{"id":17988,"date":"2022-06-19T12:00:00","date_gmt":"2022-06-19T10:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=17988"},"modified":"2022-06-13T09:26:45","modified_gmt":"2022-06-13T07:26:45","slug":"anders-als-in-anderen-berufen-sieht-in-der-forschung-kein-tag-aus-wie-der-andere-melanie-althages-weg-in-die-forschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=17988","title":{"rendered":"\u201eAnders als in anderen Berufen sieht in der Forschung kein Tag aus wie der andere\u201c \u2013 Melanie Althages Weg in die Forschung"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Eine Karriere in der Wissenschaft? Zu unsicher, zu kompetitiv, denken viele Studierende. Besonders in stark interdisziplin\u00e4ren F\u00e4chern wie den Digital Humanities kommt der Zweifel \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten hinzu: Kenne ich mich wirklich gut genug in meinen Fachgebieten aus? Und wie komme ich eigentlich in die Forschung? Fragen, die auch mich als Erstsemester der Digital Humanities an der Universit\u00e4t Bamberg umtreiben. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, habe ich \u00fcber Zoom einige Interviews mit Wissenschaftler:innen am Rande der DHd2022 \u00fcber ihren Weg in die Forschung gef\u00fchrt, die nun hier im DHd-Blog gepostet werden. Die Interviews sind zugleich mein Medienbeitrag als Reisestipendiat der DHd.<\/em><\/p>\n<p><em>Dies ist das dritte Interview der Reihe und wurde am 11.03.2022 gef\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bist Du bei den Digital Humanities gelandet?<\/strong><\/p>\n<p>Im Bachelor habe ich Geschichte und Philosophie studiert, im Master dann nur noch Geschichtswissenschaften, beides an der WWU in M\u00fcnster. Mein erster Ber\u00fchrungspunkt mit den Digital Humanities war eine \u00dcbung zum Thema Semantic Web. Das war einfach etwas v\u00f6llig anderes als das, was ich bisher so im Studium gemacht hatte. Im n\u00e4chsten Semester habe ich dann eine Einf\u00fchrung in die Digital Humanities belegt und dann war\u2018s um mich geschehen. Ich habe Digital Humanities dann auch zu meinem Schwerpunkt im Masterstudium gemacht, weil das einfach ein unglaublich spannendes und dynamisches Forschungsfeld ist, in dem man auch selbst viel mitgestalten kann.<\/p>\n<p><strong>Was gef\u00e4llt Dir am meisten an der Arbeit in der Forschung? Siehst Du auch Nachteile im Vergleich zur freien Wirtschaft? <\/strong><\/p>\n<p>Was ich an der Forschung sehr sch\u00e4tze, ist das hohe Ma\u00df an Eigenverantwortlichkeit, das man hat und das Vertrauen und die Wertsch\u00e4tzung, das einem f\u00fcr seine Arbeit entgegengebracht wird. Das finde ich unglaublich bereichernd und erf\u00fcllend. Anders als in anderen Berufen sieht in der Forschung kein Tag aus wie der andere. Klar, es gibt immer wiederkehrende Aufgaben, aber man lernt st\u00e4ndig dazu und wird st\u00e4ndig mit neuen Herausforderungen konfrontiert, aus denen man lernen kann. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist man au\u00dferdem auch in der Lehre aktiv und kann mitgestalten, wie die Studieninhalte f\u00fcr Studierende aussehen. Au\u00dferdem wirkt man an Tagungen, Konferenzen, Vortragsprogrammen oder schreibt an Forschungsantr\u00e4gen mit. Du hast einfach sehr viele unterschiedliche T\u00e4tigkeitsbereiche und bist da sehr selbstst\u00e4ndig. Das macht den Arbeitsalltag wahnsinnig vielf\u00e4ltig und spannend. Du hattest auch nach Nachteilen gefragt: Vor dem Hintergrund von #<em>IchbinHanna<\/em> oder <em>#IchbinReyhan<\/em> muss man nat\u00fcrlich auch erw\u00e4hnen, dass zu dieser Selbstst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung auch geh\u00f6rt, dass man seine eigenen Arbeitszeiten kontrollieren sollte, dass man vielleicht nicht zu viel arbeitet. Und auch Befristungen sind nat\u00fcrlich ein gro\u00dfes Thema. Aber ich finde es auf jeden Fall ein unglaubliches Privileg, dass ich frei und unabh\u00e4ngig forschen darf. Vielleicht ist es auch ein Gl\u00fccksgriff, dass mein Forschungsinteresse sich mit dem Profil unserer Professur deckt.