{"id":15793,"date":"2021-05-06T11:09:56","date_gmt":"2021-05-06T09:09:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=15793"},"modified":"2024-02-20T11:40:56","modified_gmt":"2024-02-20T10:40:56","slug":"nfdi4culture-expertinnen-forum-nachhaltige-softwareentwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=15793","title":{"rendered":"1. NFDI4Culture Expert:innen-Forum \u201eNachhaltige Softwareentwicklung\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>verfasst von Ulrike Henny-Krahmer (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0003-2852-065X\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Daniel Jettka (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-2375-2227\"><u>ORCID<\/u><\/a>), Lisa Dieckmann (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-1708-7371\"><u>ORCID<\/u><\/a>), und Daniel R\u00f6wenstrunk (<a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0001-6271-2095\"><u>ORCID<\/u><\/a>)<\/p>\n<h2>Nachhaltige Entwicklung von Forschungssoftware<\/h2>\n<p>F\u00e4cher\u00fcbergreifend ist Software aus dem Forschungsprozess nicht mehr wegzudenken. Sie erf\u00fcllt z. B. wesentliche Funktionen bei der Erhebung von Daten, bei ihrer Weiterverarbeitung und Analyse, ihrer Publikation, Nachnutzung und Archivierung. Software ist daher mit dem gesamten Prozess des Forschungsdatenmanagements eng verkn\u00fcpft, sie stellt aber auch selbst einen Gegenstand dar, der einem Lebenszyklus unterliegt und \u201egemanaged\u201c werden muss. Dies gilt f\u00fcr Software im Allgemeinen, aber auch speziell f\u00fcr <strong>Forschungssoftware<\/strong>, die hier zun\u00e4chst als Software verstanden wird, die in der Forschung eingesetzt wird und Funktionalit\u00e4ten bereitstellt, die f\u00fcr den jeweiligen Forschungsgegenstand und die Forschungsdaten wesentlich sind.<\/p>\n<p>Wie f\u00fcr Forschungsdaten so ist es auch f\u00fcr Forschungssoftware essentiell, dass sie <strong>nachhaltig<\/strong> entwickelt wird, damit sie selbst und die mit ihr produzierten Forschungsergebnisse transparent sind, langfristig verf\u00fcgbar bleiben und nachgenutzt werden k\u00f6nnen. Eine nachhaltige Entwicklung von Forschungssoftware unterst\u00fctzt aber auch den effizienten Einsatz verf\u00fcgbarer Ressourcen. Sie tr\u00e4gt bei zu Standardisierung und Vernetzung und stellt selbst ein wichtiges Forschungsergebnis dar. Verglichen mit Forschungsdaten hat Forschungssoftware jedoch auch eine Reihe von Eigenschaften, die einen besonderen Umgang mit ihr erfordern. Z. B. macht die dynamische Entwicklung von Software und ihrem technischen Umfeld eine Versionierung von Entwicklungsstufen besonders bedeutsam. Zugleich ist die Sicherung ihrer langfristigen Verf\u00fcgbarkeit dadurch erschwert bzw. erfordert besondere Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<h2>NFDI4Culture Expert:innen-Forum<\/h2>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/nfdi4culture.de\/\"><u>Konsortium NFDI4Culture<\/u><\/a> steht diejenige Forschungssoftware im Mittelpunkt, die im Bereich des <strong>Kulturerbes<\/strong> und der in NFDI4Culture vertretenen Fachbereiche (u.a. Architektur, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Medienwissenschaften) eingesetzt wird. Ziel ist es, das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung der Nachhaltigkeit von Forschungssoftware zu st\u00e4rken, \u00fcber m\u00f6gliche Nachhaltigkeitsstrategien zu informieren und entsprechende Infrastrukturangebote zu entwickeln. Damit soll die Nachhaltigkeit von Softwareentwicklung in allen betroffenen Dimensionen (u.a. technisch, organisatorisch, in der Lehre und Ausbildung und wissenschaftspolitisch) verbessert werden.