{"id":1565,"date":"2013-04-15T17:26:40","date_gmt":"2013-04-15T15:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=1565"},"modified":"2013-04-18T08:50:23","modified_gmt":"2013-04-18T06:50:23","slug":"praxen-wissenschaftlichen-bloggens-ein-metabericht-zum-workshop-wissenschaftliches-bloggen-in-deutschland-geschichte-perspektiven-praktische-umsetzung-am-11-04-2013-an-d","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=1565","title":{"rendered":"Praxen wissenschaftlichen Bloggens \u2013 ein Metabericht zum Workshop \u201eWissenschaftliches Bloggen in Deutschland: Geschichte, Perspektiven, praktische Umsetzung\u201c am 11.04.2013 an der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg"},"content":{"rendered":"<p>Gef\u00f6rdert vom Universit\u00e4tsbund der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg richteten Katrin Betz und Dr. Christof Sch\u00f6ch vom W\u00fcrzburger Lehrstuhl f\u00fcr Computerphilologie einen betont praxisorientierten Workshop zum kulturwissenschaftlichen Bloggen in Deutschland aus (Twitter: #dehypo). Der Workshop gliederte sich in drei Teile: (A) konzeptionelle \u00dcberlegungen, (B) Erfahrungsberichte aus der Praxis und (C) eine praktische Einf\u00fchrung in die deutsche <em>Hypotheses<\/em>-Plattform (de.hypotheses.org), die nach franz\u00f6sischem Vorbild seit M\u00e4rz 2012 mittlerweile schon \u00fcber 80 Weblogs deutscher Wissenschaftler einen Raum bietet: Tendenz steigend.<!--more--><\/p>\n<p align=\"center\">A<\/p>\n<p>Nach einer Begr\u00fc\u00dfung der ca. 25 TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland, die zu einer gro\u00dfen Zahl Nachwuchswissenschaftlerinnen waren (was der Weblogdemografie korrespondiert; vgl. Schmidt 2009), machte der Literaturwissenschaftler <em>Dr. Christof Sch\u00f6ch<\/em> (W\u00fcrzburg, <a href=\"http:\/\/dragonfly.hypotheses.org\/\">http:\/\/dragonfly.hypotheses.org<\/a>, Mitglied der de.hypotheses.org-Redaktion) den Auftakt, mit <strong>Wissenschaftliches Bloggen im Kontext digitaler Publikationsmedien<\/strong> im Dreischritt einige konzeptionelle \u00dcberlegungen zur Einf\u00fchrung in den Workshop vorzulegen: Dabei verortete er Weblogs (1) im Rahmen aktueller \u201eweb-basierter Medien der Publikation und Kommunikation\u201c, (2) im Rahmen der \u201eEntwicklung digitaler Medien\u201c und (3) im Hinblick auf die \u201eInteraktion mit anderen Medien\u201c im Internet.<\/p>\n<p>(1) Im Versuch einer systematischen Perspektive stellte Sch\u00f6ch vor allem Unterschiede zwischen Internetkommunikationsformen und klassischen Kommunikationsformen (der Wissenschaft) aus dem Printbereich anhand sieben Punkten gegen\u00fcber: Im Internet (i) sei naturgem\u00e4\u00df freie Zug\u00e4nglichkeit gew\u00e4hrleistet, also eine nicht \u00f6konomisch motivierte Kommunikationspraxis zu finden (Stichwort: Open Access). Ebenso (ii) sei eine schnelle Publikations- und Aktualisierungsm\u00f6glichkeit gegeben, die nicht nur eine best\u00e4ndige Ver\u00e4nderbarkeit sondern auch eine best\u00e4ndige Entwicklungsm\u00f6glichkeit b\u00f6te. Hinzu kommt, dass (iii) klassische institutionelle Intermedi\u00e4re wie Verlage und Universit\u00e4ten