{"id":18987,"date":"2023-02-06T15:09:46","date_gmt":"2023-02-06T14:09:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=18987"},"modified":"2024-02-13T15:09:47","modified_gmt":"2024-02-13T14:09:47","slug":"4-expertinnenforum-nachhaltige-softwareentwicklung-in-nfdi4culture-professionalisierung-in-der-entwicklung-von-forschungssoftware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=18987","title":{"rendered":"4. Expert:innenforum \u201eNachhaltige Softwareentwicklung in NFDI4Culture\u201c:\u00a0Professionalisierung in der Entwicklung von Forschungssoftware"},"content":{"rendered":"\n<p>verfasst von: Aleksander Marcic (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0003-2923-6992\">ORCID<\/a>), Daniel Jettka (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-2375-2227\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Felix Bach (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-5035-7978\">ORCID<\/a>), Lisa Dieckmann (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-1708-7371\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Daniel R\u00f6wenstrunk (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0001-6271-2095\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Martin Albrecht-Hohmaier (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-5279-7408\">ORCID<\/a>), Anne Ferger (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-1382-2658\">ORCID<\/a>), Franziska Fritzsche (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0001-6515-018X\">ORCID<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung<\/h2>\n\n\n\n<p>Das NFDI4Culture Expert:innen Forum zum Thema Nachhaltige Softwareentwicklung kam am 22 November 2022 zu seinem vierten virtuellen Treffen zusammen. Eingeladene Expert:innen und NFDI4Culture-Mitarbeiter:innen diskutierten im Rahmen des Forums, wie Nachhaltigkeit von Forschungssoftware vorangebracht und weiter etabliert werden kann. F\u00fcr das vierte Treffen hatte sich das Forum das Thema \u201eProfessionalisierung in der Entwicklung von Forschungssoftware\u201c gew\u00e4hlt. Der Themenkomplex umfasst zahlreiche Aspekte institutioneller, organisatorischer sowie individueller Art.<\/p>\n<p>Unter individueller Professionalisierung kann hierbei beispielsweise die Weiterentwicklung von pers\u00f6nlichen Fertigkeiten einer einzelnen Entwickler:in verstanden werden. Hierunter fallen etwa Kenntnisse in Programmierung, Softwarearchitektur- und management, Versionierung, Dokumentation, Testing, DevOps-F\u00e4higkeiten, aber auch Selbstorganisation.<\/p>\n<p>Die organisatorische Professionalisierung schlie\u00dft die Arbeit und Organisation von mehreren Personen und Organisationseinheiten (etwa Forschungsprojekten) mit ein, also Teamarbeit, Projektmanagement, den Umgang mit Weisungsbefugnissen und Verantwortlichkeiten, aber auch Entwicklungs- und Softwaremanagementpl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Institutionelle Professionalisierung betrifft Bereiche und Einheiten, in denen Rahmenbedingungen f\u00fcr die beiden anderen Bereiche geschaffen werden, etwa f\u00fcr DH-Curricula, die Ausbildung f\u00fcr Research Software Engineers&nbsp;(RSEs) und Infrastruktur f\u00fcr Forschungsprojekte, in denen Forschungssoftware entwickelt wird. Wichtige Akteure sind hier zum Beispiel Universit\u00e4ten und ihre jeweiligen institutionellen Einheiten, aber auch Forschungsf\u00f6rderungsinstitutionen. Sie wirken ma\u00dfgeblich an den m\u00f6glichen Karrierewegen und Arbeitsbedingungen von RSEs mit.<\/p>\n<p>Jeder der drei skizzierten Bereiche von Professionalisierung bietet andere Gelegenheiten Nachhaltigkeit in der Entwicklung von Forschungssoftware zu f\u00f6rdern. Beispielsweise erleichtert eine \u201eprofessionelle\u201d Dokumentation die Wartung, Anpassung und Erweiterung von Forschungssoftware. Sowohl auf individueller als auch auf organisatorischer und institutioneller Ebene lassen sich hier m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen formulieren: Weiterbildungsangebote, Standards, DFG-Anforderungen f\u00fcr Forschungsprojekte, etc.