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund fand am 20. April 2021 ein erstes virtuelles <strong>Treffen des NFDI4Culture Expert:innen-Forums \u201eNachhaltige Softwareentwicklung\u201c<\/strong> statt. Das Forum ist eine Gruppe von Softwareentwickler:innen, Fachwissenschaftler:innen und Vertreter:innen von Forschungsorganisationen und Infrastruktureinrichtungen, die zweimal im Jahr zusammentritt, um sich im Kontext von NFDI4Culture zur nachhaltigen Entwicklung von Forschungssoftware auszutauschen und \u00fcber Strategien zu beraten, wie das Thema im Bereich des Kulturerbes etabliert und vorangebracht werden kann. Das Forum wird von NFDI4Culture-Mitarbeiter:innen organisiert, die Mitglieder des Forums sind jedoch nicht selbst Teil von NFDI4Culture, sondern Vertreter:innen der Community. Gr\u00fcndungsmitglieder des Expert:innen-Forums sind:<\/p>\n<p>Felix Bach (KIT-SCC, Karlsruhe)<br \/>Alexander Czmiel (BBAW, Berlin)<br \/>Anne Klammt (DFK, Paris)<br \/>Claes Neuefeind (CCeH\/IDH, Universit\u00e4t zu K\u00f6ln)<br \/>Anne Neovesky (ADW Mainz)<br \/>Daniel N\u00fcst (WWU M\u00fcnster, de-RSE)<br \/>Gudrun Oevel (IMT, Universit\u00e4t Paderborn)<br \/>Laurent Pugin (RISM CH, Bern)<br \/>Matthias Razum (FIZ Karlsruhe)<br \/>Torsten Roeder (Leopoldina Akademie, Halle)<br \/>Georg Schelbert (Institut f\u00fcr Kunst- und Bildgeschichte, HU Berlin)<br \/>Martina Scholger (ZiM\/ACDH, Universit\u00e4t Graz)<\/p>\n<p>In NFDI4Culture\u00a0wird das Forum f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung vom Arbeitsbereich (<a href=\"https:\/\/nfdi4culture.de\/task-areas.html\"><u><strong>Task Area<\/strong><\/u><\/a><strong>) \u201e<\/strong><strong>Forschungswerkzeuge<\/strong><strong> und Datendienste\u201c<\/strong> (\u201eResearch Tools and Data Services\u201c) organisiert, der von Lisa Dieckmann (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) und Daniel R\u00f6wenstrunk (Universit\u00e4t Paderborn) geleitet wird. Teil dieses Bereichs ist eine <strong>Beratungsagentur<\/strong> f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung, in der Ulrike Henny-Krahmer (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) und Daniel Jettka (Universit\u00e4t Paderborn) t\u00e4tig sind und an die sich Interessierte bei Fragen zur Planung, Durchf\u00fchrung, Publikation und Sicherung von Softwareentwicklungen wenden k\u00f6nnen. Der Arbeitsbereich zu Forschungswerkzeugen und Datendiensten umfasst au\u00dferdem eine <strong>Registry<\/strong> f\u00fcr Forschungssoftware, die von Sven Peter (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) und Anastasia Wawilow (Universit\u00e4t Paderborn) entwickelt wird. In der Registry kann Forschungssoftware registriert und mit reichhaltigen Metadaten beschrieben werden. Geplant ist auch die M\u00f6glichkeit einer Zertifizierung von Software. Zur Koordination der Arbeit in der Task Area \u201eResearch Tools and Data Services\u201c tragen Kristina Richts-Matthaei (Universit\u00e4t Paderborn) und Sabrina Ujkasevic (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) bei.<\/p>\n<p>Die Mitglieder des Expert:innen-Forums stehen im Austausch mit der NFDI4Culture Task Area, begleiten als externe Berater:innen den Aufbau der genannten Infrastrukturen und bringen auch verschiedene Perspektiven der 4Culture-Community ein.