entfielen, diese Unabh\u00e4ngigkeit sich aber gerade aufgrund der unterschiedlichen Anspr\u00fcche wissenschaftsinterner Kommunikation an institutionelle Intermediatoren nicht vollst\u00e4ndig realisieren k\u00f6nne und daher andere an deren Stelle treten (Stichwort: Aufmerksamkeit, Archivierung, Zitierbarkeit). Ein (iv) kollaboratives, ortsungebundenes (Zusammen-)Arbeiten werde erm\u00f6glicht und mache im wissenschaftlichen Diskurs neue Kommunikations- und Wissensqualit\u00e4ten sichtbar. Das (v) Verh\u00e4ltnis zu Vorg\u00e4ngermedien stelle sich als komplex dar, da es keine eindeutigen Vorl\u00e4ufer zu wissenschaftlichen Weblogs gebe: Ein komplexes Remediationsgef\u00fcge (vgl. Bolter\/Grusin 2000) im Anlehnungs- und Abl\u00f6sungsverhalten kennzeichne daher die Gattungen wissenschaftlichen Schreibens in Weblogs (noch). Bei den klassischen Publikationswegen sind feste \u00d6konomien der Qualit\u00e4tskontrolle und der sog. Impact-Erhebung vorhanden: Weblogs haben hier ihre eigenen Ordnungs- und Kontrollmechanismen entwickelt, die anstatt auf eine vorg\u00e4ngige Selektion der Inhalte, auf eine der Publikation nachgeordnete Selektion durch den \u201aSchwarm\u2018 setze. Damit werde auch eine ver\u00e4nderte Aufmerksamkeits\u00f6konomie des Lesers n\u00f6tig, die wiederum softwareseitig sehr pr\u00e4zise quantifizierbar ist. Schlie\u00dflich entwarf Sch\u00f6ch im Punkt (vii) eine Typologie entlang der zwei Kontinua monologisch\u2014dialogisch und objektzentriert\u2014subjektzentriert: In diesem Koordinatensystem stellt er Weblogs im Vergleich zu anderen Internetkommunikationsformen als Hybride heraus, die eine Qualit\u00e4t herausgebildet haben, die im Spektrum webbasierter Medien noch nicht besetzt gewesen sei und auch offline keine Vorl\u00e4ufer habe.<\/p>\n<p>(2) In der historischen Perspektive stellt er heraus, dass die fr\u00fchen digital-vernetzten Kommunikationsformen dialogische Formen waren (E-Mail, Mailingliste, Diskussionsforen), die seit 1989 mit dem http- und html-gest\u00fctzten World Wide Web erst einmal durch statisch-monologische Kommunikationsformen erg\u00e4nzt wurden (Website, Homepage, Online-Journal), bevor im Rahmen dessen, was heute als Internetmedialit\u00e4t gefasst werden k\u00f6nnte, dialogische Kommunikation m\u00f6glich wurde. Als Wegsteine dieser Kommunikationsformengeschichte k\u00f6nnen f\u00fcr die Wissenschaft genannt werden: 1987 wissenschaftliche Mailingliste, 1990 wissenschaftliches Online-Journal, 2003 wissenschaftlicher Weblog Hosting Service, 2008 wissenschaftliche Social Network Site.<\/p>\n<p>(3) Mit Blick auf die Vernetzung der webbasierten Medien der Wissenschaft folgert Sch\u00f6ch gerade aufgrund der oben diagnostizierten Hybridit\u00e4t von Weblogs eine hohe Anschlussf\u00e4higkeit zu anderen wissenschaftlich genutzten Kommunikationsformen wie Twitter, Diskussionsforen, Social Network Sites, Homepages und Online Journals. Sie alle treten \u2013 au\u00dfer vielleicht die wissenschaftlichen Zeitschriften \u2013 in ein (verlinkendes und thematisierendes) Wechselverh\u00e4ltnis zu Weblogs, das ihre und die Sichtbarkeit der gesamten wissenschaftlichen Blogosph\u00e4re gew\u00e4hrleistet. Sein Fazit: \u201eErst diese Einbindung macht den Blog lebendig!