{"id":23518,"date":"2026-03-20T12:35:06","date_gmt":"2026-03-20T11:35:06","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=23518"},"modified":"2026-03-20T12:35:06","modified_gmt":"2026-03-20T11:35:06","slug":"nicht-nur-text-nicht-nur-daten-die-dhd-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=23518","title":{"rendered":"Nicht nur Text, nicht nur Daten \u2013 die DHd Community"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein gemeinsamer Erfahrungsbericht von Luise Prager und Cris Ortega<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Wir in den DH \u2013 Unsere akademischen Wege<\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>Die DHd 2026 ist die erste gro\u00dfe Digital Humanities Konferenz f\u00fcr uns beide und wir w\u00fcrden l\u00fcgen, w\u00fcrden wir sagen, wir h\u00e4tten keinen Respekt vor der uns erwartenden Woche. Erst im vergangenen Oktober haben wir unsere Stellen als Doktorand*innen im Graduiertenkolleg \u201eLiteratur und \u00d6ffentlichkeit in differenten Gegenwartkulturen\u201c an der FAU Erlangen-N\u00fcrnberg angetreten. Die n\u00e4chsten Jahre besch\u00e4ftigen wir uns beide mit Projekten, die uns in den Digital Humanities verorten, auch wenn wir aus unterschiedlichen Blickrichtungen auf dieses komplexe Fachgebilde blicken. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><strong>Luise: <\/strong>Ich habe im Bachelor noch Deutsch und Musik auf Lehramt studiert. Meinen Master habe ich dann in Germanistik mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaft gemacht. Mein erster Ber\u00fchrungspunkt mit den DH entstand durch einen Corona-Zufall: In der z\u00e4hen Zeit des Zoom-Studiums wollte ich mit einer Freundin aus der Anglistik einen Kurs zusammen belegen \u2013 das war nur m\u00f6glich im Wahlpflichtmodul \u201eEinf\u00fchrung in die digitale Literaturwissenschaft\u201c. Bei der digitalen DHd 2022 war ich dann bereits als Hilfskraft dabei und begann, im Team von Peer Trilcke an dem Annotationsprojekt von Henny Sluyther-G\u00e4thje zu arbeiten. Noch bei der Digital Humanities Winter School der Freien Universit\u00e4t Berlin und der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t Jerusalem 2023 fand ich die vorgestellten Methoden zwar wahnsinnig interessant, war mir aber sicher, meine eigenen Forschungsfragen nicht computergest\u00fctzt verfolgen zu k\u00f6nnen. Ich interessiere mich vor allem f\u00fcr Gegenwartsliteratur und hatte die DH und die CLS bislang nur im Kontext historischer Forschungsgegenst\u00e4nde kennengelernt. <br \/>Aber der zarte Keim ging auf und in meiner Masterarbeit habe ich ein kleines Korpus deutschsprachiger Gegenwartsromane quantitativ untersucht. Und nun promoviere ich: Ich erstelle ein Korpus von 168 Gegenwartsromanen und untersuche es mit den Methoden der digitalen Stilometrie und der hermeneutischen Textanalyse. Dadurch m\u00f6chte ich erforschen, wie die Festschreibung von Gruppen und die Selbst- und Fremdzuschreibung von Gruppenzugeh\u00f6rigkeiten das literarische Feld der Gegenwartsliteratur organisieren. Ich m\u00f6chte beides sein: Digital Humanist und Literaturwissenschaftlerin und das Wissen aus beiden Disziplinen b\u00fcndeln, um weiterhin Gegenwartsliteratur zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Cris:<\/strong> F\u00fcr mich waren die Digital Humanities schon seit Beginn meines Studiums meine Kerndisziplin. Als einer der ersten Jahrg\u00e4nge startete ich 2017 in ein grundst\u00e4ndiges Bachelorstudium der Digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften, sowie Soziologie an der FAU Erlangen-N\u00fcrnberg und war sehr schnell aktiv als Hilfskraft von Jacqueline Klusik-Eckert und Peter Bell in DH-Forschungsprojekte eingebunden. Zwischen eigenen Projekten, Hackathons, Summer Schools, ersten Symposien und Konferenzen, war mir klar: Das ist die Wissenschaftsumgebung, in der ich bleiben will!