<\/p>\n<p><strong>Was fasziniert Dich an Deinem Forschungsgebiet am meisten?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich eine richtig spannende Frage und ich wei\u00df gar nicht, ob ich f\u00fcr mich schon eine aussch\u00f6pfende Antwort gefunden habe. Wenn man sich die Frage stellt, wie der Werkzeugkasten der Historiker*innen um digitale Methoden erweitert werden kann, setzt man sich nochmal ganz anders mit dem eigenen Forschungsprozess auseinander und denkt auch \u00fcber die Quellen nochmal aus einer anderen Perspektive nach. Es gibt ja das Bild vom hermeneutischen Zirkel: Ich gehe an meine Quelle schon mit einem Vorwissen heran und w\u00e4hrend ich diese Quelle durcharbeite, entwickelt sich mein Wissen immer weiter und so auch die Kriterien, die ich an sie anlege. Im digitalen Workflow muss man das alles sehr viel st\u00e4rker explizieren und anderen transparent machen, wie man da vorgegangen ist. Bei traditionellen Forschungsarbeiten erkl\u00e4rt man auch immer die Methode, aber wie genau und in welcher Reihenfolge man vorgegangen ist, welche Entscheidungen getroffen hat auf dem Weg zu dem Forschungsergebnis, das wird jetzt im digitalen Arbeitsprozess sehr viel strukturierter, systematisierter. Ich fand, dass Amalia Levi in der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BhJiZ7t6s98\">Opening Keynote<\/a> sehr pr\u00e4gnant hervorgehoben hat, dass der Computer aktuell vorwiegend auf der Textoberfl\u00e4che arbeitet. Damit k\u00f6nnen wir vor allem untersuchen und auswerten, was tats\u00e4chlich gesagt wird, aber alles andere, das, was ungesagt bleibt oder nur angedeutet wird, das bleibt ein St\u00fcck weit unber\u00fccksichtigt. Und es stellt sich die Frage: Wie k\u00f6nnen wir das eigentlich operationalisieren? Und was hei\u00dft das f\u00fcr die Geschichtswissenschaften? Generell finde ich, dass die Geschichtswissenschaften mit ihrem quellenkritischen Ansatz ein gutes Instrumentarium an die Hand geben, um mit digitalen Werkzeugen, aber auch mit aktuellen Medien umzugehen, Stichwort Fake News. Aber das muss eben noch bereit gemacht werden f\u00fcr das digitale Zeitalter. Da hoffe ich einfach mit meiner Arbeit einen kleinen Beitrag leisten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Woran arbeitest Du im Moment oder was ist Dein n\u00e4chstes Projekt?<\/strong><\/p>\n<p>Ich arbeite gerade an meiner Dissertation, in der ich mich methodenkritisch mit der Adaptierbarkeit digitaler Textanalysemethoden f\u00fcr den Werkzeugkasten der Historiker*innen auseinandersetze. Ganz konkret bin ich aktuell noch dabei, verschiedene Verfahren f\u00fcr Topic Modeling miteinander zu vergleichen, und zu schauen, inwiefern die f\u00fcr historische Fragestellungen anwendbar sind. Andere Projekte sind Aufs\u00e4tze zum Thema Algorithmenkritik, an denen ich gerade beteiligt bin, und ich schreibe f\u00fcr ein Studienbuch gerade an einer Einf\u00fchrung f\u00fcr Data Mining. Und ansonsten steht bald wieder Lehre an. Das ist auch immer ein Projekt, wie ich finde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.geschichte.hu-berlin.de\/de\/bereiche-und-lehrstuehle\/digital-history\/personen\/althage\"><em>Melanie Althage<\/em><\/a><em> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr Digital History an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. Auf der DHd2022 pr\u00e4sentierte sie im Doctoral Consortium ihr Dissertationsprojekt zu \u201eDigitale Methodenkritik &#8211; Die Integration computergest\u00fctzter Textanalyseverfahren in den Werkzeugkasten der Historiker:innen\u201c.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Karriere in der Wissenschaft? Zu unsicher, zu kompetitiv, denken viele Studierende. Besonders in stark interdisziplin\u00e4ren F\u00e4chern wie den Digital Humanities kommt der Zweifel \u00fcber die eigenen F\u00e4higkeiten hinzu: Kenne ich mich wirklich gut genug in meinen Fachgebieten aus? Und wie komme ich eigentlich in die Forschung? 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