{"id":5062,"date":"2015-05-19T14:45:32","date_gmt":"2015-05-19T12:45:32","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=5062"},"modified":"2015-05-21T13:56:57","modified_gmt":"2015-05-21T11:56:57","slug":"perspektiven-der-digital-humanities-ein-interview-mit-manfred-thaller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=5062","title":{"rendered":"Perspektiven der Digital Humanities: Ein Interview mit Manfred Thaller"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Reihe &#8222;<strong>Perspektiven\u00a0der\u00a0Digital Humanities<\/strong>&#8220; berichten\u00a0WissenschaftlerInnen \u00fcber ihren Projektalltag und aktuelle Fragen\u00a0im Bereich der digialen Geisteswissenschaften.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_5074\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/manfred-thaller.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5074\" class=\"wp-image-5074\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/manfred-thaller.png\" alt=\"Keynote von Prof. Manfred Thaller auf dem DH Summit 2015\" width=\"300\" height=\"173\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5074\" class=\"wp-caption-text\">Keynote von Prof. Manfred Thaller auf dem <a href=\"https:\/\/de.dariah.eu\/dhsummit2015\">DH Summit 2015<\/a><\/p><\/div>\n<p><em>Prof. Dr. Manfred Thaller besch\u00e4ftigt sich bereits seit den 1970er Jahren mit der Frage, wie Computertechniken f\u00fcr den geschichtswissenschaftlichen Alltag nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen. Dabei geht es unter anderem um fachspezifische Software, historische Datenbanken und die maschinenunterst\u00fctzte Auswertung darin verwalteten Quellenmaterials, aber auch digitale Archive und Bibliotheken, sowie Fragen der digitalen Langzeitarchivierung. Seit 2000 ist Manfred Thaller Professor f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.hki.uni-koeln.de\/\">&#8222;Historisch-Kulturwissenschaftliche Informationsverarbeitung&#8220; (HKI)<\/a> an der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln und beteiligt sich bei der Forschungsinfrastruktur DARIAH-DE mit mehreren Projekten zu digitalen Geisteswissenschaften.<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Welche Projekte bearbeiten Sie aktuell bei DARIAH-DE?<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb von DARIAH-DE ist K\u00f6ln einerseits verantwortlich f\u00fcr einen \u201e<strong>Semantisch Topologischen Editor<\/strong>\u201c. Wie kann man in einer Bilddatenbank Queries durchf\u00fchren, die semantische mit Lagepr\u00e4dikaten verbinden? Salopp gesprochen: \u201eFinde Tafelbilder, bei denen St. Joseph auf derselben Seite der Krippe steht wie der Esel.\u201c Allerdings: Ich pers\u00f6nlich habe das angeregt, aber nicht mehr. Die Arbeit wird von <a href=\"http:\/\/www.hki.uni-koeln.de\/jochen-graf-ma\">Jochen Graf<\/a> durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Andererseits hat K\u00f6ln die Aufgabe, zwischen der technischen Infrastruktur von DARIAH-DE und den inhaltlichen Anforderungen der Digital Humanities zu vermitteln. Salopp gesprochen: Welche Anforderungen muss ein <strong>technischer Workflow<\/strong> erf\u00fcllen, um f\u00fcr die Geisteswissenschaften unmittelbar anwendbar zu sein. Aber auch hier \u2013 die Arbeit wird nicht von mir erledigt, sondern von <a href=\"http:\/\/www.hki.uni-koeln.de\/johanna-puhl\">Johanna Puhl<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Wie haben Sie begonnen, sich mit digitalen Geisteswissenschaften zu besch\u00e4ftigen?<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen meiner Dissertation hatte ich versucht, die Entstehung eines (kollektiven) Amerikabildes in Deutschland, Gro\u00dfbritannien und \u00d6sterreich im Vergleich zwischen 1840 und 1941 aus dem konkreten Informationsangebot abzuleiten. Also nicht aus Leitartikeln und Meisterwerken, sondern aus den t\u00e4glichen Meldungen und verbreiteter, zeittypischer Literatur. 