\u201c In der noch zur\u00fcckhaltenden Beziehung zu Online Journals wiederum wird die noch problematische Stellung von Weblogs im Feld der internen Wissenschaftskommunikation deutlich.<\/p>\n<p>Weblogs \u2013 k\u00f6nnte man mit Sch\u00f6ch abschlie\u00dfend res\u00fcmieren \u2013 f\u00fcgen sich aber zunehmend in die Publikations- und Kommunikationspraxis der wissenschaftlichen Diskursordnung ein (vgl. Foucault 1977) und haben so \u2013 folgt man den aktuellen Entwicklungen in der Wissenschaftskommunikation \u2013 ganz automatisch auch einen eminenten Anteil an der Bildung der akademischen Identit\u00e4t der bloggenden Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Die anschlie\u00dfende Diskussion verglich wissenschaftliche Homepages mit wissenschaftlichen Weblogs und wog ihre Vor-\/Nachteile und Zukunftstr\u00e4chtigkeit ab. Sebastian Gie\u00dfmann stellte dabei heraus, wie die statische \u201aRaumordnung\u2018 von Homepages und die dynamische \u201aZeitordnung\u2018 von Weblogs wahrscheinlicher zur einer erg\u00e4nzenden Konvergenz f\u00fchren w\u00fcrden als zu einer vollkommenen Verdr\u00e4ngung von Homepages. Mit dem Verweis auf die Zeitordnung ist m.E. auch die wesentliche Bestimmungsstruktur periodischer Aktualisierung erkannt (vgl. Meiler i.V.), die Weblogs allgemein mit einer ganzen Reihe sowohl Online- wie auch Offline-Kommunikationsformen verwandt erscheinen l\u00e4sst: nicht zuletzt auch zu wissenschaftlichen Zeitschriften, denen \u00fcbrigens anfangs von der wissenschaftlichen Community eine vergleichbare Skepsis entgegengebracht wurde (vgl. Csiszar 2012).<\/p>\n<p align=\"center\">B<\/p>\n<p>Die Literatur- und Editionswissenschaftlerin <em>Dr. Anne Baillot<\/em> (Berlin, <a href=\"http:\/\/digitalintellectuals.hypotheses.org\/\">http:\/\/digitalintellectuals.hypotheses.org<\/a>) stellte in ihrem Vortrag <strong>Projektbegleitendes Bloggen \u2013 eine neue Art der M\u00e4eutik?<\/strong> die Ver\u00e4nderungen in ihrer Bloggingpraxis anhand des Blogs vor, der die Arbeit an einem Projekt zur Erstellung digitaler Editionen begleitete und reflektierte dabei Motivation, Form und Funktion der Beitr\u00e4ge. Dabei zeichnete sie nach, wie sich der prim\u00e4re Gattungszuschnitt ihres Blogs wandelte von einer Visitenkarte \u00fcber ein Archiv der eigenen Arbeit und eine Projektpr\u00e4sentation zur begleitenden Berichterstattung zum akademischen und universit\u00e4ren Betrieb samt seiner Highlights und T\u00fccken. Thematisch wurden dabei vor allem auch die Leserschaft und deren erwartbare Erwartungen, die ihren Schreibprozess bzw. das Redigieren vor dem Posten nicht unerheblich steuerten: In dieser antizipierten Vorwegnahme von Kritik und dem kommunikativen Umgang damit\u00a0wird die Typik wissenschaftlichen Schreibens produktionsseitig deutlich, die das wissenschaftliche Streitgesch\u00e4ft \u2013 von Ehlich (1993) \u201eEristik\u201c getauft \u2013 wesentlich pr\u00e4gt. Ebenso in die Figuration der Leserschaft ging die Entscheidung f\u00fcr das Englische als haupts\u00e4chliche Blog-Sprache ein, um damit eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Community zu adressieren. Gleichzeitig sprach Baillot die Schranken und Probleme einer fremdsprachlichen Wissenschaftskommunikation an und ihr nur folgerichtiges Switchen in eine ihrer beiden prim\u00e4ren Sprachen ist ein ideales Beispiel f\u00fcr eine notwendig zu praktizierende Mehrsprachigkeit in den europ\u00e4ischen Wissenschaften (vgl. Ehlich 2010, 30).