{"id":689,"date":"2012-07-02T11:57:17","date_gmt":"2012-07-02T09:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=689"},"modified":"2013-10-31T21:27:04","modified_gmt":"2013-10-31T20:27:04","slug":"textgrid-summit-mai-2012-stimmungsbild-fazit-ausblick-zum-richtfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=689","title":{"rendered":"TextGrid Summit Mai 2012 \u2013 Stimmungsbild, Fazit &#038; Ausblick zum Richtfest"},"content":{"rendered":"<p>Stimmungsbild: Anna Spatz und Franziska Horn, TU Darmstadt<br \/>\nFazit der Veranstaltung, vorgetragen am 15. Mai 2012 von Axel Horstmann, ProWiss<br \/>\nPhotos: Sven Arce <\/p>\n<p>Der TextGrid Summit 2012 am 14. und 15. Mai an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt stand unter dem Motto \u201eRichtfest im Haus der digitalen Infrastruktur\u201c, wobei die Nutzer der virtuellen Forschungsumgebung mit ihren Anwendungserfahrungen und -bed\u00fcrfnissen in den Mittelpunkt der Veranstaltung gestellt wurden. Zu so einem festlichen Anlass erscheinen allerlei herzliche Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum bisher Erreichten angebracht. Dem weiteren erfolgreichen Ausbau dienen jedoch auch Anregungen und kritische R\u00fcckmeldungen. Am zweiten Tagungstag wurden die Teilnehmer des TextGrid Summits darum gebeten, in Form eines Feedbackbogens ihre pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke zum Veranstaltungsgeschehen darzulegen. Diese sollen nun in kleiner Auswahl ein Stimmungsbild des Summits vermitteln.<\/p>\n<div id=\"attachment_690\" style=\"width: 970px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011554.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-690\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011554.jpg\" alt=\"\" title=\"Feedback-Tafel\" width=\"960\" height=\"1280\" class=\"size-full wp-image-690\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-690\" class=\"wp-caption-text\">Feedback-Tafel<\/p><\/div>\n<p>Die Gl\u00fcckw\u00fcnsche richteten sich zun\u00e4chst und vor allem auf den <a href=\"http:\/\/www.textgrid.de\/1-0.html\" target=\"_blank\">Release von TextGrid 2.0<\/a>. Bei Alina Heidfeldt, Germanistik-Studentin der TU Darmstadt, fanden zum Beispiel wesentliche Grundpfeiler der virtuellen Forschungsumgebung, wie die kostenlose Verbreitung, der Open Source-Charakter sowie die M\u00f6glichkeiten zur Langzeitarchivierung auch von gr\u00f6\u00dferen Datenmengen lobende Erw\u00e4hnung. Dar\u00fcber hinaus stie\u00dfen die neu ver\u00f6ffentlichten Bausteine, u.a. der Noteneditor MEISE und die Integration der <a href=\"http:\/\/www.textgrid.de\/digitale-bibliothek.html\" target=\"_blank\">Digitalen Bibliothek<\/a> auf viel Zuspruch. So freute sich Martina G\u00f6del von <a href=\"http:\/\/www.textloop.de\/\" target=\"_blank\">textloop<\/a> \u00fcber die \u201egute Weiterentwicklung von TextGrid 1.0\u201c und Ingo Caesar vom <a href=\"http:\/\/www.rg.mpg.de\/de\/info\/start\/\" target=\"_blank\">Max-Planck-Institut f\u00fcr europ\u00e4ische Rechtsgeschichte<\/a> verdeutlichte konkrete Anwendungsm\u00f6glichkeiten der Erweiterungen mit der sich selbst gestellten Aufgabe, die \u201eOCR-Funktion werde ich eingehend testen!