<\/p>\n<h2>Erstes Forums-Treffen am 20. April 2021<\/h2>\n<p>Beim ersten Treffen am 20. April wurde im Rahmen der <strong>Begr\u00fc\u00dfung<\/strong> zun\u00e4chst die Task Area \u201eResearch Tools and Data Services\u201c von Lisa Dieckmann und Daniel R\u00f6wenstrunk vorgestellt und die grunds\u00e4tzliche Idee des Forums f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung erl\u00e4utert (die <a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2376718\/nfdi4culture\/items\/KT7VJM7A\/attachment\/TBGS8MDV\/item-details\"><u>Agenda des Forums-Treffens<\/u><\/a> sowie die <a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2376718\/nfdi4culture\/collections\/VKV87JHW\/items\/VTCN7CYM\/attachment\/TZYRXDQP\/collection\"><u>einf\u00fchrende Pr\u00e4sentation<\/u><\/a> k\u00f6nnen \u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.zotero.org\/groups\/2376718\/nfdi4culture\/library\"><u>NFDI4Culture-Zotero-Gruppe<\/u><\/a> eingesehen werden; Gedanken zum geplanten Treffen machte sich im Vorfeld bereits das Forums-Mitglied Anna Neovesky mit einem <a href=\"https:\/\/software.hypotheses.org\/36\"><u>Blog-Post<\/u><\/a>).<\/p>\n<p>Es folgte eine ausf\u00fchrliche <strong>Vorstellungsrunde<\/strong>, bei der jede(r) auf die eigenen Erfahrungen mit Softwareentwicklung, Nachhaltigkeitsfragen und auch Herausforderungen einging. Schon bei der Vorstellungsrunde zeigten sich ganz verschiedene Perspektiven auf das Thema nachhaltiger Softwareentwicklung, von einem prim\u00e4r fachwissenschaftlichen Blick \u00fcber eigene Erfahrungen als Entwickler:innen bis hin zur organisatorischen Verantwortung f\u00fcr die Planung, Finanzierung, langfristige Verf\u00fcgbarmachung und Sicherung von Forschungssoftware. Mehrfach betont wurde, dass die Entwicklung von Forschungssoftware mehr <strong>Anerkennung<\/strong> als wissenschaftliche Leistung bekommen und auch besser gef\u00f6rdert werden muss. Zur \u201eEntwicklung\u201c z\u00e4hlt neben der initialen Programmierung von Software allerdings auch ihre Konzeption, Dokumentation, Wartung und Weiterentwicklung. Die Entwicklung von Forschungssoftware erfolgt sehr oft in kleinen oder gr\u00f6\u00dferen Teams, manchmal auch in Communities. Sie ist jedoch oft an bestimmte Personen gebunden, was es umso wichtiger macht, dass Strukturen entwickelt werden, die nachhaltige Entwicklungen f\u00f6rdern und eine Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber l\u00e4ngere Frist erm\u00f6glichen. Zugleich ist es wichtig, dass Softwareentwicklung im wissenschaftlichen Bereich attraktiv ist und zur Qualifikation der Forschenden und Entwickler:innen beitr\u00e4gt. F\u00fcr das Management von Software sind lokale Angebote genauso zu schaffen wie nationale und internationale Strukturen. Mehrmals hervorgehoben wurde auch, dass aus zeitlicher Sicht eine fr\u00fchzeitige Einbindung von Infrastrukturpartnern, Beratung und <strong>Planung<\/strong> wichtig ist, um Software schon vor der eigentlichen Entwicklung nachhaltig zu konzipieren. Oft werden Unterst\u00fctzung und l\u00e4ngerfristige L\u00f6sungen erst dann gesucht, wenn Entwicklungen bereits stattgefunden haben.<\/p>\n<p>An die Vorstellungsrunde schloss eine <strong>Einf\u00fchrung<\/strong> zum Thema \u201eNachhaltige Softwareentwicklung in NFDI4Culture\u201c an, die von Ulrike Henny-Krahmer und Daniel Jettka pr\u00e4sentiert wurde (die <a href=\"http:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.4723704\"><u>Folien des Vortrags<\/u><\/a> sind bei Zenodo archiviert). Thema der Einf\u00fchrung waren Gedanken dazu, was unter Nachhaltigkeit f\u00fcr Forschungssoftware verstanden werden kann, auf welchen Ebenen und f\u00fcr welche Akteure sie eine Rolle spielt und inwiefern das Thema f\u00fcr Software im Bereich des Kulturerbes und NFDI4Culture relevant ist. Dar\u00fcber hinaus wurden die Themen \u201eDokumentation\u201c, \u201eVersionierung\u201c und \u201eZitation\u201c als Einblicke vertieft und die