{"id":160,"date":"2012-01-30T13:58:33","date_gmt":"2012-01-30T12:58:33","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=160"},"modified":"2012-01-30T13:58:33","modified_gmt":"2012-01-30T12:58:33","slug":"digital-humanities-buchsatz-referenzierungstraditionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=160","title":{"rendered":"Digital Humanities \u2013 Buchsatz \u2013 Referenzierungstraditionen"},"content":{"rendered":"<p>Die Digital Humanities sind auch in den Bereichen zu Hause, in denen am Ende ein Produkt entsteht, das gerne als Konkurrent des Digitalen gesehen wird: in der Produktion hochwertiger und sch\u00f6ner B\u00fccher, d.h. insbesondere im Bereich Buchsatz. Schlie\u00dflich werden B\u00fccher heute in aller Regel digital gesetzt, h\u00e4ufig sicher mit daf\u00fcr urspr\u00fcnglich nicht vorgesehenen Office-Programmen. Ein professionelles System wie <a href=\"http:\/\/www.tustep.uni-tuebingen.de\/\" target=\"_blank\">TUSTEP<\/a>, das unbestritten ein m\u00e4chtiges Werkzeug f\u00fcr computerphilologische Arbeiten und auch f\u00fcr den Buchsatz darstellt, hat jedoch durchaus die Probleme, die der historische Ballast eines seit 40 Jahren gewachsenen Systems mit sich bringt, in einigen Bereichen ist es klar <a href=\"http:\/\/www.tustep.uni-tuebingen.de\/txstep_11.html\" target=\"_blank\">modernisierungsbed\u00fcrftig<\/a> und die Lernkurve schreckt NutzerInnen ab.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.textgrid.de\" target=\"_blank\">TextGrid<\/a> hatte seit den ersten Konzepten 2004 den komplexen Buch-Satz, d.h ein entsprechendes Modul dazu in Planung, es wurde jedoch schnell klar, dass die vorhandenen Kapazit\u00e4ten nicht ausreichten, ein solch komplexes Werkzeug angemessen zu betreuen. Aus diesem Grund wurde das Modul ausgelagert; seit M\u00e4rz 2010 wird es im Rahmen eines eigenen DFG-gef\u00f6rderten Projektes entwickelt: XML-Print: Ein Modul zum Druck wissenschaftlicher Texte mit komplexen satztechnischen Layoutanforderungen auf der Basis von XML-Daten, mit besonderem Blick auf die Anforderungen von kritischen Editionen und W\u00f6rterb\u00fcchern (<a href=\"http:\/\/www.xmlprint.eu\" target=\"_blank\">www.xmlprint.eu<\/a>). Quellcode, Beispiele und Screenshots der Oberfl\u00e4chen kann man hier einsehen.<\/p>\n<p>Vier Dinge kann man vielleicht ganz besonders hervorheben:<\/p>\n<ul>\n<li>Es soll f\u00fcr sich allein (als WebService) funktionieren, zugleich aber als TextGrid-Modul zum Leistungsumfang des TextGridLab geh\u00f6ren.<\/li>\n<li>Es wird von Fachwissenschaftlern und Informatikern (mit je eigener Erfahrung im Buchsatz) gemeinsam entwickelt.<\/li>\n<li>Es basiert auf Prinzipien von XML\/TEI.<\/li>\n<li>Es hat eine ergonomische graphische Benutzerschnittstelle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein besonderer Vorzug ist, dass der Anwender direkt mit seinen semantisch annotierten Daten arbeiten kann, ohne diese erst in ein programmspezi\ufb01sches Layoutsystem \u00fcberf\u00fchren zu m\u00fcssen. Stylesheets erlauben die regelgeleitete Formatierung der Daten sowie die Ausgabe nach PDF. Moderne grafische WYSIWIG-Benutzerschnittstellen erleichtern den Einstieg f\u00fcr weniger technik-orientierte Nutzergruppen.