\u201c. Freudig \u00e4u\u00dferten sich auch an der Entwicklung von TextGrid beteiligte wie Marc Wilhelm K\u00fcster von der FH Worms \u00fcber die Baufortschritte: \u201eAls einer derjenigen, die bei der Grundsteinlegung mitgewirkt haben, bin ich sehr gl\u00fccklich, nun den Rohbau begehen zu k\u00f6nnen\u201c. <\/p>\n<p>Dabei l\u00e4sst sich der offene und f\u00f6rderliche Austausch zwischen den verschiedenen Fachwissenschaftlern w\u00e4hrend der als gut organisiert wahrgenommenen Veranstaltung betonen. \u201eMehr Interdisziplinarit\u00e4t (bzw. Bereitschaft zu interdisziplin\u00e4ren Studien) an einem Ort sowohl in den Geisteswissenschaften als auch zwischen den Naturwissenschaften und den Geisteswissenschaften habe ich noch niemals gesehen\u201c \u2013 derart emphatisch beschrieb Irina Podtergera, Leiterin des Projektes SlaVaComp (Computerunterst\u00fctzte Untersuchung von Variabilit\u00e4t im Kirchenslavischen) die vereinigende Wirkung von TextGrid, das sich auf moderne Informationstechnologien st\u00fctzt und sich an Philologen, Linguisten, Musikwissenschaftler und Kunsthistoriker richtet.<\/p>\n<p>Die beschworene Pluralit\u00e4t zeigte sich vor allem auch in den verschiedenen vorgestellten Projekten, die von der <a href=\"http:\/\/www.uni-goettingen.de\/de\/303691.html\" target=\"_blank\">Hybrid-Edition der Notizb\u00fccher von Theodor Fontane<\/a> bis hin zur Livedemonstration von <a href=\"http:\/\/tesla.spinfo.uni-koeln.de\/\" target=\"_blank\">Tesla<\/a>, einer an der Universit\u00e4t K\u00f6ln entwickelten Analysesoftware f\u00fcr Textdaten, reichten. Kurz und pr\u00e4gnant fasste Annika Rockenberger, Anwenderin von TextGrid im Rahmen der Erstellung einer digitalen Edition zu <a href=\"http:\/\/www.georggreflinger.de\/\" target=\"_blank\">Georg Greflinger<\/a>, das Pr\u00e4sentierte mit dem Kommentar \u201eviele, interessante Projekte\u201c zusammen. Um die konkreten Nutzungsm\u00f6glichkeiten von TextGrid und den einzelnen Tools nachvollziehbarer zu gestalten, k\u00f6nnen sich einige Teilnehmende wie zum Beispiel Martina G\u00f6del das Angebot einer Modelledition als hilfreiches Element vorstellen. Dieser Vorschlag k\u00f6nnte ebenso eine M\u00f6glichkeit sein, den von Ingo Caesar und Christian Stein von der TU Braunschweig angemerkten Anfangsschwierigkeiten von Neueinsteigern mit TextGrid zu begegnen. \u00c4hnlich l\u00e4sst sich die Anregung von Studentin Alina Heidfeldt einordnen, ein Forum einzurichten. Dieses k\u00f6nnte Nutzern und vor allem TextGrid-Neulingen die M\u00f6glichkeit zum Austausch \u00fcber Erfahrungen, H\u00fcrden und L\u00f6sungsoptionen bieten. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011470.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011470.jpg\" alt=\"\" title=\"Gespr\u00e4che im Textgrid Caf\u00e9\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"alignnone size-full wp-image-692\" \/><\/a><\/p>\n<p>Neben diesen neu angeregten Bausteinen wurde es von studentischer Seite ebenso als wichtig angesehen, Anwendungen, die wie TextGrid der Aufbereitung, Analyse, Sicherung von Sprachdaten dienen, verst\u00e4rkt in die universit\u00e4ren Lehrpl\u00e4ne geisteswissenschaftlicher Studieng\u00e4nge einziehen zu lassen. Dies w\u00fcrde die Chance einer weiteren Verbreitung unter Nachwuchswissenschaftlern bedeuten und dazu beitragen, TextGrid im Fundus wissenschaftlichen Arbeitens zu verankern.<\/p>\n<p>Mit sicher zum Nachdenken anregendem Feedback und konstruktiven Verbesserungsvorschl\u00e4gen sowie mit einer erfreulichen Zwischenbilanz begleitet von den besten W\u00fcnschen f\u00fcr die n\u00e4chste Projektphase kann der weiteren Ausgestaltung des Hauses der digitalen Infrastruktur wohl zu Recht positiv entgegengesehen werden. <\/p>\n<p>Das von Herrn Axel Horstmann zum Abschluss des Richtfests am 15. Mai gezogene Fazit fasst noch einmal die wesentlichen Diskussionsstr\u00e4nge des Tages zusammen und richtet den (Aus-)Blick auf die Chancen, Perspektiven und Herausforderungen f\u00fcr die Zukunft. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011576.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011576.jpg\" alt=\"\" title=\"gespannte Zuh\u00f6rer beinm Fazit von Axel Horstmann\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"alignnone size-full wp-image-694\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>F a z i t  u n d  A u s b l i c k<\/strong><\/p>\n<p>Meine Damen und Herren \u2013 oder vielleicht besser: liebe TextGrid-Gemeinde!<\/p>\n<p>Im Programm steht an dieser Stelle: \u201eFazit und Ausblick\u201c und dahinter mein Name.<br \/>\nDa stellt sich zun\u00e4chst die Frage, ob es eigentlich Sinn macht, bei einem \u201eRichtfest\u201c, wie wir es ja heute erkl\u00e4rterma\u00dfen feiern, schon ein \u201eFazit\u201c zu ziehen? Die f\u00fcr mich wesentlich schwierigere Frage ist allerdings, ob ich hier und heute ein solches Fazit  \u00fcberhaupt zu liefern imstande bin \u2013 und das auch noch verbunden mit einem \u201eAusblick\u201c. Wie dem auch sei: Andrea Rapp hat es so gewollt, und ich habe unvorsichtigerweise zugesagt. Keine Chance also: da komme ich jetzt nicht mehr heraus \u2013 und Sie auch nicht.<\/p>\n<p>Wenn man im unmittelbaren Anschluss an eine Veranstaltung deren Fazit ziehen soll, hat man eigentlich nur zwei M\u00f6glichkeiten: entweder das Fazit schon vorher zu schreiben und zu hoffen, dass am Ende ungef\u00e4hr das gesagt worden ist, was man mit mehr oder minder prophetischer Gabe erwartet hatte; oder seinem Improvisationstalent zu vertrauen, auf elaborierte Sortierungen zu verzichten und stattdessen seiner Subjektivit\u00e4t zu fr\u00f6nen, was Rezeption, Selektion und Interpretation des Geh\u00f6rten betrifft \u2013 und es den H\u00f6rern zu \u00fcberlassen, dazu den roten Faden zu finden.<\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr die zweite Variante entschieden. Gl\u00fccklicherweise wurde mir Hilfe zuteil \u2013 durch die Berichte der Reporter und nicht zuletzt durch die Zettel an der Pin-Wand, auf die ich immerhin noch einen schnellen Blick werfen konnte.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, was mich pers\u00f6nlich denn f\u00fcr ein solches Res\u00fcmee qualifizieren k\u00f6nnte. \u00dcber besondere informationswissenschaftliche Expertise, was Aufbau und  Ausgestaltung einer Virtuellen Forschungsumgebung in den Geisteswisssenschaften angeht, verf\u00fcge ich jedenfalls nicht. Vielmehr bewege ich mich gerade in dieser Hinsicht allenfalls in einer \u201eHalbdistanz\u201c zu TextGrid \u2013 das allerdings schon eine ganze Weile. Immerhin, ich bin \u2013 wie viele von Ihnen ja offensichtlich auch \u2013 Geisteswissenschaftler, habe Klassische Philologie und Philosophie studiert und sp\u00e4ter mehr als drei\u00dfig Jahre lang Wissenschaftsf\u00f6rderung betrieben. Ob das aber als Qualifizierung f\u00fcr \u201eFazit und Ausblick\u201c reicht? Wir werden sehen.<\/p>\n<p>Soweit die Vorrede. Nun aber zu<\/p>\n<p>Fazit und Ausblick<\/p>\n<p>Ich beschr\u00e4nke mich auf sechs Punkte:<\/p>\n<p><strong>1.\tResonanz<\/strong><\/p>\n<p>Schon die Beteiligung am Summit kann man meines Erachtens als bemerkenswerten Erfolg betrachten; Beteiligung sowohl in quantitativer als auch \u2013 angesichts der h\u00f6chst unterschiedlichen fachlichen Provenienzen \u2013 in qualitativer Hinsicht. Und was ich an der Pin-Wand in der K\u00fcrze der Zeit lesen konnte: dort \u00fcberwiegen ganz eindeutig die positiven R\u00fcckmeldungen \u2013 sowohl zu TextGrid selbst als auch zu dieser Veranstaltung. Erfreulich dabei auch die vielf\u00e4ltigen und teilweise sehr konkreten Anregungen, die die Veranstalter sicher sorgf\u00e4ltig auswerten und nutzen werden.