{"id":8084,"date":"2017-06-14T17:03:49","date_gmt":"2017-06-14T15:03:49","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=8084"},"modified":"2017-06-14T17:03:49","modified_gmt":"2017-06-14T15:03:49","slug":"vorstellung-der-preistraegerinnen-des-dariah-dh-award-2017-armin-haeberle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=8084","title":{"rendered":"Vorstellung der Preistr\u00e4gerInnen des DARIAH DH-Award 2017: Armin H\u00e4berle"},"content":{"rendered":"<p><em>Der <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=7883\">DARIAH-DE DH-Award 2017<\/a> f\u00f6rdert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ans\u00e4tze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir Preistr\u00e4gerInnen und Projekte in den n\u00e4chsten Wochen vor.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Haeberle-A.-280515-01-22-1-online.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8011\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Haeberle-A.-280515-01-22-1-online.jpg\" alt=\"Armin H\u00e4berle\" width=\"200\" height=\"250\" \/><\/a><em><a href=\"http:\/\/www.arminhaeberle.de\/\">Armin H\u00e4berle<\/a> studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie Karlsruhe und der Universit\u00e4t Lissabon. Er war Meistersch\u00fcler von Horst Antes und in Berlin selbst\u00e4ndig. Er erhielt das Graduiertenstipendium Baden-W\u00fcrttembergs und den Friedrichshafener Kunstf\u00f6rderpreis. Das Studium der Kunstgeschichte an Freien Universit\u00e4t Berlin hat er mit einer Masterarbeit zu Poussin mit Auszeichnung abgeschlossen. Derzeit ist er Doktorand an der Bibliotheca Hertziana.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><span class=\"im\"><strong>Welche Ergebnisse erwarten Sie und f\u00fcr welche Forschungsthemen sind diese anschlussf\u00e4hig?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/DARIAH-Blog_Infokasten_neu.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7898\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/DARIAH-Blog_Infokasten_neu.png\" alt=\"DARIAH-Blog_Infokasten_neu\" width=\"350\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hauptziel ist die Entwicklung eines oder mehrerer Bildgebungsverfahren, mit denen die materielle Stratifikation einer k\u00fcnstlerischen Handzeichnung, die, nicht immer, aber h\u00e4ufig der chronologischen Werkgenese entspricht, in separierten Einzelbildern dargestellt werden kann. Da sich diese Schichten gemeinhin \u00fcberlagern, wird durch eine Bildgebung die empirische Untersuchung der Werkgenese und des kreativen Prozesses f\u00fcr die Kunsthistorik \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich. Bislang gelingt dies nur eingeschr\u00e4nkt, meist mittels Infrarot-Reflektographien. Die verbliebenen diagnostischen L\u00fccken m\u00f6chten wir schlie\u00dfen. F\u00fcr die Substrat-Kombination R\u00f6tel-Tinte\/Tusche ist uns dies gelungen.<\/p>\n<p>Das Verfahren nutzt die spezifischen Wellenl\u00e4ngensignaturen der Zeichenmaterialien und filtert diese \u00fcber eine Kaskade von Musterkennungsverfahren. Das Verfahren bietet die Chance, verschiedene Fragestellungen in einer Serie von Aufnahmen abzuarbeiten, und Objekte zu untersuchen, die sich in kleinen Sammlungen ohne Anbindung an wissenschaftliche Labore befinden. Dies k\u00f6nnte die bisherige Forschung, in der technische Untersuchungen fast ausschlie\u00dflich an \u201eMeisterzeichnungen\u201c vorgenommen werden, verbreitern und demokratisieren.