{"id":20499,"date":"2024-01-24T09:56:54","date_gmt":"2024-01-24T08:56:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=20499"},"modified":"2024-02-13T15:10:08","modified_gmt":"2024-02-13T14:10:08","slug":"6-expertinnenforum-nachhaltige-softwareentwicklung-in-nfdi4culture-oekologische-nachhaltigkeit-von-softwareentwicklung-und-gebrauch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=20499","title":{"rendered":"6. Expert:innenforum\u00a0\u201eNachhaltige Softwareentwicklung in NFDI4Culture\u201d: \u00d6kologische Nachhaltigkeit von Softwareentwicklung und -gebrauch"},"content":{"rendered":"\n<p>verfasst von: Aleksander Marcic (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0003-2923-6992\">ORCID<\/a>), Daniel Jettka (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-2375-2227\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Anne Ferger (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-1382-2658\">ORCID<\/a>) <\/p>\n\n\n\n<h2>Einf\u00fchrung<\/h2>\n<p>Am 01. Dezember 2023 kam das Expert:innenforum &#8222;Nachhaltige Softwareentwicklung in NFDI4Culture&#8220; zu seinem mittlerweile sechsten halbj\u00e4hrlichen Treffen zusammen. Anl\u00e4sslich der fortgeschrittenen Anzahl bereits absolvierter Forumstreffen war es an der Zeit, ein Res\u00fcmee zum bisherigen Verlauf des Forums zu ziehen, aber auch einen Blick in die Zukunft zu richten mit dem f\u00fcr diesen Termin ausgew\u00e4hlten Fokusthema &#8222;\u00d6kologische Nachhaltigkeit von Softwareentwicklung und -gebrauch&#8220; .<\/p>\n<p>In der kurzen Feedbackrunde zu Beginn des Forums zeigten sich die Expert:innen im Wesentlichen einig dar\u00fcber, dass das Forum thematisch und organisatorisch sehr gut aufgestellt ist und lediglich geringer Anpassungsbedarf hinsichtlich der eingesetzten Kommunikationsmittel f\u00fcr die Organisation und den Austausch zwischen den Forumsterminen besteht. Entsprechend wird die Kommunikation via E-Mail wieder eine st\u00e4rkere Rolle einnehmen, und der eigens f\u00fcr das Forum eingerichtete Chat-Kanal voraussichtlich sehr viel weniger bis gar nicht mehr genutzt werden.<\/p>\n<p>Etwas weniger eindeutig als das Feedback zum Gesamtverlauf des Forums sind jedoch, wie zu erwarten, die Antworten bzw. \u00dcberlegungen auf die Fragen ausgefallen, die sich im Zusammenhang mit \u00f6kologischer Nachhaltigkeit in der Softwareentwicklung stellen, wie etwa: Welches Wissen ist notwendig, um Softwareentwicklung m\u00f6glichst \u00f6kologisch nachhaltig zu gestalten? Wo finden sich \u00f6kologische Einspar- und\/oder Optimierungspotentiale? Was sind konkrete Ma\u00dfnahmen, um im Bereich der Softwareentwicklung \u00f6kologisch nachhaltig(er) zu handeln?<\/p>\n<p>Zur Einf\u00fchrung in das Schwerpunktthema hatten sich Torsten Roeder und Anne Baillot als Vertreter:innen der <a href=\"https:\/\/dhd-greening.github.io\/\"><u>DHd-AG Greening DH<\/u><\/a> im Vorfeld bereit erkl\u00e4rt, eine Einf\u00fchrung und Einordnung in den aktuellen Stand von Initiativen und Bem\u00fchungen zu geben. F\u00fcr die guten Hintergr\u00fcnde und Denkanst\u00f6\u00dfe aus ihrer Pr\u00e4sentation <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.10392521\"><u>Von der Initi<\/u><u>ative bis zur Praxis: Die DHd-AG Greening DH und das DHCC Toolkit<\/u><\/a> ist ihnen das Forum \u00fcberaus dankbar.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der anschlie\u00dfenden Diskussion der Expert:innenrunde, die sich aus Vertreter:innen von Rechenzentren, Forschungsf\u00f6rderern, Forschungsinstitutionen und -projekten zusammensetzt, werden in den folgenden thematisch gegliederten Abschnitten wiedergegeben.