{"id":4412,"date":"2014-12-07T14:47:03","date_gmt":"2014-12-07T13:47:03","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=4412"},"modified":"2014-12-07T15:18:20","modified_gmt":"2014-12-07T14:18:20","slug":"bibliotheken-als-forschungsinfrastruktur-ein-blick-in-die-aktuelle-ausgabe-der-zfbb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=4412","title":{"rendered":"Bibliotheken als Forschungsinfrastruktur &#8211; ein Blick in die aktuelle Ausgabe der ZfBB"},"content":{"rendered":"<p>Die Zeitschrift f\u00fcr Bibliothekswesen und Bibliographie (ZfBB) bietet in ihrer j\u00fcngsten Ausgabe (4-5-\/2014) ein Themenheft zum Thema Forschungsinfrastruktur. 30 Autoren diskutieren hier in 20 Beitr\u00e4gen \u00fcber die j\u00fcngeren Entwicklungen und Herausforderungen, die sich aus der digitalen Umgestaltung der Forschungslandschaft\u00a0 f\u00fcr Bibliotheken ergeben. Ein Blick in die Aktivit\u00e4ten der Bibliothekswelt ist auch f\u00fcr DH interessant, reklamieren sie doch mit dem Begriff\u00a0 der Bibliothek als &#8222;Forschungsinfrastruktur&#8220; eine zentrale Aufgabe f\u00fcr sich, die auch f\u00fcr die Digital Humanities essentiell ist. Ich will hier nur auf einige f\u00fcr DH interessante Punkte und Themen aufmerksam machen und nicht auf jeden Beitrag intensiv eingehen.<br \/>\nErfrischend deutlich \u00e4u\u00dfern sich Felix Lohmeier\u00a0 und Jens Mittelbach zur Frage von Open Access. OA sei eine Verpflichtung f\u00fcr die Bibliothek. Kritisch wird die Rolle der Bibliotheken analysiert, die sich zum &#8222;Erf\u00fcllungsgehilfen der\u00a0 Monetarisierung&#8220; der Information durch pay walls gemacht (210) und sich zu lang auf &#8222;die dysfunktionalen Strukturen der deutschen Bibliotheksverb\u00fcnde&#8220; (ib.) verlassen haben, eine Auffassung, die auch Rafael Ball vertritt, wenn er konstatiert, dass die Bibliotheksverb\u00fcnde den heutigen Herausforderungen nicht mehr gerecht werden (268) . Lohmeier und Mittelbach fordern die &#8222;Befreiung bibliografischer Daten&#8220; und ein &#8222;strategisches Bekenntnis zu Linked-Data-Technologien&#8220; (211). Mit der Verwendung &#8222;unfreier Lizenzen f\u00fcr Digitalisate&#8220; und\u00a0 &#8222;Publikationen in Closed Access Journals&#8220; (213) m\u00fcsse Schluss gemacht werden. Die Autoren vers\u00e4umen nebenbei nicht, darauf hinzuweisen, dass sie sich des Problems bewusst sind, dass ZfBB selbst eine 12 monatige Embargofrist hat. Sven Fund setzt dem die Perspektive der Wissenschaftsverlage, wo nicht entgegen, so doch zumindest zur Seite, indem er konstatiert, dass Verlage und Bibliotheken &#8222;auch in Wettbewerb zueinander getreten&#8220; sind (208).\u00a0 Der Beitrag\u00a0 von Wolfram Horstmann, Wouter Schaller, Jarko-Siren und Carlos Morais-Pires weist darauf hin, dass Bibliotheken Services wie &#8222;computing resources, fast networks as well as information storage, access and managment structures&#8220; bereithalten m\u00fcssen. Bibliotheken fungieren als\u00a0 &#8222;sustainable hosts&#8220; (S 216) f\u00fcr Publikationen, und Bibliothekare &#8222;can become stewards who provide a sustainable basis for data scientists&#8220; (217) und &#8222;libraies build virtual teams with research offices and computing centers both on a local and a global level&#8220; (218). Weit fortgeschritten sind die Organisationstrukturen beim Datenmangement\u00a0 in den Naturwissenschaften wie der Beitrag von Dallmeier-Tiessen und Salvatore Melle aus dem Blickwinkel der Physik und an dem auch f\u00fcr DH lehrreichen Beispiel von <a title=\"INSPIRE\" href=\"https:\/\/inspirehep.net\/\">INSPIRE<\/a> zeigt (221). Wolfgang Neubauer demonstriert an Hand der ETH Z\u00fcrich, wie &#8222;soweit als m\u00f6glich auf elektronsche Angebote gesetzt wird&#8220; (227) und Strukturen f\u00fcr die Langzeitarchivierung (228) und digiatale Mehrwertdienste, wie es so