{"id":5783,"date":"2015-10-23T14:35:45","date_gmt":"2015-10-23T12:35:45","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=5783"},"modified":"2015-11-01T23:17:36","modified_gmt":"2015-11-01T22:17:36","slug":"interview-mit-thomas-staecker-leiter-der-tagung-digitale-metamorphose-digital-humanities-und-editionswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=5783","title":{"rendered":"Interview mit Thomas St\u00e4cker, Leiter der Tagung &#8222;Digitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am<a id=\"set-post-thumbnail\" class=\"thickbox\" title=\"Beitragsbild festlegen\" href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-admin\/media-upload.php?post_id=5783&amp;type=image&amp;TB_iframe=1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment-post-thumbnail alignleft\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/mww_Plakat_A4_digital-copy1.png\" alt=\"Plakat zur Tagung &quot;Digitale Metamorphose&quot;\" width=\"254\" height=\"360\" \/><\/a> 2. November 2015 beginnt die dreit\u00e4gige Tagung &#8222;Digitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft&#8220;, die von der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel (HAB) im Rahmen des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenb\u00fcttel (MWW) veranstaltet wird. Wir fragten Tagungsleiter Dr. Thomas St\u00e4cker, ob es k\u00fcnftig \u00fcberhaupt noch gedruckte Ausgaben geben wird, worauf bei der Erstellung einer digitalen Edition geachtet werden muss und was er sich von der Tagung erwartet.\u00a0\u00a0<strong>\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr St\u00e4cker, werden digitale Editionen gedruckte Ausgaben verschwinden lassen?<\/strong><\/p>\n<p>Ich gehe davon aus. Allerdings werden mittelfristig gedruckte Editionen als Hybrid-Editionen neben digitalen Bestand haben. Dabei wird die gedruckte Ausgabe nur noch eine von mehreren m\u00f6glichen Darstellungsformen der zugrunde liegenden Ausgabe sein.<\/p>\n<p><strong>Welchen Mehrwert bieten digitale Editionen der Forschung?<\/strong><\/p>\n<p>In K\u00fcrze ist diese Frage nicht abschlie\u00dfend zu beantworten. Letztlich kommen alle Aspekte zum Tragen, die mit der Maschinenlesbarkeit der Texte zu tun haben. Es liegt auf der Hand, dass digitale Editionen leichter durchsuchbar sind und im Internet gefunden werden. Die Darstellung selbst l\u00e4sst sich flexibilisieren, die Ordnung der jeweiligen Teile skriptgesteuert ver\u00e4ndern. Die Editionsfertigstellung wird dynamisiert und erlaubt Einsichten in fr\u00fchere Textentwicklungsstadien. Man kann interne und externe Elemente verlinken und alle Arten von zus\u00e4tzlichem Material, typischerweise Digitalisate von Originalquellen, integrieren. Viele Editionstypen wie zum Beispiel die genetische Edition lassen sich erst im digitalen Medium vollwertig abbilden.<\/p>\n<p><strong>Wie aufwendig ist die Erstellung einer digitalen Edition?<\/strong><\/p>\n<p>Der Aufwand ist nicht unerheblich. Es m\u00fcssen nicht nur die \u00fcblichen philologischen und historischen Kriterien guter wissenschaftlichen Praxis erf\u00fcllt werden, sondern auch die Ebene der Maschinenlesbarkeit in ihren vielf\u00e4ltigen Auspr\u00e4gungen bedacht und in die Edition hineinkodiert werden. Im Prinzip entsteht so f\u00fcr eine digitale Edition ein Mehraufwand, der aber dadurch wieder relativiert wird, dass die zunehmende Bereitstellung digitaler Ressourcen dabei hilft, Bearbeitungszeit zu sparen. So lie\u00dfen sich Texte mit zahlreichen klassischen Zitaten ohne das Vorliegen von Perseus nicht in der Geschwindigkeit bearbeiten, die heute m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Worauf muss bei der Erstellung einer digitalen Edition besonders geachtet werden?<\/strong><\/p>\n<p>Auf ihre Konsistenz und sorgf\u00e4ltige Dokumentation vor allem der informationstechnischen Aspekte, zum Beispiel in der Erl\u00e4uterung des Markup. Wichtig ist auch, die Nutzung durch digitale Tools mitzudenken und den im Prinzip weltweiten Kontext zu ber\u00fccksichtigen. Denn anders als gedruckte Ausgaben bewegen sich digitale nicht mehr in den engen Grenzen eines Buchdeckels.<\/p>\n<p><strong>Wie werden sich digitale Editionen in der Zukunft entwickeln?<\/strong><\/p>\n<p>Der Trend geht eindeutig in Richtung st\u00e4rkere Standardisierung. Hier wird vor allem die TEI eine f\u00fchrende Rolle spielen. Zu erwarten ist auch eine st\u00e4rke Integration in digitale Forschungsumgebungen wie zum Beispiel TextGrid. Ich gehe zudem davon aus, dass die digitale Wende in der Editorik zu einer diversifizierteren Landschaft m\u00f6glicher Editionstypen f\u00fchren wird. Die historisch-kritische Ausgabe ist dabei nur ein m\u00f6gliches Modell. Die Entkoppelung vom Druck und damit von oft komplexen \u00f6konomischen Fragen vermag neue editorische Formen freizusetzen, sodass weit mehr niederschwellige Formen das Licht der Welt erblicken werden, zum Beispiel kleinere Transkriptionen oder \u00dcbersetzungen, digitale Faksimile-Ausgaben mit Einleitungen sowie Faksimile-Ausgaben mit Transkription oder auch OCR-Bearbeitung. Die digitale Wende wird eine Renaissance der Editorik mit sich bringen.<\/p>\n<p><strong>Was erhoffen Sie sich von der Tagung?<\/strong><\/p>\n<p>Neue Impulse aus den Kernbereichen der Editorik und neue Entwicklungen. Wichtig w\u00e4re, diejenigen Z\u00fcge der Editorik herauszuarbeiten, die f\u00fcr das digitale Medium spezifisch sind und bei denen es noch konzeptionelle Arbeit zu leisten gilt.<\/p>\n<p><em>Dr. Thomas St\u00e4cker ist kommissarischer Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel (HAB), Mitglied des Direktoriums von MWW und Leiter der Abteilung \u201eBenutzung, Erhaltung und Integrierte Medienbearbeitung\u201c an der HAB. Gemeinsam mit Dr. Roland S. Kamzelak (Marbach) leitet er die Tagung \u201eDigitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft\u201c, die vom 2. bis 4. November im Rahmen des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenb\u00fcttel (MWW) an der HAB stattfindet. \u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Informationen zur Tagung und Programm auf der Webseite des Forschungsverbunds MWW: <a href=\"http:\/\/www.mww-forschung.de\/veranstaltungen\/?menuopen=1\">http:\/\/www.mww-forschung.de\/veranstaltungen<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Hinweis f\u00fcr Interessenten: Aufgrund der begrenzten Platzkapazit\u00e4ten wird um Voranmeldung zur Tagung gebeten unter <\/em><a href=\"mailto:forschung@hab.de\"><em>forschung@hab.de<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. November 2015 beginnt die dreit\u00e4gige Tagung &#8222;Digitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft&#8220;, die von der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel (HAB) im Rahmen des Forschungsverbunds Marbach Weimar Wolfenb\u00fcttel (MWW) veranstaltet wird. 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