{"id":23436,"date":"2026-03-11T15:43:48","date_gmt":"2026-03-11T14:43:48","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=23436"},"modified":"2026-03-11T15:43:48","modified_gmt":"2026-03-11T14:43:48","slug":"rueckblick-zur-dhd2026-ein-konferenzbericht-aus-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=23436","title":{"rendered":"R\u00fcckblick zur DHd2026 \u2013 Ein Konferenzbericht aus Wien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#d4dbdf\"><em>Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Early Career Reisestipendiums von CLARIAH-AT f\u00fcr die DHd2026 in Wien. Herzlichen Dank f\u00fcr die Erm\u00f6glichung dieser Teilnahme.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Was macht eine wissenschaftliche Community aus? Und geh\u00f6re ich dazu? Diese Frage hatte ich im Gep\u00e4ck, als ich als Masterstudierende der Digital Humanities an der Universit\u00e4t Regensburg zum ersten Mal zur DHd fuhr. Die DHd2026 war meine erste gro\u00dfe DH-Konferenz und eine Einladung, die Community nun endlich live zu erleben. Das Ziel: Wien.Eine prachtvolle Stadt, eine beeindruckende Universit\u00e4t und ein Tagungsthema, das neugierig macht: <em>Not just text, not just data<\/em>. Was steckt in den Digital Humanities jenseits von Textkorpora und Datentabellen? Die Konferenz hat darauf viele spannende Antworten geliefert.<\/p>\n\n\n\n<h2>GPU f\u00fcr die GW \u2013 aber bitte DSGVO-konform<\/h2>\n<p>Der erste Konferenztag f\u00fchrte mich in den Halbtagsworkshop \u201e<em>Beyond the Cloud: Democratizing GPU Access for the Digital Humanities<\/em>\u201c des DHInfra-Teams der Universit\u00e4t Graz und der Universit\u00e4t f\u00fcr Weiterbildung Krems. Der Bedarf an rechenintensiven Methoden w\u00e4chst in der DH rasant, w\u00e4hrend kommerzielle Anbieter wie AWS oder Google Colab ernsthafte Fragen zu Datenschutz und Datensouvr\u00e4nit\u00e4t aufwerfen. DHInfra setzt hier mit einer f\u00f6derierten, DSGVO-konformen GPU-Infrastruktur an. Der Workshop war dabei mehr als eine Demonstration, er diente als finale Testphase vor dem offiziellen Launch, in der die Teilnehmenden LLMs feintunen und API-basierte Workflows entwickeln konnten und gleichzeitig direktes Feedback zur Plattform gaben.<\/p>\n\n\n\n<h2>Data as&#8230;<\/h2>\n<p>Den Auftakt der Konferenz bildete am Abend die Er\u00f6ffnungskeynote von Miriah Meyer mit dem Titel \u201e<em>Data as\u2026: Exploring the Plurality of Data in Visualization<\/em>\u201c. Mit einer scheinbar simplen Frage: \u201eWas sind eigentlich Daten?\u201c er\u00f6ffnete sie ein breites Panorama: Daten als Input, als Ground Truth, als Design Material, als etwas Verflochtenes. Wer diese Rahmungen explizit benennt und hinterfragt, gewinnt neue Perspektiven auf Visualisierungen und die eigene Forschungspraxis. Beim anschlie\u00dfenden Empfang wurden diese Gedanken in Gespr\u00e4chen weitergef\u00fchrt. Ein sch\u00f6ner Beweis daf\u00fcr, wie eine gute Keynote eine Konferenz inhaltlich in Gang setzt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Annotieren: Mensch, Maschine oder beides?<\/h2>\n<p>Am zweiten Tag folgte der ganzt\u00e4gige Workshop \u201e<em>Film- und Videoanalyse mit VIAN &amp; TIB-AV-A<\/em>\u201c. Die zentrale methodologische Frage: Wann annotieren wir manuell, wann die Maschine? VIAN Light macht diese Spannung produktiv, indem es manuelle Annotation mit automatischer Einstellungserkennung kombiniert und damit Raum l\u00e4sst f\u00fcr das, was Eva Hielscher \u201eDoing ELAN\u201c nennt: den Annotationsprozess selbst als erkenntnisleitenden Akt. Das Fazit des Tages: Automatisierung ersetzt die manuelle Annotation nicht. Hybride Workflows, die beides kombinieren, sind der Schl\u00fcssel.