{"id":7283,"date":"2016-10-17T18:45:27","date_gmt":"2016-10-17T16:45:27","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=7283"},"modified":"2016-10-17T18:45:27","modified_gmt":"2016-10-17T16:45:27","slug":"cfp-xxxv-romanistentag-in-zuerich-08-12-10-2017-sektion-nr-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=7283","title":{"rendered":"CfP: XXXV. Romanistentag in Z\u00fcrich, 08.-12.10.2017, Sektion Nr. 7"},"content":{"rendered":"<p>via <a href=\"mailto:rissler@romanistik.uni-siegen.de\" target=\"_blank\">Nanette Ri\u00dfler-Pipka<\/a> (Siegen \/ Eichst\u00e4tt)<\/p>\n<h1>Theorien von Autorschaft und Stil in Bewegung. Stilistik und Stilometrie in der Romania<\/h1>\n<p>Sektionsleitung: Nanette Ri\u00dfler-Pipka (Siegen \/ Eichst\u00e4tt)<br \/>\nKontakt: <a href=\"mailto:rissler@romanistik.uni-siegen.de\">rissler@romanistik.uni-siegen.de<\/a> \/ <a href=\"mailto:nanette.rissler-pipka@ku.de\">nanette.rissler-pipka@ku.de<\/a><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Zwischen dem Verdikt vom Tod des Autors (Barthes 1968) und der folgenden Re-definition des Autorbegriffs (Foucault, Genette, Eco, etc.) liegt die Notwendigkeit literaturgeschichtli\u00adcher Klassifikation von Autoren, Stilen und Epochen auf der einen Seite und linguistischer Be\u00adschreibung von Sprachstilen auf der anderen Seite. Im Literatursystem hat sich die Bedeu\u00adtung des \u201eAutors\u201c zurecht in einem Geflecht von Produktionsbedingungen, Text, Leser, Per\u00adfor\u00admanz, Diskurs, Medien, Distribution und Rezeption relativiert. Erst in Folge der Digita\u00adli\u00adsie\u00adrung von Texten, B\u00fcchern oder Artefakten sowie der Plagiatsdiskussion an Universit\u00e4ten ist Autor\u00adschaft zumindest im Bereich des wissenschaftlichen Schreibens und digitalen Publi\u00adzie\u00adrens wieder ein Thema.<\/p>\n<p>In der Romania haben Autorschaft und Stil sowohl historisch als auch aktuell eine be\u00adsondere Bedeutung, die aber in der internationalen literaturtheoretischen Diskussion wenig beachtet wird (Jannidis et al. 1999). Zun\u00e4chst haben sich Spitzer, Curtius und Auerbach ab den 1930er Jahren in einer literaturwissenschaftlich gepr\u00e4gten Stilistik vor allem mit dem Indi\u00advidualstil einzelner Autoren intensiv auseinandergesetzt und wurden damit international bekannt. Darauf folgte die nicht minder beachtete Dekonstruktion der Autorperson durch post\u00admoderne Theorien vor allem franz\u00f6sischer Provenienz, die solche Untersuchungen obso\u00adlet erscheinen lie\u00dfen. Heute wird der Stil eines Autors im ganz anderen Kontext der Stilo\u00adme\u00adtrie diskutiert (Jockers 2013, Moretti 2010, Eder et al. 2013), die als mathematisch-algo\u00adrith\u00admi\u00adsche \u201eVermessung\u201c des Individualstils den Autor anhand seines Stiles unabh\u00e4ngig von seiner stilistischen H\u00f6he identifizieren kann. Dieses kriminalistische Vorgehen aus der foren\u00adsi\u00adschen Linguistik hat zun\u00e4chst scheinbar wenig mit literaturwissenschaftli\u00adchen \u00dcberle\u00adgungen zu Autorschaft und Stil zu tun. Doch zum einen ist die Verbindung zwischen einem krimi\u00adnalistischen Spurenlesen und der Interpretation von Texten (inklusiver falscher Spuren) ein interdisziplin\u00e4r