<\/p>\n<p>Ein zweites Ziel ist die Rekonstruktion ausradierter oder besch\u00e4digter Partien. F\u00fcr die Fr\u00fche Neuzeit wurden Ph\u00e4nomene des Ausradierens in Zeichnungen als k\u00fcnstlerischem Verfahren noch nie thematisiert. Dies schlie\u00dft sehr eng an die sogenannte Palimpsest-Forschung an, wo in den vergangenen f\u00fcnfzehn Jahren gro\u00dfe Fortschritte erzielt wurden (z.B. beim \u201eArchimedes-Palimpsest\u201c). Letztlich blieben diese Forschungen aber auf Schriftst\u00fccke konzentriert. Wir arbeiten an einer Nutzbarmachung f\u00fcr das Feld der Bildk\u00fcnste.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sind die zur Bildauswertung entwickelten Algorithmen nicht auf historische Anwendungen beschr\u00e4nkt. Automatisierte Mustererkennungen sind \u00e4u\u00dferst universell. Die zu entwickelnden Rechenoperationen k\u00f6nnten folglich auch einen Beitrag zu g\u00e4nzlich anderen Anwendungen, z.B. in der medizinischen Diagnostik oder der Grundlagenforschung der Informatik und Historik leisten.<\/p>\n<p><strong>Mit welchen Materialien und Daten arbeiten Sie?<\/strong><\/p>\n<p>Ziel der Bildgebung ist die Untersuchung von musealisierten Kunstwerken auf Papier, Pergament und Holz. Da diese von hohem historischen wie monet\u00e4rem Wert sind, und das gealterte Material besonders strahlungssensibel und fragil ist, erproben wir unsere Aufnahmetechniken bisher ausschlie\u00dflich anhand von Imitationen. Die einzelnen Produktionsstufen dieser Dummies werden Schritt f\u00fcr Schritt dokumentiert. Diese Datens\u00e4tze dienen als Pr\u00fcfinstrument f\u00fcr die Akkuratesse der hyperspektralen Bildauswertung. In dem wechselseitigen Abgleich von RGB-Bildern der Produktionsschritte und den hyperspektralen Bildauswertungen k\u00f6nnen die Verfahren bewertet und verfeinert werden. Dieser Workflow findet f\u00fcr alle Substratkombinationen Anwendung, wobei wir uns auf jene konzentrieren, die bisher keiner Diagnostik zug\u00e4nglich, oder besonders schwierig nachzuweisen sind (z.B. Graphit). Gleichzeitig erarbeiten wir Strategien zur Reduktion der Strahlenbelastung. In der folgenden Phase soll das ausentwickelte Verfahren schlie\u00dflich an musealen Objekten gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_8086\" style=\"width: 1210px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Davari-Haeberle-Riess-Serie1-img1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8086\" class=\"size-full wp-image-8086\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Davari-Haeberle-Riess-Serie1-img1.png\" alt=\"Aufnahme aus der Untersuchungsreihe 1, (C) A. Davari\/A. Haeberle\/C. Riess, 2016\" width=\"1200\" height=\"585\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8086\" class=\"wp-caption-text\"><em>Aufnahme aus der Untersuchungsreihe 1, (C) A. Davari\/A. Haeberle\/C. Riess, 2016<\/em><\/p><\/div>\n<p><strong>Gibt es Methoden, Theorien und Tools, welche f\u00fcr diese Aufgabe besonders interessant sind?<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren dient vorrangig der historischen Zeichnungs- und Manuskriptforschung. In diesem Bereich spielen kennerschaftliche Urteile \u2013 gerade aufgrund der meist ausgesprochen schlechten Dokumentenlage \u2013 bis heute eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Rolle. Erst in j\u00fcngster Zeit gab es st\u00e4rkere Bem\u00fchungen, den methodischen Zugang zu \u00fcberdenken und nach valideren Kriterien bei der Urteilsfindung zu suchen (z.B: durch Burmester\/Renger oder Pagliano). Nachdem technische Untersuchungen lange Zeit in den Aufgabenbereich von Restauratoren ausgelagert wurden, gewinnen diese erst j\u00fcngst f\u00fcr Kunsthistoriker selbst wieder an Bedeutung. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die Fragestellungen von Restauratoren und Kunsthistorikern an das Objekt und seinen Kontext regelm\u00e4\u00dfig unterscheiden. Auch die Analyse von Werkprozessen w\u00fcrde ich hier mitzurechnen. Insofern sehe ich die Suche nach neuen technischen Untersuchungen auch als Teil einer Suche nach einer methodischen Erneuerung des Faches. Die Methode eignet sich auch zur Untersuchung von Archivalien und Schriftst\u00fccken, modifiziert auch f\u00fcr Druckgraphiken. Daneben kann sie ein Werkzeug zur Echtheitspr\u00fcfung sein. Grunds\u00e4tzlich lie\u00dfe sich daraus auch ein Pr\u00fcfinstrument f\u00fcr andere Dokumente, z.B. Ausweise, Geldscheine usf. entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu besch\u00e4ftigen?<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Projekt erwuchs aus der Lekt\u00fcre eines kurzen medizinischen Artikels zum \u201erichtigen Zeitpunkt\u201c. Im Rahmen meiner Forschung an Handzeichnungen war ich mit dem Problem konfrontiert, Arbeitsprozesse in materiell und technisch \u00e4u\u00dferst komplex erarbeiteten Entwurfszeichnungen f\u00fcr vielfigurige und gro\u00dfformatige Schlachtendarstellungen zu identifizieren. In ihrer materiellen \u00dcberlagerung pr\u00e4sentierten sich diese jedoch als visuelles Chaos, das sich einer geisteswissenschaftlichen Analyse durch das technisch nicht-assistierte Auge verschloss. In dem Aufsatz wurde von einer hyperspektral-analytischen Anwendung berichtet, mit der es niedergelassenen Haut\u00e4rzten m\u00f6glich werden sollte, durch Aufnahmen von Hautarealen mit einer Kamera und entsprechender Mustererkennungssoftware, Hautkrebs im Fr\u00fchstadium zu identifizieren. Grundlage der Technik war die Erkenntnis, dass sich Krebszellen hinsichtlich ihrer Farbe von gesunden Zellen spezifisch unterscheiden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Lekt\u00fcre hatte ich sofort den Gedanken, dass mein Problem \u2013 die Extraktion bestimmter Farbsignaturen vor einem \u00fcberwiegend homogenen Bildgrund &#8211; mit demselben Verfahren zu l\u00f6sen sein k\u00f6nnte, vorausgesetzt das Ergebnis lie\u00dfe sich als Bildgebung darstellen. Ich habe den damaligen Projektleiter Christian Riess in Erlangen angerufen und wir konnten schnell zu einer ersten Zusammenarbeit finden, die bis heute intensiviert wurde, und die durch das Hinzusto\u00dfen von Amir Abbas Davari nun die ersten Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Welche Angebote der digitalen Geisteswissenschaften f\u00e4nden Sie f\u00fcr Ihre Forschungsprojekte in Zukunft besonders hilfreich?<\/strong><\/p>\n<p>Transdisziplin\u00e4re Kooperationen tragen in meinen Augen dann rasche Fr\u00fcchte, wenn es allen beteiligten Disziplinen gelingt, f\u00fcr ihr jeweiliges Arbeitsfeld im konkreten Fall eigenst\u00e4ndige, relevante Forschungsfragen zu formulieren. Die Suche nach einer blanden technischen Anwendung f\u00fcr ein Problem eines Kunsthistorikers ist f\u00fcr einen Informatiker so wenig herausfordernd, wie die Bitte an einen Klempner, einen Wasserhahn zu montieren. In dem Moment, in dem es aber darum geht ein grundlegendes Problem im eigenen Fachbereich zu l\u00f6sen \u2013 im besagten Beispiel, die Erfindung eines neuen Ventilmechanismus zur Kontrolle eines Fl\u00fcssigkeitsstroms \u2013 sprich um eine Forschungsleistung, kommen Innovationen in aller Regel mit Siebenmeilenstiefeln voran.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Kunstgeschichtsschreibung im Besonderen w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass sich die Kunsthistoriker wieder st\u00e4rker selbst mit der f\u00fcr die L\u00f6sung ihrer eigenen Forschungsfragen notwendigen oder eben noch zu erfindenden, objektorientierten Techniken auseinandersetzen. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Aufgabe fast vollst\u00e4ndig an andere Disziplinen abgegeben, die in aller Regel auch n\u00e4her am (materiellen) Objekt operieren. Es ist aber ein Trugschluss, zu glauben, dass die Fragestellungen, die diese an das Werk richten, mit denen der Historiker identisch seien. Sie unterscheiden sich regelm\u00e4\u00dfig deutlich. Diese Verlagerung hat zu einer einseitigen Verschiebung von Expertise und Urteilsf\u00e4higkeit der technischen Untersuchungen gef\u00fchrt, die auch im interdisziplin\u00e4ren Diskurs nicht einfach zu \u00fcberbr\u00fccken ist, und andererseits zu einer Wendung der Kunsthistorik zur \u201ereinen Geisteswissenschaft\u201c. Gepaart ist dies mit einer Wiederbelebung der klassischen Kennerschaft, w\u00e4hrend gleichzeitig Forschungsfragen, f\u00fcr die Restauratoren oder andere Disziplinen kein probates Untersuchungsinstrument bereitstellen, h\u00e4ufig unbearbeitet blieben. Das eigene Nachdenken \u00fcber die noch zu erarbeitenden Probleml\u00f6sungen und das gezielte Suchen nach wissenschaftlichen Partnern, f\u00fcr das Disziplinen wie die Arch\u00e4ologie oder die verwandte Bauforschung Vorbild sein k\u00f6nnten, k\u00f6nnte nach meiner Auffassung dazu beitragen, dass die Kunstgeschichte neben der \u00fcberaus fruchtbaren Bereitstellung und Verarbeitung von Materialien in Datenbanken und den damit verbundenen Chancen hinaus, zu einer ganzen Reihe von weiteren Innovationen beitr\u00e4gt, die das Fach wissenschaftlich weiter fundieren und voranbringen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/p>\n<p>Armin H\u00e4berle (<a href=\"http:\/\/www.arminhaeberle.de\/\">Homepage<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.biblhertz.it\/institut\/mitarbeiter-und-gaeste\/mitarbeiterdatenbank\/mitarbeiterdetails\/ma-armin-haeberle\/?no_cache=1&amp;tx_rmbibltessera_pi1%5Bbackpid%5D=24\">Bibliotheca Hertziana<\/a>)<\/p>\n<p>Dr. Christian Riess (<a href=\"https:\/\/www5.cs.fau.de\/en\/our-team\/riess-christian\">Institut f\u00fcr Informatik, FAU Erlangen-N\u00fcrnberg<\/a>)<\/p>\n<p>Amir Abbas Davari (<a href=\"http:\/\/www5.cs.fau.de\/en\/our-team\/davari-amirabbas\">Institut f\u00fcr Informatik, FAU Erlangen-N\u00fcrnberg<\/a>)<\/p>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3529\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/DARIAH-DE-Logo-mit-deutscher-Unterschrift-CMYK-1.1.png\" alt=\"DARIAH-DE Logo mit deutscher Unterschrift CMYK 1.1\" width=\"201\" height=\"89\" \/><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/de.dariah.eu\">DARIAH-DE<\/a> unterst\u00fctzt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre. Daf\u00fcr baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur f\u00fcr Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien f\u00fcr Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europ\u00e4ischen Partnern und Projektverb\u00fcndeten zusammen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der DARIAH-DE DH-Award 2017 f\u00f6rdert NachwuchswissenschaftlerInnen, die in ihren Forschungsvorhaben innovative digitale Ans\u00e4tze und Methoden einsetzen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Digital Humanities leisten. Im DHd-Blog stellen wir Preistr\u00e4gerInnen und Projekte in den n\u00e4chsten Wochen vor. Armin H\u00e4berle studierte Malerei und Grafik an der Kunstakademie Karlsruhe und der Universit\u00e4t Lissabon. 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