700 Zeitungsjahrg\u00e4nge, 35.000 Zettelkastenzetteln und 6.000 Fu\u00dfnoten sp\u00e4ter fand ich, dass <strong>ein anderes Instrumentarium<\/strong> f\u00fcr den Umgang mit dieser Art von Anliegen geben m\u00fcsste. Entsprechend der in den Siebzigern sehr intensiven Debatte \u00fcber die interdisziplin\u00e4ren Beziehungen den historischen F\u00e4chern und den Sozialwissenschaften, schloss ich an die Promotion in Neuerer Geschichte daher einen zweij\u00e4hrigen PostDoc in Empirischer Soziologie an. Dabei hatte ich sehr bald den Eindruck, dass die sich damals gerade ausbreitenden statistischen Programmpakete f\u00fcr geisteswissenschaftliche Vorhaben nicht ausreichten. Und dann gab es pl\u00f6tzlich eine ganze Menge von Projekten, die jemand suchten, der solche Anwendungen in den jeweiligen Wissensdom\u00e4nen aufbauen sollte.<\/p>\n<p><strong>Welche Forschungsergebnisse im Bereich der Digital Humanities haben Sie bisher besonders beeindruckt?<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst spontan:<br \/>\nIn den sozialhistorisch ausgerichteten Geschichtswissenschaften fand ich das <a href=\"http:\/\/www.icpsr.umich.edu\/icpsrweb\/ICPSR\/series\/229\">Philadelphia Social History Project (PSHP)<\/a>, trotz der immer wieder auftretenden Turbulenzen, wegen der \u00fcber 40 Jahre hinweg immer wieder angeregten Einzelpublikationen als Umsetzung einer besonders eindrucksvollen Vision.<\/p>\n<p>In der 3D Welt finde ich, wegen des Pilotcharakters, das <a href=\"http:\/\/www.storiaeinformatica.it\/nume\/italiano\/ntitolo.html\">Nuovo Museo Elettronico<\/a>\u00a0aus den 90ern, erinnerungsw\u00fcrdig \u2026 gerade auch, weil sich zu den einschl\u00e4gigen Teilen von jetzt gerade brandneuen Vorhaben wie der <a href=\"http:\/\/vtm.epfl.ch\/\">Venice Time Machine <\/a>\u00a0sehr direkte Verbindungen aufzeigen lassen.<\/p>\n<p>Dazu:<br \/>\nIn beiden Bereichen (Sozialgeschichte und noch mehr 3D) habe ich damit freilich eher auf Strukturen als auf \u201eErgebnisse\u201c hingewiesen. Das liegt zum Teil daran, dass erfolgreiche Forschungsergebnisse \u2013 wie die aus dem PSHP abgeleiteten \u2013 zu Recht den Schwerpunkt eher auf die inhaltlichen Ergebnisse legen, als auf den <strong>informationstechnischen Hintergrund<\/strong>, der mich selbst mehr interessiert. Gerade in den historischen Studien, denen ich, geisteswissenschaftlich gesehen, entstamme, ist das evident: Peter Laslett\u2019s <em>The World We Have Lost: England Before the Industrial Age <\/em>(1965), hat ein Thema vorgegeben, das ohne eine Wendung zu statistischen Verfahren nicht behandelbar w\u00e4re. Und die darauf aufbauende <em>Cambridge Group for the History of Population and Social Structure<\/em>, ist ohne die daf\u00fcr verwendeten und entwickelten IT Werkzeuge kaum vorstellbar. Trotzdem bezieht es seinen Stellenwert aus den inhaltlichen angesto\u00dfenen Diskussionen und wird deshalb weiterhin, genauso wie die inhaltlichen Ergebnisse der Cambridge Group, nachgedruckt. Wrigley\u2019s <em>Identifying people in the past <\/em>(1973), hat mich pers\u00f6nlich als Untersuchung der Techniken und Methoden f\u00fcr eine der <strong>Enabling Technologies<\/strong> und als ein fr\u00fcher Nachweis, dass es m\u00f6glich sei, sich den aus einer inhaltlichen Fragestellung ergebenden technischen Problemen systematisch zu n\u00e4hern, stark beeinflusst. Da diese \u00dcberlegungen aber wesentlich st\u00e4rker in Vergessenheit gerieten (und zum Teil m\u00fchsam wieder entdeckt werden) w\u00e4re es auf den ersten Blick nur verwirrend, auf eine der sp\u00e4teren rein inhaltlich ausgerichteten und das technische R\u00fcstzeug voraussetzenden Publikationen zur Historischen Demographie hinzuweisen.