{"id":6769,"date":"2016-05-19T13:12:23","date_gmt":"2016-05-19T11:12:23","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=6769"},"modified":"2016-05-19T13:26:26","modified_gmt":"2016-05-19T11:26:26","slug":"edition-der-randnotizen-jose-l-losada-palenzuela-ueber-sein-digitalisierungsprojekt-zu-den-marginalien-arthur-schopenhauers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=6769","title":{"rendered":"Edition der Randnotizen. Jos\u00e9 L. Losada Palenzuela \u00fcber sein Digitalisierungsprojekt zu den Marginalien Arthur Schopenhauers"},"content":{"rendered":"<div id=\"ccm-layout-wrapper-34561\" class=\"ccm-layout-wrapper\">\n<div id=\"ccm-layout-main-469-2\" class=\"ccm-layout ccm-layout-table ccm-layout-name-Main-Layout-2 \">\n<div class=\"ccm-layout-row ccm-layout-row-1\">\n<div class=\"ccm-layout-469-col-1 ccm-layout-cell ccm-layout-col ccm-layout-col-1 first\">\n<div id=\"attachment_6770\" style=\"width: 293px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Jose_buero.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6770\" class=\"wp-image-6770\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Jose_buero.jpg\" alt=\"Dr. Jos\u00e9 Luis Losada Palenzuela\" width=\"283\" height=\"188\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6770\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Jos\u00e9 Luis Losada Palenzuela<\/p><\/div>\n<p>Arthur Schopenhauer (1788\u20121860) ist als Philosoph ein Begriff. Weniger bekannt ist hingegen, dass er auch \u00dcbersetzer war. So \u00fcbertrug er u.a. das moralische Traktat <em>Or\u00e1culo manual y arte de prudencia<\/em> des spanischen Barockschriftstellers Baltasar Graci\u00e1n (1601\u20121658) ins Deutsche. Durch Schopenhauers \u00dcbersetzung wurde Graci\u00e1ns Werk in Deutschland wieder bekannt und so verwundert es nicht, dass viele sogar denken, Schopenhauer selbst sei der Autor des Textes gewesen.<br \/>\n<a title=\"Dr. Jos\u00e9 L. Losada Palenzuela\" href=\"http:\/\/kompetenzzentrum.uni-trier.de\/de\/ueber-uns\/mitarbeiter\/dr.-jose-l.-losada-palenzuela\/\"><br \/>\nDr. Jos\u00e9 L. Losada Palenzuela<\/a>, der seit M\u00e4rz zu Gast am Trier Center for Digital Humanities (TCDH) ist, promovierte zu Schopenhauers \u00dcbersetzung <em>Handorakel und Kunst der Weltklugheit<\/em>. Die spanische Ausgabe, die der Philosoph f\u00fcr seine Translation nutzte, liegt heute gespickt mit seinen Markierungen und Notizen in der Universit\u00e4tsbibliothek Frankfurt. Losada m\u00f6chte diese Marginalien nun in eine digitale Edition \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"ccm-layout-469-col-2 ccm-layout-cell ccm-layout-col ccm-layout-col-2 last\">\n<div id=\"blockStyle6398MainLayout2Cell290\" class=\" ccm-block-styles\">\n<div class=\"zoomImage-container\">\n<p id=\"thumbImage6398_caption\" class=\"image-caption\">Die richtige Umgebung f\u00fcr dieses Ein-Mann-Vorhaben hat er hier am TCDH gefunden. Im Rahmen eines dreimonatigen DAAD-Stipendiums m\u00f6chte er vom Know-how des Kompetenzzentrums vor allem auf dem Gebiet der standardisierten Auszeichnung von Texten mit XML-TEI profitieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div id=\"ccm-layout-wrapper-34560\" class=\"ccm-layout-wrapper\">\n<div id=\"ccm-layout-main-464-3\" class=\"ccm-layout ccm-layout-table ccm-layout-name-Main-Layout-3 \">\n<div class=\"ccm-layout-row ccm-layout-row-1\">\n<div class=\"ccm-layout-464-col-1 ccm-layout-cell ccm-layout-col ccm-layout-col-1 first\">\n<p>Schopenhauer selbst, der einen philosophischen Pessimismus pflegte, h\u00e4tte sich \u00fcber dieses Projekt \u00fcberhaupt nicht gefreut, vermutet Losada augenzwinkernd, &#8222;das ist Unsinn, w\u00fcrde er sagen.&#8220; Der Spanisch-Dozent, der an der Universit\u00e4t Breslau lehrt, sieht das allerdings anders. Er w\u00fcnscht sich, mit der digitalen Edition einen Forschungsbeitrag zu leisten, und in der Tat k\u00f6nnte eine frei zug\u00e4ngliche Erschlie\u00dfung von Schopenhauers Marginalien eine Bereicherung sein \u2012 nicht nur f\u00fcr die Literaturwissenschaft, sondern auch f\u00fcr die Philosophie- und Personengeschichte. Sie dokumentieren nach Losada nicht nur den Translationsprozess, sondern geben dar\u00fcber hinaus auch Auskunft \u00fcber die Gedankenwelt und Biographie des Philosophen Schopenhauer.