<\/p>\n<p><strong>2.\tRichtfest<\/strong><\/p>\n<p>Mehrfach ist heute die \u201eRichtfest\u201c-Metapher bem\u00fcht worden. Und nat\u00fcrlich lasse auch ich mir diese Chance nicht entgehen: TextGrid als Haus mit einer Richtkrone auf dem Dach! Wie bedeutet das? Schaut man sich ein wenig um, wird klar: TextGrid ist ein derzeit noch ziemlich frei stehendes Geb\u00e4ude, alllerdings kein ganz kleines, sondern eines mit mehreren Stockwerken, ein Mehrfamilienhaus sozusagen. Wann aber feiert man \u00fcblicherweise Richtfest? Wenn der Rohbau fertig ist und die Dach\u00acsparren montiert sind, das Dach selbst aber noch nicht gedeckt ist. Das bedeutet: in den unteren Stockwerken l\u00e4sst es sich schon ganz gut aushalten; jedenfalls ist man dort zumindest vor Regen, Hagel und Schnee gesch\u00fctzt, nur im Dachgeschoss, da sieht es noch etwas luftig aus. Doch keine Sorge: mit TextGrid III \u2013 und hier schaue ich jetzt erwartungsvoll auf den leider schon abgereisten Herrn Kahler vom BMBF \u2013 sollte auch hier demn\u00e4chst alles dicht und dauerhaft wetterfest sein. <\/p>\n<p><strong>3.\tNachhaltigkeit<br \/>\n<\/strong><br \/>\nStichwort \u201edauerhaft wetterfest\u201c: wenn ich es richtig sehe, ist Nachhaltigkeit eines der \u2013 wenn nicht das Leitthema der heutigen Veranstaltung. Worauf aber kommt es an, damit TextGrid \u201enachhaltig\u201c wird? Was muss geschehen, damit TextGrid sich als Virtuelle Forschungsumgebung in den Geisteswissenschaften dauerhaft etabliert und behaupten kann? Was sind die wesentlichen Bedingungen und Faktoren f\u00fcr seine Zukunftsf\u00e4higkeit? Mindestens zwei Voraussetzungen m\u00fcssen m. E. gegeben sein:<\/p>\n<ul>das Team<\/ul>\n<p>Jemand hat das TextGrid-Team eine \u201everschworene Gemeinschaft\u201c genannt. Ich denke, das trifft es sehr gut. In der Tat bedarf es einer auf gemeinsame Ziele eingeschworenen, gut eingespielten Gemeinschaft, wenn TextGrid auch auf l\u00e4ngere Sicht zur Erfolgsgeschichte werden soll. Allerdings \u2013 und schon wieder schaue ich in Richtung des entschwundenen Herrn Kahler \u2013 kostet ein Team dieser G\u00fcte Geld; Geld, das das BMBF bislang gro\u00dfz\u00fcgig zur Verf\u00fcgung gestellt hat und, wie wir zuversichtlich hoffen, f\u00fcr drei weitere Jahre bewilligen wird; f\u00fcr drei weitere Jahre, die TextGrid ben\u00f6tigt, um sich aus einem befristeten Projekt in eine auf Dauer lebensf\u00e4hige Institution umzugestalten.<\/p>\n<ul>die Nachfrage<\/ul>\n<p>Ohne die Nachfrage der Nutzerinnen und Nutzer, der bereits mit TextGrid arbeitenden und vor allem auch der k\u00fcnftig noch zu gewinnenden, wird sich eine solche Virtuelle Forschungsumgebung nicht dauerhaft etablieren k\u00f6nnen. Aber wie gewinnt man diese scientific community, die ja gerade in den Geisteswissenschaften nicht unbedingt vor Technik-Affinit\u00e4t strotzt? Die L\u00f6sung klingt simpel: die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird man gewinnen, wenn man sie davon zu \u00fcberzeugen vermag, dass eine Virtuelle Forschungsumgebung wie TextGrid f\u00fcr ihre eigene Forschung einen substanziellen Mehrwert bietet, der sich auf andere Weise nicht erzielen l\u00e4sst; dass das Forschungsresultat mithin den zus\u00e4tzlichen Aufwand voll und ganz lohnt; dass TextGrid nicht nur zu neuen Antworten auf alte Fragen verhilft, sondern dass sich damit auch ganz neue Fragen stellen und bis dato ungeahnte Forschungshorizonte er\u00f6ffnen lassen. Darauf wurde auch in vielen R\u00fcckmeldungen verwiesen. In einem der heutigen Beitr\u00e4ge war davon die Rede, dass es ein neues Datenbewusstsein zu entwickeln gelte. Mir scheint, dass sich in diesem Zusammenhang dar\u00fcber hinaus auch die spannende Grundsatzfrage stellt, was in den Geisteswissenschaften denn \u00fcberhaupt unter \u201eDaten\u201c zu verstehen ist.