<br \/>Im konsekutiven Master Digital Humanities orientierte ich mich tiefer in den Critical Data Studies und Applied Digital Humanities. In meiner Masterarbeit erstellte ich das erste gr\u00f6\u00dfere digitale Textkorpus zu deutschsprachiger Slam Poetry mit \u00fcber 3800 publizierten Texten und untersuchte die textuelle Einschreibung von K\u00f6rperlichkeit in Poetry Slam. In meiner Promotion f\u00fchre ich diese Arbeit nun mit einer multimodalen Perspektive auf die verschiedenen Dimensionen von K\u00f6rperlichkeit in Poetry Slam und seiner Rezeption fort. Hauptuntersuchungsobjekt sind f\u00fcr mich 2340+ YouTube-Videos von Slam Performances, sowie einzelne Live-Beobachtungen. Mit der ersten skalierten und computergest\u00fctzten Studie zu Slam Poetry mit einem multimodalen methodischen Aufbau, bin ich aktuell st\u00e4ndig am Orientieren und Reflektieren, welche theoretischen und methodischen Best Practices f\u00fcr mein Projekt besonders ertragreich sind. Dazwischen habe ich manchmal das Gef\u00fchl auch innerhalb der DH neue Br\u00fccken zwischen Fachtraditionen bauen zu m\u00fcssen. Dass ich Digital Humanist bin, steht jedoch fest.<br \/><span style=\"font-weight: 400\">Die kritische Perspektive auf das Fach und seine Praktiken, in denen ich mich so zuhause f\u00fchle, ist mir dabei wichtig. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir das Wissenschaftssystem an sich manchmal befremdlich erscheint. Mehrere \u00fcberschneidende Positionalisierungen lassen mich in meinen Erfahrungen manchmal als Minderheit in akademischen R\u00e4umen f\u00fchlen. Das bringt f\u00fcr mich eine gewisse Orientierungslosigkeit mit, wie das System Wissenschaft f\u00fcr mich am besten zu navigieren ist. Dis-Orientierung kann aber wohldosiert auch durchaus helfen, Praktiken und Systeme zu reflektieren. Als Early Career Researcher bin ich deshalb immer auf der Suche nach Wissenschaftler*innen, die heterogene Lebensl\u00e4ufe mitbringen und aus unterschiedlichen Positionalisierungen heraus sprechen. <\/span><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wir auf der DHd &#8211; Unser Blick auf den Flickenteppich der DH<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>So unterschiedlich unsere Wege in die DH auch sind, nun promovieren wir beide im Kolleg bei Anastasia Glawion. Jeder Weg in die DH ist einzigartig, doch \u00fcbergreifende Muster machen sich bemerkbar. Luise ist nicht die einzige Literaturwissenschaftlerin, die aus Versehen in die DH stolpert und Cris geh\u00f6rt zur ersten Generation der DH-Studierenden. Daher hat uns auf der Konferenz interessiert, <\/em><em>wie vielf\u00e4ltig die beruflichen, sozialen und akademischen Hintergr\u00fcnde derjenigen sind, die heute im Feld der Digital Humanities t\u00e4tig sind.