<\/p>\n<p>Stilistisch empfiehlt sie \u201alieber viel und kurz als wenig und lang\u2018 zu bloggen und dabei pers\u00f6nliche und sachliche Darstellungen abzuwechseln. Ebenso sch\u00e4tze sie ein ergebnisoffenes, essayistisches Schreiben, das den Blog zu einem Versuchsraum und damit zum titelgebenden m\u00e4eutischen Reflexionswerkzeug mache. Mit ihrem Konzept von der in den Alltag integrierten Bloggingpraxis, die als das beschriebene Reflexionsmittel alle Prozesse universit\u00e4ren Handelns flexibel begleiten k\u00f6nne, spricht sie sich res\u00fcmierend f\u00fcr das Pl\u00e4doyer \u201eBloggen im Jetzt f\u00fcr ein unbekanntes Sp\u00e4ter\u201c aus.<\/p>\n<p>Die Kunstwissenschaftlerin <em>Sabine Scherz<\/em> (M\u00fcnchen, <a href=\"http:\/\/games.hypotheses.org\/\">http:\/\/games.hypotheses.org<\/a>) widmete sich in ihrem Erfahrungsbericht <strong>Das Blog<\/strong><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/F:\/Aufsatz\/Tagungsbericht_Weblogs%20W%C3%BCrzburg.docx#_ftn1\">[1]<\/a><strong> als st\u00e4ndiger Begleiter \u2013 wie schaffe ich Qualit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t?<\/strong> den Fragen: Warum, wor\u00fcber, wie, mit wem und was bloggen? Dabei betonte sie, wie produktiv ihre Blogbeitr\u00e4ge wie eine \u201eKladde\u201c ihr Dissertationsprojekt begleiten, indem sie darin Gedanken sammelt und Einarbeitungen in Themen quasi als Arbeitsnachweise einerseits f\u00fcr sich dokumentiert und andererseits als Experte in einem lockeren, ungezwungenen Stil f\u00fcr andere aufarbeiten kann. Dabei stellte sie vor allem praktische Hinweise wie Themenfindungs- und Strukturierungstechniken und auch Hinweise zur sukzessiven Stilfindung vor, die das Bloggen zur regelm\u00e4\u00dfigen Schreib\u00fcbung machen k\u00f6nnen. Die Bed\u00fcrfnisse der (adressierten) Leserschaft nicht aus den Augen zu verlieren, erachtet sie dabei als Schl\u00fcssel zu einem funktionierenden Weblog: Informativit\u00e4t und Zeitersparnis seien die wesentlichen Argumente, die einen Blogleser am Ball halten k\u00f6nnen. So wendet sie die weblogkritische Frage \u201eMuss ich das lesen?\u201c (Groebner 2013) gerade gegen den \u201eBuch-Fetischisten\u201c Valentin Groebner (Graf 2013, 12).<\/p>\n<p>Auch Scherz betont den Gemeinschaftsaspekt des Bloggings, der nicht nur in medialer Vernetzung sondern ebenso in wechselseitigem Bloglesen und Blogkommentieren, also kommunikativer Vernetzung besteht und dar\u00fcber die Aufmerksamkeit von Lesern bindet und so \u00fcber den Erfolg des Weblogs entscheidet. Gerade auch damit weist sie auf die karrieref\u00f6rderliche M\u00f6glichkeit hin, eine digitale wissenschaftliche Identit\u00e4t aufzubauen, das aber umsichtig d.h. \u201aauthentisch\u2018.