<\/p>\n<p>Es wird also nicht, jedenfalls nicht nur darum gehen, das Forscherleben mithilfe von TextGrid zu erleichtern, es einfacher zu machen. Der Beitrag von Herrn St\u00e4cker zeigte ja sehr deutlich, dass beispielsweise Editionsvorhaben jetzt wesentlich komplexer und schwieriger werden und insofern auch entsprechend l\u00e4ngere Lern- und Einarbeitungsphasen ben\u00f6tigen. In den R\u00fcckmeldungen findet auch das Best\u00e4tigung. Dabei steht au\u00dfer Zweifel, dass Projekte, die \u2013 wie Editionen, Dokumentationen oder auch W\u00f6rterbuchvorhaben \u2013 der Sammlung, Erschlie\u00dfung und Aufbereitung von Quellen und Materialien dienen, von Virtuellen Forschungsumgebungen mit Sicherheit substanziell profitieren k\u00f6nnen. Ebenso ist davon auszugehen, dass sich bei dieser Gelegenheit f\u00fcr die Geisteswissenschaften neue Formen und M\u00f6glichkeiten produktiver Zusammenarbeit bis hin zur kooperativen Nachnutzung erhobener Daten entwickeln werden. Dabei bleibt f\u00fcr mich allerdings die interessante Frage, ob und inwieweit diese Effekte bis in den geisteswissenschaftlichen Kernbereich interpretierender, d.h. die erschlossenen und aufbereiteten Dokumente und Materialien auswertender Forschung ausstrahlen werden. Ich bin gespannt, welche Perspektiven TextGrid hier zu er\u00f6ffnen vermag. <\/p>\n<p><strong>4.\tWas tun?<\/strong><\/p>\n<p>Was also muss jetzt konkret geschehen, damit TextGrid als Virtuelle Forschungsumgebung von der geisteswissenschaftlichen Forschung und ihren Protagonisten in steigendem Ma\u00dfe angenommen wird und weiter an Attraktivit\u00e4t gewinnt?<\/p>\n<ul> \u201eIt&#8217;s all about trust\u201c<\/ul>\n<p>Mit Recht wurde mehrfach betont, wie wichtig f\u00fcr eine Virtuelle Forschungsumgebung Vertrauen ist; Vertrauen in die Sicherheit, Qualit\u00e4t und Zuverl\u00e4ssigkeit des Systems, insbesondere was die (Langzeit-)Speicherung der ihm anvertrauten Daten angeht. Wenn hier Zweifel aufkommen, wird es auch f\u00fcr TextGrid eng. <\/p>\n<ul>Nutzerpflege \u2013 Nutzervernetzung \u2013 Nutzeremanzipation<\/ul>\n<p>\u201eNutzeremanzipation\u201c scheint mir in diesem Kontext ein bemerkenswertes Stichwort. Erst wenn es nicht mehr die Entwickler sind, die f\u00fcr ihre neuen Verfahren und Instrumentarien Abnehmer suchen m\u00fcssen \u2013 frei nach dem Motto: wir haben eine neue Technologie, hat jemand die dazu passende Forschungsfrage? \u2013 sondern die Nutzerinnen und Nutzer selbst mit ihren eigenen Forschungsfragen die technologische Entwicklung vorantreiben \u2013 erst dann hat TextGrid den Punkt erreicht, wo sich ernsthaft von Nachhaltigkeit und von einer sich selbst tragenden Virtuellen Forschungsumgebung sprechen l\u00e4sst. Bis dahin ist es noch ein betr\u00e4chtliches St\u00fcck Weges, und bis dahin bedarf es \u2013 zumal gegen\u00fcber Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern \u2013 noch erheblicher \u00dcberzeugungsarbeit. Mehrfach war in diesem Zusammenhang davon die Rede, dass sich die Leistungsf\u00e4higkeit von TextGrid vor allem anhand kleinerer, in \u00fcberschaubarer Frist erfolgreich abzuschlie\u00dfender Projekte beispielsweise im Editionsbereich besonders gut demonstrieren lie\u00dfe. Mir pers\u00f6nlich scheint diese auch in den R\u00fcckmeldungen unterstrichene Empfehlung sehr bedenkenswert. Jedenfalls vermute ich, dass solche Vorhaben Skeptiker leichter \u00fcberzeugen werden als hochelaborierte Gro\u00dfprojekte, deren Komplexit\u00e4t auf Newcomer wom\u00f6glich sogar eher abschreckend wirken k\u00f6nnte. Und ich selbst schlie\u00dfe mich da durchaus ein&#8230;<\/p>\n<p><strong>5.