{"id":3297,"date":"2014-04-02T17:10:45","date_gmt":"2014-04-02T15:10:45","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=3297"},"modified":"2014-04-02T17:14:05","modified_gmt":"2014-04-02T15:14:05","slug":"nachlese-dhd-2014-wissenschaftliche-sammlungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=3297","title":{"rendered":"Nachlese DHd 2014: Wissenschaftliche Sammlungen"},"content":{"rendered":"<p>Session 3 der DARIAH-DE Pre-Conference in Passau fand am Mittwoch dem 26. M\u00e4rz statt und behandelte das Thema <i>Wissenschaftliche Sammlungen<\/i>. Dr. Thomas St\u00e4cker, Stellvertretender Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel, erl\u00e4uterte definitorische sowie technische Voraussetzungen wissenschaftlicher Sammlungen und berichtete von aktuellen Perspektiven und Herausforderungen im Umgang mit Forschungsdaten.<\/p>\n<p>Einleitend wurden als grundlegende Aufgabenbereiche der Aufbau von wissenschaftlichen Sammlungen, wie auch die Nutzung und Integration bereits existierender Sammlungen genannt (als dritter Aufgabenbereich ist hier auch die Lizenzierung von Inhalten anzuf\u00fchren, die jedoch eine dementsprechend eigene Materie darstellt). Demnach geh\u00f6rt es zum Aufbau wissenschaftlicher Sammlungen, technische Interoperabilit\u00e4t und Schnittstellen zu gew\u00e4hrleisten, Daten- und Metadatenstandards umzusetzen, sowie kontrollierte Vokabulare und Normdaten bereitzustellen. Dar\u00fcber hinaus bietet es sich an, die im Rahmen von DARIAH-DE entwickelte Collection Registry mit Informationen \u00fcber derart aufbereitete wissenschaftliche Sammlungen zu f\u00fcllen und damit einer f\u00f6derierten Suche zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle diese Vorg\u00e4nge werden jedoch auch Kriterien ben\u00f6tigt, anhand derer wissenschaftliche Sammlungen begutachtet werden k\u00f6nnen. Eine Frage nach solchen Kriterien m\u00fcndet schlie\u00dflich auch in die Frage nach einer grunds\u00e4tzlichen Definition des Sammlungsbegriffs. Als Diskussionsgrundlage pr\u00e4sentiert St\u00e4cker eine Definition der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die eine wissenschaftliche Sammlung<i> <\/i>als &#8222;<i>Gesamtheit von Objekten, die einen kulturellen und\/oder wissenschaftlichen Wert aufweist und nach bestimmten thematischen Schwerpunkten zusammengestellt ist\u201d<\/i>, beschreibt [1]. Hier wird bereits klar, dass Ordnungsprinzipien als konstitutive Merkmale wissenschaftlicher Sammlungen zu sehen sind, kurz gesagt, dass eine <i>Ansammlung<\/i> noch keine <i>Sammlung<\/i> darstellt. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass dabei eine ph\u00e4nomenologische und epistemologische Ebene zum Tragen kommt, die daf\u00fcr verantwortlich ist, wann eine Sammlung denn als solche zu erkennen ist &#8211; ein umfassender Zugang, der hier jedoch als Arbeitshypothese im Raum stehen bleiben muss.<\/p>\n<p>Eine weitere definitorische Herausforderung bietet der Begriff der Forschungsdaten, der eine grundlegende Voraussetzung f\u00fcr gro\u00df angelegte digitale Forschungsumgebungen darstellt. F\u00fcr den Begriff der Forschungsdaten kann von zwei Polen, n\u00e4mlich einem daten- und dokumentzentrierten Zugang ausgegangen werden, wobei ersterer die Daten in einer quantitativen, diskreten Form (z.B. Datenbanken, Listen) und zweiterer eine qualitative, kontinuierliche Form (z.B. Annotationen, Notizen) beschreibt. St\u00e4cker ortet hier ein fehlendes Selbstverst\u00e4ndnis bei Geisteswissenschaftlern, die eigene Arbeitsergebnisse nicht als \u201cDaten\u201d einsch\u00e4tzen und schlie\u00dft mit der allgemeinen Frage an, ob und wann denn Quellen und Dokumente als Daten zu betrachten sind.