<\/p>\n<p>Die abschlie\u00dfende titelgebende Frage nach der Qualit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t des Bloggens beantwortete sie mit dem Schl\u00fcsselwort Motivation, die durch die Anerkennung der Community und durch die Bloggingpraxis selbst als st\u00e4ndiger Begleiter im Hinterkopf von ganz allein gesch\u00fcrt w\u00fcrde. In der Diskussion wurde auf diese Praxis wissenschaftlicher T\u00e4tigkeit als eine M\u00f6glichkeit hingewiesen, die noch vor den klassischen Kommunikationsformen (Vortrag, Zeitschrift) dem wissenschaftlichen Nachwuchs zu (inter-)disziplin\u00e4rer Sichtbarkeiten verhelfen k\u00f6nne, die zudem eingeschr\u00e4nkt quantifiziert werden kann. Ebenso wurden die \u00c4sthetiken des Bloggens angesprochen, die ma\u00dfgeblich durch z.B. WordPress\u2019 M\u00f6glichkeiten und Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Variet\u00e4t und damit auch Identit\u00e4t im Design bestimmt sind. Eine ver\u00e4nderte forschende Wissens- und Welt-Aisthetisierung scheine zudem im wissenschaftlichen Weblog auf: Im Vergleich zu Printpublikationen k\u00f6nnen Daten z.B. in Form von vollst\u00e4ndigen Digitalisaten direkt im Weblog sichtbar gemacht werden.<\/p>\n<p>Der Sprachwissenschaftler <em>Prof. Martin Haase<\/em> (Bamberg, <a href=\"http:\/\/neusprech.org\/\">http:\/\/neusprech.org<\/a>) plauderte in seinem Vortrag <strong>Zwischen Wissenschaft und Politik: Popul\u00e4rwissenschaftliches Bloggen auf neusprech.org<\/strong> ein wenig aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen der Erfolgsgeschichte des Grimme-pr\u00e4mierten Bloggens mit seinem Ko-Autor Kai Biermann (Journalist), und stellte die Mittel heraus, mit denen einem Weblog besonders viel Aufmerksamkeit zukommen wird. Dabei betonte er besonders den Wert der sog. Social-Media-Dienste (Facebook, Google+, Perlentaucher, Rivva, Twitter) und von diversen Vermarktungsm\u00f6glichkeiten (B\u00fccher, E-Books, Shirts, Flattr). Ebenso pl\u00e4dierte er f\u00fcr individualisierte Designs, die mit den verf\u00fcgbaren Weblogsoftwares wie z.B. WordPress nur bedingt m\u00f6glich sind und andere Alleinstellungsmerkmale wie bspw. das von ihm und Biermann unregelm\u00e4\u00dfig angebotene Podcast \u201eneusprechfunk\u201c oder live gestreamte Radio-Sendungen mit xenim.de. Neusprech.org zeigt sich abgesehen davon besonders bibliophil: Gattungsanleihen f\u00fcr die einzelnen Beitr\u00e4ge kommen von W\u00f6rterb\u00fcchern her, das neu vorgestellte Design ist in seiner Dreispaltigkeit zeitungsorientiert: Gattungs- und Kommunikationsformenmerkmale die \u2013 weblogtypisch \u2013 freilich reichhaltig um internetmedialit\u00e4tstypische Aspekte wie u.a. Verlinkungen\/Vernetzung, dynamische Verschlagwortung und flexible Strukturierbarkeit und \u00dcberarbeitbarkeit erg\u00e4nzt sind (vgl. Meiler i.V.). In der Diskussion wurde vor allem noch einmal auf den Unterschied zwischen einem Weblog und einem daraus generierten E-Book hingewiesen, der in der Art der chronologischen Ordnung, der Seitenstruktur, Statik\/Dynamik und Orientierungsm\u00f6glichkeit im Text\/in den Texten begr\u00fcndet ist und damit zwei unterschiedliche