Ma\u00dfnahmen genannt, die in der Task Area \u201eResearch Tools and Data Services\u201c zur F\u00f6rderung nachhaltiger Softwareentwicklung beitragen sollen. Dazu z\u00e4hlen die bereits erw\u00e4hnte Beratungsagentur und die Software-Registry. Auch ist im NFDI4Culture-Kontext ein neues Rezensionsjournal f\u00fcr Forschungssoftware geplant (<a href=\"https:\/\/journals.ub.uni-heidelberg.de\/index.php\/ckit\"><u>\u201eConstruction Kit\u201c<\/u><\/a>). Die Einf\u00fchrung sollte den Arbeitsstand der Task Area erl\u00e4utern und als Grundlage f\u00fcr eine anschlie\u00dfende Diskussion im Forum dienen.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Pause folgte die <strong>Diskussion<\/strong> verschiedener Themen der nachhaltigen Softwareentwicklung im Forum. Eine Leitfrage war dabei, was von all denjenigen Dingen, die idealerweise f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung von Forschungssoftware zu tun w\u00e4ren, <strong>konkret<\/strong> von NFDI4Culture umgesetzt werden k\u00f6nnte bzw. in welchen Bereichen die Forumsmitglieder die gr\u00f6\u00dften <strong>Bedarfe<\/strong> sehen. Einige zentrale Aufgabenfelder f\u00fcr die Task Area zu \u201eResearch Tools and Data Services\u201c in NFDI4Culture und f\u00fcr das Expert:innen-Forum, die in der Diskussion genannt wurden, waren:<\/p>\n<p>(1) Entwicklung von <strong>Kriterien<\/strong> zur Entscheidung dar\u00fcber, welche Forschungssoftware langfristig gef\u00f6rdert werden soll. Nicht jede Software wird intensiv genutzt. Oft werden Prototypen entwickelt, von denen nur manche zu Standardl\u00f6sungen werden, die dann auch langfristig aktualisiert werden und lauff\u00e4hig bleiben sollten. Es muss gute Kriterien geben, um zu entscheiden, auf welche Software das zutrifft. Auf der anderen Seite m\u00fcssen auch f\u00fcr kleine Skripte, f\u00fcr Prototypen und Software, deren Weiterentwicklung nicht langfristig gef\u00f6rdert werden kann, L\u00f6sungen zur Dokumentation und Archivierung gefunden werden.<br \/>\u00dcberlegungen zu Kriterien f\u00fcr die Bewertung und Auswahl von Software sind z. B. bereits in folgenden Publikationen angestellt worden: Anzt, H., F. Bach, S. Druskat et al. (2021): \u201eAn environment for sustainable research software in Germany and beyond: current state, open challenges, and call for action [version 2; peer review: 2 approved].\u201c <em>F1000Research<\/em> 9:295.\u00a0<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.12688\/f1000research.23224.2\"><u>https:\/\/doi.org\/10.12688\/f1000research.23224.2<\/u><\/a>; Homburg, T., A. Klammt, H. Mara et al. (2021): \u201eDiskussionsbeitrag &#8211; Handreichung zur Rezension von Forschungssoftware in den Altertumswissenschaften \/ Impulse &#8211; Recommendations for the review of archaeological research software.\u201c) <em>GitHub.<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/research-squirrel-engineers.github.io\/Impuls_SoftwareRezensionen_DGUF\/Draft.html.\"><u>https:\/\/research-squirrel-engineers.github.io\/Impuls_SoftwareRezensionen_DGUF\/Draft.html.<\/u><\/a><\/p>\n<p>(2) Eine Frage, die eng mit derjenigen nach Bewertungs- und Auswahlkriterien zusammenh\u00e4ngt, ist diejenige nach einer <strong>Definition von Forschungssoftware<\/strong>. Nicht nur f\u00fcr F\u00f6rderung, sondern z. B. auch f\u00fcr eine Aufnahme in die von NFDI4Culture geplante Software-Registry muss gekl\u00e4rt werden, welche Arten von Software als relevant angesehen werden. Dabei geht es u.a. um den <em>Entwicklungskontext<\/em> (Ist Software in Forschungsprojekten entwickelt worden oder au\u00dferhalb davon?), um ihren funktionalen Grad der <em>Allgemeinheit<\/em> (Ist Software spezifisch f\u00fcr Forschung und f\u00fcr einen bestimmten Fachbereich oder sehr generisch?), um <em>Reifegrade<\/em> (Sollen nur voll ausgereifte Werkzeuge erfasst werden oder auch schon Entwicklungen in einem fr\u00fcheren Stadium?) und um <em>Umf\u00e4nge<\/em> (Software kann aus einzelnen Skripten und kleinen, n\u00fctzlichen \u201eHelferlein\u201c bestehen, die man sinnvoll nachnutzen k\u00f6nnte &#8211; hierf\u00fcr wurde der Begriff von \u201eminions\u201c vorgeschlagen &#8211; sie kann aber auch ganze, komplexe Software-Systeme wie gro\u00dfe Forschungsumgebungen umfassen).<\/p>\n<p>(3) Im Hinblick auf die <strong>Beratung<\/strong> f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung, die NFDI4Culture anbietet, wurde betont, wie wichtig es ist, fr\u00fchzeitig mit Forscher:innen, Entwickler:innen, Projektleiter:innen und anderen Beteiligten ins Gespr\u00e4ch zu kommen, wenn es z. B. darum geht, ein Projekt zu planen, in dem Forschungssoftware eingesetzt, weiterentwickelt oder neu entwickelt werden soll. Die Frage ist, wie man das Beratungsangebot von NFDI4Culture so gestalten kann, dass es gut sichtbar und fr\u00fchzeitig und gerne angefragt wird. Hierzu gab es von Seiten der Expert:innen verschiedene Erfahrungen und Meinungen. Ein Vorschlag war, dass man Schulungen anbieten k\u00f6nnte, um allgemein die Code Literacy von Wissenschaftler:innen zu verbessern und die Bedeutung nachhaltiger Forschungssoftware hervorzuheben. Daneben wurde auch angemerkt, dass nur eine Verpflichtung zur Einhaltung bestimmter Standards erfolgversprechend ist und dass NFDI4Culture dazu beitragen kann, Kriterien und Standards f\u00fcr nachhaltige Softwarentwicklung zu definieren, die dann z. B. von F\u00f6rderinstitutionen aufgegriffen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>(4) Begr\u00fc\u00dft wurden die Pl\u00e4ne f\u00fcr <strong>konkrete Infrastruktur-Angebote<\/strong> f\u00fcr Forschungssoftware in NFDI4Culture, vor allem f\u00fcr die im Aufbau befindliche Software-Registry. Mit dieser Struktur kann ein wichtiger organisatorischer Beitrag zur Nachhaltigkeit von Softwareentwicklung geleistet werden: (a) Forschungssoftware kann zentral verzeichnet werden und wird so besser auffindbar, womit auch die Chance von Nachnutzung erh\u00f6ht wird. (b) Die Vergabe von Identifikatoren und stabilen Adressen f\u00fcr Registry-Eintr\u00e4ge verbessert die Zitierf\u00e4higkeit von Software. (c) Ein Schema f\u00fcr die Metadaten, mit denen die Software in der Registry beschrieben werden soll, tr\u00e4gt zur Standardisierung bei, zur Dokumentation und formalen Erfassung von Informationen \u00fcber Forschungssoftware.<\/p>\n<p>(5) Schlie\u00dflich wurde wie in der Vorstellungsrunde auch in der Diskussion noch einmal darauf hingewiesen, dass es einen <strong>Wandel in der Wissenschaftskultur<\/strong> braucht, damit die Entwicklung von Forschungssoftware nicht mehr einfach vorausgesetzt wird, ohne gezielt geplant, gef\u00f6rdert und wertgesch\u00e4tzt zu werden. Software muss wie Daten im engeren Sinne als Gegenstand des Forschungsdatenmanagements (oder eben Forschungs<em>software<\/em>managements) in den Mittelpunkt gestellt werden, damit ihre nachhaltige Entwicklung m\u00f6glich wird. Dies muss begleitet werden durch eine Aufwertung von Softwareentwicklung als wissenschaftliche T\u00e4tigkeit. Wie eine solche bessere Anerkennung erreicht werden kann, dazu gab es verschiedene Positionen. Auf der einen Seite wurde hervorgehoben, dass schon das Produkt der Software selbst zusammen mit einer ordentlichen Dokumentation st\u00e4rker als Leistung anerkannt werden sollte und