{"id":15008,"date":"2021-02-01T09:20:52","date_gmt":"2021-02-01T08:20:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=15008"},"modified":"2021-02-01T09:20:52","modified_gmt":"2021-02-01T08:20:52","slug":"cfp-aesthetisches-aushandeln-normen-und-praktiken-in-der-vormoderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=15008","title":{"rendered":"CfP: \u00c4sthetisches Aushandeln. Normen und Praktiken in der Vormoderne"},"content":{"rendered":"\n<h3>Internationale Tagung (SFB 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c)<\/h3>\n<h4><br \/>\u00c4sthetisches Aushandeln. Normen und Praktiken in der Vormoderne<\/h4>\n<h4><br \/>T\u00fcbingen, 11. \u2013 13. November 2021<\/h4>\n<p><br \/>Der T\u00fcbinger Sonderforschungsbereich 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c untersucht \u00e4sthetische Ph\u00e4nomene der Vormoderne. Dabei wird kein emphatisches Verst\u00e4ndnis von Kunst im Sinne der Autonomie\u00e4sthetik vorausgesetzt; vielmehr wird davon ausgegangen, dass vormoderne Artefakte in einem dynamischen Spannungsfeld von Autologie und Heterologie zu verorten sind. Die autologische Dimension meint die technisch-artistischen Eigenlogiken der Artefakte, ihr oft implizites Formwissen oder ihre gestalterischen Traditionen, w\u00e4hrend in heterologischer Dimension die funktionale Einbindung von Artefakten in pragmatisch-historische Alltags- oder Diskurslogiken oder in soziale Praktiken in den Blick tritt. In den spannungsreichen Aushandlungsprozessen zwischen beiden Dimensionen wird nach Koordinaten eines vormodernen \u00e4sthetischen Selbstverst\u00e4ndnisses gesucht. Als solche Koordinaten, denen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg ma\u00dfgebliche Ausstrahlungskraft zukam, haben die Querschnittsbereiche des Sonderforschungsbereichs verschiedene Leitaspekte \u2013 meist in Begriffspaaren angeordnet \u2013 identifiziert, von denen sie sich besondere Aufschlusskraft erhoffen. Die Tagung soll den interdisziplin\u00e4ren Dialog des Querschnittsbereichs \u201eNorm und Diversit\u00e4t\u201c fortf\u00fchren und ihn in einem bewusst breiten F\u00e4cherspektrum wie den Literatur-, Sprach-, Bild- und Geschichtswissenschaften, der Soziologie, Musikwissenschaft, Theologie, Philosophie sowie den Digital Humanities vertiefen.<\/p>\n<p><br \/>Als richtungsweisender Ansatz wird dabei gew\u00e4hlt, dass Normen im Diskussionskontext der Tagung nicht nur auf die technisch-artistische Eigenlogik bezogen, sondern in ihrem dynamischen Austausch mit der pragmatisch-historischen Alltagslogik, der sozialen Funktion von Akten und Artefakten analysiert werden sollen. Zentral ist damit weniger das in der Forschung vielfach bearbeitete Ph\u00e4nomen von Norm und Abweichung, bezogen lediglich auf Artefakte. Vielmehr geht es darum, die dynamische Situation eines \u00e4sthetischen Aushandelns und eines Aushandelns des \u00c4sthetischen zugleich in den Blick zu r\u00fccken: Zwar zielt jede Formulierung einer Norm auf Allgemeing\u00fcltigkeit, zugleich existiert aber einerseits eine Pluralit\u00e4t der Normen, die sich gegen\u00fcberstehen, andererseits wird der Geltungsanspruch von Normen durch eine vielf\u00e4ltige Praxis reflektiert und immer wieder neu zur Diskussion gestellt. Damit m\u00f6chte die Tagung dem noch immer wirkungsm\u00e4chtigen Forschungsnarrativ begegnen, das vormoderne Artefakte in normativen Vorstellungen gegr\u00fcndet sieht, ohne dabei den Konterpart der Diversit\u00e4t ausreichend in Rechnung zu stellen.<br \/>Aus den Vor\u00fcberlegungen zur Tagung ergeben sich vier Fragenbereiche bzw. Beobachtungslinien, welche als Anregung f\u00fcr Beitragsvorschl\u00e4ge dienen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><br \/><strong>1. Implizite und explizite Normen<\/strong><\/p>\n<p>Zentral ist in diesem ersten Bereich die Frage, ob und wie sich aus dem Spannungsfeld von Autologischem und Heterologischem Normen entwickeln k\u00f6nnen. Wo es in der Vormoderne ausformulierte Normen gibt, wie explizit diese sind und wie man implizit bleibende Normen erkennt, ist ein zentrales, gar klassisches Feld der Vormoderne-Forschung. Dieses Feld aus der Perspektive zu begehen, dass Normenentstehungen komplexe Aushandlungsprozesse zwischen autologischer und heterologischer Dimension darstellen, verspricht neue Erkenntnisse.