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Diskussion zu \u00f6kologischer Nachhaltigkeit<\/strong><\/h2>\n<p>Nach der Diskussion von M\u00f6glichkeiten zur Verbesserung der \u00f6kologischen Nachhaltigkeit bei Forschungsprojekten und -software in der Vorstellung der Aktivit\u00e4ten in der AG Greening DH wurde besonders die <strong>Rolle von Forschungsf\u00f6rderern<\/strong> betont. Die <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/service\/presse\/pressemitteilungen\/2023\/pressemitteilung_nr_28\/index.html\"><u>DFG-Empfehlungen<\/u><\/a> sehen ab 2024 zunehmend vor, dass Antragstellende \u00dcberlegungen zur \u00f6kologischen Nachhaltigkeit im Forschungsprozess in den Zusatzinformationen zum Projektantrag darlegen. Und auch im konkreten Bereich Forschungssoftware wird Nachhaltigkeit zuk\u00fcnftig Teil einer Leitlinie sein. Die Auswirkung dieser Empfehlungen auf die Forschungsf\u00f6rderung h\u00e4ngt \u2013 wie schon bei den Empfehlungen zur Gleichstellung und zum Forschungsdatenmanagement \u2013 vom Stellenwert ab, den Gutachter:innen dem Thema beimessen. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Vorgehen haben gezeigt, dass auf diesem Weg Ver\u00e4nderungen relativ schnell in den wissenschaftlichen Betrieb Eingang finden. \u00dcber die allgemeinen <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/grundlagen_themen\/nachhaltigkeit\/empfehlungen.pdf\"><u>Empfehlungen<\/u><\/a> und einen <a href=\"https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/grundlagen_themen\/nachhaltigkeit\/leitfragenkatalog.pdf\"><u>Leitfragenkatalog<\/u><\/a> hinaus sind von Seiten der DFG allerdings keine konkrete Vorgaben geplant, wie die \u00f6kologische Nachhaltigkeit von Projekten und Software durch die Gutachter:innen zu beurteilen w\u00e4re. Zum einen k\u00f6nnte das daran liegen, dass sich f\u00fcr die Breite der Fachbereiche gemeinsame verbindliche Kriterien nicht ermitteln lassen, zum anderen aber insofern im Sinne der Wissenschaftsfreiheit die Beurteilung von Forschung eben durch die Wissenschaftscommunity selbst, d.h. durch die jeweiligen Gutachter:innen, erfolgt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Hoffnung und Annahme hinaus, dass in absehbarer Zeit die \u00f6kologische Nachhaltigkeit Gegenstand des Beantragungs- und Begutachtungsprozesses wird, kann aber auch gezielt die <strong>Sichtbarkeit<\/strong> von Projekten und Software verbessert werden, welche bereits jetzt in \u00f6kologische Nachhaltigkeit investieren. Diesbez\u00fcglich wurde vorgeschlagen kurzfristig spezielle Auszeichnungen (z. B. durch Zertifikate) f\u00fcr nachhaltigkeitsorientierte Projekte und Software zu entwickeln und zu etablieren. Auch hier wurde zu bedenken gegeben, dass die Einigung auf konkrete Kriterien sehr komplex wird, sobald man eine Breite von F\u00e4llen abdecken will. Das f\u00fchrt dann oft dazu, dass Vorgaben und Kriterien, wenn sie festgelegt werden, vage und abstrakt wirken und wenig konkrete Orientierung bieten.<\/p>\n<p>Eine wichtige Dimension ist das <strong>Messen<\/strong> von konkreten \u00f6kologischen Auswirkungen bestimmter Ma\u00dfnahmen oder Softwareinstanzen, getreu dem Motto: You cannot improve what you cannot measure. Problematisch ist es auch hier sich auf verbindliche Messkriterien zu einigen. Eine Zusammenstellung von Empfehlungen f\u00fcr die Messung wird vom <a href=\"https:\/\/sas-dhrh.github.io\/dhcc-toolkit\/\"><u>DH CC Toolkit<\/u><\/a> bereitgestellt.