{"id":7772,"date":"2017-02-27T15:10:04","date_gmt":"2017-02-27T14:10:04","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=7772"},"modified":"2017-02-27T15:10:04","modified_gmt":"2017-02-27T14:10:04","slug":"nachhaltigkeit-fuer-digitale-editionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=7772","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit f\u00fcr digitale Editionen"},"content":{"rendered":"<p>Unter der \u00dcberschrift \u201eDigitale Nachhaltigkeit\u201c firmierte die <a href=\"http:\/\/www.dhd2017.ch\/\">DHd-Konferenz 2017<\/a> vom 13. -17. Februar 2017 in Bern. Aber was bedeutet digitale Nachhaltigkeit speziell f\u00fcr digitale Editionen? Verschiedene Beitr\u00e4ge des umfangreichen <a href=\"http:\/\/www.dhd2017.ch\/programm\">Programms<\/a> der DHd2017 besch\u00e4ftigten sich mit der Frage, wie die langfristige Nutzung von Datenbest\u00e4nden digitaler Editionen \u00fcber die Laufzeit der jeweiligen Projekte hinaus sichergestellt werden k\u00f6nnte. Daran schloss sich die naheliegende Frage an, ob die Anlage, der Betrieb und die Unterhaltung einer digitalen Edition im Rahmen einer der bekannten virtuellen Forschungsplattformen (VFU) eine l\u00e4ngerfristige Nachnutzbarkeit gew\u00e4hren k\u00f6nne als die durch viele Editionsprojekte entwickelten, ma\u00dfgeschneiderten Insell\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Zentral f\u00fcr die Fragestellung war das <em>Panel 6: Virtuelle Forschungsplattformen im Vergleich: <\/em><a href=\"http:\/\/www.rug.nl\/society-business\/target\/projects-and-rd\/target_projects\/monk\">MONK<\/a><em>, <\/em><a href=\"https:\/\/textgrid.de\/\">Textgrid<\/a><em>, <\/em><a href=\"http:\/\/www.fud.uni-trier.de\/de\/software\/funktionsumfang\/tools\/transcribo\/\">Transcribo (FuD)<\/a><em> und <\/em><a href=\"https:\/\/transkribus.eu\/Transkribus\/\">Transkribus<\/a>, das sich zum Ziel gesetzt hatte, durch Kurzvorstellung der einzelnen im Titel genannten VFUs unter immer gleichen, vorgegebenen Gesichtspunkten Vergleichbarkeit unter den bestehenden L\u00f6sungen herzustellen. Dieser komprimierte \u00dcberblick \u00fcber die unterschiedlichen zur Verf\u00fcgung stehenden Dienste sollte der Zuh\u00f6rerschaft im Vergleich ein Urteil \u00fcber die Anwendungsm\u00f6glichkeiten und Unterst\u00fctzungsangebote von VFUs erlauben. Im Detail ging es um die Herstellung von Transkriptionen, Erfassung von Metadaten, Bild-Text-Verkn\u00fcpfungen, Export- und Vernetzungsm\u00f6glichkeiten und Nachhaltigkeit der jeweiligen Plattform und die Langzeitverf\u00fcgbarkeit der dort gespeicherten Daten. Die unterschiedlichen Konzepte und angebotenen Abl\u00e4ufe sowie die integrierten Hilfsmittel und das Leistungsspektrum der unterst\u00fctzten Prozesse unterschieden sich je nach Profilierung der jeweiligen Plattformen. Ausgangspunkt f\u00fcr die Wahl der geeignetsten VFU f\u00fcr ein geplantes Editionsprojekt sei dementsprechend die Evaluation der Schl\u00fcsselfaktoren &#8211; einer Kombination von Ausgangsfragestellungen, Materialumfang und Zielvision des Editionsprojektes &#8211; f\u00fchrten die Vortragenden jeweils in Bezug auf die von ihnen vorgestellte VFU aus (f\u00fcr MONK Lambert Schomaker, Rijksuniversiteit Groningen, f\u00fcr Textgrid Mirjam Bl\u00fcmm, Nieders\u00e4chsische Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek G\u00f6ttingen, f\u00fcr Transcribo Thomas Burch, Universit\u00e4t Trier und f\u00fcr Transkribus Tobias Hodel, Staatsarchiv Z\u00fcrich \u2013 Slides <a href=\"https:\/\/de.slideshare.net\/thfalcon\/folien-read-dhd2017\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>Bedenkenswert war in diesem Zusammenhang die von Jan-Christoph Meister (Universit\u00e4t Hamburg) aufgeworfene Frage, ob das Streben nach Nachhaltigkeit den Forscher nicht prinzipiell davon abhalte, Forschung zu betreiben und ob er nicht eigentlich nur noch mit der Verwaltung von Forschungsergebnissen befasst sei. Zumindest teilweise k\u00f6nnen VFUs dem Forscher diese Aufgaben abnehmen bzw. ihre Bew\u00e4ltigung erleichtern.