sch\u00f6n heisst, geschaffen werden. Klaus Ceynowa von der Bayerischen Staatsbibliothek in M\u00fcnchen formuliert die Vision einer Bibliothek, die sich der Kuratierung des unendlichen Linked-Open-Data Raums annimmt und die Handlungsfelder<em> knowledge streams<\/em> statt <em>knowledge items<\/em> als Aufgabe erkennt (236). Achim Bonte fordert ein entschiedens Umschichten des &#8222;Humankapitals&#8220; der Bibliotheken, um ihre neuen digitalen Services nicht weiterhin &#8222;befristet Besch\u00e4ftigten oder Fremdfirmen&#8220; zu \u00fcberlassen (241). Frank Scholze sieht die Bibliotheken beim Forschungszyklus von der Publikation bis zur Datensicherung in der Pflicht (243). Christian Gumpenberger, Martin Wieland und Juan Gorraiz identifizieren in der Bibliometrie einen wichtigen Beitrag zur Szientometrie (247). Den Br\u00fcckschlag zu den DH unternehmen Beitr\u00e4ge von Gerhard Lauer, der sich Bibliotheken w\u00fcnscht, die den Aufbau von Textkorpora unterst\u00fctzen (252),\u00a0 und auch der Beitrag von\u00a0 Jan Christoph Meister und Joachim Veith &#8211; beide Vorstandsmitglieder des DHd -, die neue Kooperationsformen im Dreiecksverh\u00e4ltnis von &#8222;Fachdisziplin, Informatik und Bibliotheken&#8220; (265) sehen. Sven Strobel und Marget Plank er\u00f6ffnenen neue Perspektiven f\u00fcr die Nutzung bibliothekarischer Instrumente wie der GND, die an der TIB Hannover in einem automatischen Verfahren zur Verschagwortung von Videos eingesetzt wird (254ff.) Klaus Tochtermann betont die N\u00fctzlichkeit offener wissenschaftlicher Kommunkationsformen wie <a href=\"http:\/\/de.hypotheses.org\/\">de.hypotheses.de<\/a>, nicht ohne auf problematische rechtliche Aspekte hinzuweisen, die sich mit der Nutzung von z.B. dropbox verbinden (260). Auch die Frage der Langzeitsicherung kommt im Beitrag von Achim Osswald vor allem aus der wissenschaftlichen Perspektive zu Worte (271). Abgerundet wird der Blick auf die Entwickung der Forschungsinfrastrukturen durch Artikel von Claudia Labisch zur europ\u00e4ischen ESFRI Initative und Anne Lipp zur Rolle der DFG in der Entwicklung und F\u00f6rderung von modernen Forschungsinfrastrukturen. Diese kn\u00fcpfen gewissermassen zirkul\u00e4r an die ersten Beitr\u00e4ge von Silviana Galassi vom Wissenschaftsrat und den Beitrag von Sabine Br\u00fcnger Weilandt, vom FIZ Karlsruhe, an, in denen u.a. der neu gegr\u00fcndete Rat f\u00fcr Informationsinfrastrukturen erl\u00e4utert wird.<\/p>\n<p>Auch wenn diese Beitr\u00e4ge &#8211; teils selbstwiderspr\u00fcchlich &#8211; in einem subskriptionsbasierten Publikationsorgan erschienen sind, das angesichst neuer bibliothekarischer Angebote wie <a href=\"https:\/\/www.o-bib.de\/\">o-bib<\/a> oder <a href=\"http:\/\/informationspraxis.de\/\">informationspraxis<\/a> hoffentlich bald der Vergangenheit angeh\u00f6rt, lohnt sich ein Blick in dieses Heft, nicht nur, weil es die Herausforderungen zeigt, vor denen Bibliotheken angesichts des digital turn stehen, sondern auch, weil es deren Bereitschaft erkennen l\u00e4sst, alte Z\u00f6pfe abzuschneiden und sich auf neue Entwicklungen einzulassen. Die Bibliotheken empfehlen sich selbst mit Themen wie Open Access, Publikationsplattformen, LOD, Langzeitarchivierung, stewardship f\u00fcr digitale Fragestellungen, etc. als Partner der digitalen Forschung, n\u00e4her den DH. Die digitale Forschung\u00a0 sollte sie beim Wort nehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeitschrift f\u00fcr Bibliothekswesen und Bibliographie (ZfBB) bietet in ihrer j\u00fcngsten Ausgabe (4-5-\/2014) ein Themenheft zum Thema Forschungsinfrastruktur. 30 Autoren diskutieren hier in 20 Beitr\u00e4gen \u00fcber die j\u00fcngeren Entwicklungen und Herausforderungen, die sich aus der digitalen Umgestaltung der Forschungslandschaft\u00a0 f\u00fcr Bibliotheken ergeben. 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