{"id":6779,"date":"2016-05-26T09:11:53","date_gmt":"2016-05-26T07:11:53","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=6779"},"modified":"2016-05-26T09:10:55","modified_gmt":"2016-05-26T07:10:55","slug":"tagungsbericht-fuer-den-dhd-blog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=6779","title":{"rendered":"Tagungsbericht DHd 2016: &#8222;Vortr\u00e4ge_5b: Digitale Edition III&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Als Masterstudentin der Computerlinguistik und Texttechnologie an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen habe ich an der diesj\u00e4hrigen DHd-Tagung in Leipzig teilgenommen, die zum Thema <a href=\"http:\/\/dhd2016.de\/\" target=\"_blank\">\u201eModellierung \u2013 Vernetzung \u2013 Visualisierung: Die Digital Humanities als f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Forschungsparadigma\u201c<\/a> vom 7. bis 12. M\u00e4rz 2016 \u00fcber 460 Teilnehmer anzog. In diesem\u00a0Beitrag\u00a0m\u00f6chte ich von meinen Eindr\u00fccken im Hinblick auf die Vortragsreihe <strong>\u201eVortr\u00e4ge_5b: Digitale Edition III\u201c<\/strong> vom 11. M\u00e4rz 2016 berichten, in der drei Beitr\u00e4ge aus den Bereichen der Korpuslinguistik, der Digitalen Editorik und der Geschichtswissenschaften vorgestellt wurden. <!--more-->Der Fokus lag bei allen drei Vortr\u00e4gen auf den M\u00f6glichkeiten der Arbeit mit\u00a0literarischen wie historischen Textkorpora und digitalen Editionen in Infrastrukturen. Zun\u00e4chst wurde der jeweilige Gegenstand und die entsprechende Infrastruktur skizziert und anschlie\u00dfend ein Anwendungsfall samt Live-Demonstration simuliert, bei dem die benutzten Tools und die gezeigten Arbeitsumgebungen unter die Lupe genommen wurden. Alle drei Vortr\u00e4ge stellten interessante und hilfreiche Tools vor, die mitunter auch innovative, explorative Zug\u00e4nge zu Textkorpora erm\u00f6glichen. In den folgende drei Abs\u00e4tzen gehe ich auf jeden einzelnen Vortrag ein und hebe solche Aspekte hervor, die f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ein Zugewinn waren.<\/p>\n<p>Dirk Goldhahn (Universit\u00e4t Leipzig) ging in seinem Vortrag <strong>\u201eOperationalisierung von Forschungsfragen in CLARIN-D &#8211; Der Anwendungsfall Ernst J\u00fcnger\u201c<\/strong> der \u00fcbergeordneten Fragestellung nach, inwieweit linguistische Ressourcen genutzt werden k\u00f6nnen, um Forschungsfragen der Digital Humanities zu beantworten. In Zusammenarbeit mit Thomas Gloning (Universit\u00e4t Gie\u00dfen) und unter der Verwendung der Infrastruktur <a href=\"http:\/\/www.clarin-d.de\/de\/\" target=\"_blank\">CLARIN-D<\/a> wurde ein Anwendungsfall aus der germanistischen Praxis entwickelt, der aufzeigte, wie ein systematisches Vorgehen und die Ermittlung der Daten, der Referenzdaten und der Algorithmen sowie die Visualisierung der Ergebnisse in einem Workflow innerhalb einer Forschungsinfrastruktur kombiniert werden k\u00f6nnen. Die dazugeh\u00f6rige Entwicklungsarbeit der Projektinhaber Dirk Goldhahn, Thomas Eckart und Gerhard Heyer (alle Universit\u00e4t Leipzig) stellt die Webanwendung <a href=\"http:\/\/corpusdiff.informatik.uni-leipzig.de\/corpora\/\" target=\"_blank\"><em>Corpus Diff<\/em><\/a> dar, ein generisches Tool, das zur Differenzanalyse und Visualisierung der Ergebnisse dient. Interessant bei diesem methodischen Vorgehen einer Differenzanalyse ist die M\u00f6glichkeit, die Ver\u00e4nderungen des Vokabulargebrauchs in Texten zu ermitteln und somit die Unterschiede und \u00c4hnlichkeiten zum Referenzkorpus zu quantifizieren. Anschaulich wurde das Ausmachen von Referenzdaten mithilfe des sogenannten CLARIN <a href=\"https:\/\/vlo.clarin.eu\" target=\"_blank\"><em>Virtual Language Observatory<\/em> (VLO)<\/a>, eine spezielle Suchmaschine f\u00fcr sprachbasierte Ressourcen, vorgestellt. F\u00fcr Sprach- und Literaturwissenschaftler_innen ist die Infrastruktur CLARIN-D n\u00fctzlich, vor allem aufgrund von <a href=\"http:\/\/weblicht.sfs.uni-tuebingen.de\/weblichtwiki\/index.php\/Main_Page\" target=\"_blank\"><em>WebLicht<\/em><\/a>, welches das Ansteuern von webbasierten Prozessketten erm\u00f6glicht und somit auch die Aufbereitung des Rohmaterials. Dirk Goldhahn demonstrierte, wie die Differenzanalyse f\u00fcr die Ernst J\u00fcnger-Daten angesto\u00dfen