<\/em> <em>Die DHd 2026 ist unsere erste gro\u00dfe Konferenz und mit orientierenden Blicken wollen wir festhalten, wer neben Text und Daten die Wissenschaftler*innen sind, die die DHd Community ausmachen. <br \/><\/em><em>Um dem nachzugehen, haben wir beobachtet, reflektiert und uns ausgetauscht. Auch haben wir einzelne Kurzinterviews mit anderen Teilnehmenden der Konferenz gef\u00fchrt und sie nach ihren Erfahrungen auf der DHd und im Fach Digital Humanities gefragt. Besonders interessierten uns in den Interviews vier Leitfragen: <\/em><\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\">\n<li><em>Welcher Vortrag oder Workshop hat Sie besonders inspiriert und warum?<\/em><\/li>\n<li><em>Wie sind Sie zu den Digital Humanities gekommen?<\/em><\/li>\n<li><em>Wenn Sie sich ihre bisherige wissenschaftliche Karriere anschauen, an welchen Stellen haben Sie f\u00fcr sich bisher die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung gesehen?<\/em><\/li>\n<li><em>Welchen Rat w\u00fcrden Sie jungen Wissenschaftler*innen wie uns geben? <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>Wir besuchten dabei gemeinsam Beitr\u00e4ge, divergierten jedoch auch in unserer Auswahl an Sessions. Zusammen waren wir bei dem Workshop \u201eBeyond m\/w\/d\u201c, der eine Plattform bot, um \u00fcber die Erhebung von Genderdaten zu diskutieren. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><strong>Cris:<\/strong> Ich stellte im Rahmen des Workshops kurz mein Vorgehen zu einer zeit-sensitiven, community-zentrierten und kontext-abh\u00e4ngigen Erfassung von Gender f\u00fcr Korpora der Gegenwartsliteratur vor. Sonst besuchte ich in einem Querschnitt Beitr\u00e4ge zu verschiedensten Themen. Von der Session zu Digital Art History, \u00fcber das Panel zu Intertext, dem Workshop zu Film- und Videoanalyse mit VIAN &amp; TIB-AV-A und vielen weiteren Beitr\u00e4gen, auf die ich sp\u00e4ter noch zu sprechen komme.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><strong>Luise: <\/strong>Auf der Konferenz haben mich die Beitr\u00e4ge der CLS interessiert, insbesondere das Panel, in dem das Korpus deutschsprachiger Gegenwartsliteratur DeLiKo@DNB vorgestellt wurde, da es meinem eigenen Korpus am n\u00e4chsten kommt. Die DH-Calls der DNB haben sich auch sp\u00e4ter am Poster von Philipp Gen\u00eat als vielversprechend f\u00fcr mein Projekt erwiesen. Dort und im Panel zur Modellierung und Annotation von Intertext habe ich neue Ideen f\u00fcr die Nachnutzung meines Korpus erhalten, das urheberrechtsgesch\u00fctzt ist.\u00a0 Au\u00dferdem habe ich mit gro\u00dfem Interesse den Vortrag von Judith Brottrager verfolgt, die mit ihrem Kanon-Score Literaturgeschichte modelliert und ebenfalls mit Netzwerken arbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>In diesem Blogbeitrag halten wir nun die Ergebnisse unserer pers\u00f6nlichen Reflexionen zur DHd und ausgew\u00e4hlte Ausschnitte der Interviews fest. Cris denkt vor allem \u00fcber theoretische Positionierungen in und zwischen Fachtraditionen nach, w\u00e4hrend Luise ganz praktisch die Einbindung von Studierenden in die DH-Community reflektiert. <\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Cris: Dis-Orientierungen im F\u00e4cher-Flicken-Teppich<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Die Ausrichtung der Konferenz \u201eNicht nur Text Nicht nur Daten\u201c hat mich von Beginn an abgeholt. Mit meinem Projekt, das sich im Kern mit multimodalen Analysen von Video-, Audio-, Text- und Rezeptions-Daten besch\u00e4ftigt, war ich sofort gespannt darauf, neue Perspektiven zum Umgang mit Medien, die \u00fcber Text hinausgehen, kennenzulernen.