Rezeptionsqualit\u00e4ten bedingt, die dem Blogleser einerseits immer das Aktuelle zeigt, den E-Book-Leser aber andererseits i.d.R. vom fr\u00fchesten Eintrag bis zum letztaufgenommenen Eintrag f\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"center\">C<\/p>\n<p>Der Kultur- und Medienwissenschaftler <em>Dr. Sebastian Gie\u00dfmann<\/em> (Darmstadt, <a href=\"http:\/\/www.netzeundnetzwerke.de\/\">http:\/\/www.netzeundnetzwerke.de\/<\/a>; Mitglied der de.hypotheses.org-Redaktion) gab schlie\u00dflich mit <strong>Jeder kann Bloggen!<\/strong> eine praktische Einf\u00fchrung in die deutsche Plattform von Hypotheses. In einem eigens angelegten Schulungsblog wurden f\u00fcr alle Teilnehmer des Workshops die ersten Schritte im Umgang mit WordPress vom Gestalten eines Blogeintrags samt Einbindung multikodaler Webinhalte bis zur Strukturierung und Hierarchisierung des Weblogs als Ganzem erfahrbar. Daneben wurden auch die n\u00f6tigen Schritte erl\u00e4utert, welche auf de.hypotheses.org zum eigenen wissenschaftlichen Weblog f\u00fchren. Ganz so einfach, wie mit Anbietern wie blogger.com ist es n\u00e4mlich nicht. Hypotheses stellt im Anmeldeformular u.a. mit einer geforderten Projektskizze zum Blogvorhaben z.B. sicher, dass nicht eine Unmenge un\u00fcberlegter und bald wieder aufgegebener Blogs die Plattform \u00fcberschwemmen. An Weblogs, die sich \u00fcber einen entsprechenden Zeitraum als regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert bew\u00e4hrt haben, werden zudem ISSNs vergeben und die entsprechenden Blogs von der Franz\u00f6sischen Nationalbibliothek archiviert.<\/p>\n<p align=\"center\">Ausblick<\/p>\n<p>Somit sind die ersten Schritte geebnet, die \u00c4ngste abzubauen, die (in Deutschland) weithin mit Open-Access-Publikationen verbunden sind (vgl. Kuhlen\/Br\u00fcning 2006, 22f.) und das wissenschaftliche Bloggen im Spektrum der (internen) Wissenschaftskommunikation einerseits <em>institutionell<\/em> zu stabilisieren und zu verankern und andererseits \u2013 dar\u00fcber herrschte einhelliger Tenor im Workshop \u2013 sind die ersten Schritte getan, wissenschaftliche Weblogs (mit den unterschiedlichen Gattungsauspr\u00e4gungen) als produktiv und sinnvoll anzuerkennen und somit im \u201ekommunikativen Haushalt\u201c (Luckmann 1988) der wissenschaftlichen Gemeinschaft als akzeptabel und funktional zu etablieren. Dass dies aber noch am Anfang steht, zeigen auch die (noch regelm\u00e4\u00dfigen) Blogeintr\u00e4ge, die sich auf der Metaebene mit dem wissenschaftlichen Bloggen selbst befassen (nicht nur auf hypotheses.org sondern z.B. auch auf dem SOZBLOG (<a href=\"http:\/\/soziologie.de\/blog\/\">http:\/\/soziologie.de\/blog\/<\/a>) der DGS). Die (Selbst-)Reflexion und (Selbst-)Verortung einer \u201ecommunity of practice\u201c (Wenger 1998) ist also augenblicklich (in Selbstbeobachtung) beobachtbar, was f\u00fcr die W\u00fcrzburger auch das Hauptargument f\u00fcr einen <em>praxisorientierten<\/em> Workshop war.