viel diskutiertes Thema, wie zuletzt Sybille Kr\u00e4mer (u.a.) im R\u00fcckgriff auf Peirce betonte (Kr\u00e4mer 2007, 2016). Zum anderen wird Stilometrie im literaturwissen\u00adschaftlichen Kontext der Digital Humanities aktuell dazu genutzt, Autoren- und Epochenstile f\u00fcr eine Literaturgeschichts\u00adschreibung abseits des Kanons zu klassifizieren oder auch zur Autor\u00adschaftsattribution (vgl. den Roman <em>The Cukoo\u2019s Calling<\/em>, der Joane K. Rowling zuge\u00adschrie\u00adben werden konnte, Juola 2015).<\/p>\n<p>Handelt es sich bei dieser von der Romanischen Philologie bisher wenig beachteten Rich\u00adtung (au\u00dfer Sch\u00f6ch 2014) um eine positivistische Re-kreation der Autorfigur zwecks Ver\u00advoll\u00adst\u00e4ndigung der Werkeinheit oder um die Chance, Autorschaft und Stil abseits der Frage nach Funktionalit\u00e4t im Literatursystem neu zu diskutieren? Haben Stilistik und Stilometrie \u00fcber\u00adhaupt etwas miteinander zu tun? Verwenden beide Richtungen nicht einen grund\u00adver\u00adschie\u00addenen Stilbegriff (vgl. Herrmann et al. 2015)?<\/p>\n<p>Wenn Franco Moretti aus der Perspektive seines vielbeachteten Stanford Literary Lab be\u00adhauptet, er repliziere Untersuchungen, f\u00fcr die Leo Spitzer Jahre brauchte, innerhalb von Sekunden (Moretti 2011, 2), dann verf\u00e4lscht er die Stilistik Spitzers zugunsten der Pro\u00advo\u00adka\u00adtion. Nicht nur Spitzer, auch Auerbachs <em>Mimesis<\/em> (1946) zieht Moretti heran, um einerseits die eigene Vorgehensweise zu st\u00fctzen und um sich andererseits von den Traditionen abzu\u00adgren\u00adzen (Algee-Hewitt\/ Heuser\/ Moretti 2015, 5). Diese spannungsreiche Beziehung zwischen neuen digitalen Methoden und den romanischen Traditionen von Autorschaft und Stil gilt es, aus einer dezidiert romanistischen Perspektive auszuloten.<\/p>\n<p>Es wird zur Einreichung von Beitr\u00e4gen zu folgenden Themengebieten aufgerufen (dabei sind selbstverst\u00e4ndlich auch Kombinationen verschiedener Bereiche m\u00f6glich):<\/p>\n<ol>\n<li>Theoretische Diskussionen des Autor- und Stilbegriffs in Bezug auf aktuelle Debatten in der Romanistik und\/oder allgemeinen Literaturwissenschaft<\/li>\n<li>Exemplarische Untersuchungen zum Stil einzelner oder mehrerer romanischer Autoren mit Bezug zum Sektionsthema<\/li>\n<li>Wissenschaftshistorische Vergleiche und \u00dcberlegungen zur Stilistik und\/ oder Stilometrie<\/li>\n<li>Stilistische und\/ oder stilometrische Untersuchungen zu Gruppen von Texten oder Autoren der Romania<\/li>\n<li>Experimente zum sprach\u00fcbergreifenden Stilvergleich innerhalb der romanischen Literaturen<\/li>\n<\/ol>\n<p>Abstracts in der selbst gew\u00e4hlten Vortragssprache (deutsch, franz\u00f6sisch, spanisch, englisch) werden bis sp\u00e4testens <strong>31.12.2016<\/strong> an die Adresse der Sektionsleiterin erbeten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliographie<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Algee-Hewitt, Mark \/ Heuser, Ryan \/ Moretti, Franco. \u201ePamphlet 10: On Paragraphs. Scale, Themes, and Narrative Form.\u201c In <em>Standford Literary Lab<\/em>, October 2015 <a href=\"http:\/\/litlab.stanford.edu\/\">http:\/\/litlab.stanford.edu\/<\/a> (31.05.2016)<\/li>\n<li>Eder, Maciej \/ Kestemont, Mark \/ Rybicki, Jan. \u201cStylometry with R: a suite of tools.