<\/p>\n<p>Mit der Aussicht, weitere Termine zu den anderen Aspekten folgen zu lassen, wurde der Fokus zun\u00e4chst auf die individuelle Professionalisierung gelegt \u2013 auch im Hinblick darauf, m\u00f6glichst konkrete Handlungsans\u00e4tze direkt aus dem Forum heraus entwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Impulsvortr\u00e4ge<\/h2>\n\n\n\n<p>Als Grundlage f\u00fcr die gemeinsame Arbeit waren im Vorfeld sechs Impulse zu verschiedenen Aspekten des Themas von Expert:innen des Forums sowie eingeladenen G\u00e4sten zu folgenden Themen vorbereitet worden:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcbersicht zu existierenden Initiativen aus der RSE-Community (ausgefallen)<\/li>\n<li>die Angebote und Aktivit\u00e4ten der Cultural Research Data Academy von NFDI4Culture<\/li>\n<li>Professionalisierung in DH-Zentren am Beispiel des CCeH K\u00f6ln (ausgefallen)<\/li>\n<li>Vergleich der Professionalisierung von Softwareentwicklung in Wirtschaft und Wissenschaft (Impulse von einer mittelgro\u00dfen Community-Plattform und einer gro\u00dfen Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft)<\/li>\n<li>Professionalisierung in der Entwicklung von Forschungssoftware jenseits der Digital Humanities an einem Beispiel aus der Geoinformatik<\/li>\n<\/ul>\n<p>Durch die Impulse sollten Beispiele von Professionalisierung von RSEs gegeben werden. Zudem sollten Vergleiche gezogen werden zwischen der Professionalisierung von Softwareentwickler:innen in den Digital Humanities, in anderen Wissenschaftsbereichen (Geoinformatik) und der Wirtschaft, um die besondere Situation in den Geisteswissenschaften zu kontrastieren und neue Anregungen zu erhalten.<\/p>\n<p>Durch einen Impuls aus der NFDI4Culture Cultural Research Data Academy (CRDA) war zudem eine Perspektive vertreten, die konkrete Weiterbildungsangebote vor allem im Bereich des Forschungsdatenmanagements im Blick hat und sich u. a. als Angebot der \u201eHilfe zur Selbsthilfe\u201c versteht, indem sie vorhandene Kursangebote inventarisiert und vermittelt sowie eigene Kurse anbietet.<\/p>\n<p>Im Anschluss an jeden Impuls fand eine kurze Diskussion zu den angesprochenen Schwerpunkten statt. Darauf folgend wurden Themen f\u00fcr die weitere Diskussion aufgegriffen, um hieraus erste Skizzen f\u00fcr Handlungsm\u00f6glichkeiten zu entwickeln und zu formulieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Professionalisierung der Softwareentwicklung in den Digital Humanities, Geoinformatik und Wirtschaft im Vergleich<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Impulse dieser Gruppe wurden von Personen vorgetragen, die sowohl in der Wirtschaft als auch in der Wissenschaft Erfahrung in der Softwareentwicklung haben. Durch ihre Impulse wurde deutlich, dass es Bereiche gibt, in denen die Unterschiede (vielleicht \u00fcberraschend) gering ausfallen. Beispielsweise wird Dokumentation in der Wirtschaft dort besonders ausf\u00fchrlich angelegt, wo Risiken f\u00fcr finanzielle Verluste durch den Ausfall eines angebotenen Service gegeben sind. Allgemein fehlt die Zeit f\u00fcr angemessene Dokumentation aber genauso wie in der Wissenschaft. Auch die Code-Qualit\u00e4t wurde als Bereich genannt, in dem man sich vielleicht von dem Vorurteil befreien muss, dass die wissenschaftliche Softwareentwicklung generell \u201eweniger professionell\u201c sei. Hier wurde darauf hingewiesen, dass der gr\u00f6\u00dfte Unterschied darin bestehen k\u00f6nnte, dass der Code f\u00fcr viele Produkte wirtschaftlicher Softwareentwicklung schlicht nicht eingesehen werden kann und deshalb auch nur insofern \u201eprofessionell\u201c sein muss, wie es f\u00fcr Kunden einen feststellbaren Unterschied macht.