<br \/>Ein paar Tage vor der Reise nach Wien sa\u00df ich am Rechner und klickte mich durch das Programm und zwischendurch war die Aufregung so gro\u00df, dass meine H\u00e4nde wild durch die Luft flatterten und ich Nachrichten an Luise und andere Kolleg*innen schicken musste, um meiner Vorfreude Raum zu geben. Im Raster fanden sich Sessions zu Digital Soundscapes, Operationalisierung, Multimodalit\u00e4t, Digital Art History \u2013 viele vielversprechende Vortragstitel hinter denen potenziell relevante Zug\u00e4nge f\u00fcr meine Forschung lagen.<br \/>Im Prozess der Entscheidungsfindung, welche Beitr\u00e4ge ich denn nun besuchen m\u00f6chte, las ich die vielen Beschreibungstexte und mir wurde schnell klar: Begriffe unter denen ich aus meiner fachlichen Perspektive eine bestimmte Vorstellung hatte, wurden von anderen durchaus sehr unterschiedlich behandelt. Anlehnungen an heterogene Fachtraditionen er\u00f6ffneten mir ein Spannungsfeld, in dem ich nun meinen Platz suchte.<br \/>W\u00e4hrend im Workshop zu Film- und Videoanalyse praktische Tools f\u00fcr die computergest\u00fctzte Analyse von audiovisuellem Material anhand vieler Parameter vorgestellt wurden, fand am letzten Tag der Konferenz eine Diskussion im Panel \u201eIs there a Digital Art History at the DHd?\u201c statt, in der unter anderem angemerkt wurde, dass eine br\u00fcckenschlagendere Zusammenarbeit der Fachdisziplinen \u00fcber das Bildmedium fruchtbar sein k\u00f6nnte. Das Panel zu Intertextualit\u00e4t und seiner spannenden Diskussion, welches ich ein paar Tage vorher besucht hatte, schien hier Welten entfernt. Irgendwo dazwischen sammelte ich Notizen f\u00fcr mein audiovisuelles Material mit literaturwissenschaftlich-soziologischen Fragestellungen auf multimodale Performance-Poetry.<br \/>Mit dem Gef\u00fchl, zeitweise schwindelerregend dis-orientiert zwischen F\u00e4chern zu sein und selbst in den DH erst den eigenen Ort finden zu m\u00fcssen, scheine ich nicht alleine zu sein. In fast allen Gespr\u00e4chen, zu Lebenswegen in die DH, die ich auf der DHd f\u00fchrte, spielte die Entgrenzung und \u00dcberschreitung sowie Neujustierung in und zwischen Fachtraditionen eine Rolle. Der Einstieg in das Fach passierte f\u00fcr viele dabei eher zuf\u00e4llig:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: left\"><em>\u201eZu den DH bin ich ganz zuf\u00e4llig gekommen [&#8230;]. Auf die Idee, das, was ich im Informatik-Studium gelernt habe, in meinem Geschichtsstudium anzuwenden, bin ich erstmal nicht gekommen und habe das ganz \u201egetrennt\u201c gemacht. Erst nach dem Studium bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es Anwendungen der Informatik in den Geisteswissenschaften gibt und habe dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den DH angefangen.\u201c<\/em><\/li>\n<li style=\"text-align: left\"><em>\u201eIch glaube, also ich wusste auf jeden Fall, dass ich interdisziplin\u00e4r arbeiten will, weil mir einfach beides Spa\u00df gemacht hat. Ich wusste nicht so wirklich, was DH ist. Ich wusste nicht, dass es existiert. Und dann habe ich fast zuf\u00e4llig meinen Weg dahin gefunden und war so: Ja, das ist eigentlich genau die Nische, wo ich sein will.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Weitere Wissenschaftler*innen in verschiedenen Phasen ihrer Karriere berichteten, dass sie erst w\u00e4hrend und nach der Promotion mit digitalen Methoden in ihren geisteswissenschaftlichen \u201eHeimaten\u201c in Ber\u00fchrung kamen und sich so schlie\u00dflich den Digital Humanities n\u00e4herten.