\tPerspektiven<\/strong><\/p>\n<p>Bei aller Sympathie f\u00fcr Pragmatismus und kleine Schritte: ganz ohne eine Vision, wohin die Reise gehen soll, wird ein Aufbruch, wie wir ihn mit TextGrid  versuchen, kaum gelingen. Denn Helmut Schmidts flapsigem Verdikt zum Trotz gilt auch hier: Wer die Menschen zum Schiffbau motivieren will, sollte ihnen nicht das Holz f\u00fcr die Planken zeigen, sondern die Sehnsucht nach der Ferne und dem offenen Meer einpflanzen. Was immer dies f\u00fcr TextGrid konkret hei\u00dfen mag: man sollte diese Sehnsucht m\u00f6glichst fr\u00fch einpflanzen, nicht erst im Rahmen von Schulungen f\u00fcr etablierte Forscherinnen und Forscher \u2013 so wichtig diese auch sind \u2013, sondern schon sehr viel fr\u00fcher in den Curricula geisteswissenschaftlicher F\u00e4cher. Schon in dieser Phase muss \u201edigital literacy\u201c vermittelt werden \u2013 wie man es ja erfreulicherweise hier an der TU Darmstadt auch schon sehr erfolgreich praktiziert. <\/p>\n<p>Andrea Rapp hat eine \u201eVer\u00e4nderung von Forschungskulturen\u201c angemahnt und TextGrid als dynamischen Forschungsraum apostrophiert. Gerade dies gilt es den Geisteswissenschaften zu vermitteln, dass n\u00e4mlich Entwickler nicht blo\u00dfe Anbieter von neuen Technologien und Nutzer nicht deren blo\u00dfe Kunden, sondern dass beide Seiten Kooperationspartner in einem Prozess sind, der den Geisteswissenschaften insgesamt neue M\u00f6glichkeiten und Perspektiven erschlie\u00dft. Glaubenskriege und ideologische Grabenk\u00e4mpfe \u2013 \u201eWeg mit allem Papier! Es lebe das digitale Zeitalter!\u201c \u2013 f\u00fchren da allerdings nicht weiter, sondern allenfalls in die Irre. Denn es geht auch hier nicht um \u201eentweder \u2013 oder\u201c, sondern um Komplementarit\u00e4t, um das intelligente Zusammenwirken unterschiedlicher Instrumente, Medien und Verfahren, welches deren jeweiliges Potenzial kreativ wendet und produktiv nutzt. Und schon gar nicht geht es um die missionarische Bekehrung von &#8218;digital Ungl\u00e4ubigen&#8216;, sondern allein um die Sogwirkung, die Virtuelle Forschungsumgebungen dann entfalten, wenn sie die Forschung erkennbar voranbringen.  <\/p>\n<p>Indes: wie man es auch drehen und wenden mag: soll TextGrid nachhaltig werden, bedarf es einer stabilen institutionellen Basis. In der mit TextGrid III anstehenden \u00dcbergangsphase in den Dauerbetrieb soll der Text-Grid-Verein diese Funktion \u00fcbernehmen und auf Tauglichkeit getestet werden. Man wird sehen, ob diese L\u00f6sung sich bew\u00e4hrt oder ob eine andere gefunden werden muss. Dabei gilt es nicht nur m\u00f6glichst viele der in diesem Zusammenhang wichtigen Player und Stakeholder mit ins Boot zu holen, sondern neben den Forschungs- auch die F\u00f6rderkulturen der wichtigen (Dritt-)Mittelgeber entsprechend zu ver\u00e4ndern. Denn Virtuelle Forschungsumgebungen generieren Bedarfe, die sich in traditionellen, projektbezogenen Kostenkalkulationen nur schwer unterbringen lassen \u2013 zumal wenn ein gesicherter Dauerbetrieb das Ziel ist. Hier wird es meiner Einsch\u00e4tzung nach ohne eine stabile Grundfinanzierung im Zusammenspiel von Bund und L\u00e4ndern letztlich nicht gehen. Das ist ein ziemlich dickes und sehr hartes Brett, welches wir hier bohren m\u00fcssen, und man kann nur hoffen, dass sich auch die f\u00f6deralismusbedingten Hindernisse aus dem Weg r\u00e4umen lassen. Im \u00dcbrigen sollten sich alle Beteiligten dar\u00fcber im Klaren  sein, dass leistungsf\u00e4higere Forschung ohne angemessenen Mitteleinsatz auf Dauer nicht zu haben ist.