<\/p>\n<p>Dieser Zwiespalt \u2013 ein beeindruckendes inhaltliches Ergebnis verschleiert die zu seiner Gewinnung eingesetzten IT Verfahren \u2013 macht es ungemein schwierig, auf ein selbsterkl\u00e4rendes \u201eErgebnis\u201c zu verweisen. Mutma\u00dflich f\u00fcr die \u201eDigital Humanities\u201c (was auch immer das ist) insgesamt, aber ganz sicher f\u00fcr den Teilbereich, f\u00fcr den ich mich pers\u00f6nlich interessiere, ist dieses Dilemma geradezu konstitutiv. Beeindruckend ist f\u00fcr mich ein Projekt, das zeigt, auf Grund welcher IT gest\u00fctzter Verfahren eine neue Vorgehensweise m\u00f6glich wird. Wird diese dann tats\u00e4chlich inhaltlich genutzt, entstehen inhaltliche Ergebnisse, die auch sehr beeindruckend sind: F\u00fcr die jeweiligen Spezialisten des inhaltlichen Fachgebietes.<\/p>\n<p>Mit dem Vorbehalt \u2013 und um zu zeigen, dass ich (a) nicht nur von den siebziger Jahren beeindruckt war &#8211; :=) &#8211; und (b) es Beeindruckendes wirklich in der ganzen Breite der Digital Humanities gibt:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/stemmaweb.net\/\">Stemmaweb<\/a> beeindruckt mich als ein Werkzeug, das aus erheblicher editorischer inhaltlicher Erfahrung in traditioneller Philologie abgeleitet und auch wirklich umgesetzt wurde.\u00a0Das Projekt &#8222;<a href=\"http:\/\/www.academia.edu\/1217620\/GigaMesh_and_Gilgamesh_-_3D_Multiscale_Integral_Invariant_Cuneiform_Character_Extraction\">GigaMesh and Gilgamesh &#8211; 3D Multiscale Integral Invariant Cuneiform Character Extraction<\/a>&#8220; beeindruckt mich, weil wir hier von der Erkennung gedruckter Schriften einen wichtigen Schritt in eine v\u00f6llig neue Welt der Formerkennung machen.<\/p>\n<p>Ich bin tief beeindruckt von \u2026 sagen wir mal: <a href=\"http:\/\/www.edirom.de\/\">http:\/\/www.edirom.de\/<\/a> \u201eSagen wir mal\u201c, denn eigentlich m\u00fcsste es hei\u00dfen: Von dem Umfeld, in das dieses Projekt hineingeh\u00f6rt und das es schafft, genuine DH Entwicklungsarbeiten so organisch in die inhaltliche Arbeit des Faches zu integrieren, dass man gar nicht so recht wei\u00df, worauf man eigentlich verweisen soll. In dieser Beziehung setzt das Projekt die Tradition einiger weniger anderer fort, in denen diese Integration ebenso eng war, die man aber sehr viel schlechter zitieren kann, da die digitalen Ergebnisse wesentlich weniger zug\u00e4nglich sind \u2013 wie z.B.: <a href=\"http:\/\/wab.uib.no\/wab_BEE.page\">http:\/\/wab.uib.no\/wab_BEE.page<\/a><\/p>\n<p>Ich bin tief beeindruckt davon, dass es Anthony Kenny f\u00fcr n\u00f6tig gehalten und umgesetzt hat, vor der Publikation einer stilometrischen Studie zum Neuen Testament <em>A Stylometric Study of the New Testament<\/em> (1986), erst einmal ein Lehrbuch zum Thema zu schreiben &#8211; <em>The Computation of Style: An Introduction to Statistics for Students of Literature and Humanities<\/em> (1982) \u2013 um sicher zu gehen, dass er wei\u00df, was er da verwendet.<\/p>\n<p>Ich bin tief beeindruckt von Jean-Claude Gardin, der mit <em>Le calcul et la raison : essais de formalisation du discours savant<\/em> (1991) von Anf\u00e4ngen in der Hilfestellung durch IT Verfahren f\u00fcr handwerkliche Probleme der Arch\u00e4ologie, nach einem Bem\u00fchen, diese ins Methodische weiter zu treiben, endg\u00fcltig in einer geisteswissenschaftlichen Metatheorie gelandet war.<\/p>\n<p><strong>Gibt es DH-Tools, welche Sie in Zukunft gerne sehen w\u00fcrden?