<br \/>\nLayout ist \u2013 gerade in Editionen und W\u00f6rterb\u00fcchern \u2013 Bedeutungstr\u00e4ger. F\u00fcr mich als Geisteswissenschaftlerin ist es faszinierend zu sehen, wie der Konnex zwischen semantischen Markup, das inh\u00e4rente Bedeutung expliziert, und die Definition entsprechender Layout-Strukturen in diesem Werkzeug zusammengehen. Alte und neue Codierungssysteme arbeiten zusammen.<\/p>\n<p>Hier einige Gedanken vom aktuellen Projekt-Sprint (Stand 30.1.2012): Nachdem in der ersten Phase des Projektes die Grundlagen f\u00fcr Satzengine und Frontend (Usability, Ergonomie) gelegt wurden, besch\u00e4ftigen wir uns derzeit mit sehr spezifischen Anforderungen von kritischen Editionen, n\u00e4mlich den Referenzierungssystemen; es geht also bereits in die Feinheiten. Texte unseres kulturellen Erbes und die editionsphilologische Wissenschafts-Kultur und \u2013Tradition haben eine schier un\u00fcbersehbare F\u00fclle und Varianz an Referenzsystemen entwickelt. Das f\u00fchrt sicher auch zwangsl\u00e4ufig zu \u00dcberlegungen zum einen dar\u00fcber, wie wir diese Systeme bei einer Transition vom Analogen zum Digitalen ad\u00e4quat abbilden, zum andern welche neuen Referenzierungs-Anforderungen und \u2013M\u00f6glichkeiten die (genuin) digitalen Medien ausbilden werden (m\u00fcssen)?<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes werden wir auf jeden Fall in den n\u00e4chsten Woche und Monaten eine Beispiel-Sammlung m\u00f6glicher Systeme und Schemata anlegen. Wir w\u00e4ren sehr neugierig auf Hinweise zu besonders &#8222;exotischen&#8220; Beispielen!<br \/>\nSeite, Zeile, Vers, Buch, Kapitel, Absatz, Satz, Spalten, \u00dcberschriften, Fu\u00dfnoten, Apparate, r\u00f6mische, arabische Ziffern, Buchstabenz\u00e4hlung, verschiedene Alphabete, \u2026 Paralleldruck, Synopsen, Register, Dynamik \u2026<\/p>\n<p>Zur Formulierung von Anforderungen steht uns als Testbed u.a. die <a href=\"http:\/\/www.schwitters-stiftung.de\/pix\/editionsvorhaben2011.pdf\" target=\"_blank\">Edition der Briefe Kurt Schwitters (Ursula Kocher, Wuppertal, Isabel Schulz, Hannover)<\/a> zur Verf\u00fcgung. Der intensive Austausch mit den Anwendern, die eine dezidiert nur fachwissenschaftliche Sicht auf die Probleme haben, ist ungeheuer hilfreich. Dieser Input aus einem konkreten laufenden Projekt bringt unsere Entwicklung gut voran. Weitere Tester, Anregungen und Kritiken sind hochwillkommen!<\/p>\n<p>Im technischen Bereich geht es derzeit z.B. um Integration vorhandener Bibliotheken, um den Buildmechanismus, um Plattformunabh\u00e4ngigkeit (Hunspell, Cairo, Pango). Immer wieder anregend: Die intensive Zusammenarbeit von &#8222;Hard-Core&#8220;-Technikern, Informatikern und Editionswissenschaftlern!<\/p>\n<p>Am Donnerstag, 2.2.2012, 14-16 Uhr, wird Martin Sievers das Projekt in unserem <a href=\"http:\/\/www.linglit.tu-darmstadt.de\/index.php?id=kolloquium\" target=\"_blank\">Institutskolloquium<\/a> vorstellen (TU Darmstadt, S 103-184), ich bin gespannt auf die Reaktionen der Editionsphilologen! G\u00e4ste willkommen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digital Humanities sind auch in den Bereichen zu Hause, in denen am Ende ein Produkt entsteht, das gerne als Konkurrent des Digitalen gesehen wird: in der Produktion hochwertiger und sch\u00f6ner B\u00fccher, d.h. insbesondere im Bereich Buchsatz. Schlie\u00dflich werden B\u00fccher heute in aller Regel digital gesetzt, h\u00e4ufig sicher mit daf\u00fcr urspr\u00fcnglich nicht vorgesehenen Office-Programmen. 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