{"id":17812,"date":"2022-05-04T09:21:42","date_gmt":"2022-05-04T07:21:42","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=17812"},"modified":"2022-05-04T09:21:42","modified_gmt":"2022-05-04T07:21:42","slug":"twitter-als-quelle-einige-beobachtungen-zum-twitterarchiv-der-dhd2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=17812","title":{"rendered":"Twitter als Quelle \u2013 Einige Beobachtungen zum Twitterarchiv der #DHd2022"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd-1024x439.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17813\" width=\"578\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd-1024x439.png 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd-300x129.png 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd-768x329.png 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd-1536x658.png 1536w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/Tweets_over_day_during_DHd.png 2016w\" sizes=\"auto, (max-width: 578px) 100vw, 578px\" \/><figcaption>Abbildung 1 &#8211; Tweets pro Stunde w\u00e4hrend der Konferenztage<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eKulturen beruhen auf Erinnerung, auf Praktiken der Speicherung und der \u00dcberlieferung.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Mit diesem Satz leitete der Verband der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum seine 8. Jahrestagung ein, die eigentlich in Potsdam geplant, dann aber komplett virtuell ausgetragen wurde. Was hei\u00dft das f\u00fcr eine Tagung, die sich dem Einfluss der Digitalisierung auf unsere Kulturpraktiken widmen sollte? Welche Spuren im digitalen Raum hinterl\u00e4sst die Tagung? Was davon wird wie gespeichert?<\/p>\n\n\n\n<p>Native digitale Quellen werden in der Geschichtswissenschaft noch selten ausgewertet. Doch werden sie in der Zukunft eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Kathrin Passig stellte sich dieser Frage in der Closing Keynote: vom SciHub \u00fcber das WebArchive bis zum deutschen Twitter Archiv, was gilt es zu archivieren und was brauchen wir daf\u00fcr? Reicht uns ein Rucksack oder brauchen wir doch eher ein Rechenzentrum?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>F\u00fcr ein Twitter-Archiv der DHd 2022 braucht es wohl noch nicht einmal einen Rucksack, sondern es l\u00e4sst sich problemlos auch auf einer MicroSD Karte speichern und ins Portemonnaie stecken. Die zus\u00e4tzlichen 4,54 g der Karte fallen dort vermutlich \u00fcberhaupt nicht auf und auch Micro-SD Karten gibt es bereits mit bis zu 1 TB Speicherplatz.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Das Problem w\u00e4re dabei viel eher, dass man die Karte verliert, denn im Gegensatz zu einem USB-Stick kann man an einer Micro-SD Karte noch nicht einmal ein Trageband anbringen. Mit seinen 2,7 MB passt das Twitter-Archiv der DHd 2022 aber auch auf eine gute alte Diskette. Nur dass die dann etwas mehr Platz einnimmt und ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von mir im Kontext der Tagung gesammelten Tweets mit dem Hashtag #dhd2022 erstrecken sich \u00fcber einen Zeitraum von gut einem Monat: Der erste gespeicherte Tweet wurde am 17.02.2022 um 11:32 Uhr abgesetzt und der letzte am 18.03.2022 um 20:32 Uhr. Wie man vermutlich erwartet, steigert sich die Anzahl der Tweets w\u00e4hrend der Konferenztage: Vor Konferenzbeginn wurden durchschnittlich 18,5 Tweets pro Tag abgesetzt bei durchschnittlich 13,4 Nutzern:innen, jedoch mit leicht steigender Tendenz und starken Schwankungen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. W\u00e4hrend der Konferenz waren es pro Tag durchschnittlich 701,75 und die durchschnittliche Anzahl an Tweets pro Nutzer pro Tag stieg auf 3,2 an. Es waren also nicht nur mehr Personen, die Tweets unter dem Tagungshashtag posteten, sondern die einzelnen Personen twitterten auch h\u00e4ufiger.<\/p>\n\n\n\n<p>Die grunds\u00e4tzliche Entwicklung w\u00e4hrend der Tagung wird wohl niemanden gro\u00df \u00fcberraschen. Ein paar Beobachtungen sind aber doch erw\u00e4hnenswert: Die meisten Tweets wurden Mittwoch, Donnerstag und Freitag abgesetzt. Vermutlich waren die meisten Teilnehmenden Montag und Dienstag zu sehr in den Workshops eingebunden, was kein Twittern nebenbei zulie\u00df? Dass bei Vortr\u00e4gen mehr getwittert wird, scheint die obige Abbildung zu best\u00e4tigen: Schaut man sich die Tweets von Dienstag an, so lassen sich mit Abstand die meisten Tweets pro Stunde zwischen 18 und 20 Uhr ausmachen: die Zeit der Opening Keynote von Amalia S. Levi.