{"id":2396,"date":"2013-10-18T09:07:30","date_gmt":"2013-10-18T07:07:30","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=2396"},"modified":"2013-10-20T17:19:10","modified_gmt":"2013-10-20T15:19:10","slug":"nach-feierabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=2396","title":{"rendered":"Nach Feierabend&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230; ist leider, wie viele all zu h\u00e4ufig erleben, nicht zwingend der Zeitpunkt, zu dem man die Arbeit gedanklich oder geographisch hinter sich l\u00e4sst, um sich seiner &#8222;Life-Work-Balance&#8220; zu widmen. Nach Feierabend ist nicht selten auch der Zeitpunkt, zu dem es erst richtig los geht. Begr\u00fc\u00dfen sollten wir dies im Falle des 9. Bandes des Z\u00fcrcher Jahrbuchs f\u00fcr Wissensgeschichte, das am Zentrum f\u00fcr Wissensgeschichte der ETH Z\u00fcrich herausgegeben wird und vor wenigen Tagen im Diaphanes Verlag erschienen ist. Besonders wenn, neben der intellektuellen Anregung, auch ein akademischer Schmunzler gestattet ist, denn &#8222;Nach Feierabend&#8220; ist der Titel der Z\u00fcrcher Jahrb\u00fccher, der so ihre Tradition zum konstruktivistischen Wissenschaftshistoriker Paul Feyerabend aufrecht erh\u00e4lt. Ob dies nun als Kalauer zu werten ist, sei jedem selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Unzweifelhaft positiv sollte hingegen gesehen werde, dass dieser Band dem Leitthema &#8222;Digital Humanities&#8220; gewidmet ist. Nun mag so manch einer, wie nicht selten zu h\u00f6ren ist, anmerken, dass von allen Seiten versucht wird auf einen Zug aufzuspringen, der sich zur Zeit gut verkauft, und dies auch noch ohne wirklich Digital Humanities zu praktizieren (im strengen Sinne einer Code geleiteten Methodik). Ich sehe jedoch in der abgrenzenden Selbstpflege einer exotischen und bel\u00e4chelten, aber avantgardistischen Community als die sich die Digital Humanities lange Zeit gern gesehen und genossen haben keinen Selbstzweck und schon gar kein Mittel zu St\u00e4rkung der Digital Humanities. Die Aporie zwischen Code und Text, die nicht selten auf eine Gegen\u00fcberstellung von &#8222;traditionellen&#8220; versus digitalen Geisteswissenschaften \u00fcbertragen wird und \u00f6ffentlichkeitswirksam gern auch als &#8222;Show don&#8217;t Tell&#8220; formuliert wird, ist nur eine Aporie weil sie alzu gerne in der Euphorie neuer technologischer M\u00f6glichkeiten zu einer solchen gemacht wird.<\/p>\n<p>Code und Text sind weder widerspr\u00fcchlich noch ineinander \u00fcberf\u00fchrbar, auch wenn versierte Coder den Text gerne ersetzen wollen und Medienwissenschaftler den Code zu h\u00e4ufig allein im Epistem des Textes wahrnehmen. Text und Code m\u00fcssen ihre Beziehung zueinander finden und eben dies beginnen nun auch Digital Humanities und &#8222;traditionelle&#8220; Geisteswissenschaften. Herauskommen werden keine Geisteswissenschaften, die identisch sind mit dem Selbstverst\u00e4ndnis der gegenw\u00e4rtigen Digital Humanities. Vielleicht ist auch deswegen die Ablehnung immer noch recht gro\u00df, die den sich h\u00e4ufenden theoretischen Ans\u00e4tzen aus Kultur- und Medienwissenschaften sowie Philosophie\u00a0von den Digital Humanities entgegengebracht wird. Auf der anderen Seite werden Konzepte, Methoden und Ans\u00e4tze der Digital Humanities in weiten Teilen unhintergehbar bleiben und zu einer substanziellen Transformation der Geisteswissenschaften beitragen. Im Sinn einer solchen Transformation &#8222;aus beiden Richtungen&#8220; steht die oben aufgef\u00fchrte Publikation, zu der ich &#8211; dies m\u00f6chte ich nicht zum blinden Fleck meines Pl\u00e4doyers machen &#8211; mit dem Titel &#8222;Text, Denken und E-Science: eine intermediale Ann\u00e4herung an eine Konstellation&#8220; auch etwas beitragen durfte. Nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf die Publikation eines der letzten, wenn nicht der letzte Artikel des k\u00fcrzlich verstorbenen Peter Harber. Aus dem Inhalt:<\/p>\n<ul>\n<li>Philipp Theisohn:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2459\">Verteidigung der Paraphrase. Das Wiedererz\u00e4hlen und die Krise der Geisteswissenschaften<\/a><\/li>\n<li>Niels-Oliver Walkowski:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2460\">Text, Denken und E-Science. Eine intermediale Ann\u00e4herung an eine Konstellation<\/a><\/li>\n<li>Max Stadler:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2461\">Der Geist des Users. Oder: vom Ende des \u00bbBoole&#8217;schen Traums\u00ab<\/a><\/li>\n<li>Philippe Wampfler:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2462\">\u00bbonline first\u00ab. Geisteswissenschaften als Social Media<\/a><\/li>\n<li>Tobias Hodel:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2463\">Das kleine Digitale. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr Kleinkorpora und gegen Gro\u00dfprojekte wie Googles Ngram-Viewer<\/a><\/li>\n<li>Omar W. Nasim:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2464\">Was ist historische Epistemologie?<\/a><\/li>\n<li>Nathalie Dietschy,\u00a0Claire Clivaz,\u00a0Dominique Vinck:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2465\">Ein digitales Kulturobjekt. Der Fall der \u00bbRestaurierung\u00ab des Ecce homo von Borja<\/a><\/li>\n<li>Alfred Messerli:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2466\">Neue und neueste Versuche einer allgemeinen Erz\u00e4hltheorie. Zu Fritz Breithaupts und Albrecht Koschorkes Studien<\/a><\/li>\n<li>Peter Haber:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2467\">\u00bbGoogle-Syndrom\u00ab. Phantasmagorien des historischen Allwissens im World Wide Web<\/a><\/li>\n<li>Philipp Sarasin:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.diaphanes.net\/buch\/artikel\/2468\">Schlaue Maschinen. Peter Habers kritische Medienwissenschaft und unsere Lage im Netz heute<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<table id=\"metadata_content_table\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>Titel<\/td>\n<td>Nach Feierabend 2013: Digital Humanities<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Herausgeber<\/td>\n<td><a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22David+Gugerli%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">David Gugerli<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Michael+Hagner%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Michael Hagner<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Caspar+Hirschi%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Caspar Hirschi<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Andreas+B.+Kilcher%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Andreas B. Kilcher<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Patricia+Purtschert%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Patricia Purtschert<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Philipp+Sarasin%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Philipp Sarasin<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;tbo=p&amp;tbm=bks&amp;q=inauthor:%22Jakob+Tanner%22&amp;source=gbs_metadata_r&amp;cad=2\">Jakob Tanner<\/a><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verlag<\/td>\n<td>Diaphanes Verlag, 2013<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; ist leider, wie viele all zu h\u00e4ufig erleben, nicht zwingend der Zeitpunkt, zu dem man die Arbeit gedanklich oder geographisch hinter sich l\u00e4sst, um sich seiner &#8222;Life-Work-Balance&#8220; zu widmen. Nach Feierabend ist nicht selten auch der Zeitpunkt, zu dem es erst richtig los geht. 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