<\/strong><\/p>\n<p>Ja \u2026 Noch viel mehr aber w\u00fcrde ich gerne eine Architektur sehen, die es wirklich erlaubt, dass <strong>alle DH Tools interoperabel<\/strong> sind. Aus meiner Sicht leiden wir darunter, dass es derzeit drei Ans\u00e4tze gibt:\u00a0(a) Sehr gro\u00dfe konzeptuelle Szenarien, die so generisch sind, dass sie v\u00f6llig inkompatible L\u00f6sungen zulassen. (Mit Hilfe der TEI kann man Texte in so unterschiedlichen Formen auszeichnen, dass der Aufwand, sie interoperabel zu machen, nur geringf\u00fcgig, wenn \u00fcberhaupt geringer ist, als dies der Fall w\u00e4re, wenn sie mit v\u00f6llig unterschiedlichen XML Schemata umgesetzt worden w\u00e4ren.) (b) Technischen Strukturen, die, meist einer Service Oriented Architecture verpflichtet, es theoretisch erm\u00f6glichen, dass Tools von anderen integrierbar sind; die aber de facto so komplexe Regeln aufstellen, dass praktisch nur Mitarbeiter der jeweiligen Struktur eine Chance haben, sie zu erweitern. (c) Und eben Anwendungen, die schlicht nicht auf Interoperabilit\u00e4t angelegt \u00a0und daher auch kaum verallgemeinerungsf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Wenn man diesen allgemeinen Wunsch beiseite l\u00e4sst drei Gruppen von Tools:<\/p>\n<p>(a) Solche, die spezifisch geisteswissenschaftliche und prinzipiell bekannte <strong>Probleml\u00f6sungen leichter anwendbar<\/strong> machen: (a.1) Hintergrundwerkzeuge, die mit minimalem Aufwand in andere Anwendungen eingebunden werden k\u00f6nnen und geisteswissenschaftliche Datierungsformen operativ machen. (\u201eDrittes Viertel des 18. Jhdts.\u201c; 1724 \u2013 1736.) (a.2) Hintergrundwerkzeuge, die mit minimalem Aufwand in andere Anwendungen eingebunden werden k\u00f6nnen und geographische Angaben kontextsensitiv abarbeiten. (\u201ePreu\u00dfen\u201c bezieht sich im Jahre 1670 auf deutlich andere Geokordinaten, als 1770.)<br \/>\n(b) Werkzeuge, die die M\u00f6glichkeiten von <strong>Mobile Devices<\/strong> ausloten. (Eine App, mit der sich ein Siegel im Archiv aufnehmen l\u00e4sst und das Bild in einen interaktiven Suchprozess in einer Siegeldatenbank einbindet.)<br \/>\n(c) <strong>Experimentelle Werkzeuge<\/strong>, die sich mit wirklich neuen Technologien besch\u00e4ftigen, die bisher aus dem Blickfeld blieben: Ein 3D Datenbank vom M\u00fcnzen, die es erlaubt, f\u00fcr den Unterreicht geeignete Beispiele auf 3D Druckern auszugeben.<\/p>\n<p><strong>Welche laufenden DH-Projekte finden Sie derzeit besonders spannend?<\/strong><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/vpcp.chass.ncsu.edu.\/\">Virtual Paul\u2019s Cross project<\/a>\u00a0finde ich aus allgemeinen methodischen \u00dcberlegungen ungemein spannend: Hier wird die T\u00fcr f\u00fcr Simulationen als einem neuen analytischen Ansatz aufgesto\u00dfen. Allerdings \u2013 leider scheint es essentiell eine Auftragsarbeit an einen kommerziellen Anbieter gewesen zu sein. Von einer Verallgemeinerung innerhalb der Geisteswissenschaften sind wir also wahrscheinlich noch weit entfernt.<\/p>\n<p>Mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte ich \u201e<a href=\"http:\/\/www.paigemorgan.net\/visibleprices\/\">Visible Prices<\/a>\u201c. Hier wird versucht, Fragen nach der tats\u00e4chlichen Kaufkraft zu beantworten, die jedem Historiker in Mikrosekunden einleuchten m\u00fcssen. Leider aber als ein-Personen-Projekt, das versucht, die Daten von Hand zusammen zu tragen. Wenn diese Idee mit einer substantiellen Entity Extraction \/ Textmining Kompetenz kombiniert w\u00fcrde \u2026 Wenn sich daraus ein Modell erg\u00e4be, solcherart definierte, inhaltlich relevante Entities auf der Basis leicht zug\u00e4nglicher Werkzeuge aus wirklich gro\u00dfen Textmengen zu extrahieren \u2026<br \/>\n[ \u2026 und jetzt g\u00e4be es noch 100 weitere, die ich aus dem einen oder einem v\u00f6llig anderen Grund als sch\u00f6ne Beispiele betrachte \u2026 ]<\/p>\n<p>Aber jetzt mal ohne Reservationen: Das Projekt &#8222;<a href=\"https:\/\/www.herder-institut.de\/forschung-projekte\/laufende-projekte\/virtuelle-rekonstruktion-von-barockschloessern-im-ehemaligen-ostpreussen.html\">Virtuelle Rekonstruktion von Barockschl\u00f6ssern im ehemaligen Ostpreu\u00dfen<\/a>&#8220;\u00a0finde ich Klasse!