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am Freitag wurde der H\u00f6hepunkt der Woche mit 160 Tweets von 13 bis 14 Uhr und 106 von 14 bis 15 Uhr erreicht: vor und w\u00e4hrend der Abschlusskeynote von Kathrin Passig.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Im Anschluss nahmen die Tweetzahlen schnell ab (zwischen 16 und 17 Uhr waren es nur noch sechs Tweets).<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dieser Form der quantitativen Auswertung darf allerdings nicht die Reflexion der Quellengrundlage vergessen werden. \u201eDigital born\u201c-Quellen sind nicht immer uneingeschr\u00e4nkt zug\u00e4nglich und es muss die Frage gestellt werden, wer diese Spuren \u00fcberhaupt hinterlassen kann? Im Kontext einer Twitter-Auswertung sind dies erstmal die Nutzerinnen und Nutzer von Twitter. Auch ist das Quellen-Corpus durch die Formulierung der Filteranweisung begrenzt: Hier sind nur die Tweets mit einbegriffen, die in einer beliebigen Form das Hashtag #DHd2022 enthalten. Was bedeutet das f\u00fcr die Auswertung? Das Prinzip eines Hashtags ist, Aussagen zu einem Thema, einer Veranstaltung oder zu einem allgemeineren Kontext zu b\u00fcndeln und Nutzende zu vernetzen. Wenn also die Tweets eines Hashtags gesammelt ausgewertet werden k\u00f6nnen, ist es m\u00f6glich R\u00fcckschl\u00fcsse auf Inhalte des Diskurses und die Herkunft der Tweets zu ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es l\u00e4sst sich untersuchen, welche Nutzerinnen und Nutzer getweetet haben, teilweise auch von wo aus getwittert wurde und mit welchen Anwendungen die Tweets verschickt wurden. Im Tweet-Corpus der DHd2022 stammt der gr\u00f6\u00dfte Teil aus der Twitter Web App (45 %). Zusammengerechnet mit den Tweets aus den Handy-Apps \u201eTwitter for Android\u201c und \u201eTwitter for iPhone\u201c (beides 13% der Tweets), kommt man auf 71 % aller Tweets. Zu fragen w\u00e4re, ob bei einer Pr\u00e4senzkonferenz der Anteil der Nutzung mobiler Apps h\u00f6her w\u00e4re, als wenn alle vor dem heimischen Rechner sitzen und der Tagung per Videokonferenz folgen. Ebenso wurden automatisierte Verfahren zum Senden der Tweets verwendet: 2 % wurden mit dem, von J\u00fcrgen Hermes und seinem Team entwickelten, Tool autoChirp<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> gepostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Nutzenden, die, w\u00e4hrend der DHd Tagung getweetet haben, sind in ihrer grunds\u00e4tzlichen Twitter-Nutzung sehr verschieden (siehe Abb. 2): W\u00e4hrend zwei Accounts bereits \u00fcber 500.000 beziehungsweise mehr als 600.000 Tweets verschickt haben,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> liegt der Durchschnitt bei knapp 13.000 Tweets pro Account. Ein \u00e4hnliches Bild zeichnet sich bei der durchschnittlichen Anzahl an Followern: Sie liegt bei knapp 1.300, w\u00e4hrend es zwei Accounts mit \u00fcber 35.000 Followern gibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"569\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/user_information-1024x569.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17814\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/user_information-1024x569.png 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/user_information-300x167.png 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/user_information-768x427.png 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2022\/05\/user_information.png 1296w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abbildung 2 &#8211; Auswertung der Twitter-Nutzer:innen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Schon die alleinige Betrachtung der Tweets und Nutzerinnen und Nutzer im Umfeld der Jahrestagung ist sehr aufschlussreich: Tinghui Duan hat beispielsweise eine sehr spannende Netzwerkvisualisierung anhand der Twitter-Nutzerdaten durchgef\u00fchrt und zeigt darin, wie diese w\u00e4hrend der Tagung in Beziehung zueinander standen.