<\/p>\n<p>Nicht relevant gesetzt wurde das Bloggen im Kontext der rezenten Publikations- bzw. \u201eZeitschriftenkrise\u201c (Hagendoff et al. 2007, 10) und den Ver\u00e4nderungen, die mit dem Open-Access-Paradigma auf die Wissenschaft zukommen und welche Rolle Weblogs in einem ver\u00e4nderten Publikations- bzw. Kommunikationsgef\u00fcge universit\u00e4rer Wissenschaft einnehmen k\u00f6nnen oder gar sollten. Denn wenngleich Weblogs und auch die anderen Internetkommunikationsformen der Wissenschaft eigene Reputationssysteme (Klickzahlen, Kommentarquoten) hervorgebracht haben, stehen sie doch noch au\u00dferhalb der umfangreichen Rankingsysteme, die danach trachten, Forschungsleistung quantifizierend zu erfassen und vergleichbar zu machen und die damit die Forschung zunehmend r\u00fcckkoppelnd beeinflussen (vgl. Kieser 2010, 355ff.). Vor diesem Hintergrund ist es nicht unbedeutend, die Frage zu stellen, wie erstrebenswert es wirklich ist, Weblogs \u201avollkommen\u2018 in die wissenschaftliche Publikationspraxis zu integrieren und ob Weblogs nicht gerade aufgrund ihrer spezifischen Au\u00dfenseiterrolle in der Lage sein werden, produktive Impulse f\u00fcr die Forschung zu geben, die von Zeitschriftenartikeln \u2013 folgt man Kieser (ebd., 357f.) \u2013 bald nicht mehr zu erwarten sind.<\/p>\n<p align=\"center\">Literatur<\/p>\n<p>Bolter, Jay David\/Gruisin, Richard (2000): Remediation. Understanding New Media. Cambridge, London: MIT Press.<\/p>\n<p>Csiszar, Alex (2012): Serialit\u00e4t und die Suche nach Ordnung. Der wissenschaftliche Druck und seine Probleme w\u00e4hrend des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift f\u00fcr Medienwissenschaft 2\/7. S. 19\u201346.<\/p>\n<p>Ehlich, Konrad (1993): Deutsch als fremde Wissenschaftssprache. In: Jahrbuch Deutsch als Fremdsprache 19. S. 13\u201342.<\/p>\n<p>Ehlich, Konrad (2010): Desiderate der Wissenschaftssprachkomparatistik. In: Heller, Dorothee (Hg.): Deutsch, Italienisch und andere Wissenschaftssprachen \u2013 Schnittstellen ihrer Analyse. Frankfurt a.M. et al.: Lang. S. 15\u201332.<\/p>\n<p>Foucault, Michel (1977): Die Ordnung des Diskurses. Inauguralvorlesung am Coll\u00e8ge de France \u2013 2. Dezember 1970. Frankfurt a. M., Berlin, Wien: Ullstein.<\/p>\n<p>Graf, Klaus (2013): Vermitteln Blogs das Gef\u00fchl rastloser Masturbation? Eine Antwort auf Valentin Groebner. In: Redaktionsblog der deutschen Hypotheses.org vom 07.02.2013 (<a href=\"http:\/\/redaktionsblog.hypotheses.org\/951\">http:\/\/redaktionsblog.hypotheses.org\/951<\/a>). Abs. 1\u201312.<\/p>\n<p>Groebner, Valentin (2013): Muss ich das lesen? Ja, das hier schon. Wissenschaftliches Publizieren im Netz und in der \u00dcberproduktionskrise. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung (31) 06.02.2013. S. N5.<\/p>\n<p>Hagendoff, Svenja\/Seidenfaden, Lutz\/Ortelbach, Bj\u00f6rn\/Schumann, Matthias (2009): Neue Formen der Wissenschaftskommunikation. Eine Fallstudienuntersuchung. G\u00f6ttingen: Universit\u00e4tsverlag.<\/p>\n<p>Kieser, Alfred (2010): Unternehmen Wissenschaft? In: Leviathan 38. S. 347\u2013367.<\/p>\n<p>Luckmann, Thomas (1988): Kommunikative Gattungen im kommunikativen \u201eHaushalt\u201c einer Gesellschaft. In: Smolka-Koerdt, Gisela\/Spangenberg, Peter M.