{"id":18003,"date":"2022-06-23T12:00:00","date_gmt":"2022-06-23T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=18003"},"modified":"2022-06-13T09:26:23","modified_gmt":"2022-06-13T07:26:23","slug":"man-ist-auch-dolmetscherin-fuer-die-verschiedenen-disziplinen-katrin-moellers-weg-in-die-forschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=18003","title":{"rendered":"\u201eMan ist auch Dolmetscherin f\u00fcr die verschiedenen Disziplinen\u201c \u2013 Katrin Moellers Weg in die Forschung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine Karriere in der Wissenschaft? Zu unsicher, zu kompetitiv, denken viele Studierende. Besonders in stark interdisziplin\u00e4ren F\u00e4chern wie den Digital Humanities kommt der Zweifel \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten hinzu: Kenne ich mich wirklich gut genug in meinen Fachgebieten aus? Und wie komme ich eigentlich in die Forschung? Fragen, die auch mich als Erstsemester der Digital Humanities an der Universit\u00e4t Bamberg umtreiben. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich \u00fcber Zoom einige Interviews mit Wissenschaftler:innen am Rande der DHd2022 \u00fcber ihren Weg in die Forschung gef\u00fchrt, die nun hier im DHd-Blog gepostet werden. Die Interviews sind zugleich mein Medienbeitrag als Reisestipendiat der DHd.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies ist das vierte Interview der Reihe und wurde am 14.03.2022 gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bist Du bei den Digital Humanities gelandet?<\/strong><\/p>\n<p>Das kam eigentlich tats\u00e4chlich durch meine pers\u00f6nlichen Interessen, auf die ich mich dann im Studium nochmal konzentriert habe. Als ich angefangen habe, zu studieren, habe ich auch Vorlesungen und auch Lehrveranstaltungen besucht, in denen es um technische Dinge ging. Ich hatte Gl\u00fcck, weil mein Professor Kersten Kr\u00fcger in Rostock noch einer von denen war, die in den 70er Jahren ganz viel mit gro\u00dfen statistischen Analysen gemacht haben, die dann in den 90er-Jahren nicht mehr so beliebt in der Geschichtswissenschaft waren. Aber er hat uns das trotzdem nahegebracht und hat mit uns dann tats\u00e4chlich auch SPSS-Kurse gemacht. In meiner Dissertation hatte ich vor, eine Tabelle \u00fcber die Hexenprozesse in Mecklenburg anzufangen, woraus dann eine ziemlich komplexe Datenbank entstanden ist mit den \u00fcber 4000 Hexenprozessen, die es in Mecklenburg gab. Das h\u00e4tte ich ohne quantitative Auswertungen auch nicht so analysieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Was gef\u00e4llt Dir am meisten an der Arbeit in der Forschung? Siehst Du auch Nachteile im Vergleich zur freien Wirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Ich fand die Forschung schon immer total lebendig und spannend, weil man eben viele Dinge miteinander verbinden kann, die man sonst nicht auf einem Ort hat. Ich kann meine Forschungsziele und Projekte selbst bestimmen und selbst mit festlegen, was ich eigentlich erforschen m\u00f6chte. Und ich kann auch an viele Orte gehen, um das zu realisieren, angefangen vom Archiv \u00fcber die Bibliotheken bis hin zu gro\u00dfen forschungsbasierten Datenbest\u00e4nden. Diese Freiheit, tats\u00e4chlich auch zu bestimmen, was ich mache, fasziniert mich bis heute. Ein Nachteil zur Wirtschaft ist nat\u00fcrlich, dass man auch \u00fcberrannt wird mit Ideen und W\u00fcnschen, gerade auch, wenn man wie ich Schnittstelle f\u00fcr viele verschiedene Projekte ist. Das ist nicht immer ganz einfach, weil man sich auch immer wieder abgrenzen und klarstellen muss, wohin man will, um sich nicht in tausenden von Projekten zu verlieren. Die Informatik hat ja auch einen Servicecharakter f\u00fcr viele. Niemand kommt mehr ohne digitale Ans\u00e4tze und Techniken aus, aber gleichzeitig hat niemand Zugriff auf Ressourcen oder die Manpower, um solche Dinge dann auch wirklich ad\u00e4quat umzusetzen. Deshalb ist man auch Dolmetscherin f\u00fcr die unterschiedlichen Disziplinen.<\/p>\n<p><strong>Was fasziniert Dich an Deinem Forschungsgebiet am meisten?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe einfach totalen Spa\u00df an Geschichtswissenschaft. Ich arbeite gerne im Archiv, wo man neue Dinge entdecken kann und ich arbeite gerne in Digital Humanities, weil man lange an Daten poliert, bastelt, schraubt, bis sie so weit sind, dass man sie auswerten kann. Dann ist man echt gespannt, was da eigentlich rauskommt. Und das ist immer wieder total spannend.<\/p>\n<p><strong>Woran arbeitest Du im Moment oder was ist Dein n\u00e4chstes Projekt?<\/strong><\/p>\n<p>Hier am <a href=\"https:\/\/www.geschichte.uni-halle.de\/struktur\/hist-data\/\">Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt<\/a> wollen wir f\u00fcr die Regionalgeschichte Dinge im digitalen Bereich voranbringen. Unter anderem m\u00f6chten wir ein biographisches Lexikon einrichten. Wir haben uns jetzt gro\u00dfe Datenbest\u00e4nde mit Biografien vorgenommen, um diese \u00fcber Eigennamenerkennung und andere Techniken zu erschlie\u00dfen. Auf der gr\u00f6\u00dferen Ebene hoffe ich, dass jetzt <a href=\"https:\/\/4memory.de\/\">4Memory<\/a> in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur gef\u00f6rdert wird, um in dem gro\u00dfen Netzwerk der NFDI auch etwas f\u00fcr die Geschichtswissenschaft aufzubauen. Da dr\u00fccke ich ganz fest die Daumen, dass das klappt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1018\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-1024x1018.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-18004\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-1024x1018.png 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-300x298.png 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-150x150.png 150w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-768x763.png 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-1536x1527.png 1536w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1-50x50.png 50w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/06\/Bild-1.png 1837w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.geschichte.uni-halle.de\/mitarbeiter\/moeller\/\"><em>Katrin Moeller<\/em><\/a><em> ist promovierte Historikerin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg und seit 2008 Leiterin des <\/em><a href=\"https:\/\/www.geschichte.uni-halle.de\/struktur\/hist-data\/\"><em>Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalt<\/em><\/a><em>. Auf der DHd2022 war sie am Workshop \u201eDie CARE-Prinzipien und ihre Implikationen f\u00fcr geisteswissenschaftliche FDM-Services\u201c beteiligt und hielt zusammen mit Jan Michael Goldberg den Vortrag \u201eAutomatisierte Extraktion und Klassifikation von Variantenschreibungen historischer Berufsbezeichnungen in seriellen Quellen des 16. bis 20. Jahrhunderts\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Karriere in der Wissenschaft? Zu unsicher, zu kompetitiv, denken viele Studierende. Besonders in stark interdisziplin\u00e4ren F\u00e4chern wie den Digital Humanities kommt der Zweifel \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten hinzu: Kenne ich mich wirklich gut genug in meinen Fachgebieten aus? Und wie komme ich eigentlich in die Forschung? 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