\u00a0<br \/>Die Dis-Orientierung und das Stehen zwischen Traditionen ist dabei eine H\u00fcrde, kann aber auch eine St\u00e4rke sein, wie eine Person berichtet:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>\u201e[&#8230;] dadurch, dass man in den DH in so einer Schnittstelle ist zwischen Informatik und den Geisteswissenschaften, habe ich manchmal das Gef\u00fchl, dass man in beiden irgendwie ein Outsider ist und in beiden nicht so die fundierte Kenntnis hat und nicht so die richtige Fachwissenschaft machen kann. Ich glaube, das ist so ein bisschen ein Learning, was man mit der Zeit hat, dass man das als St\u00e4rke interpretiert, dass man eben in beiden Sachen irgendwie sein kann und Forschung machen kann und das ganz toll zusammenbringen kann, was auch nicht viele Leute k\u00f6nnen, weil sie ja immer eigentlich in ihren eigenen Disziplinen unterwegs sind.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">In einem intensiven Gespr\u00e4ch mit neuen Bekanntschaften in der Mittagspause sprachen wir dar\u00fcber, dass die Digital Humanities wohl gerade ihre eigene Fachtradition baut. Die erste Generation an Jungwissenschaftler*innen hat Digital Humanities studiert. Ich geh\u00f6re zu ihnen. Was das genau bedeutet und welches Fachhandwerk je nach Studium mitgebracht wird, muss sich noch zeigen.<br \/>Vielleicht auf der Suche nach einer Ann\u00e4herung an ebenjene Fachtradition der DH, besuchte ich am Ende besonders Sessions zu den theoretischen Zug\u00e4ngen zu DH. Im Panel \u201eNicht nur Text, nicht nur Daten &#8230; Aber was dann? &#8211; \u201aTheoretisieren\u2018 durch Praktiken in der digitalen Editorik, der Digital History und den Computational Literary Studies\u201c und dessen Publikum begegneten sich verschiedene Fachdisziplinen und diskutierten \u00fcber die Praktiken des Theoretisierens in den Digital Humanities. Besprochen wurden auch die \u201eWahlverwandschaften\u201c, die die Digital Humanities mit F\u00e4chern der Geisteswissenschaften eingeht. Zentral waren Fragen, wie: Welche theoretischen Vorannahmen bringen wir in die methodische Arbeit in den Digital Humanities mit? Was geht in interdisziplin\u00e4ren und technologisch-methodischen \u00dcbersetzungen verloren? Was braucht es, um in den DH mit ihren vielen Facheinfl\u00fcssen auch mit R\u00fcckbezug in die Geisteswissenschaften zu theoretisieren?<br \/>Gerade diese Diskussion und andere Inputs in den Sessions mit theoretischerem Fokus, wie die Session zu \u201eEpistemologie und Interpretation\u201c oder \u201eOperationalisierung\u201c schienen mir besonders anschlussf\u00e4hig f\u00fcr meine Forschung zwischen den St\u00fchlen der Disziplinen und insgesamt besonders interessant f\u00fcr multimodale und allgemeiner transdisziplin\u00e4re Ans\u00e4tze, wie sie in den Digital Humanities immer mehr Einzug halten. Denn heterogene Fachrichtungen und Wahlverwandschaften bringen nun mal unterschiedliche Vorstellungen zu den Praktiken des Theoretisierens mit. Eine fruchtbare, manchmal auch furchtbare Dis-Orientierung in transdisziplin\u00e4ren Projekten.<br \/>Ein Ort, der sehr fruchtbar und innovativ zeigte, welche transdisziplin\u00e4r-produktive Forschung im Kern der DH m\u00f6glich ist, war das Doctoral Consortium auf der DHd. Gleich mehrere unserer Gespr\u00e4chspartner*innen berichteten uns in kurzen Interviews, dass gerade diese Vortr\u00e4ge sie besonders inspiriert haben und nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. So berichtet eine interviewte wissenschaftliche Mitarbeiterin:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>\u201eIch hatte das Gef\u00fchl, die Leute haben da viel mitgenommen und generell fand ich das Doctoral Consortium ganz toll, weil ganz viele verschiedene innovative Ans\u00e4tze aus allen m\u00f6glichen Subdisziplinen da vorgestellt wurden.