{"id":20667,"date":"2024-03-07T13:26:03","date_gmt":"2024-03-07T12:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=20667"},"modified":"2024-03-07T16:19:36","modified_gmt":"2024-03-07T15:19:36","slug":"unter-dem-big-tent-der-digital-humanities-ein-einblick-in-die-dhd-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=20667","title":{"rendered":"Unter dem Big Tent der Digital Humanities: Ein Einblick in die DHd 2024"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Idealfall zeichnet sich eine Konferenz durch vielf\u00e4ltige Einblicke, neue Erlebnisse und ein reichhaltiges Wissensspektrum aus, w\u00e4hrend kluge K\u00f6pfe und ihre Ideen sich an einem Ort &#8211; sei es im H\u00f6rsaal oder im eigenen Geist &#8211; versammeln. Nach einer Woche solcher intensiven Eindr\u00fccke kann es durchaus vorkommen, dass der Kopf vor lauter Impressionen zu rauchen beginnt. Mir erging es nicht anders nach meiner Teilnahme an der diesj\u00e4hrigen DHd-Konferenz in Passau.<\/p>\n<p>Mit dem Ziel, das komplexe Spektrum der Digital Humanities, auch als Big Tent<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> oder in der Closing Keynote als Big Cloud<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> bezeichnet, besser zu durchdringen, f\u00fchrte ich aufschlussreiche Interviews mit einigen Teilnehmenden durch (herzlichen Dank an dieser Stelle f\u00fcr die Teilnahme). Dabei setzte ich meine eigene Wahrnehmung in Bezug zu den Perspektiven der Interviewpartner*innen. In Gespr\u00e4chen mit verschiedenen Teilnehmenden konzentrierte ich mich auf drei pr\u00e4gnante Fragen, stets im Sinne von &#8222;Weniger ist mehr&#8220; und einer pragmatischen Ausrichtung auf das Wesentliche.<\/p>\n<p>Diese pers\u00f6nlichen Dialoge verfolgen nicht nur das Ziel, inhaltliche H\u00f6hepunkte der Konferenz zu dokumentieren, sondern auch individuelle Perspektiven und Meinungen einzufangen. Auf diese Weise entsteht ein umfassendes Bild der DHd-Konferenz, das \u00fcber den blo\u00dfen Ablauf hinausgeht und die Vielschichtigkeit der Veranstaltung widerspiegelt.<\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li>\n<h3><strong>Welche drei Keywords beschreiben f\u00fcr dich die Konferenz?<\/strong><\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Drei Schl\u00fcsselbegriffe zur Konferenz kristallisierten sich heraus, wobei die Stichw\u00f6rter &#8222;generative KI&#8220; und &#8222;LLM&#8220; besonders h\u00e4ufig genannt wurden. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Befragten charakterisierte die Konferenz als \u00e4u\u00dferst divers und herausragend interdisziplin\u00e4r. Auffallend ist, dass das Publikum nicht nur durch seine ausgepr\u00e4gte Diskussionsbereitschaft beeindruckte, sondern auch ein betr\u00e4chtliches Vorwissen (vor allem in den Workshops) mitbrachte.<\/p>\n<p>Die pr\u00e4sentierten Stichpunkte verdeutlichen den Informationsgehalt der Veranstaltung, deren Kernpunkte durch die Schlagw\u00f6rter &#8222;it\u2019s connecting,&#8220; &#8222;heterogen,&#8220; und &#8222;F\u00e4cherverh\u00e4ltnis&#8220; treffend umschrieben werden k\u00f6nnen. Es wurde betont, dass, obwohl \u00e4hnliche Diskussionen jedes Jahr stattfinden, die diesj\u00e4hrige Tagung durch eine erhebliche Anzahl an Neuigkeiten gepr\u00e4gt war.<\/p>\n<p>Die Themenschwerpunkte erstreckten sich dabei \u00fcber LLM- und Transformer-Technologien bis hin zu kulturellen Aspekten, Nachnutzbarkeit und Nachhaltigkeit der generierten Daten. Ebenfalls im Fokus standen Diskussionen zu K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) und Vertrauen sowie dem Verh\u00e4ltnis der Fachgebiete im umfassenden Kontext des Big Tents. Zudem spielte der Themenkomplex der Nachhaltigkeit eine ma\u00dfgebliche Rolle.<\/p>\n<p>Am Ende dieses Beitrags steht eine Wordmap mit Begriffen aus den Konferenztiteln und den genannten Inhalten der Interviewpartner*innen zur Verf\u00fcgung. Wer mag, kann gerne einen Vergleich anstellen, um Parallelen zu erkennen.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>\n<h3><strong>Was war f\u00fcr dich unerwartet oder spannend?<\/strong><\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich erwiesen sich die Abweichungen in der Workshop-Gestaltung im Vergleich zu den Erwartungen als unerwartete, sehr positive Aspekte. Ein herausragendes Beispiel hierf\u00fcr war die eigenm\u00e4chtige Besch\u00e4digung eines Collaborative Tools (Google Colab) durch die Workshopleitung w\u00e4hrend des Workshops, was erneut die hohe Spontaneit\u00e4t und l\u00f6sungsorientierte Arbeitsweise in den Digital Humanities verdeutlichte. Insgesamt wurden die Workshops durchgehend als aufschlussreich und bereichernd beschrieben. Besonders beeindruckend war die disziplinierte Teilnahme aller Workshop-Teilnehmer, die bereits um 9 Uhr anwesend waren, so die Workshop-Leitung.