{"id":915,"date":"2012-10-01T15:59:34","date_gmt":"2012-10-01T13:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=915"},"modified":"2012-10-02T13:50:12","modified_gmt":"2012-10-02T11:50:12","slug":"informationsinfrastrukturen-im-wandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=915","title":{"rendered":"Informationsinfrastrukturen im Wandel &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Der <a title=\"49. Historikertag 2012 in Mainz\" href=\"http:\/\/www.historikertag.de\/Mainz2012\/de\/startseite.html\">diesj\u00e4hrige <strong>Historikertag<\/strong><\/a> wartete mit der erfreulichen Neuerung auf, eine eigene <a title=\"Sektionen nach Epochen und Kategorien\" href=\"http:\/\/www.historikertag.de\/Mainz2012\/de\/programm\/wissenschaftliches-programm\/sektionen.html\">Hauptkategorie<\/a> &#8222;<strong><a title=\"eHumanities-Sessions\" href=\"http:\/\/www.historikertag.de\/Mainz2012\/de\/programm\/wissenschaftliches-programm\/sektionen\/ehumanities.html\">eHumanities<\/a><\/strong>&#8220; zu f\u00fchren, in der jeden Tag mindestens eine Session verortet war. Am Freitag, den 28.9.2012 gab es eine fast vierst\u00fcndige Sektion unter dem Titel &#8222;<a title=\"Sektion Informationsinfrastrukturen\" href=\"http:\/\/www.historikertag.de\/Mainz2012\/de\/programm\/wissenschaftliches-programm\/sektionen\/einzelansicht\/article\/informationsinfrastrukturen-im-wandel-zur-vergangenheit-gegenwart-und-zukunft-der-informationsvera.html\"><strong>Informationsinfrastrukturen<\/strong> im Wandel: Zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Informationsverarbeitung in historischer Lehre und Forschung<\/a>&#8222;. Nach einer Reihe von &#8222;Impulsreferaten&#8220; wurde zun\u00e4chst mit den Referenten diskutiert, bevor es eine allgemeine Podiumsdiskussion mit anderen Podianten als Vertretern verschiedener Teilbereiche der geschichtswissenschaftlichen \u00d6kosystems (Historiker, Doktoranden, Bibliothekare, Portalbetreiber, Verleger) gab.<\/p>\n<p>Leider hatten alle Teile wenig bis gar nichts mit dem zu tun, was ich selbst unter Informationsinfrastrukturen (geschweige denn in Gegenwart und Zukunft) verstehen w\u00fcrde. Das Thema wurde also eher &#8222;implizit&#8220; bearbeitet, wenn \u00fcber die Arbeit des Historikers und die digitalen Wandlungen dieser Arbeit diskutiert wurde. Wenn ich eigens nach Mainz gereist war, um als jemand, der in einem Infrastrukturprojekt besch\u00e4ftigt ist, etwas \u00fcber die Sicht der historisch arbeitenden Fachkollegen auf Infrastrukturen zu erfahren, so blieb der Erkenntnisgewinn zu dieser Frage eher gering. Daf\u00fcr scheinen mir zwei andere Details berichtenswert, die ich hier rein willk\u00fcrlich herausgreifen m\u00f6chte und die nicht f\u00fcr die Gesamtheit der Veranstaltung und der Beteiligten stehen.<\/p>\n<p>Zum Einen wurde von <a title=\"Prof. Dr. Christoph Corneli\u00dfen, deutscher Historiker\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christoph_Corneli%C3%9Fen\" target=\"_blank\">Christoph Corneli\u00dfen<\/a> beil\u00e4ufig darauf hingewiesen, dass die (nicht zuletzt von <a title=\"Peter Haber, Schweizer Historiker\" href=\"http:\/\/www.hist.net\/peter-haber\/\">Peter Haber<\/a>) viel diskutierten Beschreibungsmuster der Wissenschaftler in der digitalen Welt als &#8222;<a title=\"Peter Haber \u00fcber digital Immigrants\" href=\"http:\/\/weblog.hist.net\/archives\/tag\/digital-immigrants\">digital immigrants<\/a>&#8220; und als &#8222;digital natives&#8220; nat\u00fcrlich zu erg\u00e4nzen sind um die gr\u00f6\u00dfte, m\u00f6glichwerweise nicht nur gef\u00fchlt 90% umfassende Gruppe der &#8222;<strong>digital ignorants<\/strong>&#8220; &#8211; die