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Auch eine Professorin antwortete uns auf die Frage, welcher Vortrag oder Workshop Sie besonders inspiriert h\u00e4tte:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>\u201eMir haben besonders die Vortr\u00e4ge im Doctoral Consortium gefallen \u2013 es ist toll, die Vielfalt der Themen zu sehen und die Tiefe zu sehen. Beeindruckt haben mich auch die vielen originellen Pr\u00e4sentationen beim Poster Slam.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Sie gibt uns Early Career Researchern den Tipp:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>\u201eSich so bald es geht in der Praxis zu versuchen \u2013 sei es als studentische Hilfskraft in einem Forschungsprojekt, als Teilnehmer*in an einer Tagung oder indem Sie eine eigene Idee umsetzen. Schauen Sie, wo Ihre Interessen liegen und seien Sie neugierig und eigeninitiativ \u2013 viele technische Themen kann man super anhand von Videos und Tutorials (und mit KI-Unterst\u00fctzung\u2026) lernen.\u201c<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">Ein paar Tage nach der Konferenz landete die Mail mit der Aufnahmebest\u00e4tigung zum Mailverteiler der AG Theorie in meinem Postfach. Im Rahmen der DHd konnte ich die AG und ein paar ihrer Mitglieder beim gemeinsamen Mittagessen und AG Treffen n\u00e4her kennenlernen. Vielleicht finden sich auch in Zukunft f\u00fcr mich noch fachliche \u201eWahlverwandschaften\u201c und produktive Dis-Orientierungen f\u00fcr meine Forschung in den Gespr\u00e4chen \u00fcber die Praktiken des Theoretisierens in einem Fach, das aus so vielen heterogenen Wegen des wissenschaftlichen Werdens besteht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Luise: Ein weiterer Flicken: Die Studierenden<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\">\u00c4hnlich wie Cris war ich selbst aufgeregt, zum ersten Mal nicht als wissenschaftliche Hilfskraft, sondern als Wissenschaftlerin an einer Konferenz teilzunehmen. Umso \u00fcberraschter war ich von den vielen Studierenden aus vielen unterschiedlichen Fachrichtungen, die mir begegneten, die in den Workshops kluge Fragen stellten und in der Postersession ihre Abschlussarbeiten pr\u00e4sentierten. Habe ich als Studentin etwas vers\u00e4umt, indem ich nicht an Konferenzen teilnahm, handelt es sich um einen neueren Trend und welche Rolle spielt die Nachwuchsf\u00f6rderung in den DH?<br \/>Einerseits verstehe ich die Teilnahme von Studierenden als ein ausgesprochen positives Signal. Sie verweist auf eine gezielte F\u00f6rderung von Early-Career-Researchern und zeigt, dass studentische Forschungsleistungen zunehmend sichtbar gemacht und gew\u00fcrdigt werden. Gerade im Feld der Digital Humanities, das sich durch Interdisziplinarit\u00e4t und methodische Offenheit auszeichnet, er\u00f6ffnet dies Studierenden wertvolle Einblicke in aktuelle Forschungsprozesse und erm\u00f6glicht ihnen, sich fr\u00fchzeitig als Teil der wissenschaftlichen Community zu positionieren. Gleichzeitig kann die aktive Teilnahme an Konferenzen dazu beitragen, das Feld \u00fcberhaupt erst kennenzulernen und eigene Forschungsinteressen entsprechend weiterzuentwickeln.