<br>&nbsp;Aus den vergleichenden Impulsen ergaben sich aber auch eine Reihe von Themen, bei denen relevante Unterschiede festgestellt wurden. Besonders ergiebig waren hierbei die Diskussionen zu Anreizen zur weiteren Professionalisierung und zur professionellen Personalentwicklung sowie zu den Rollen und Rollenverteilung in Softwareprojekten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anreize &amp; Personalentwicklung<\/h3>\n\n\n\n<p>An mehreren Punkten hat sich in den Impulsen wie in der Diskussion gezeigt, dass der Fokus auf die individuelle Professionalisierung dazu beitr\u00e4gt, das schwer in seiner ganzen Komplexit\u00e4t zu fassende Thema besser handhabbar zu machen. Gleichzeitig ist festzustellen, dass man sich dabei immer wieder schnell auf institutionelle und organisatorische Aspekte verwiesen findet.<\/p>\n<p>Das wurde zum Beispiel beim Thema \u201eMitarbeiter:innengespr\u00e4che\u201c deutlich: In der Wirtschaft gibt es zahlreiche Verfahren, Hilfsmittel, Software und Methoden f\u00fcr die Mitarbeiter:innenentwicklung im Bereich der Softwareentwicklung. Es kann davon ausgegangen werden, dass sowohl von Seiten des Unternehmens als auch von Angestelltenseite ein gro\u00dfes Interesse an der weiteren Qualifikation der Mitarbeitenden besteht. Der Aufstieg auf h\u00f6here Seniority Level wird teilweise bis ins Detail zwischen Vorgesetzten und Mitarbeiter:in abgestimmt und geplant. Hier zeichnet sich also ein Teilbereich von Professionalisierung ab, der mit seinen konkreten Mitteln f\u00fcr die Softwareentwicklung in der Wissenschaft evaluiert werden kann. Es zeigt sich jedoch, dass sich dieses Modell nicht ohne Anpassung auf wissenschaftliche Softwareentwicklung \u00fcbertragen l\u00e4sst. Zum einen schon deshalb, weil Seniority Levels f\u00fcr Entwickler:innen in der Wissenschaft nicht existieren, w\u00e4hrend sie in der Wirtschaft Grundlage f\u00fcr Aufgaben, Verantwortung und&nbsp;Gehaltsklassen sind. Zwar steigt man im \u00d6ffentlichen Dienst in Erfahrungsstufen auf, jedoch unabh\u00e4ngig von Entwicklerskills. Und so fehlt hier der finanzielle und karrierebezogene Anreiz f\u00fcr Entwickler:innen, sich als solche weiterzuqualifizieren.<br>&nbsp;Hier ist deutlich zu sehen, wie eng die individuelle Professionalisierung mit institutionellen und strukturellen Fragen verbunden ist. Gleichzeitig l\u00e4sst sich durch den Vergleich aber auch die Aufgabe formulieren, dass es gilt, eine \u201eW\u00e4hrung\u201c zu finden, die f\u00fcr RSE von Wert ist, wenn Anreize geschaffen werden sollen. Als ein Beispiel f\u00fcr eine solche Ma\u00dfnahme kann hier die Gr\u00fcndung des CKIT Journals (<u>https:\/\/journals.ub.uni-heidelberg.de\/index.php\/ckit\/<\/u>) genannt werden, in dem RSEs die im Wissenschaftsbetrieb etablierte W\u00e4hrung der Publikation durch das Schreiben von Reviews erwerben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rollen in der Softwareentwicklung<\/h3>\n\n\n\n<p>Allgemein lie\u00df sich feststellen, dass Rollen, die in der Wirtschaft im Normalfall auf verschiedene Personen aufgeteilt sind, in der Wissenschaft oft von nur einer oder wenigen Personen ausgef\u00fcllt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Rolle von Projektmanager:innen f\u00fcr die Softwareentwicklung muss in der Wissenschaft beispielsweise h\u00e4ufig von den Entwickler:innen selber \u00fcbernommen werden. An DH Zentren wird das Projektmanagement auch von Personen der Leitungsebene oder erfahrenen Mitarbeiter:innen mit\u00fcbernommen, kann aber nicht mit einer vergleichbaren Granularit\u00e4t erfolgen, wie in den Beispielen aus der Wirtschaft, da oft sehr viele Projekte gleichzeitig von denselben Personen gemanagt werden m\u00fcssen. Das Projektmanagement kann in der Wissenschaft so zu einer zus\u00e4tzlichen Aufgabe und Arbeitsbelastung f\u00fcr die Mitarbeiter:innen werden, w\u00e4hrend in den Beispielen aus der Wirtschaft das Projektmanagement als Entlastung erfahren wurde, die den Entwickler:innen \u201eden R\u00fccken freih\u00e4lt\u201c, um sich auf die Programmierarbeit zu konzentrieren. Auch schien das Projektmanagement sich insofern zu unterscheiden, als in der Wissenschaft die Aufgaben lediglich in groben Z\u00fcgen bestimmt wurden, w\u00e4hrend bei den Beispielen aus der Wirtschaft kleinteilig einzelne Arbeitsschritte inklusive des gesch\u00e4tzten Arbeitsaufwandes geplant und einerseits mit den Entwickler:innen, andererseits mit anderen Teilen des Unternehmens und mit Kund:innen abgestimmt wurde.