wird und als Ergebnis eine Matrix der paarweisen Korpus\u00e4hnlichkeiten mit verschiedenen Farbschemata angezeigt wird. Sollte das Interesse einem bestimmten Wort gelten, kann sich der Benutzer \u00fcber eine Detailansicht auch individuelle Wortlisten der Korpora anzeigen lassen. Neben der \u00c4hnlichkeitsmatrix k\u00f6nnen je nach Bedarf ein Dendrogramm und ein Leitliniendiagramm angezeigt werden. Mit der Webanwendung <em>Corpus Diff<\/em> konnte erfolgreich gezeigt werden, dass ein komplexer Workflow mit unterschiedlichen Einzelschritten und der Hinzunahme weiterer Tools benutzerfreundlich kombinierbar und realisierbar ist. Meiner Meinung nach punktet die Webanwendung vor allem aufgrund der Benutzerfreundlichkeit und den drei Visualisierungsformen: Matrix, Dendrogramm und Liniendiagramm. Im Hinblick auf die Nutzung von Wortlisten, die erstens leicht zu verarbeiten sind und zweitens den leichteren Zugriff auf zeitgen\u00f6ssische Literatur des 20. Jahrhunderts mit besonderen Lizenzbedingungen erm\u00f6glichen, unterstreicht dieser Ansatz selbst seine Hervorhebung.<\/p>\n<p>Susanne Sch\u00fctz und Marcus P\u00f6ckelmann (beide Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg) stellten im Vortrag \u201e<strong>LERA &#8211; Explorative Analyse komplexer Textvarianten in Editionsphilologie und Diskursanalyse\u201c<\/strong> ihr Tool <a href=\"http:\/\/lera.uzi.uni-halle.de\/\" target=\"_blank\">LERA<\/a> vor. LERA steht f\u00fcr \u201eLocate, Explore, Retrace and Apprehend complex text variants\u201c und ist eine interaktive, webbasierte Arbeitsumgebung f\u00fcr die Kollationierung verschiedener Textfassungen. Die j\u00fcngsten Innovationen innerhalb dieser Arbeitsumgebung sind drei Visualisierungstools f\u00fcr digitale Editionen:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine Suchfunktion samt<\/li>\n<li>\u00dcbersichtsleiste f\u00fcr das Auffinden von Schlagworten namens <a href=\"http:\/\/catview.uzi.uni-halle.de\/\" target=\"_blank\"><em>CATview<\/em><\/a>, die in Form von Rechtecken eine strukturierte \u00dcbersicht \u00fcber den gesamten Text oder Textsegmente gibt und das Navigieren innerhalb der Einheiten durch eine Verlinkungsstruktur erm\u00f6glicht.<\/li>\n<li>Interaktive Wortwolken k\u00f6nnen individuell generiert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Susanne Sch\u00fctz machte stark, dass die Benutzeroberfl\u00e4che individuell anpassbar sei, und dies im Besonderen f\u00fcr kulturwissenschaftliche Herangehensweisen und Forschungsfragen hilfreich sei, wenn man beispielsweise orthografische und drucktechnische Informationen ausblenden lassen m\u00f6chte und stattdessen die inhaltlichen Ver\u00e4nderungen auf der Wortebene angezeigt bekommen m\u00f6chte. Marcus P\u00f6ckelmann stellte den innovativen Ansatz vor, die drei Visualisierungstools miteinander zu kombinieren, der meines Erachtens das Erkunden umfangreicherer Texte in digitalen Editionen erheblich erleichtert. Eine Besonderheit von LERA ist die Integration von weiteren Sprachen in die Arbeitsumgebung, was unter anderem f\u00fcr Germanisten_innen und Hispanisten_innen von Interesse sein kann.<\/p>\n<p>Bryan Jurish (Berlin-Brandenburg Akademie der Wissenschaften) und Thomas Werneke (Zentrum f\u00fcr Zeithistorische Forschung) schlossen mit \u201e<strong>DiaCollo: diachronen Kollokationen auf der Spur\u201c <\/strong>die Vortragseinheit ab. Jurish erl\u00e4uterte, dass <a href=\"http:\/\/de.clarin.eu\/de\/kollokationsanalyse-in-diachroner-perspektive\" target=\"_blank\"><em>DiaCollo<\/em><\/a> ein Softwarewerkzeug ist, mit dem typische Wortverbindungen auf Grundlage verschiedener Textkorpora in einem bestimmten Zeitraum gefunden und so Bedeutungsverschiebungen ausgemacht werden k\u00f6nnen. <em>DiaCollo<\/em> wurde innerhalb der Infrastruktur von CLARIN-D entwickelt, um Historikern zu helfen, \u00c4nderungen in den Diskursen der Quellen aufzufinden, indem effizient die Kollokationen extrahiert und zum diachronen Vergleich und zur Analyse ausgegeben werden. F\u00fcr die Aufbereitung und Ausgabe der Ergebnisse bietet das Tool Zeitreihen-, Tag-Cloud- und Bubble-Visualisierungen an. Die technischen Hintergr\u00fcnde des Werkzeuges und die Implementierung sind als modulare Perl Bibliothek aufgebaut. Laut Thomas Werneke ist der Hintergrund des Projektes, die