<\/p>\n<p>Warum hat sich Schopenhauer diesem Werk Graci\u00e1ns angenommen? &#8222;Er war der Ansicht, dass jeder Mensch, egal welchen Standes, durch das Buch &#8218;kl\u00fcger&#8216; werden kann&#8220;, so Losada, &#8222;allerdings hat man damals unter dem Begriff &#8218;Klugheit&#8216; eher ein praktisches Wissen verstanden.&#8220; Die Sammlung von 300 Aphorismen, also Lebensweisheiten, hat bis heute nichts an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft: &#8222;Das Handbuch ist in den USA immer noch ein Bestseller. Man verkauft es z.B. als Ratgeber f\u00fcr Unternehmer.&#8220;<\/p>\n<p>Schopenhauer hat sich mit der \u00dcbersetzung keiner leichten Aufgabe gestellt. &#8222;Die Begrifflichkeit der Philosophie zu \u00fcbersetzen, ist sehr kompliziert&#8220;, wei\u00df Losada, &#8222;beispielsweise k\u00f6nnen die bekannten Termini wie &#8218;Verstand&#8216; und &#8218;Vernunft&#8216;, die erst durch Kant pr\u00e4zise unterschieden wurden, auch nicht einfach in eine andere Sprache \u00fcbersetzt werden, da sie eine philosophische Konnotation haben.&#8220; In seiner \u00dcbersetzung musste Schopenhauer also genuine Bedeutungsinhalte ber\u00fccksichtigen. &#8222;Das sieht man daran, dass Schopenhauer beispielsweise den Begriff &#8218;cultura&#8216; aus Graci\u00e1ns Werk mit dem Wort &#8218;Bildung&#8216; \u00fcbersetzt hat. Schopenhauer selbst verwendete in seinem Hauptwerk den Terminus &#8218;Bildung&#8216; dagegen kaum.&#8220; Aber er hat an einigen Stellen Begrifflichkeiten auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Weltanschauung gedeutet und in seine \u00dcbersetzung mit einflie\u00dfen lassen.<\/p>\n<p>Um solche Strukturen aufzudecken, typologisiert Losada in seiner Edition Marginalia einmal nach der \u00e4u\u00dferen Form, indem er vertikale Markierung (einfach oder mehrfach), \u00c4nderung, Fu\u00dfnote sowie Unterstreichung unterscheidet. Im zweiten Schritt differenziert Losada die Randnotizen nach ihrem Gehalt. Hier will er aufzeigen, an welchen Bereichen Schopenhauer z.B. einen Erkenntnisprozess durchlebte, dem annotierten Inhalt zustimmte oder mit ihm auf Konfrontation ging, sich gar mit ihm identifizierte oder welche Stellen als Zitate sp\u00e4ter im Hauptwerk des Philosophen wieder auftauchen. &#8222;Z.B. hat Schopenhauer nur Sprichw\u00f6rter unterstrichen. Das zeigt, wie wichtig ihm diese waren&#8220;, stellt Losada fest.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnte dem User der Online-Edition eine Benutzeroberfl\u00e4che zur Verf\u00fcgung stehen, auf der per Mausover \u00fcber die Marginalien entsprechende Interpretationen und Verweise eingeblendet werden. Am TCDH hat Losada nun jenseits seiner Lehrt\u00e4tigkeit in Polen die M\u00f6glichkeit, dieses Vorhaben voranzubringen. Das sei der perfekte Ort, meint Losada. &#8222;Schlie\u00dflich geht es hier um eine Digitale Edition und mir war das Zentrum vor allem wegen seiner tollen Projekte auf diesem Gebiet bereits bekannt. Das <a title=\"Das Goethe-W\u00f6rterbuch im Internet\" href=\"http:\/\/kompetenzzentrum.uni-trier.de\/de\/projekte\/projekte\/goethe-woerterbuch\/\">Goethe-W\u00f6rterbuch<\/a> beispielsweise habe ich f\u00fcr meine Dissertation benutzt.&#8220; Losada erz\u00e4hlt, dass er zuerst etwas verunsichert war, da das TCDH eigentlich viel gr\u00f6\u00dfere Vorhaben umsetzt. Umso mehr freue er sich, dass er die M\u00f6glichkeit hat, seine Arbeit hier vorstellen zu k\u00f6nnen, in Diskussion zu bringen und hilfreiches Feedback zu bekommen. &#8222;Die Kolleginnen und Kollegen hier kennen sich sehr gut aus und haben keine Scheu konstruktive Kritik zu \u00e4u\u00dfern. Dieser Austausch ist sehr fruchtbar.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arthur Schopenhauer (1788\u20121860) ist als Philosoph ein Begriff. Weniger bekannt ist hingegen, dass er auch \u00dcbersetzer war. So \u00fcbertrug er u.a. das moralische Traktat Or\u00e1culo manual y arte de prudencia des spanischen Barockschriftstellers Baltasar Graci\u00e1n (1601\u20121658) ins Deutsche. 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