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Einflusskriterium ist die \u00f6kologische Nachhaltigkeit von <strong>Rechenzentren<\/strong>, an denen Forschungssoftware betrieben wird. Dabei lassen sich unter anderem durch Entscheidungen zu der zugrundeliegenden Hardware (Server, K\u00fchlung, etc.) starke Verbesserungen der Energieeffizienz erzielen. Mit dem <a href=\"https:\/\/www.blauer-engel.de\/de\/produktwelt\/rechenzentren\"><u>Blauen Engel f\u00fcr Rechenzentren<\/u><\/a> gibt es eine M\u00f6glichkeit die Nachhaltigkeit von Rechenzentren zertifizieren zu lassen. Dass Investitionen in die Nachhaltigkeit durch dieses Zertifikat sichtbar werden, kann allerdings von Ma\u00dfnahmen abh\u00e4ngen, die \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume umgesetzt werden m\u00fcssen (z. B. gr\u00f6\u00dfere Bauma\u00dfnahmen) und Effekte k\u00f6nnen sich entsprechend verz\u00f6gern.<\/p>\n<p>Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die <strong>Optimierung<\/strong> von Software hinsichtlich \u00f6kologischer Nachhaltigkeit selbst Kosten verursacht, die teilweise h\u00f6her sein k\u00f6nnen, als die Optimierungsgewinne. Hier gilt es ma\u00dfvoll vorzugehen, was wiederum eine durch Erfahrung und grundlegende Kenntnisse gut fundierte Orientierung voraussetzt.<\/p>\n<p>Deshalb muss vorhandenes und noch zu erarbeitendes <strong>Wissen<\/strong> um die \u00f6kologische Dimension der Softwareentwicklung in Beratungsprozesse (z. B. zu Projektplanung und -beantragung), Lehre und Ausbildung von Research Software Engineers integriert werden.<\/p>\n<p>Als eine konkrete Ma\u00dfnahme wurde die M\u00f6glichkeit genannt, Inhalte von <strong>statischen Websites<\/strong> als reines HTML zu archivieren und damit im technischen Sinne nachhaltiger zu machen. Hieraus ergeben sich gleichzeitig Potentiale f\u00fcr die \u00f6kologische Nachhaltigkeit durch die Verwendung statischer Inhalte. Weniger Javascript bedeutet weniger Speicher- und Energiebedarf auf Endnutzerger\u00e4ten. Au\u00dferdem laden statisch konzipierte Seiten auch nicht permanent Daten von verschiedenen Schnittstellen\/Datenbanken nach, um f\u00fcr jeden Nutzer eine individuelle Ansicht zu generieren.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Fazit und Ausblick<\/strong><\/h2>\n<p>Mit der Auswahl des Schwerpunktthemas \u201c\u00d6kologische Nachhaltigkeit von Softwareentwicklung und -gebrauch\u201d hat sich das Expert:innenforum der Herausforderung gestellt, ein sowohl technisch als auch teils emotional sehr komplexes Thema zu behandeln. In der guten und offenen Diskussion wurde deutlich, dass eindeutig Handlungsbedarf besteht, jedoch konnte erwartungsgem\u00e4\u00df nicht abschlie\u00dfend beantwortet werden, in welchen Bereichen und wie genau sinnvolle Handlungen und Ver\u00e4nderungen herbeigef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, da Softwareentwicklung nur einen kleinen Teil eines \u00fcberaus komplexen Systems ausmacht, das mehr \u00f6kologischer Nachhaltigkeit bedarf.<\/p>\n<p>Dennoch konnten neben der Bewusstmachung einiger Problembereiche und Zusammenh\u00e4nge, die f\u00fcr sich genommen bereits als Fortschritt angesehen kann, auch ein paar Anhaltspunkte gefunden werden, wie das Thema \u00f6kologische Nachhaltigkeit vorangebracht werden kann. Hierzu geh\u00f6rt ganz allgemein die Einbeziehung des Themenkomplexes in Beratungsprozesse und in die Lehre. Des Weiteren wurde das Ziel formuliert weitergehend mit der DHd-AG Greening DH zu kooperieren und die Reflexion \u00f6kologischer Nachhaltigkeit in die n\u00e4chste Version des Leitfaden f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung und Nutzung von Forschungssoftware aufzunehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>verfasst von: Aleksander Marcic (ORCID), Daniel Jettka (ORCID), Anne Ferger (ORCID) Einf\u00fchrung Am 01. Dezember 2023 kam das Expert:innenforum &#8222;Nachhaltige Softwareentwicklung in NFDI4Culture&#8220; zu seinem mittlerweile sechsten halbj\u00e4hrlichen Treffen zusammen. 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