<\/p>\n<p>Nicht nur die Rolle der Projektmanager:in geh\u00f6rt oft zur Arbeit von RSEs. Auch (UI\/UX) Designer:in, Front-End- und Back-End-Entwickler:in, Software Architects, DevOps u. a. werden in der Wissenschaft oft von ein und der selben Person \u00fcbernommen. Das kann auf der einen Seite dazu f\u00fchren, dass RSEs die Selbsteinsch\u00e4tzung annehmen \u201ealles ein wenig und nichts so richtig\u201c zu k\u00f6nnen. Die Konzentration auf die Anforderungen nur einer Rolle kann entsprechend als Entlastung erfahren werden, insofern man eigene Erfolge besser \u201emessen\u201c und entsprechend auch Bereiche, in denen man sich weiter professionalisieren will, besser identifizieren kann. Auf der anderen Seite kann die weniger spezialisierte Form von Entwicklungsarbeit durchaus auch attraktiv und zielf\u00fchrend sein, da ein \u00dcberblick \u00fcber verschiedene Bereiche der Softwareentwicklung gegeben ist. Wichtig ist jedoch in jedem Fall, Bewusstsein und Transparenz f\u00fcr diese Sachverhalte herzustellen. Hierzu z\u00e4hlt, dass Entwickler:innen in Wirtschaft und Wissenschaft jeweils unterschiedlichen Arten von Druck ausgesetzt sind: In der Wirtschaft kann das Scheitern eines Projektes existentiell bedrohend f\u00fcr das Unternehmen und die an ihm h\u00e4ngenden Arbeitspl\u00e4tze sein. Der Ausfall einer Software oder eines Service kann hohe Kosten verursachen. In der Wissenschaft \u00e4ndern gute Leistungen und Skills nichts an der Befristung und permanent auslaufenden Vertr\u00e4gen. Au\u00dferdem ist das Risiko hoch, dass durch die \u00dcbernahme einer Vielzahl von Rollen, die (Selbst-)Einsch\u00e4tzung entsteht, dass man in allen Rollen nicht ausreichend professionell sei, was ebenfalls zu erheblichem Druck und Unzufriedenheit f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Unklarheit und \u00dcberforderung in Bezug auf Rollenerwartungen ist aber nicht der einzige Anlass f\u00fcr Unsicherheit in Bezug auf die eigene \u201eProfessionalit\u00e4t\u201c bei RSEs. In diesem Punkt wurde einhellig Handlungsbedarf festgestellt. Im Rahmen des Termins konnte zun\u00e4chst eine Problemanalyse begonnen werden; es wurden verschiedene m\u00f6gliche Grunde f\u00fcr die Unsicherheit von RSEs in Bezug auf die eigene Professionalit\u00e4t identifiziert.<\/p>\n<p>Zum einen handelt es sich um einen relativ neuen und in weiten Teilen erst allm\u00e4hlich im Wissenschaftsbetrieb institutionalisierten Karriereweg, f\u00fcr den es noch wenig orientierende Vorbilder gibt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sind RSEs im Normalfall nicht als Software-Entwickler:innen eingestellt, sondern als wissenschaftliche Mitarbeiter:innen und die Erwartungen an erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit (viele Publikationen und Zitationen, etc.), weichen von denen an erfolgreiche Softwareentwickler:innen ab (Publikationen von Software und Code-Beitr\u00e4ge z\u00e4hlen meist nicht als wissenschaftliche Beitr\u00e4ge). Die Aufgaben, sowohl auf dem Stand der Forschung als auch auf dem aktuellen Stand der relevanten technischen Entwicklungen zu bleiben, laufen parallel. Statt in einem Karriereweg zu konvergieren, laufen die Anspr\u00fcche an \u201egute Arbeit\u201c als Wissenschaftler:in und Entwickler:in meist auf Doppelanforderungen hinaus.