f\u00fcr TEI z.B. die Kodierungsrichtlinien oder eine ODD-Datei. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Daten selbst aus diversen Gr\u00fcnden nicht immer dem intendierten Schema entsprechen m\u00fcssen oder k\u00f6nnen. Baillot bemerkte dazu, dass beide Aspekte wichtig seien, sowohl eine Bewertung der Qualit\u00e4t der Datens\u00e4tze selbst als auch des Datenschemas.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Einige der Thesen und Ideen, die in den Beitr\u00e4gen skizziert wurden, konnten auf Grund der zeitlichen Begrenzung nicht mehr innerhalb des Panels besprochen werden. War die urspr\u00fcngliche Idee des Panels, \u00fcber den Stand der Dinge und die m\u00f6gliche Gestalt eines Rezensionswesens in den DH zu diskutieren, so zeigte sich in der Diskussion, dass zun\u00e4chst grundlegende Fragen gekl\u00e4rt werden m\u00fcssen, bevor \u00fcber die konkrete Ausgestaltung eines Rezensionswesens \u00fcberhaupt debattiert werden kann. Zu diesen grundlegenden Fragen z\u00e4hlt z.B. die Abgrenzung von Forschungsdaten und umfassenderen digitalen Publikationen sowie von verschiedenen Bewertungsformen wie Peer Review vs. Rezension.<\/p>\n<p>So blieben im Hinblick auf ein Rezensionswesen der DH einige Fragen offen, die von den PanelistInnen aufgeworfen worden waren. Beispielsweise ist immer noch nicht klar, wie traditionelle Rezensionsorgane wie H-Soz-Kult mehr RezensentInnen auch f\u00fcr digitale Ressourcen gewinnen k\u00f6nnen. Im Besonderen m\u00fcsste dabei auch eruiert werden, inwiefern digitale Forschungsergebnisse tats\u00e4chlich immer noch weniger akkreditiert sind als die klassische Monografie und ob die ungleiche Gewichtung die analoge Ressource f\u00fcr die Rezension m\u00f6glicherweise \u201aattraktiver\u2018 macht (Hohls). Ebenfalls nicht mehr im Panel zur Sprache gebracht werden konnten dynamische bzw. \u201adigitalere\u2018 Formen der Rezension und ihre Sinn- oder Unsinnhaftigkeit f\u00fcr das Genre \u201eRezension\u201c (Neuber). Eine Gegenposition zu einer dynamischeren Ausgestaltung von Rezensionen besteht in der Auffassung von Rezensionen als Momentaufnahmen, mit denen punktuelle Zust\u00e4nde einer Ressource dokumentiert werden (Sahle). Diese sind dann vor allem als einzelner Diskussionsbeitrag zu einer Ressource zu verstehen, die Rezension w\u00fcrde die Ressource dann aber nicht zeitlebens begleiten und eben nur eine \u201amomentane\u2018 G\u00fcltigkeit haben. Die grunds\u00e4tzliche Frage, ob die Rezension weiterhin eine Momentaufnahme eines bestimmten Status einer digitalen Ressource sein kann oder ob sie sich in ihrer medialen Konzeption an die digitalen Rezensionsobjekte \u201aangleichen\u2018 muss, steht also weiterhin zur Diskussion.<\/p>\n<p>Das Panel hat gezeigt, dass das Thema der Rezension digitaler Ressourcen komplex ist, was auch an der Zusammensetzung des Podiums deutlich wurde. Die PanelistInnen vereinten zwar viele verschiedene Perspektiven auf das Thema, diese waren jedoch in ihrer Vielseitigkeit nicht immer leicht zu b\u00fcndeln und f\u00fcllten dar\u00fcber hinaus den zeitlichen Rahmen der Session schon weitgehend aus. Es ist daher w\u00fcnschenswert, den Dialog \u00fcber Ressourcen und Rezensionen in den Digital Humanities in anderen Zusammenh\u00e4ngen fortzusetzen.<\/p>\n<p><em>Weitere Informationen:<\/em><br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/ride.i-d-e.de\/wp-content\/uploads\/RIDE-dhd-abs.pdf\">Abstract<\/a> und <a href=\"https:\/\/ride.i-d-e.de\/wp-content\/uploads\/Alles-ist-im-Fluss.pdf\">Folien<\/a> zum Panel.<br \/>\n&#8211; K\u00fcrzlich erschienen in der ZfdG: Henny, Ulrike: \u201c<a href=\"http:\/\/www.zfdg.de\/sb002_006\">Reviewing von digitalen Editionen im Kontext der Evaluation digitaler Forschungsergebnisse.<\/a>\u201d In: Digitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft. Hg. von Roland S. Kamzelak \/ Timo Steyer. 2018 (= Sonderband der Zeitschrift f\u00fcr digitale Geisteswissenschaften, 2). text\/html Format. DOI: 10.17175\/sb002_006.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VerfasserInnen: Ulrike Henny-Krahmer, Frederike Neuber, Patrick Sahle und Franz Fischer. Auf der Jahreskonferenz der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum organisierte das Institut f\u00fcr Dokumentologie und Editorik (IDE) ein Panel mit dem Titel \u201eAlles ist im Fluss &#8211; Ressourcen und Rezensionen in den Digital Humanities\u201c. Angeregt durch das Tagungsthema \u201eKritik der digitalen Vernunft\u201c \u00a0wurden dabei Mittel [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":174,"featured_media":9754,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,23,534,4,657],"tags":[808,490,809,428,810,231],"class_list":["post-9750","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-forschung","category-forschung-methode","category-konferenz","category-veranstaltungen","category-vortrag","tag-dhd2018","tag-ide","tag-review","tag-rezension","tag-rideing","tag-telota"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/174"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9750"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9750\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9763,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9750\/revisions\/9763"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}