<br \/>Andererseits bin ich besorgt, ob diese Entwicklung nicht den Leistungsdruck der Studierenden zus\u00e4tzlich erh\u00f6ht. Pr\u00e4sentationsformate, wissenschaftliche Kommunikation und die Positionierung im akademischen Diskurs erfordern Kompetenzen, die im Studium oft erst im Aufbau begriffen sind. Problematisch erscheint dabei insbesondere der direkte Vergleich mit fortgeschrittenen Forschenden wie Doktorand*innen oder Postdocs, der implizit hohe Ma\u00dfst\u00e4be setzt und m\u00f6glicherweise zu einer \u00dcberforderung f\u00fchrt. Ebenso wenig gekl\u00e4rt ist h\u00e4ufig die finanzielle Dimension: Reisekosten, Teilnahmegeb\u00fchren und Unterkunft stellen f\u00fcr viele Studierende eine erhebliche H\u00fcrde dar und k\u00f6nnen zu sozialer Selektion f\u00fchren. Die Erwartung, bereits im Studium eigenst\u00e4ndige Forschungsleistungen auf Konferenzen zu pr\u00e4sentieren, kann mit einem erheblichen Arbeitsaufwand einhergehen, der h\u00e4ufig unbezahlt bleibt. Insgesamt entsteht daraus potenziell ein struktureller Druck auf Studierende, sich fr\u00fchzeitig in einem kompetitiven Umfeld zu behaupten \u2013 nicht zuletzt vor dem Hintergrund sp\u00e4terer Bewerbungsverfahren, in denen solche Erfahrungen zunehmend vorausgesetzt werden k\u00f6nnten.<br \/>Vor diesem Hintergrund erscheinen gezielte strukturelle Ma\u00dfnahmen sinnvoll. Denkbar w\u00e4re auf der Konferenz selbst etwa ein klar abgegrenztes Segment innerhalb der Postersession, beispielsweise durch eigene R\u00e4ume oder Zeitfenster, das studentischen Beitr\u00e4gen Sichtbarkeit verleiht, ohne sie dem direkten Vergleich etablierter Forschender auszusetzen. Ebenso k\u00f6nnten spezifische Stipendienprogramme f\u00fcr Studierende geschaffen werden, die nicht nur die Finanzierung sichern, sondern auch ein begleitendes Rahmenprogramm bieten. Solche Formate k\u00f6nnten Mentoring, Feedbackm\u00f6glichkeiten und niedrigschwellige Austauschformate umfassen und damit sowohl die Qualit\u00e4t der Beitr\u00e4ge als auch die Betreuungssituation w\u00e4hrend der Konferenz nachhaltig verbessern und den Druck auf die Studierenden verringern. Auch gemeinsame Seminarfahrten zu Konferenzen bergen ein gro\u00dfes Potenzial. In Begleitung von Lehrenden k\u00f6nnten Studierende gezielt auf Teilnahme und Pr\u00e4sentation vorbereitet werden, erhalten kontinuierliches Feedback und haben zugleich die M\u00f6glichkeit, Konferenzformate zun\u00e4chst beobachtend kennenzulernen. Solche kollektiven Zug\u00e4nge k\u00f6nnten dazu beitragen, die Schwelle zur aktiven Teilnahme zu senken und zugleich eine verantwortungsvolle Betreuung sicherzustellen. Ein solches Format erprobte gerade bspw. das Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften (DH-Netzwerk) der Universit\u00e4t Potsdam in Kooperation mit der Potsdam Graduate School (PoGS). Sie boten ein Early Career Fellowship an, das eine praktische Einf\u00fchrung in digitale Methoden der Geisteswissenschaften beinhaltete und mit der gemeinsamen Reise zur DHd abgeschlossen wurde.