<\/p>\n<p>Ausgehend von dieser Fragestellung wurde im Anschluss an den Vortrag festgestellt, dass eine Form von Prozessierbarkeit f\u00fcr den Status als Datum ausschlaggebend ist. Wie genau diese Prozessierbarkeit jedoch gestaltet sein soll, dar\u00fcber m\u00fcsste weiter diskutiert werden &#8211; so stand beispielsweise die Frage im Raum, wie gro\u00dfe Best\u00e4nde von Bilddigitalisaten im Hinblick auf ihre zuk\u00fcnftig zu erwartende maschinelle Verarbeitung einzusch\u00e4tzen sind. In einem breiteren Kontext stellt sich dabei nicht nur die Frage nach der Verarbeitung mit Hilfe technischer Werkzeuge, sondern auch nach den Zugangsm\u00f6glichkeiten zu solchen Best\u00e4nden und Workflows, die immer noch weitgehend im Rahmen restriktiver Verwertungsrechte aushandelt werden. Hier lautet der Befund: Best\u00e4nde, deren <i>enduser<\/i> nicht ohne Weiteres zum <i>endmaker<\/i> werden k\u00f6nnen, sind nicht als datenf\u00e4hig anzusehen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich wurden Ergebnisse des SUDAMIH Reports (Supporting Data Management Infrastructure for the Humanities) [2] vorgestellt und damit wesentliche Punkte im Umgang mit geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten identifiziert &#8211; wie zum Beispiel die Feststellung, dass solche Datenbest\u00e4nde im Gegensatz zu ihren naturwissenschaftlichen Pendants eine l\u00e4ngere Halbwertszeit aufweisen, ja oft sogar einen <i>body of research<\/i> darstellen, der das ganze Leben eines Forschers umfasst und auf den langfristig Bezug genommen werden soll. Neben solchen (teilweise stark) unterschiedlichen Organisationsprinzipien, ist auch zum Ausdruck gekommen, dass es in den Geisteswissenschaften eine gewisse Zur\u00fcckhaltung gibt, Zwischenergebnisse oder Daten, die durch ihre beiliegende Interpretation erst vollst\u00e4ndig erscheinen, der \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Hier sind gegebenenfalls M\u00f6glichkeiten der anonymen Ver\u00f6ffentlichung anzudenken &#8211; ein weiterer Punkt, der noch zu diskutieren w\u00e4re.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend und aufbauend auf den vorangegangenen Fragestellungen gelangt St\u00e4cker schlie\u00dflich zu den folgenden Perspektiven im Aufbau wissenschaftlicher Sammlungen: Es gilt, nicht nur neue Forschungsdaten und Arbeitsumgebungen zu erstellen, sondern auch eine niederschwellige Verzeichnung von Daten und Sammlungen und eine sichere Aufbewahrung in Langzeit-Repositories sicherzustellen. Dar\u00fcber hinaus sollte ein direkter Zugriff auf Sammlungseinheiten anhand ihrer Metadaten m\u00f6glich sein &#8211; eine Eigenschaft, f\u00fcr deren Bereitstellung insbesondere auf Techniken des Semantic Web gesetzt wird. Mein pers\u00f6nliches Fazit der Session: Die Frage nach dem Begriff der wissenschaftlichen Sammlung ist eng verbunden mit ihren vor- und nachgelagerten Arbeitsprozessen &#8211; sowohl aus der Perspektive individueller Workflows einzelner Forscher, als auch im Hinblick auf eine dar\u00fcber liegende (wissenschafts-)politische Ebene. Es handelt sich um einen stark vernetzten Themenbereich, der auch Fragen aufwirft, die aktuell nicht eindeutig zu beantworten sind.<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Forschungssammlung\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Forschungssammlung<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"http:\/\/sudamih.oucs.ox.ac.uk\/docs\/Sudamih_FinalReport_v1.0.pdf\">http:\/\/sudamih.oucs.ox.ac.uk\/docs\/Sudamih_FinalReport_v1.0.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Session 3 der DARIAH-DE Pre-Conference in Passau fand am Mittwoch dem 26. M\u00e4rz statt und behandelte das Thema Wissenschaftliche Sammlungen. Dr. Thomas St\u00e4cker, Stellvertretender Direktor der Herzog August Bibliothek Wolfenb\u00fcttel, erl\u00e4uterte definitorische sowie technische Voraussetzungen wissenschaftlicher Sammlungen und berichtete von aktuellen Perspektiven und Herausforderungen im Umgang mit Forschungsdaten. 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