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Politik der Daten<\/h2>\n<p>Besonders nachhaltig haben mich zwei Panels besch\u00e4ftigt. Im Panel \u201e<em>KI als Belastungsprobe f\u00fcr das offene Internet<\/em>\u201c diskutierten Klaus Rettinghaus, Sarah Oberbichler, David Maus und Grischka Petri, was der Boom generativer KI bedeutet: Bot-Traffic, der sich als menschlich tarnt, blockierte Archive, ignorierte Lizenzen. Die Kernfrage: Welche Infrastrukturen bauen wir auf, welche Daten legen wir unter welchen Bedingungen offen? Das sind im Kern politische Entscheidungen und Geisteswissenschaftler:innen k\u00f6nnen mit ihrer kritischen Datenperspektive aktiv mitgestalten.<\/p>\n<p>Das Panel \u201e<em>The Dark Sides of DH revised: From Utopia to Reality<\/em>\u201c richtete den Blick nach innen: auf sprachliche Vielfalt, feministische Datenpraktiken, Repr\u00e4sentation und ein erweitertes Verst\u00e4ndnis von Nachhaltigkeit jenseits von Effizienz. Was mich \u00fcberzeugte, war der konstruktive Grundton: Es ging nicht nur darum, Probleme zu benennen, sondern gemeinsam dar\u00fcber nachzudenken, was die DH werden k\u00f6nnte, wenn wir diese L\u00fccken ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Research Software, Posterslam und Empfang im Wiener Rathaus<\/h2>\n<p>Ein weiteres Panel widmete sich Research Software Engineering. Sabina Mollenhauer pl\u00e4dierte f\u00fcr eine Richtungsumkehr: Ethnografische Methoden k\u00f6nnten aktiv zur Gestaltung nachhaltiger Research Software beitragen statt Wissen nur von STEM zu \u00fcbernehmen. Kevin Kuck und Kevin Wunsch zeigten, wie automatisierte Workflows in Editionsprojekten Raum f\u00fcr inhaltliche Forschung schaffen. Kristin Herold, Hizkiel Alemayehu und Daniel Jettka diskutierten am Beispiel Edirom Online, wie Software nach Projektende \u00fcberlebt: durch Modularisierung, Community-Building und gezielte Kleinstf\u00f6rderungen.<\/p>\n<p>Ein Highlight der Konferenz war der Posterslam: In k\u00fcrzester Zeit \u00fcberzeugten die Slamenden das Publikum von ihrer Forschung, gemessen per Lautst\u00e4rkemessger\u00e4t, Kost\u00fcme und popkulturelle Referenzen inklusive. Eine mitrei\u00dfende Einleitung zu zwei Postersessions, bei denen Zeit f\u00fcr viele spannende Gespr\u00e4che war.<\/p>\n\n\n\n<h2>Daten sind nie neutral<\/h2>\n<p>Den kr\u00f6nenden Abschluss des letzten Abends bildete der Empfang im Wiener Rathaus, ein sehr imposanter und beeindruckender Rahmen f\u00fcr eine Konferenz, die inhaltlich als auch atmosph\u00e4risch viel zu bieten hatte. Und passend zum Gastgeber durfte musikalisch nat\u00fcrlich auch Falco und der Wiener Walzer nicht fehlen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Was bleibt<\/h2>\n<p>Was mich \u00fcberrascht hat, war die Atmosph\u00e4re: offen, vielf\u00e4ltig, von echtem gegenseitigem Interesse gepr\u00e4gt. Gespr\u00e4che entstanden schnell und unkompliziert, \u00fcber Fachgrenzen und Karrierestufen hinweg. Als jemand, die gerade mitten im Studium steckt, war es besonders wertvoll, das Gef\u00fchl zu haben, wirklich Teil einer Community zu sein, nicht nur Beobachterin.<\/p>\n<p>Das Stipendium von CLARIAH-AT hat mir nicht nur die Reise nach Wien erm\u00f6glicht, sondern einen Einblick gegeben, worum es in den Digital Humanities im besten Sinne geht: das gemeinsame Nachdenken \u00fcber Methoden, Infrastrukturen und Verantwortung, mit Menschen, die das wirklich ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"color: #808080\"><em>Sophia Babl, Masterstudium Digital Humanities, Universit\u00e4t Regensburg<\/em><\/span><\/p>\n\n\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Early Career Reisestipendiums von CLARIAH-AT f\u00fcr die DHd2026 in Wien. Herzlichen Dank f\u00fcr die Erm\u00f6glichung dieser Teilnahme. Was macht eine wissenschaftliche Community aus? Und geh\u00f6re ich dazu? 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