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Es darf in diesem Kontext jedoch nicht vergessen werden, dass hier lediglich Aussagen und Beobachtungen \u00fcber Tweets mit dem hashtag DHd2022 gemacht werden k\u00f6nnen und andere \u00c4u\u00dferungen, Akteurinnen und Akteure unsichtbar bleiben. Doch diese Tweets geh\u00f6ren zu dem, was uns in Zukunft von der Jahrestagung 2022 bleibt, wenn wir sie archivieren. Und vielleicht gibt es in den n\u00e4chsten Jahren \u00e4hnliche Untersuchungen, die dann Vergleiche mit den hier gesammelten erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>Die gesamte Auswertung mithilfe eines Jupyter-Notebooks befindet sich in einem <a href=\"https:\/\/github.com\/Leano1998\/DHd2022\">GitHub-Repository.<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> DHd2022 \u2013 Potsdam, <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220312030146\/https:\/\/www.dhd2022.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20220312030146\/https:\/\/www.dhd2022.de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Als Beispiel: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20220131222055\/https:\/www.westerndigital.com\/de-de\/products\/memory-cards\/sandisk-extreme-uhs-i-microsd#SDSQXA1-1T00-GN6MA\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20220131222055\/https:\/\/www.westerndigital.com\/de-de\/products\/memory-cards\/sandisk-extreme-uhs-i-microsd#SDSQXA1-1T00-GN6MA<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Die Standardabweichung betr\u00e4gt in den Tagen vor der Konferenz 15,96.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Levi, Amalia S., \u201cFilling the Gaps: Digital Humanities as Restorative Justice\u201c. Opening Keynote auf der DHd 2022. 8. Tagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum \u201eKulturen des digitalen Ged\u00e4chtnisses\u201c, Potsdam 2022. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhd2022.de\/opening-keynote\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.dhd2022.de\/opening-keynote\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Passig, Kathrin, \u201eRucksack oder Rechenzentrum\u201c. Closing Keynote auf der DHd 2022. 8. Tagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum \u201eKulturen des digitalen Ged\u00e4chtnisses\u201c, Potsdam 2022. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.dhd2022.de\/closing-keynote\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.dhd2022.de\/closing-keynote\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/autochirp.spinfo.uni-koeln.de\/home\" target=\"_blank\">https:\/\/autochirp.spinfo.uni-koeln.de\/home<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Einer davon ist ein Bot.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> F\u00fcr die Gephi-Datei siehe: <a href=\"https:\/\/github.com\/t-duan\/dhd2022\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/github.com\/t-duan\/dhd2022<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKulturen beruhen auf Erinnerung, auf Praktiken der Speicherung und der \u00dcberlieferung.\u201c Mit diesem Satz leitete die DHd die 8. Jahrestagung ein. Was braucht es f\u00fcr ein Twitterarchiv der DHd2022 und was kann man damit anfangen?<\/p>\n","protected":false},"author":322,"featured_media":17813,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[791,1141,1176,1142,206,102],"class_list":["post-17812","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","tag-auswertung","tag-dhd2022","tag-jupyter-notebook","tag-kulturen-des-digitalen-gedaechtnisses","tag-python","tag-twitter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/322"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=17812"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17812\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17827,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/17812\/revisions\/17827"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/17813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=17812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=17812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=17812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}