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang fiel mehrfach das Wort Verantwortung. Auch das zu Recht. Hier kann allerdings nicht nur die Verantwortung f\u00fcr TextGrid gemeint sein; denn auch TextGrid selbst tr\u00e4gt mittlerweile betr\u00e4chtliche Verantwortung! Schlie\u00dflich befinden wir uns ja l\u00e4ngst nicht mehr im Sandkasten-Modus unverbindlicher Planspiele und blo\u00dfer Testl\u00e4ufe, sondern im Echtbetrieb geisteswissenschaftlicher (Gro\u00df-)Projekte. Von daher w\u00e4re ein Abbruch nicht nur eine Katastrophe f\u00fcr TextGrid selbst, sondern mindestens ebenso sehr f\u00fcr all jene Forscherinnen und Forscher, die schon jetzt damit arbeiten und auf seine dauerhafte Stabilit\u00e4t vertrauen. Mehr noch: es w\u00e4re auch h\u00f6chst fatal f\u00fcr die Digital Humanities insgesamt, wenn mit TextGrid jenes Projekt unvollendet bliebe, das hier allgemein als Flaggschiff gilt. Umso mehr sollten wir im Zusammenwirken aller Beteiligten daran arbeiten, dass TextGrid wenn schon nicht, wie es in einem der Diskussionsbeitr\u00e4ge hie\u00df, zum Synonym f\u00fcr das Internet insgesamt, so doch zum Synonym f\u00fcr Virtuelle Forschungsumgebungen in den Geisteswissenschaften wird. Das w\u00e4re doch eine Vision, f\u00fcr die man jedenfalls nicht zum Arzt m\u00fcsste \u2013 um noch einmal Helmut Schmidt zu zitieren.<\/p>\n<p><strong>6.\tPole Position<\/strong><\/p>\n<p>Der Richtspruch wurde f\u00fcr TextGrid schon formvollendet vorgetragen, und ich habe dem eigentlich nichts hinzuzuf\u00fcgen. Andererseits erwartet man am Ende eines solchen Res\u00fcmees vermutlich doch etwas von dieser Art. Mir f\u00e4llt da nur ein vor Jahren sehr popul\u00e4rer, inzwischen aus welchen Gr\u00fcnden auch immer etwas aus der Mode gekommener Werbespruch ein. Vielleicht erinnert sich noch jemand:<\/p>\n<p><strong>Es gibt viel zu tun. Packen wir&#8217;s an!<\/strong><\/p>\n<p>Packen wir es also an \u2013 gemeinsam und nach Kr\u00e4ften! Die Chancen stehen nicht schlecht. Denn nicht zuletzt das hat der heutige Tag eindrucksvoll gezeigt: TextGrid  liegt vorn, und das sollte auch so bleiben \u2013 nach M\u00f6glichkeit auf Dauer!<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit!<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011590.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/P1011590.jpg\" alt=\"\" title=\"Axel Horstmann, Fazit &amp; Ausblick\" width=\"1280\" height=\"960\" class=\"alignnone size-full wp-image-695\" \/><\/a><\/p>\n<p>23. Mai 2012 &#8211; Hm<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stimmungsbild: Anna Spatz und Franziska Horn, TU Darmstadt Fazit der Veranstaltung, vorgetragen am 15. Mai 2012 von Axel Horstmann, ProWiss Photos: Sven Arce Der TextGrid Summit 2012 am 14. und 15. Mai an der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt stand unter dem Motto \u201eRichtfest im Haus der digitalen Infrastruktur\u201c, wobei die Nutzer der virtuellen Forschungsumgebung mit ihren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,103,4],"tags":[52],"class_list":["post-689","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-community","category-veranstaltungen","tag-textgrid"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=689"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":698,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/689\/revisions\/698"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}