<\/p>\n<p>Dem Panel zu virtuellen Forschungsumgebungen stand eine Vortragssektion \u201eDigitale Edition\u201c gegen\u00fcber, die an einzelnen Fallbeispielen Nachhaltigkeitsl\u00f6sungen verschiedener Projekte diskutierte. In die Sektion f\u00fchrten Peter Daengeli (Universit\u00e4t K\u00f6ln) und Simon Zumsteg (Schweizerisches Literaturarchiv) mit einem sehr anregenden Vortrag zu <a href=\"http:\/\/www.lokalbericht.ch\/\">Hermann Burgers Lokalbericht<\/a><em>: Hybrid-Edition mit digitalem Schwerpunkt<\/em> ein. Die mosaikartige Arbeitsweise Burgers war in diesem Projekt Ausgangspunkt f\u00fcr eine digitale Edition, die sich aus unterschiedlichen Teilen zusammensetzt: einem Dokumentenkorpus der Nachlass-Archivalien, die zum Entstehungszusammenhang von Hermann Burgers Lokalbericht (1970) geh\u00f6ren, aus einer interaktiven Visualisierung zur Genese dieses zu Lebzeiten unver\u00f6ffentlicht gebliebenen Werks und aus einem \u00dcberblickskommentar. Richtungsweisend f\u00fcr die von Beginn an zugrunde gelegten Nachhaltigkeitsstrategien des Projekts waren offene Standards und Werkzeuge, Portabilit\u00e4t und ein minimaler Wartungsaufwand durch geringe serverseitige Programmierung. Die M\u00f6glichkeit, die komplette Edition als statisches HTML abzuspeichern, soll zudem zur langfristiger Konservierung und Zug\u00e4nglichkeit f\u00fchren.<\/p>\n<p>Vera Fa\u00dfhauers (Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt am Main) Vortrag <em>Nachhaltige Erschlie\u00dfung umfangreicher handschriftlicher \u00dcberlieferungen. Ein Fallbeispiel<\/em> besch\u00e4ftigte sich exemplarisch mit der Kombination von manuellen und digitalen Methoden zu teilautomatisierter Handschriftenerkennung am Beispiel der <a href=\"http:\/\/sammlungen.ub.uni-frankfurt.de\/senckenberg\">Senckenberg-Tageb\u00fccher<\/a>. Ausgehend von der These, wonach langfristiger Zugang zu digitalisierten historischen Handschriftenarchiven nicht per se gleichbedeutend mit einer unbegrenzten Zug\u00e4nglichkeit, Nutzbarkeit und Weiterverwertbarkeit ihrer Inhalte ist, erkannte Fa\u00dfhauser die nachhaltige Pflege des kulturellen Erbes \u00fcber die blo\u00df konservierende Ablichtung hinaus in einer Erschlie\u00dfung der in diesen Textbest\u00e4nden enthaltenen Informationen. Anhand des Senckenberganwendungsfalls stellte Fa\u00dfhauer die Ergebnisse der Schulung des Tools Transkribus zur automatischen Handschriftenerkennung auf der Grundlage der h\u00e4ndisch erfolgten Transkription der ersten zwei Tageb\u00fccher vor. Die halbautomatische Texterfassung, die dadurch m\u00f6glich wird, erm\u00f6glicht schlie\u00dflich eine elektronische Durchsuch- und Auswertbarkeit des erkannten Textes.<\/p>\n<p>In ihrem Vortrag <em>Entwicklung und Einrichtung einer digitalen Arbeitsumgebung f\u00fcr die <\/em><a href=\"http:\/\/www.gotthelf.unibe.ch\/\">Jeremias Gotthelf-Edition<\/a><em>. Ein Erfahrungsbericht <\/em>schilderten Christian von Zimmermann (Universit\u00e4t Bern) und Patricia Zihlmann (Universit\u00e4t Bern) Chancen und Schwierigkeiten des Umstiegs eines editorischen Gro\u00dfprojekts auf ein exaktes, weitestgehend inhaltsorientiertes Markup und auf computerphilologische Arbeitsweisen und begr\u00fcndeten ihre Entscheidung f\u00fcr die Arbeitsumgebung <a href=\"http:\/\/www.bbaw.de\/telota\/software\/ediarum\">ediarum<\/a> der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. \u00dcberlegungen zu nachhaltigen Anschlussm\u00f6glichkeiten an und f\u00fcr andere \u00e4hnlich gelagerte Editionsprojekte und die Weiterverwendbarkeit von Schemata, Satzroutinen, Arbeitsumgebungen und digitaler Pr\u00e4sentationen scheiterten laut Zimmermann und Zihlmann weniger an Kodierungsstandards wie der TEI (als internationales editionsphilologischer Standard) als vielmehr an heterogenen Editionstypen und -prinzipien.