<\/p>\n<p>Der Aspekt der LLM und generativen KI tauchte vor einiger Zeit als neues Thema auf, was f\u00fcr alle Beteiligten Neuland bedeutete und zu intensiven Diskussionen sowie \u00fcberraschend starken emotionalen Reaktionen f\u00fchrte. Das Unklare und Unerwartete in diesem Kontext unterstreicht die Dynamik und Vielschichtigkeit der Veranstaltung.<\/p>\n<p>Spannend waren f\u00fcr die meisten Interviewees die Vortr\u00e4ge \u00fcber die Nutzungsanwendungen von Transformer-Architekturen und Chatbots. Besonders fesselnd gestaltete sich die Fishbowl-Diskussion, die nicht nur durch das innovative Format beeindruckte, sondern auch durch den Gehalt selbst. Sie verschaffte ein neues Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung der Digital Humanities \u2013 ein &#8222;Quo Vadis&#8220; der Disziplin.<\/p>\n<p>Faszinierend war zudem die Beobachtung, dass sich die Forschungsfragen vermehrt \u00fcber Digitale Editionen hinausbewegen und weiterf\u00fchrende Analysen der Forschungsdaten in den Mittelpunkt r\u00fccken, wie auch in der Keynote bemerkt wurde.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li>\n<h3><strong>Hast du einen Tipp f\u00fcr Digital Humanists, die am Beginn ihrer Karriere stehen?<\/strong><\/h3>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auswahl der Empfehlungen der Interviewpartner*innen:<\/p>\n<p>&#8222;Besucht Konferenzen, pr\u00e4sentiert eure Arbeit und lasst euch nicht abschrecken. Jeder f\u00e4ngt irgendwo an.&#8220; &#8211; Clemens<\/p>\n<p>&#8222;Nehmt alles mit, was ihr kriegen k\u00f6nnt.&#8220; &#8211; Linda<\/p>\n<p>&#8222;Ausprobieren und aktiv teilnehmen.&#8220; &#8211; Lina<\/p>\n<p>&#8222;Sucht euch einen Platz im Big Tent und lasst euch nicht von der \u00dcberw\u00e4ltigung entmutigen, sonst k\u00f6nnte es frustrierend werden.&#8220; &#8211; Manuel<\/p>\n<p>&#8222;Bewerbt euch, wenn m\u00f6glich, um Stipendien und Posterpr\u00e4sentationen und versucht, Anschluss zu finden. Habt keine Scheu.&#8220; &#8211; Martina<\/p>\n<p>&#8222;Engagiert euch im Dialog, sprecht mit Menschen und ergreift aktiv die Initiative.&#8220; \u2013 Martin<\/p>\n<h3><strong>Fazit<\/strong><\/h3>\n<p>\u00dcber die F\u00fclle und Dynamik der DHd-Konferenz k\u00f6nnte ich hier noch lange schreiben, doch m\u00f6chte ich lieber die beeindruckende Visualisierung durch die Wordmap f\u00fcr sich stehen lassen. Der Besuch einer solchen Veranstaltung, besonders f\u00fcr Neulinge in einem Fachgebiet, offenbart eine wahrhaft bereichernde Erfahrung. Somit m\u00f6chte ich mich herzlich bei NFDI4Culture bedanken, dass sie mir die Teilnahme an der Konferenz erm\u00f6glicht haben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4.jpg\" alt=\"Wordmap aus Vortragstiteln der DHd2024\" class=\"wp-image-20666\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4.jpg 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4-300x300.jpg 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4-150x150.jpg 150w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4-768x768.jpg 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2024\/03\/wordcloud-test4-50x50.jpg 50w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Patrik Svensson: Beyond the Big Tent. In: Debates in the Digital Humanities, 2012, pp. 36-72, URL:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/10.5749\/j.ctttv8hq.7\">https:\/\/www.jstor.org\/stable\/10.5749\/j.ctttv8hq.7<\/a> (Zugriff 07.03.2024)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Begriff von Michaela Mahlberg aus der Closing Keynote der Konferenz am Freitag, 01.03.2024. URL: https:\/\/dhd2024.dig-hum.de\/programm-events\/<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-right is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-left\">Kleines Gedicht als Bonus:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-text-align-center\">Menschen, die wie Wellen aus H\u00f6rs\u00e4len rauschen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">gro\u00dfe Fragen \u2013 kleine Pausen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">hello world<\/p>\n<\/div><\/div>\n<cite><br><br>Julia Hintersteiner<\/cite><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Idealfall zeichnet sich eine Konferenz durch vielf\u00e4ltige Einblicke, neue Erlebnisse und ein reichhaltiges Wissensspektrum aus, w\u00e4hrend kluge K\u00f6pfe und ihre Ideen sich an einem Ort &#8211; sei es im H\u00f6rsaal oder im eigenen Geist &#8211; versammeln. 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