historische Dimension von auf den ersten Blick synchron erscheinenden Korpora wieder sichtbarer zu machen. Das interessante an <em>DiaCollo<\/em> ist dessen prinzipielle Offenheit f\u00fcr unterschiedliche Wissenschaftsbereiche. Im Feld der Geschichtswissenschaften hob Werneke unter anderem den Nutzen des Tools f\u00fcr die Auswertung einer Kulturgeschichte eines politischen und sozialen Diskurses einer bestimmten Epoche hervor. Ferner kann das Werkzeug umfangreiche Quellenkorpora stemmen, was besonders f\u00fcr das Close Reading sehr n\u00fctzlich sein kann. In einem Screencast simulierten Jurish und Werneke eine Suchanfrage f\u00fcr <a href=\"http:\/\/kaskade.dwds.de\/dstar\/zeit\/diacollo\/?query=Krise&amp;format=cloud\" target=\"_blank\">\u201eKrise\u201c<\/a> in den Korpora <em>Die Zeit<\/em> und <em>DDR-Presse<\/em>. Die Ergebnisse werden in einer Wortwolke ausgegeben, die auf einer Zeitleiste abgespielt wird und mit einer Farbskalierung unterschiedlich starke oder schwache Kollokationen markiert. Zusammenfassend wurde die flexible Einstellung der Zeitabschnitte gelobt, um den semantischen Wandel in den Korpora anzeigen zu lassen \u2013 ein Prozess, der mit relativ wenig Rechenleistung von statten geht und ein Vorteil dieses Tools darstellt. Werneke beendete den Vortrag mit dem Appell, dass das \u201eTool <em>DiaCollo<\/em> nicht das Close Reading abl\u00f6sen soll, sondern eine Verschr\u00e4nkung von Distant Verfahren mit dem traditionellen hermeneutischen Zugang der Historiker an Quellen erm\u00f6glicht\u201c.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfende Worte, mit denen ich diesen Blogeintrag schlie\u00dfen m\u00f6chte \u2013 auch f\u00fcr die beiden anderen Tools gilt dasselbe. Alles in allem konnten alle drei Vortr\u00e4ge mit ihren vorgestellten Tools punkten und er\u00f6ffneten einen interessanten Blick auf die aktuellen Entwicklungen in der Digitalen Editorik. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung innerhalb eines Jahres bis zur n\u00e4chsten <a href=\"http:\/\/www.dig-hum.de\/dhd-2017\" target=\"_blank\">DHd 2017<\/a> in Bern voranschreitet und weitere n\u00fctzliche Tools und Optimierungen zu Tage f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>Melanie Mihm, Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">[Anmerkung der Redaktion] Die Autorin war im Rahmen der DHd-Jahrestagung 07. bis 12. M\u00e4rz 2016 in Leipzig <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\"><a href=\"http:\/\/www.dhd2016.de\/Reisekostenstipendien\" target=\"_blank\">Reisestipendiatin<\/a><\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> der Verb\u00fcnde <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">DHd<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">, <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">DARIAH-DE<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\"> und <\/span><b style=\"line-height: 1.5;\">CLARIN-D<\/b><span style=\"line-height: 1.5;\">, die zur DHd 2016 neun Reise\u00adkosten\u00adsti\u00adpen\u00addien in H\u00f6he von jeweils bis zu 300,00 EUR an teilnehmende Nachwuchs\u00adwissen\u00adschaft\u00adlerInnen vergaben. Als digitale Forschungs\u00adinfrastrukturen, die im Bereich der Geistes-, Kultur- und Sozial\u00adwissen\u00adschaften engagiert sind, unterst\u00fctzten CLARIN-D und DARIAH-DE den DHd-Verband dabei, wissen\u00adschaft\u00adlichem Nachwuchs mit herausragenden Beitr\u00e4gen die Teilnahme zu erm\u00f6glichen. Die StipendiatInnen berichten in lockerer Folge auf dem DHd-Blog (siehe auch <\/span><a style=\"line-height: 1.5;\" href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=6517\" target=\"_blank\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=6517<\/a><span style=\"line-height: 1.5;\">).<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Masterstudentin der Computerlinguistik und Texttechnologie an der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen habe ich an der diesj\u00e4hrigen DHd-Tagung in Leipzig teilgenommen, die zum Thema \u201eModellierung \u2013 Vernetzung \u2013 Visualisierung: Die Digital Humanities als f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Forschungsparadigma\u201c vom 7. bis 12. M\u00e4rz 2016 \u00fcber 460 Teilnehmer anzog. 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