<\/p>\n<p>Auch liegt die Vermutung nahe, dass Zweifel an hinreichender Professionalit\u00e4t unter RSEs zus\u00e4tzlich darin begr\u00fcndet sein k\u00f6nnten, dass sie meist nicht als Softwareentwickler:innen, sondern eben als Wissenschaftler:innen ausgebildet sind. Hier war es interessant zu erfahren, dass zwar auch in der Wirtschaft Software nicht in erster Linie von ausgebildeten Entwicklerinnen programmiert wird, dass dort deshalb aber weniger Unsicherheit besteht, ob es sich um professionelle Arbeit handelt. Im Wissenschaftssystem wird die Qualifikation fast ausschlie\u00dflich an institutionalisierten Qualifikationsleistungen festgemacht; in der Wirtschaft wird bei Softwareentwickler:innen mehr auf die nachgewiesenen Skills, als auf den institutionellen Ausbildungsweg geschaut. Offen bleibt, in welcher Form sich eine so gesteuerte Selektion auf den Wissenschaftsbetrieb \u00fcbertragen l\u00e4sst und welche nicht intendierten Folgen sich hieraus ergeben (z. B. Abwertung der Arbeit von RSEs als nicht-wissenschaftliche T\u00e4tigkeit).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit und Ausblick<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine im Rahmen des Forums ge\u00e4u\u00dferte \u00dcberlegung, universit\u00e4ts\u00fcbergreifend Fortbildungen f\u00fcr das Management von Projekten mit digitalen Komponenten anzubieten wurde zwar positiv gesehen, gleichzeitig aber wurde darauf hingewiesen, dass bei vergleichbaren Angeboten bereits die gro\u00dfe Herausforderung bekannt ist, diese erfolgreich an die Zielgruppen heranzutragen und Anreize daf\u00fcr zu geben, sie wahrzunehmen. Angebote f\u00fcr (auch \u00fcberinstitutionelle) Schulungen scheinen durchaus vorhanden und zug\u00e4nglich zu sein, die Teilnahme und Vereinbarkeit mit dem Arbeitsalltag der einzelnen Wissenschaftler:innen hingegen ist mit H\u00fcrden verbunden.<\/p>\n<p>Ein Resultat der Arbeit des Forums war, dass durch die Herausarbeitung von \u00c4hnlichkeiten und Unterschieden, Profile f\u00fcr die Arbeit von Softwareentwickler:innen in der Wirtschaft wie in der Wissenschaft sch\u00e4rfer und genauer umrissen werden k\u00f6nnen. Hierdurch kann festgestellt und dargelegt werden, was die T\u00e4tigkeit von Entwickler:innen in einem bestimmten Bereich zu bieten hat. Die Arbeit als Softwareentwickler:in in der Wissenschaft mag oft weniger fokussiert auf einen bestimmten Bereich sein, mit breiterer Verantwortlichkeit aber gerade mehr Abwechslung, und mehr Gestaltungsspielr\u00e4ume\u00a0bieten. Die Bewusstmachung von Rollen und systembedingten Mechanismen, denen RSEs unterliegen, kann bereits f\u00fcr sich genommen dazu beitragen, den Grad der Professionalisierung zu verbessern, indem Softwareentwickler:innen in der Wissenschaft ihre T\u00e4tigkeit trotz vorhandener Unsicherheiten und Unklarheiten bereits als Profession verstehen und diese selbstbewusster und erfolgreich vertreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Einen Beitrag zu professionellerem Erwartungsmanagement vermag auch die Verbesserung des Angebots von Praktika in DH Projekten zu leisten, die im Forum als wichtiger Baustein erkannt wurde. Auch Praktika in der Wirtschaft k\u00f6nnten f\u00fcr RSEs sehr lohnenswert sein.\u00a0Die Frage, inwieweit auf das Praktikumsangebot in der Wirtschaft Einfluss genommen werden kann, konnte im Forum jedoch nicht hinreichend beantwortet werden.<\/p>\n<p>Um die Postion von RSEs auf individueller Ebene zu verbessern, wurden als konkrete Handlungsm\u00f6glichkeiten beispielsweise der verst\u00e4rkte Kontakt zu F\u00f6rderern (um auch dort das Bewusstsein f\u00fcr dringend ben\u00f6tigte Karrierewege weiter zu sch\u00e4rfen) und eine engere Zusammenarbeit mit der Cultural Research Data Academy (zur F\u00f6rderung von Code Literacy und allgemeiner St\u00e4rkung des Bereichs Forschungssoftware im Angebotsportfolio) erkannt. Weitere Angebote sollen durch die Task Area Research Tools &amp; Data Services erarbeitet und vom Forum evaluiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>verfasst von: Aleksander Marcic (ORCID), Daniel Jettka (ORCID), Felix Bach (ORCID), Lisa Dieckmann (ORCID), Daniel R\u00f6wenstrunk (ORCID), Martin Albrecht-Hohmaier (ORCID), Anne Ferger (ORCID), Franziska Fritzsche (ORCID) Einf\u00fchrung Das NFDI4Culture Expert:innen Forum zum Thema Nachhaltige Softwareentwicklung kam am 22 November 2022 zu seinem vierten virtuellen Treffen zusammen. 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