{"id":16341,"date":"2021-08-06T17:52:28","date_gmt":"2021-08-06T15:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=16341"},"modified":"2021-08-06T17:52:28","modified_gmt":"2021-08-06T15:52:28","slug":"cfp-materialitaet-und-medialitaet-aspekte-einer-anderen-aesthetik-2-4-3-22-tuebingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=16341","title":{"rendered":"CfP: Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t: Aspekte einer anderen \u00c4sthetik (2.-4.3.22, T\u00fcbingen)"},"content":{"rendered":"\n<div>\n<p>Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c untersucht \u00e4sthetische Akte und Artefakte der Vormoderne im Spannungsfeld von Gestaltungswissen und sozialer Praxis. W\u00e4hrend der \u00c4sthetik unter den autonomie\u00e4sthetischen Pr\u00e4missen der Moderne eine weitreichende Eigengesetzlichkeit zugeschrieben wird, lassen sich \u00e4sthetische Akte und Artefakte in der Vormoderne nicht einem separaten Bereich \u201aKunst\u2018 zuordnen; sie erscheinen vielmehr als Teil vielf\u00e4ltiger gesellschaftlicher Praktiken. Deshalb versteht der SFB 1391 \u00e4sthetische Akte und Artefakte anders, das hei\u00dft dezidiert praxeologisch als flexible Akteure und Grenzg\u00e4nger zwischen technisch-artistischen Eigenlogiken (Autologie) und pragmatisch-historischen Alltagslogiken (Heterologie).<\/p>\n<p>Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t sind, so die Hypothese, zentrale Koordinaten einer \u201aanderen\u2018 \u00c4sthetik, die dazu genutzt werden k\u00f6nnen, die zugleich sozialen und gestalterischen Bedingungen vormoderner Akte und Artefakte greifbar zu machen. Bei der Untersuchung \u00e4sthetischer Akte und Artefakte k\u00f6nnen Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t insofern dazu beitragen, \u00fcberkommene Hierarchien und Dichotomien der Geschichte der (Erforschung der) \u00c4sthetik zu \u00fcberwinden, z.B. die Unterordnung oder Unterwerfung des materialen bzw. Stoffaspekts von Akten und Artefakten unter \u201ageistige\u2018 Paradigmen etwa der Form oder auch ein Ausspielen der k\u00fcnstlerischen Gestaltung gegen mediale Funktionen. In diesem Sinn bezeichnen Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t zun\u00e4chst spezifische Hinsichten auf Akte und Artefakte, die verst\u00e4rkt das Stofflich-Materiale einerseits und das Vermittelnd-Mediale andererseits als Aspekte einer anderen \u00c4sthetik in den Blick r\u00fccken.<\/p>\n<p>Die Aufmerksamkeit f\u00fcr Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t l\u00e4sst sich weiterf\u00fchrend mit der konzeptionellen \u201aAufladung\u2018 verbinden, die beiden Begriffen in der j\u00fcngeren kulturwissenschaftlichen Theoriebildung zuteilgeworden ist. Demnach verweist Materialit\u00e4t auf weitreichende Diskursivierungen, Konzeptionalisierungen und Semantisierungen der Materialien, aus denen Akte und Artefakte bestehen. Vor allem aber betreffen die j\u00fcngeren Materialit\u00e4tstheorien (etwa von Bruno Latour) die Rolle von Materialien im Kontext gesellschaftlichen Handelns, die nicht mehr auf ein passiv-gegenst\u00e4ndliches Vorhandensein beschr\u00e4nkt ist, sondern von einer Widerst\u00e4ndigkeit bei der Gestaltung \u00fcber das Angebot von Handlungsoptionen bis hin zur quasi-menschlichen Handlungsf\u00e4higkeit reichen kann. Materialien sind zun\u00e4chst konkret und physikalisch bestimmt: als Werkstoffe wie Metall, Papier und Stein, aber auch als K\u00f6rper von Menschen und Tieren, ihre Laut\u00e4u\u00dferungen sowie allgemein Kl\u00e4nge. Die Beschaffenheiten und Eigenschaften von Materialien werden indes nicht allein durch ihre physikalische \u201aNatur\u2018 festgelegt, sondern ergeben sich wiederum praxeologisch: durch den diskursiven, poietischen, praktischen oder reflexiven Umgang mit ihnen. Vor dem Hintergrund des theoretisch ge\u00f6ffneten Konzepts der Materialit\u00e4t k\u00f6nnen somit auch nicht-physikalische Bestandteile von Akten und Artefakten wie bildk\u00fcnstlerische Sujets, literarische Stoffe, Imaginationen, Wissen usw. als Material erfasst werden, wodurch nicht zuletzt Darstellungen von Materialit\u00e4t sowie Spannungen zwischen behaupteter und faktischer Materialit\u00e4t (z.B. in der Alchemie) ins Blickfeld geraten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die historische Medialit\u00e4tsforschung (z.B. Christian Kiening) bezieht sich Medialit\u00e4t auf Vermittlungsprozesse im umfassenden Sinn: auf die Aspekte der \u00dcbermittlung von Botschaften ebenso wie der Vermittlung zwischen Akteuren oder Bereichen (etwa zwischen Immanenz und Transzendenz). Demgegen\u00fcber fokussiert der Medienbegriff einzelne Objekte, die durch vermittelndes Handeln als Medien bestimmt werden. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis medialer Vermittlungsprozesse ist die zentrale Verschiebung der neueren Medientheorie (nach Marshall McLuhan) vom Medienmarginalismus zum Mediengenerativismus (Sybille Kr\u00e4mer) entscheidend, wonach Medien keine \u201astummen\u2018 Transportbeh\u00e4lter f\u00fcr Botschaften oder Inhalte sind, sondern ihre Botschaft oder ihren Inhalt mindestens beeinflussen, in der Regel auch entscheidend formieren oder allererst erzeugen. Somit kann Medien eine bedingte artistische Eigenbedeutsamkeit (und auch Eigenaktivit\u00e4t) zugesprochen werden, weil sie semantische Potenziale des (autologischen) Formbegriffs \u00fcbernehmen, ohne sich von ihrer sozialen Funktion, der (heterologischen) Vermittlungsarbeit, zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser theoretischen \u00dcberlegungen sollen zentral die \u00e4sthetischen Akte und Artefakte der Vormoderne in den Fokus r\u00fccken. Wie bringen sie ihre Materialit\u00e4t zur Geltung? Wie beziehen sie Form und Medialit\u00e4t aufeinander? Welche Rolle spielen die theoretisch anvisierten Verschiebungen (von der Form zum Material, von der Ontologie zur Praxeologie, von Kommunikationsmedien zu Vermittlungsprozessen usw.) in der \u00e4sthetischen als sozialer Praxis? Wie wird diese Rolle (\u00e4sthetisch) reflektiert? F\u00fcr die Tagung sollen die beiden Aspekte der Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t dar\u00fcber hinaus mit dem praxeologischen Modell des SFB (vgl. https:\/\/uni-tuebingen.de\/de\/160699) korreliert oder konfrontiert werden. M\u00f6gliche weiterf\u00fchrende Fragen k\u00f6nnen lauten:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie situieren sich Materialien und Medien im dynamischen Spannungsfeld von Autologie und Heterologie?<\/li>\n<li>Welche Spannungen oder auch Konvergenzen zwischen Materialit\u00e4t und Gestaltung, zwischen Medialit\u00e4t und Vermittlung werden \u00e4sthetisch produktiv gemacht?<\/li>\n<li>Inwiefern durchdringen sich Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t im Rahmen des praxeologischen Modells? Wie lassen sich etwaige Durchdringungen methodisch konkretisieren und \/ oder theoretisch konzipieren? Welche Konfigurationen oder Handhabungen von Materialien und Medien lassen sich in bzw. an \u00e4sthetischen Akten und Artefakten beobachten?<\/li>\n<li>Welche Rolle spielen Intermaterialit\u00e4t und Intermedialit\u00e4t? Kommt es zu Ph\u00e4nomenen der Abblendung oder Negierung von Materialit\u00e4t und Medialit\u00e4t (Immaterialit\u00e4t, Immedialit\u00e4t)?<\/li>\n<li>Wie lassen sich die Affinit\u00e4ten mit Ritualforschung und Performativit\u00e4tstheorie vertiefen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur Beantwortung dieser und weiterer Fragen werden Fallstudien und&nbsp;\/ oder methodisch-theoretisch orientierte Beitr\u00e4ge aus allen Disziplinen der Vormoderneforschung (etwa Arch\u00e4ologie, Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften, Musikwissenschaft, Rhetorik, Theologie, Religionswissenschaften usw.) gesucht. Wir freuen uns \u00fcber Beitr\u00e4ge, die sich auf die Ans\u00e4tze des SFB 1391 beziehen, sie explorativ anwenden oder kritisch hinterfragen.<\/p>\n<p>Bitte senden Sie Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Beitr\u00e4ge auf Deutsch oder Englisch (25 Minuten) zusammen mit einem kurzen Expos\u00e9 (max. 300 W\u00f6rter) bis zum 30.09.2021 an Jan Stellmann und Daniela Wagner (<span id=\"cloakfd66b8e4161fc3a91e7daca52ed7d532\"><a href=\"mailto:jan.stellmann@uni-tuebingen.de\">jan.stellmann@uni-tuebingen.de<\/a><\/span>; <span id=\"cloak0067447382b2ae25867794a6be5a3681\"><a href=\"mailto:daniela.wagner@uni-tuebingen.de\">daniela.wagner@uni-tuebingen.de<\/a><\/span>). Die Tagung ist in Pr\u00e4senz geplant, Kosten f\u00fcr Anreise und Unterkunft werden \u00fcbernommen. Sofern ein Treffen vor Ort nicht m\u00f6glich sein sollte, wird die Veranstaltung als Videokonferenz durchgef\u00fchrt. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Publikation der Beitr\u00e4ge in einem Sammelband ist geplant.<\/p>\n<p><strong>CfP-Deadline: 30.09.2021<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen zum Call for Papers finden Sie hier<\/strong>: <a href=\"https:\/\/bit.ly\/3AjFtvM\">https:\/\/bit.ly\/3AjFtvM<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Sonderforschungsbereich (SFB) 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c untersucht \u00e4sthetische Akte und Artefakte der Vormoderne im Spannungsfeld von Gestaltungswissen und sozialer Praxis. 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