\u201d In <em>Digital Huma\u00adnities 2013: Conference Abstracts<\/em>, University of Nebraska, Lincoln 2013, 487-89.<\/li>\n<li>Herrmann, J. Berenike \/ van Dalen-Oskam, Karina \/ Sch\u00f6ch, Christof. \u201cRevisiting Style, a Key Concept in Literary Studies.\u201d In <em>Literary Studies&#8216; in the Journal of Literary Theory<\/em>, Band 9, Heft 1 (M\u00e4rz 2015), 25-52.<\/li>\n<li>Jannidis, Fotis. \u201cMethoden der computergest\u00fctzten Textanalyse.\u201d In <em>Methoden der literatur- und kulturwissenschaftlichen Textanalyse<\/em>, hg. von Ansgar N\u00fcnning &amp; Vera N\u00fcnning. Stuttgart &amp; Weimar: Metzler, 2010, 109-32.<\/li>\n<li>Jannidis, Fotis \/ Lauer, Gerhard \/ Mart\u00ednez, Mat\u00edas \/ Winko, Simone (Hg.). <em>R\u00fcckkehr des Autors. Zur Erneuerung eines umstrittenen Begriffs<\/em>. T\u00fcbingen: Niemeyer 1999.<\/li>\n<li>Jockers, Matthew L. <em>Macroanalysis. Digital Methods and Literary History<\/em>. Champaign, IL: University of Illinois Press, 2013.<\/li>\n<li>Juola, Patrick. \u201eThe Rowling Case: A Proposed Standard Analytic Protocol for Authorship Questions.\u201c In <em>Digital Scholarship in the Humanities<\/em>, Vol. 30, Supplement 1 (2015), 100-113.<\/li>\n<li>Kr\u00e4mer, Sybille. \u201eThe Humanities going digital?\u201c In <em>Digitalit\u00e4t in den Geisteswissenschaften<\/em>. DFG-gef\u00f6rderte Symposienreihe, Blog vom 24.05.2016 <a href=\"http:\/\/digitalitaet-geisteswissenschaften.de\/the-humanities-going-digital\">http:\/\/digitalitaet-geisteswissenschaften.de\/the-humanities-going-digital<\/a> (31.05.2016)<\/li>\n<li>Kr\u00e4mer, Sybille \/ Kogge, Werner \/ Grube, Gernot (Hg.). <em>Spur. Spurenlesen als Orientierungstechnik und Wissenskunst<\/em>. Frankfurt a. M. Suhrkamp, 2007.<\/li>\n<li>Moretti, Franco. \u201ePamphlet 2: Network Theory, Plot Analysis.\u201c In <em>Standford Literary Lab<\/em>, May 2011 <a href=\"http:\/\/litlab.stanford.edu\/\">http:\/\/litlab.stanford.edu\/<\/a> (31.05.2016)<\/li>\n<li>Ri\u00dfler-Pipka, Nanette. \u201eAvellaneda y los problemas de la identificaci\u00f3n del autor. Propuestas para una investigaci\u00f3n con nuevas herramientas digitales\u201d. In Hanno Ehrlicher (Hg.). <em>El otro Quijote. La continuaci\u00f3n de Avellaneda y sus efectos<\/em>. Mesa Redonda-Universit\u00e4t Augsburg 2016, 27-51. \u00a0https:\/\/opus.bibliothek.uni-augsburg.de\/opus4\/frontdoor\/index\/index\/docId\/3704 (29.07.2016)<\/li>\n<li>Sch\u00f6ch, Christof. \u201eCorneille, Moli\u00e8re et les autres. Stilometrische Analysen zu Autorschaft und Gat\u00adtungszugeh\u00f6rigkeit im franz\u00f6sischen Theater der Klassik.\u201c In ders.\/ Lars Schneider (Hg.). <em>Revolution der Medien, Evolution der Literaturwissenschaft<\/em>, Beiheft 07\/2014 zu PhiN (Philologie im Netz), 130-157 (<a href=\"http:\/\/web.fu-berlin.de\/phin\/beiheft7\/b7i.htm\">http:\/\/web.fu-berlin.de\/phin\/beiheft7\/b7i.htm<\/a> (31.05.2016))<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>via Nanette Ri\u00dfler-Pipka (Siegen \/ Eichst\u00e4tt) Theorien von Autorschaft und Stil in Bewegung. 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