{"id":740,"date":"2012-07-23T18:00:00","date_gmt":"2012-07-23T16:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=740"},"modified":"2012-07-23T19:09:39","modified_gmt":"2012-07-23T17:09:39","slug":"dh-verbandsgrundung-ohne-name-satzung-und-mitglieder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=740","title":{"rendered":"?DH? &#8211; Verbandsgr\u00fcndung ohne Name, Satzung und Mitglieder?"},"content":{"rendered":"<p>Dienstag, der 17. Juli 2012 war ein guter Tag f\u00fcr die Digital Humanities in Deutschland. Die <a href=\"http:\/\/www.dig-hum.de\/dhd-unconference\">DHD-Unconference<\/a> im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.dh2012.uni-hamburg.de\/\">DH2012<\/a> war eine gro\u00dfartige Gelegenheit, den Stand der digitalen Geisteswissenschaften im deutschprachigen Raum zu demonstrieren und die Gestaltung ihrer Zukunft zu diskutieren. Ebenso spannend wie die Science-Slams und die Podiumsdiskussion verlief die zwischen beiden Bl\u00f6cken angesetzte Session zur Gr\u00fcndung eines Verbandes zu den Digital Humanities im deutschprachigen Raum. Dem Team um <a href=\"http:\/\/www.slm.uni-hamburg.de\/ifg2\/personal\/jan-christoph-meister.html\">Jan Christoph Meister<\/a> und den weiteren Mitstreitern aus der Community ist f\u00fcr die Vorbereitung aller drei Teile sehr zu danken.<\/p>\n<p>Es zeigte sich jedoch, dass es hinsichtlich der Gr\u00fcndung eines Verbandes zu den Digital Humanities im deutschsprachigen Raum doch noch mehr Diskussionsbedarf gibt, als von den Organisatoren vielleicht erwartet worden ist. Etliche Punkte der Satzung, die zu der Sitzung verteilt wurde und wohl den meisten Teilnehmern vorher nicht bekannt war,* boten Anlass zu Nachfragen und Verbesserungsvorschl\u00e4gen. Dies betraf auch ganz zentrale Fragen, so dass die Satzung als Ganzes wohl f\u00fcr den Moment als hinf\u00e4llig betrachtet werden muss. Ich gehe hier nur auf zwei wesentliche Punkte ein, die noch einer grunds\u00e4tzlichen Debatte und Kl\u00e4rung bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Als Name f\u00fcr den Verband ist &#8222;Digital Humanities Deutschland&#8220; vorgeschlagen worden, was sinnvoll ist, wenn der Verband vor allem als Lobby-Verband f\u00fcr die Vertretung von Interessen in einem nationalen Kontext oder als Vertretung nationaler Interessen nach au\u00dfen fungieren soll. Soll er dagegen den gemeinsamen Kulturraum der deutschsprachigen Geisteswissenschaften vertreten, so muss eine Identifikation mit dem Verband auch f\u00fcr Kollegen aus \u00d6sterreich, der Schweiz, Luxemburg und f\u00fcr deutschsprachige Mitglieder weltweit m\u00f6glich sein. Dazu sind verschiedene erste Alternativvorschl\u00e4ge genannt worden. &#8222;Digital Humanities im deutschsprachigen Raum&#8220; ist zwar pr\u00e4zise, wirkt aber leider sprachlich etwas umst\u00e4ndlich. &#8222;Digital Humanities des deutschsprachigen Raumes&#8220; st\u00e4rkt zwar den Gebrauch des Genitivs, w\u00fcrde aber zum Akronym &#8222;DH-DDR&#8220; f\u00fchren. &#8222;Digital Humanities deutsch&#8220; ist kurz und pr\u00e4zise, provoziert aber vielleicht bei manchen die Konnotation des &#8222;man spricht deutsch&#8220;. &#8222;German Digital Humanities&#8220; w\u00e4re m\u00f6glich, sollte aber auf die Zustimmungsf\u00e4higkeit der Kolleginnen\u00a0 aus \u00d6sterreich und der Schweiz \u00fcberpr\u00fcft werden. Ich selbst schicke noch folgende Ideen in&#8217;s Rennen, die vermutlich auch nicht besser sind: &#8222;Digital Humanities D\/AT\/CH&#8220; sowie &#8222;Digital Humanities DACH&#8220;. Beide w\u00fcrden ein Beibehalten der Abk\u00fcrzung DHD erlauben. Beide m\u00fcssten aber auf die Zustimmungsf\u00e4higkeit der Kollegen au\u00dferhalb von D\/AT\/CH gepr\u00fcft werden. Die gesamte Bennenungsproblematik und die m\u00f6glichen L\u00f6sungen verweisen auf eine grunds\u00e4tzliche Frage: wie sollen solche Fragen eigentlich gekl\u00e4rt werden? Eine konsensuale Namensfindung sollte wohl nicht in einer Vorbereitungsgruppe oder einem Vorstand organisiert werden, sondern die gesamte Community der potentiellen Verbandsmitglieder einbeziehen.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr den n\u00e4chsten wichtigen Punkt, der auf der Versammlung bereits problematisiert und andiskutiert worden ist: Die Frage der Mitgliedschaft. Hier sah der urspr\u00fcngliche Satzungsentwurf vor, dass eine Mitgliedschaft durch das Abonnement der Zeitschrift &#8222;<a href=\"http:\/\/llc.oxfordjournals.org\/\">LLC &#8211; Journal of Digital Scholarship in the Humanities<\/a>&#8220; erfolgen sollte. Dies h\u00e4tte den organisatorischen Vorteil, dass die Mitgliederverwaltung und die Einziehung und Weiterleitung der Mitgliedsbeitr\u00e4ge durch <a href=\"http:\/\/global.oup.com\/?cc=de\">Oxford University Press<\/a> erfolgen w\u00fcrde. Dem stehen aber mindestens drei gravierende Vorbehalte gegen\u00fcber: Erstens ist gefragt worden, ob die deutschen Digital Humanities sich wirklich in dieser Weise an einen Verlag binden wollen, dessen Haltung zu Open Acess und freier Wissenschaftskommunikation m\u00f6glicherweise nicht vollst\u00e4ndig mit den Zielen eines DH-Verbandes in Einklang steht. Zweitens ist nochmals genau nachzurechnen, welcher Anteil der <a href=\"http:\/\/www.oxfordjournals.org\/our_journals\/litlin\/access_purchase\/price_list.html\">Abonnementskosten<\/a> (derzeit 53\u20ac f\u00fcr Einzelpersonen f\u00fcr ein reines online-Abonnement) nach den Einbehaltungen durch OUP und den Abf\u00fchrungen an die ALLC eigentlich dem Verband zugute kommen w\u00fcrden und ob diese Quote noch zu rechtfertigen ist, wenn sie z.B. nur 30% betragen w\u00fcrde. Drittens steht zu bef\u00fcrchten, dass trotz der Umbenennung des zuvor (und auf der <a href=\"http:\/\/llc.oxfordjournals.org\/\">Webseite<\/a> immer noch) &#8222;Journal for Literary and Linguistic Computing&#8220; hei\u00dfenden Journals, sein weitgehend unver\u00e4nderter Charakter und Inhalt es schwer machen wird, z.B. Kunsthistoriker oder Arch\u00e4ologen davon zu \u00fcberzeugen, diese Zeitschrift zu abonnieren, um Mitglied des Verbandes zu werden.<\/p>\n<p>Nachdem der Verbandsname f\u00fcr eine weitere Diskussion ge\u00f6ffnet worden ist und die Frage der Mitgliedschaft aus der Satzung herausgenommen wurde und nun Gegenstand einer noch zu schaffenden Gesch\u00e4ftsordnung werden soll, ist immerhin ein Vorstand gew\u00e4hlt worden. Nach der Aufstellung einer Kandidatenliste, die auch das fachliche Spektrum und die Verortung von Digital-Humanities-Akteuren ber\u00fccksichtigen sollte, konnte jeder Teilnehmer der Versammlung bis zu sechs Stimmen abgeben, mit denen ein sechsk\u00f6pfiger Vorstand ermittelt worden ist. Dabei f\u00fchrt dieses Wahlsystem allerdings dazu, dass selbst relative Mehrheiten (die dann eben f\u00fcr alle sechs Pl\u00e4tze eine Mehrheit haben) sich leicht in einer \u00fcberproportionalen Repr\u00e4sentation niederschlagen. Dieses Ph\u00e4nomen w\u00fcrde noch versch\u00e4rft werden, wenn &#8211; wie in der Satzung vorgesehen &#8211; periodisch