{"id":21558,"date":"2024-09-19T19:25:25","date_gmt":"2024-09-19T17:25:25","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=21558"},"modified":"2024-09-19T19:25:25","modified_gmt":"2024-09-19T17:25:25","slug":"konferenzbericht-dh2024-reinvention-responsibility-washington-dc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=21558","title":{"rendered":"Konferenzbericht DH2024 &#8222;Reinvention &amp; Responsibility&#8220;, Washington DC"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reisekostenstipendiums f\u00fcr die DH2024 entstanden. Ich m\u00f6chte mich an dieser Stelle herzlich beim Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) daf\u00fcr bedanken, mir die Teilnahme an der Konferenz zu erm\u00f6glichen. Auch m\u00f6chte ich die tolle Arbeit der Organisator:innen hervorheben und mich daf\u00fcr bedanken.<\/em><\/p>\n<p>Die DH2024, organisiert von der Alliance of Digital Humanities Organizations (ADHO), fand vom 6. bis 9. August 2024 an der George Mason University in Arlington, Virginia, statt. Unter dem Thema \u201eNeuerfindung &amp; Verantwortung\u201c bot die Tagung Digital Humanists aus aller Welt eine Plattform, um ihre Forschungsergebnisse und aktuelle Entwicklungen im Feld zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Workshops und Er\u00f6ffnung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Konferenz begann am Montag und Dienstag mit praxisorientierten Workshops, die sich auf die Anwendung von Methoden, Software und Werkzeugen konzentrierten. Der offizielle Konferenzbeginn folgte am Dienstagabend mit der Er\u00f6ffnungszeremonie, einem Empfang und einer Keynote von Susan Brown, der in diesem Rahmen auch der \u201eRoberto Busa Preis\u201c verliehen wurde. In ihrer Keynote gab Susan Brown einen Einblick in ihre Arbeit zur Verkn\u00fcpfung von Forschungsdaten (Linked Open Data). Den Mittwoch er\u00f6ffnete die Datenjournalistin Linda Ngari mit einer weiteren Keynote. In dieser berichtete sie aus ihrer Erfahrung als Journalistin, ein interprofessioneller Ausflug, der auch f\u00fcr die Digitalen Geisteswissenschaften relevante Erkenntnisse mit sich brachte, wie beispielsweise den eindringlichen Appell die Integrit\u00e4t von Forschungsdaten \u2013 insbesondere wenn diese durch Dritte erzeugt werden \u2013 kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einige Beobachtungen aus den Panels<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Anschluss starteten die thematischen Panels. Bei fast 90 parallel laufenden Panels, die sich meist aus mehreren k\u00fcrzeren Vortr\u00e4gen zusammensetzten, bleibt mir nur die M\u00f6glichkeit, einige aggregierte (und vermutlich subjektive) Eindr\u00fccke zu schildern.<\/p>\n<p>Eine Reihe von Vortr\u00e4gen besch\u00e4ftigte sich mit der Langzeitverf\u00fcgbarkeit und Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten, Publikationsplattformen und digitalen Editionen. Besonders im gut besuchten Panel \u201eSustainability of Digital Publishing Platforms\u201c wurde diskutiert, welche Verbesserungen bereits erzielt wurden und was in Zukunft noch optimiert werden k\u00f6nnte. Statt rein technischer L\u00f6sungen standen vor allem soziale und finanzielle Herausforderungen im Fokus, insbesondere die Vermittlung von Anforderungen zwischen verschiedenen Disziplinen und Funktionstr\u00e4gern. Ein zentrales Fazit war, dass qualifiziertes, langfristig besch\u00e4ftigtes Personal entscheidend zur Nachhaltigkeit von Publikationen beitragen kann. Technisch gesehen wurde der Trend sichtbar, etablierte Standards und Anwendungen zu bevorzugen und die Stabilit\u00e4t gegen\u00fcber der Innovationsfreude zu priorisieren.<\/p>\n<p>Ein weiterer wiederkehrender Themenkomplex drehte sich um Large Language Models (LLMs). Stabile, nachvollziehbare und reproduzierbare Ergebnisse konnten vor allem die Ans\u00e4tze erzielen, die auf bew\u00e4hrte Komponenten von Sprachmodellen zur\u00fcckgreifen, wie z. B. die Verwendung von LLM-Embeddings. Auch die Nutzung von LLMs als \u201eeigenst\u00e4ndige Agenten\u201c zur Automatisierung von Arbeitsschritten wurde thematisiert, wobei viele dieser Ans\u00e4tze noch im Planungsstadium stecken, und konkrete Ergebnisse noch nicht pr\u00e4sentiert werden konnten. Zudem waren LLMs selbst Gegenstand der Forschung, etwa in einer qualitativen Analyse zu rassistischen Biases in Sprachmodellen.<\/p>\n<p>Ein f\u00fcr mich besonders interessantes Panel stellte neue Ans\u00e4tze in der historischen Reiseforschung vor. Diese Ans\u00e4tze l\u00f6sen sich von der konventionellen Geolokalisierung und erm\u00f6glichen es, Quellen zu ber\u00fccksichtigen, die keine eindeutigen geographischen Verortungen zulassen. In der Analyse und Visualisierung werden diese Informationen in Form von Netzwerkgraphen oder gewichteten Punkten dargestellt. Da die Forschung sich noch in der Entwicklung befindet, bin ich gespannt, wie sich diese Ans\u00e4tze weiter entwickeln.<\/p>\n<p>Neben den zahlreichen Vortr\u00e4gen gab es zwei Poster-Sessions. Am Freitagnachmittag pr\u00e4sentierte ich das Poster unseres Projektteams und konnte dabei interessante Gespr\u00e4che mit den Teilnehmer:innen der Konferenz f\u00fchren. Gleich im Anschluss daran endete die DH2024 mit der Abschlusszeremonie. Die abschlie\u00dfende Keynote hielt Shannon Mattern, die die Verschr\u00e4nkung sozialer und technischer Aspekte in der Medienkommunikation thematisierte. Besonders inspirierend fand ich ihren Gedanken, dass Kommunikationsmedien nicht voraussetzungslos existieren, und man die eigene Nutzung kritisch dahingehend pr\u00fcfen sollte, ob sie nicht m\u00f6glicherweise die Grundlagen untergr\u00e4bt, auf denen man aufbaut.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p>Die DH2024 in Arlington war eine spannende und bereichernde Konferenz. Der Austausch mit internationalen Kolleg:innen und die Vielfalt der Themen haben mir wertvolle neue Impulse f\u00fcr meine eigene Arbeit gegeben und ich freue mich darauf, an zuk\u00fcnftigen Konferenzen teilzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reisekostenstipendiums f\u00fcr die DH2024 entstanden. Ich m\u00f6chte mich an dieser Stelle herzlich beim Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) daf\u00fcr bedanken, mir die Teilnahme an der Konferenz zu erm\u00f6glichen. 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