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Alexander Czmiel (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) mit dem Titel <em>Dokumentation, Werkzeugkasten, Pakete &#8211; Nachhaltigkeit von Daten und Funktionalit\u00e4t Digitaler Editionen<\/em> fasste L\u00f6sungsans\u00e4tze zur standardisierten und nachhaltigen Entwicklung digitaler geisteswissenschaftlicher Ressourcen zusammen. Modulbasiertes Programmieren erm\u00f6gliche die punktuelle Erg\u00e4nzung und Anpassung des jeweiligen Produkts und k\u00f6nne seine l\u00e4ngerfristige Nutzbarkeit gew\u00e4hrleisten. Folgerichtig m\u00fcssten sowohl der Code, die Daten als auch die Funktionen dokumentiert und zur Nachnutzung zug\u00e4nglich gemacht werden. Eine verst\u00e4ndliche und f\u00fcr die Diskussion offene Dokumentation stelle sich als einer der Schl\u00fcsselfaktoren f\u00fcr Nachhaltigkeit dar. Der Aufbau m\u00fcsse bedarfsgerecht und nutzerorientiert erfolgen. Die Verwendung von Standards sowie von Open Source Entwicklungen sei ebenso essentiell wie die Reduktion von Komplexit\u00e4t durch einfache, erweiterbare und kompatible Anwendungen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich formulierte es das visuell wie inhaltlich \u00e4u\u00dferst ansprechende Poster <a href=\"http:\/\/mittelalterliche-geschichte.phil-fak.uni-koeln.de\/fileadmin\/_processed_\/csm_Poster_DHd2017_end_35cfcdcd2f.gif\">Ma\u00dfnahmen zur digitalen Nachhaltigkeit in Langzeitprojekten \u2013 Das Beispiel Capitularia<\/a> des <a href=\"http:\/\/capitularia.uni-koeln.de\/\">Capitularia-Projekts<\/a> zur Edition der fr\u00e4nkischen Herschererlasse, das durch Daniela Schulz (Bergische Universit\u00e4t Wuppertal), Franz Fischer (Universit\u00e4t K\u00f6ln), Nils Gei\u00dfler (Universit\u00e4t K\u00f6ln) und Martina G\u00f6del (Universit\u00e4t K\u00f6ln) pr\u00e4sentiert wurde. In f\u00fcnf Bereichen, die den Themen 1. Datenhaltung und Dokumentation, 2. Technologien, 3. Datenmodellierung und Textauszeichnung, 4. Pr\u00e4sentation, Zug\u00e4nglichkeit und Nachnutzbarkeit sowie 5. Infrastruktur gewidmet waren, identifizierte das Poster Stellschrauben, um Nachhaltigkeit gerade in digitalen Editionsprojekten mit langer Laufzeit zu erh\u00f6hen. Sowohl das Poster als auch der dazugeh\u00f6rige Posterslam wurden durch die Konferenzbesucher und das Veranstalterteam der Dhd2017 mit einem Preis ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Alle genannten Beitr\u00e4ge legen nahe, dass digitale Editionen schon zu Projektbeginn Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln m\u00fcssen. Das geht einher mit einem Dringen auf Transparenz in der Vorgehensweise, den Strukturen und der Datenhaltung vor allem durch eine detaillierte und zug\u00e4ngliche Dokumentation. Sichergestellt werden soll zudem die Wieder- und Weiterverwendbarkeit der Daten mit einem Minimum an technischen und rechtlichen Einschr\u00e4nkungen (Open-Source, Open-Data, Lowtech-L\u00f6sungen, etablierte Standards). Speziell f\u00fcr digitale Editionen schlie\u00dft das die Verwendung von XML\/TEI, konsistente projekteigene Transkriptionsrichtlinien, stabilen ULRs\/Links und Schnittstellenbereitstellung mit ein. Nicht zuletzt ist die Verbindung einer passgenauen technischen L\u00f6sung mit einer institutioneller Anbindung (Bibliothek, Archiv, Universit\u00e4t) der Schl\u00fcssel zur Sicherstellung der langfristige Aufbewahrung und der Erhaltung der dauerhaften Verf\u00fcgbarkeit einer digitalen Ressource.<\/p>\n<p>Die Abstracts zu Panels, Einzelvortr\u00e4gen und Postern k\u00f6nnen <a href=\"http:\/\/www.dhd2017.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Abstractband_ergaenzt.pdf\">hier<\/a> nachgelesen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter der \u00dcberschrift \u201eDigitale Nachhaltigkeit\u201c firmierte die DHd-Konferenz 2017 vom 13. -17. Februar 2017 in Bern. Aber was bedeutet digitale Nachhaltigkeit speziell f\u00fcr digitale Editionen? 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