<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie gegenw\u00e4rtig die gr\u00f6\u00dften Herausforderungen bei der Entwicklung der Digital Humanities?<\/strong><\/p>\n<p>Sich aus der Freude an der Effektivit\u00e4t von Alltagstechniken soweit zu befreien, dass ein <strong>langfristig tragf\u00e4higes theoretisch methodisches Verst\u00e4ndnis<\/strong> der Digital Humanities entstehen kann. Als besonders alarmierend betrachte ich momentan das gelegentlich von durchaus prominenter Seite ge\u00e4u\u00dferte Argument, \u201ein zehn Jahren w\u00fcrden alle Geisteswissenschaften digital sein\u201c.<br \/>\nIn den achtziger Jahren gab es eine intensive Diskussion dar\u00fcber, wie weit man Textverarbeitungsprogramme einsetzen d\u00fcrfe, ohne die Substanz geisteswissenschaftlicher Autorent\u00e4tigkeit zu verf\u00e4lschen. Von den begeisterten Textverarbeitern der Zeit wurden deshalb zum Teil Lehrveranstaltungen konzipiert, bei denen die TeilnehmerInnen bei der Abschlussklausur die notwendigen Tastenanschl\u00e4e angeben mussten, mit denen man beispielsweise eine Fu\u00dfnote einf\u00fcgte. Aus deren Sicht sind die Geisteswissenschaften mittlerweile \u201edigital\u201c.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung besteht f\u00fcr mich darin, einen <strong>methodischen Rahmen<\/strong> zu finden, in dem aus geisteswissenschaftlicher Sicht eine Besch\u00e4ftigung mit einer sich stetig fortentwickelnden Informationstechnologie so erfolgen kann, dass wir von enthusiastischen \u00dcberreaktionen auf gerade aktuelle Entwicklungen nicht von den langfristig wichtigen Fragen ablenken: Was sind die Charakteristika erfolgreichen geisteswissenschaftlichen IT Einsatzes, jenseits der einzelnen Technologie, des einzelnen Projekts?<\/p>\n<p class=\"p1\"><em>Prof. Manfred Thaller\u00a0hat die Fragen der Redaktion\u00a0schriftlich beantwortet.<\/em><\/p>\n<h2><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/h2>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"900\" height=\"506\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jN9QgKNbr5k?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><em>Digital Humanities &#8211; eine Bestandsanalyse. \u00a0Keynote von Prof. Manfred Thaller beim <a href=\"https:\/\/de.dariah.eu\/dhsummit2015\">DH-Summit 2015<\/a><\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-3167 alignnone\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/DARIAH-DE-Logo-mit-deutscher-Unterschrift.png\" alt=\"DARIAH-DE Logo mit deutscher Unterschrift\" width=\"233\" height=\"103\" \/><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/de.dariah.eu\">DARIAH-DE<\/a>\u00a0unterst\u00fctzt mit digitalen Ressourcen und Methoden arbeitende Geistes- und KulturwissenschaftlerInnen in Forschung und Lehre.\u00a0Daf\u00fcr baut das Projekt eine digitale Forschungsinfrastruktur f\u00fcr Werkzeuge und Forschungsdaten auf und entwickelt Materialien f\u00fcr Lehre und Weiterbildung im Bereich der Digital Humanities (DH). DARIAH-DE ist der deutsche Beitrag von DARIAH-EU\u00a0und arbeitet in diesem Kontext mit einer Vielzahl von europ\u00e4ischen Partnern und Projektverb\u00fcndeten zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Reihe &#8222;Perspektiven\u00a0der\u00a0Digital Humanities&#8220; berichten\u00a0WissenschaftlerInnen \u00fcber ihren Projektalltag und aktuelle Fragen\u00a0im Bereich der digialen Geisteswissenschaften. Prof. Dr. Manfred Thaller besch\u00e4ftigt sich bereits seit den 1970er Jahren mit der Frage, wie Computertechniken f\u00fcr den geschichtswissenschaftlichen Alltag nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen. 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