man bei einer systematischen Betrachtung der gegenw\u00e4rtigen Wissenschaftstransformation ebenfalls unter die Lupe nehmen m\u00fcsste. Zum anderen wurde mal wieder (und: ja, ich mache das auch \u00f6fters) die Monstranz des &#8222;Wir m\u00fcssen die wissenschaftliche Qualit\u00e4t sichern und die wissenschaftlichen <strong>Qualit\u00e4tsstandards<\/strong> bewahren&#8220; aus dem Tabernakel geholt. Dabei ist es immer das gleiche: Die Monstranz wird gezeigt, es wird aber nicht weiter darauf eingegangen, worin die postulierten Qualit\u00e4ten eigentlich bestehen und wie sie zu sichern, geschweige denn zu pr\u00fcfen w\u00e4ren. Dass &#8222;wissenschaftliche Qualit\u00e4t&#8220; in der freien Wildbahn praktisch nur als vage Selbstzuschreibung und als Verteidigungsbegriff gegen alles Andere und Neue vorkommt, lie\u00df sich auch hier wieder eindr\u00fccklich beobachten. Pauschal wurde da z.B. von einem auf dem digitalen Feld zu beobachtenden &#8222;Wildwuchs&#8220; der Angebote gesprochen, die die traditionellen Qualit\u00e4tsstandards unterlaufen w\u00fcrden und denen gegen\u00fcber &#8222;Qualit\u00e4tserfordernisse&#8220; definiert werden m\u00fcssten (was sicher nicht schaden kann). Immerhin m\u00fcndete der sporadische Verweis auf die Digital Humanities nicht in ein allgemeines DH-bashing, nachdem <a title=\"Prof. Charlotte Schubert, Althistorikerin aus Leipzig\" href=\"http:\/\/www.uni-leipzig.de\/~geschalt\/ag101.htm\">Charlotte Schubert<\/a> auf das hohe Ma\u00df der Selbstreflexion in den DH verwiesen hatte.<\/p>\n<p>Eine sonderbare Note bekam die Rede \u00fcber die Qualit\u00e4tsicherung im historischen Feld allerdings auch dadurch, dass als Grundlage der vorgetragenen Gedanken eine &#8222;Diskussion an der Hotelbar am gestrigen Abend&#8220; referenziert wurde und dass bem\u00e4ngelt wurde, dass man heute kaum noch einen Vortrag halten k\u00f6nne, ohne dass im Publikum online recherchiert w\u00fcrde, ob der Vortragende auch wirklich keinen Unsinn erz\u00e4hlt (und ich dachte, DAS sei ein Zeichen von Qualit\u00e4tssicherung). Die reklamierte Qualit\u00e4t der vortragenden Wissenschaftler erscheint so als eine, die sich gerade nicht \u00fcberpr\u00fcfen lassen will. Dazu passend wurden dann auch &#8222;Freir\u00e4ume&#8220; f\u00fcr den Geisteswissenschaftler reklamiert, die &#8222;von elektronischer Beobachtung frei&#8220; sein sollten. Die Apologie der digitalen Ignoranz gipfelte im Ausruf, dass man auch heute noch &#8222;hervorragende Geschichtswerke ohne das Internet schreiben&#8220; k\u00f6nne. Das ist sicher richtig, wenn die <strong>historische Erkenntnis<\/strong> rein und vollst\u00e4ndig aus den pers\u00f6nlich konsultierten Quellen, aus der Besch\u00e4ftigung mit der \u00e4lteren Literatur oder unmittelbar von Gott kommt. Sollte sie allerdings auch auf einem wissenschaftlichen Diskurs gr\u00fcnden, der im Hier und Jetzt stattfindet und der sich nun einmal auch der gegenw\u00e4rtigen Technologien und Medien bedient, dann wird man die Prozesse der Erkenntnisgewinnung und ihre Qualit\u00e4tsabsch\u00e4tzung doch etwas differenzierter betrachten m\u00fcssen. Selbst angelegte Scheuklappen scheinen dann eine eher schlechte Basis f\u00fcr &#8222;hervorragende&#8220; Wissenschaft zu sein. Und wieso aus Ignoranz Qualit\u00e4t entstehen soll, werde ich vielleicht auch erst sp\u00e4ter begreifen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der diesj\u00e4hrige Historikertag wartete mit der erfreulichen Neuerung auf, eine eigene Hauptkategorie &#8222;eHumanities&#8220; zu f\u00fchren, in der jeden Tag mindestens eine Session verortet war. 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