immer nur ein Teil des Vorstandes neu gew\u00e4hlt w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Angesichts der h\u00f6chst unklaren Situation, der weitgehenden Hinf\u00e4lligkeit der Satzung, dem Fehlen eines Namens und der Unklarheit \u00fcber die Mitgliedschaft scheint folgendes nahe zu liegen:<\/p>\n<ol>\n<li>Der gew\u00e4hlte Vorstand m\u00f6ge sich als &#8222;Gr\u00fcndungsvorstand&#8220; eines &#8222;Digital-Humanities-Verbandes in Gr\u00fcndung&#8220; begreifen. Seine Legitimation sollte dann, wenn der Verband zu einer konsensf\u00e4higen Satzung und zu einer gewissen Menge an Mitgliedern gekommen ist, durch eine erneute Wahl aller Vorstandsmitglieder erneuert werden. Dabei sollte sicher gestellt werden, dass die Abbildung der Diversit\u00e4t der Community in den Vorstand nicht durch das Wahlsystem behindert wird.<\/li>\n<li>Die Aufgabe des Gr\u00fcndungsvorstandes sollte darin liegen, binnen Jahresfrist (oder Halbjahresfrist) einen Prozess zu organisieren, der zur Ausarbeitung einer mit der Community abgestimmten Satzung und Gesch\u00e4ftsordnung und zur Aufnahme von Mitgliedern f\u00fchrt.<\/li>\n<li>Dieser Prozess sollte, wie anschlie\u00dfend auch die laufende Arbeit des Verbandes dem Ziel demokratischer Entscheidungsprozesse und einem m\u00f6glichst gro\u00dfen Ma\u00df an Transparenz und Partizipation verpflichtet sein. Dazu ist ein geeignetes Forum einzurichten. Namensfindung und Satzungsentwicklung (um nur zwei Beispiele zu nennen) auf den Vorstand zu beschr\u00e4nken (wie anscheinend im Vorstand beschlossen) und die Fach\u00f6ffentlichkeit und die potentiellen Mitglieder davon auszuschlie\u00dfen entspricht nicht der gebotenen Transparenz und Teilhabe.<\/li>\n<li>Es sollte zun\u00e4chst ein Konsens dar\u00fcber herbeigef\u00fchrt werden, ob und in welcher Weise der zu gestaltende Verband sich als fachlich und r\u00e4umliche inklusiv betrachten soll und sein Ziel darin sieht, die digitalen Geisteswissenschaften in ihrer ganzen fachlichen und r\u00e4umlichen Breite einzubinden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Alles weitere sollte zun\u00e4chst Gegenstand einer m\u00f6glichst breiten Diskussion der interessierten Fachgemeinschaft sein.<\/p>\n<p>Siehe auch &#8230;<\/p>\n<ul>\n<li>DHD-Eintrag: <a href=\"http:\/\/www.dig-hum.de\/aktuelles\/eine-erfolgreiche-unconference\">Eine erfolgreiche UnConference<\/a>.<\/li>\n<li>DHD-Eintrag: <a href=\"http:\/\/www.dig-hum.de\/aktuelles\/der-dhd-gruendungsvorstand\">Der DHD-Gr\u00fcndungsvorstand<\/a>.<\/li>\n<li>Ansichtssache: <a href=\"http:\/\/dh.z-f-g.de\/?p=274\">SPYING in DHD Unconference and the Foundation of DH German Association<\/a>.<\/li>\n<li>Ansichtssache: <a href=\"http:\/\/dh.z-f-g.de\/?p=259\">Ach wie gut, dass niemand wei\u00df\u2026<\/a><\/li>\n<li>Ansichtssache: <a href=\"http:\/\/dh.z-f-g.de\/?p=241\">eingeschlafen und wieder aufgewacht<\/a>.<\/li>\n<li>DH 2012 Student Assistants Blog: <a href=\"http:\/\/digitalhumanities2012.wordpress.com\/2012\/07\/18\/a-successful-unconference-before-the-official-opening-of-the-dh2012\/\">A successful UnConference before the official opening of the DH2012 <\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>* Der Entwurf, der von google noch unter http:\/\/dig-hum.de\/sites\/default\/files\/dhd-satzungsentwurf-v4.pdf indiziert worden ist, ist dort inzwischen leider nicht mehr verf\u00fcgbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dienstag, der 17. 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