<br \/>Als Alternative zur Teilnahme an Konferenzen erscheinen auch etablierte Formate wie Summer Schools und Winter Schools. Sie bieten Studierenden die M\u00f6glichkeit, methodische und theoretische Grundlagen in einem gesch\u00fctzten Rahmen zu vertiefen und mit etablierten Forschenden in Austausch zu treten, ohne unmittelbar dem Leistungs- und Vergleichsdruck gro\u00dfer Konferenzen ausgesetzt zu sein. Gleichzeitig f\u00f6rdern sie den Austausch unter Peers sowie den Aufbau erster wissenschaftlicher Netzwerke. Dar\u00fcber hinaus sollte st\u00e4rker dar\u00fcber nachgedacht werden, studentische Forschungsarbeit strukturell zu verg\u00fcten, etwa \u00fcber HiWi-Stellen. Dies w\u00fcrde nicht nur die oftmals unsichtbare Arbeitsleistung anerkennen, sondern auch zur sozialen Absicherung beitragen und Teilhabem\u00f6glichkeiten erh\u00f6hen.<br \/>Ich selbst habe auf meinem akademischen Weg von vielen dieser Angebote profitiert. Erst die Auseinandersetzung mit den methodischen M\u00f6glichkeiten der Digital Humanities hat mich dazu bef\u00e4higt, meine eigenen geisteswissenschaftlichen Fragestellung in eine quantitative Richtung weiterzudenken und selbst an dem Flickenteppich mitzuwirken.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wir nach der DHd &#8211; Was wir mitnehmen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>Auf der DHd versammeln sich Wissenschaftler*innen mit ganz unterschiedlichen akademischen Lebenswegen \u2013 zu denen nun auch wir geh\u00f6ren. Hier begegnet die neue Generation DH-Studierender neugierigen Studierenden aller geisteswissenschaftlicher F\u00e4cher, Informatiker*innen treffen auf Fachexpert*innen, die f\u00fcr digitale Methoden offen sind, Quereinsteigende und Sp\u00e4teinsteigende auf die, die bereits eine ganze Karriere in den Digital Humanities hingelegt haben. Innerhalb der weit aufgespannten Community mit den eigenen Forschungsinteressen einen Platz zu finden, erweist sich als Herausforderung, vor allem f\u00fcr nicht textbasierte Projekte, <\/em><em>aber auch als inspirierender Ansto\u00df, den eigenen Ansatz konsequent weiterzudenken und sich auf neue Perspektiven einzulassen. <br \/><\/em><em>In diesem Sinne wollen wir die Heterogenit\u00e4t des Feldes als Aufforderung begreifen, den eigenen fachlichen Hintergrund immer wieder zu reflektieren und sich mit neuen Ans\u00e4tzen zu konfrontieren. Um diese Haltung einzu\u00fcben, ist die DHd die geeignete Gelegenheit gewesen, gerade f\u00fcr uns als wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Community selbst nimmt junge Wissenschaftler*innen und Studierende offen auf, doch wer erst sp\u00e4t seinen Weg hierher findet, ist ebenso willkommen. <br \/><\/em><em>Die DHd 2026 war die erste gro\u00dfe Digital Humanities Konferenz f\u00fcr uns beide und wir w\u00fcrden l\u00fcgen, w\u00fcrden wir sagen, wir w\u00fcrden uns nicht auf die n\u00e4chste freuen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dank<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p style=\"font-weight: 400;text-align: justify\"><em>Wir bedanken uns sehr bei den Teilnehmer*innen auf der DHd, die bereit waren, mit uns f\u00fcr die kurzen Interviews zu sprechen. <br \/><\/em><em>Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen eines Reisestipendiums f\u00fcr die DHd 2026 in Wien. Unser herzlicher Dank gilt NFDI4Culture f\u00fcr die Unterst\u00fctzung unserer Teilnahme.<\/em><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gemeinsamer Erfahrungsbericht von Luise Prager und Cris Ortega Wir in den DH \u2013 Unsere akademischen Wege Die DHd 2026 ist die erste gro\u00dfe Digital Humanities Konferenz f\u00fcr uns beide und wir w\u00fcrden l\u00fcgen, w\u00fcrden wir sagen, wir h\u00e4tten keinen Respekt vor der uns erwartenden Woche. 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