Entwickler:innen nicht noch zus\u00e4tzlich Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber die Software produzieren m\u00fcssen, die dann erst den wissenschaftlichen Wert darstellen. Auf der anderen Seite wurden M\u00f6glichkeiten besprochen, wie es zu mehr Publikationen \u00fcber Software kommen kann, z. B. durch spezifische Software-Aufs\u00e4tze oder Rezensionen von Software. Letztere w\u00fcrden ja nicht von den Entwickler:innen selbst publiziert werden, aber dennoch dazu beitragen, dass Forschungssoftware mehr Aufmerksamkeit bekommt, kritisch diskutiert wird und dadurch auch nachhaltiger werden kann. Auch das Thema Zitation von Software geht in diese Richtung: Wenn Software, die von Forschenden genutzt wird, selbst zitiert wird und z. B. nicht nur ein Paper \u00fcber die Software, dann dr\u00fcckt das auch aus, dass die Entwicklung des Werkzeugs selbst eine wissenschaftliche Leistung darstellt. Hier zeigte sich, dass es einige Faktoren (wie Anerkennung, Zitation, usw.) gibt, die auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt als Aspekte von Nachhaltigkeit in der Entwicklung von Forschungssoftware verstanden werden, aber indirekt damit zusammenh\u00e4ngen und sie f\u00f6rdern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das erste Treffen des NFDI4Culture Expert:innen-Forums f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung hat gezeigt, dass es viele verschiedene Perspektiven auf \u201eNachhaltigkeit f\u00fcr Forschungssoftware\u201c gibt. Das Thema ist umfassend und komplex und wird auch in anderen NFDI-Konsortien und dar\u00fcber hinaus bereits diskutiert, z. B. auch von den Vereinigungen der Forschungssoftware-Entwickler:innen wie <a href=\"https:\/\/de-rse.org\/de\/index.html\"><u>de-RSE<\/u><\/a>. Auf einer theoretischen Ebene ist der Themenkomplex bisher aber in den DH und insbesondere f\u00fcr Software des Kulturerbes noch nicht umfassend reflektiert worden. Es ist zu kl\u00e4ren, welche der allgemeinen \u00dcberlegungen und Ans\u00e4tze f\u00fcr den Bereich des Kulturerbes zutreffen und wo es spezifische Konzepte und Empfehlungen braucht. Auf einer praktischen Ebene geht es darum, gezielt sinnvolle Handlungsbereiche f\u00fcr NFDI4Culture zu finden und zu verfolgen sowie konkrete Angebote f\u00fcr die 4Culture-Community zu entwickeln.<\/p>\n<p>Im Nachgang des Treffens hat das Expert:innen-Forum f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung bereits einen ersten Schritt unternommen, indem ein gemeinsamer Kommentar zur <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20210511102851\/https:\/\/www.dfg.de\/download\/pdf\/foerderung\/programme\/lis\/kommentierung_fdm_01.pdf\"><u>Aktualisierung des DFG-F\u00f6rderprogramms \u201eInformationsinfrastukturen f\u00fcr Forschungsdaten\u201c<\/u><\/a> eingereicht und auf die Bedeutung von Software als Gegenstand des Forschungsdatenmanagements hingewiesen wurde. Wir freuen uns \u00fcber die rege Diskussion beim ersten Forums-Treffen und auf weitere gemeinsame Schritte von NFDI4Culture mit dem Expert:innen-Forum f\u00fcr nachhaltige Softwareentwicklung und mit der Community!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>verfasst von Ulrike Henny-Krahmer (ORCID), Daniel Jettka (ORCID), Lisa Dieckmann (ORCID), und Daniel R\u00f6wenstrunk (ORCID) Nachhaltige Entwicklung von Forschungssoftware F\u00e4cher\u00fcbergreifend ist Software aus dem Forschungsprozess nicht mehr wegzudenken. Sie erf\u00fcllt z. B. wesentliche Funktionen bei der Erhebung von Daten, bei ihrer Weiterverarbeitung und Analyse, ihrer Publikation, Nachnutzung und Archivierung. 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