\/Tillmann-Bartylla, Dagmar (Hg.): Der Ursprung von Literatur. Medien, Rollen, Kommunikationssituationen zwischen 1450 und 1650. M\u00fcnchen: Fink. S. 279\u2013288.<\/p>\n<p>Meiler, Matthias (i.V.): Kommunikationsformenadressen oder: Prozeduren des Situationsvollzugs am Beispiel von Weblogs. In: Zeitschrift f\u00fcr Angewandte Linguistik (angenommen).<\/p>\n<p>Kuhlen, Rainer\/Br\u00fcning, Jochen (2006): Potenziale von Creative Commons-Lizenzen f\u00fcr Open Innovation. In: Stempfhuber, Maximilian (Hg.): In die Zukunft publizieren. Herausforderungen an das Publizieren und die Informationsversorgung in den Wissenschaften. 11. Kongress der IuK-Initiative der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft in Deutschland. Bonn: Informationszentrum Sozialwissenschaften. S. 21\u201328.<\/p>\n<p>Schmidt, Jan (2009): Weblogs: Formen und Konsequenzen ihrer Nutzung. In: Moraldo, Sandro (Hg.): Internet.kom. Neue Sprach- und Kommunikationsformen im World Wide Web. Band 1: Kommunikationsplattformen. Rom: Aracne. S. 157\u2013180.<\/p>\n<p>Stefanowitsch, Anatol (2011): Das Blog ist tot, es lebe der Blog. In: Sprachlog. Alle Sprachgewalt geht vom Volke aus. 25. August 2011 (<a href=\"http:\/\/www.scilogs.de\/wblogs\/blog\/sprachlog\/sprachgebrauch\/2011-08-25\/das-blog-ist-tot-es-lebe-der-blog\">http:\/\/www.scilogs.de\/wblogs\/blog\/sprachlog\/sprachgebrauch\/2011-08-25\/das-blog-ist-tot-es-lebe-der-blog<\/a>). Abs. 1\u201317.<\/p>\n<p>Wenger, Etienne (1998): Communities of Practice: Learning, Meaning, and Identity. Cambridge: Cambridge University Press.<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"file:\/\/\/F:\/Aufsatz\/Tagungsbericht_Weblogs%20W%C3%BCrzburg.docx#_ftnref1\">[1]<\/a> Zum Genus von Weblog\/Blog siehe Stefanowitsch (2011).<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gef\u00f6rdert vom Universit\u00e4tsbund der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg richteten Katrin Betz und Dr. Christof Sch\u00f6ch vom W\u00fcrzburger Lehrstuhl f\u00fcr Computerphilologie einen betont praxisorientierten Workshop zum kulturwissenschaftlichen Bloggen in Deutschland aus (Twitter: #dehypo). Der Workshop gliederte sich in drei Teile: (A) konzeptionelle \u00dcberlegungen, (B) Erfahrungsberichte aus der Praxis und (C) eine praktische Einf\u00fchrung in die deutsche Hypotheses-Plattform (de.hypotheses.org), [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":56,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,103,11,10],"tags":[187,214,112,69,210,191,212,98,213],"class_list":["post-1565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-community","category-forschung","category-reflektion","tag-de-hypotheses-org","tag-erfahrungsberichte","tag-open-access","tag-tagungsbericht","tag-weblog","tag-wissenschaftliches-bloggen","tag-wissenschaftskommunikation","tag-workshop","tag-zeitschriftenkrise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/56"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1565"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1588,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1565\/revisions\/1588"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dhd-blog.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}