<br \/>M\u00f6gliche Fragestellungen: Wie h\u00e4ngen explizite mit impliziten Normen zusammen? Was bedeutet es, wenn die Formulierung \u00e4sthetischer Normen in \u00e4sthetischer Gestalt erfolgt? L\u00f6sen die Artefakte die Normen ein, die sie selbst vertreten? Welche Wege f\u00fchren von Deskription und Pr\u00e4skription zur Kanonbildung? Wie lassen sich aus Artefakten die Normen ableiten, die ihnen zugrunde liegen, und zwar auch unter Verwendung quantitativer oder formaler Verfahren? Warum entsteht \u00e4sthetischer Genuss aus der Normerf\u00fcllung? Wie ergibt sich gerade aus dem Normbruch ein Reflexionsraum \u00e4sthetischer Gestaltung? Wie gestaltet sich das Verh\u00e4ltnis von Norm und Praxis, wie werden unter heterologischer Perspektive Normen umgesetzt?<\/p>\n<p><br \/><strong>2. Dynamiken von Norm und Diversit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p><br \/>In einem weiteren Beobachtungsbereich r\u00fccken die Prozesse selbst in den Vordergrund und die damit verbundene zentrale Frage, wie sich die Dynamiken von Norm und Diversit\u00e4t oder Pluralit\u00e4t ausagieren bzw. wie sie als ,Spielregeln\u2018 von Normwandel beschreibbar werden. Der Begriff der Diversit\u00e4t bezieht sich dabei auf konkrete Manifestationen in \u00e4sthetischen Akten und Artefakten, aber ebenso in politisch-gesellschaftlichen Handlungen und Praktiken. Diversit\u00e4t zeigt sich somit in ganz unterschiedlichen Anwendungsbereichen: in der sprachlichen Praxis, in sprachtheoretischen Ausf\u00fchrungen, poetischen wie bildk\u00fcnstlerischen Artefakten, aber auch in politisch-gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Praktiken.<br \/>M\u00f6gliche Fragestellungen: Wie kann aus einzelnen Manifestationen, die abseits einer pr\u00e4skriptiv aufgefassten Norm oder auch gezielt gegen diese entstehen, eine Latenz der Normbildung resultieren? Kann sich aus dieser \u00fcber Wiederholung und Reflexion ein neuer Normalfall etablieren und sich in der Konsequenz eine explizite, zun\u00e4chst einmal deskriptiv aufgefasste Norm ergeben? Oder aber: Ist die Dynamik von Norm und Diversit\u00e4t in der Regel mit einer zyklischen Bewegung verbunden? Beginnt diese etwa bei der Kritik an Abweichungen von der selegierten Norm, des als \u00e4sthetischer Ma\u00dfstab geltenden Ideals, weist dann ein wachsendes Interesse f\u00fcr die Diversit\u00e4t auf (z.B. f\u00fcr Anwendungsvarianten), f\u00fchrt schlie\u00dflich zu Toleranz gegen\u00fcber dem Neuen (oft gerade als Instrument der Emanzipation von einer Norm) und in einem weiteren Schritt zu dessen Anerkennung?<\/p>\n<p><br \/><strong>3. \u00c4sthetische Norm(en) in der sozialen Praxis<\/strong><\/p>\n<p><br \/>Grundlegend f\u00fcr die dritte Beobachtungslinie ist die Frage nach dem Wechselbezug von Normen auf autologischer und heterologischer Seite und nach ihrer Einbindung in eine soziale und politische Praxis. Normen haben eine gemeinschafts- und traditionsbildende Funktion, sind Ergebnis einer sozialen Verst\u00e4ndigungsleistung und k\u00f6nnen so Zugeh\u00f6rigkeit vermitteln, auch wenn oder gerade weil sie h\u00e4ufig mit Ausschluss, Negation und Ablehnung operieren. In ihrer identit\u00e4tsstiftenden Funktion wirken Normen etwa in der Sprache, der Literatur, der Musik oder der bildenden Kunst, wobei hier Schnittpunkte oder \u00e4hnliche Funktionsweisen beobachtet werden k\u00f6nnen. Normen sind zun\u00e4chst einmal durch ihre Festigkeit charakterisiert, allerdings werden sie durch Manifestationen in der konkreten \u00e4sthetischen, aber auch politischen und gesellschaftlichen Praxis immer wieder neu reflektiert und auch transformiert.<br \/>M\u00f6gliche Fragestellungen: Wie wirken sich politische und gesellschaftliche Normen auf Darstellungskonventionen aus, und wie beeinflussen bzw. begr\u00fcnden diese \u00e4sthetische Normen? Wie werden Normen bei sozialen und politischen Umstrukturierungen disponibel? Wie wirken sich Ph\u00e4nomene der Reproduktion, Retextualisierung oder Remedialisierung hierbei aus? Wie explizit oder implizit wird auf Normen in den Akten und Artefakten referiert? Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen lokal begrenzt g\u00fcltiger Norm und universaler Norm? Welche Szenarien gibt es, in denen Entw\u00fcrfe aus den spezifischen Bedingungen einer \u00e4sthetischen Praxis ohne Bezug auf eine feste Norm entstehen, dann aber selbst normbildend werden?<\/p>\n<p><br \/><strong>4. Methodik und Modellierung von Norm und Diversit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p><br \/>Ein vierter Fragenbereich besch\u00e4ftigt sich mit methodischen Fragen, die sich insbesondere, aber nicht nur im Feld der Digital Humanities stellen. Auch quantitativ und formal k\u00f6nnen Diversit\u00e4t und Abweichung nur durch das (Voraus-)Setzen einer Norm sichtbar gemacht werden. Dies hat Auswirkungen auf die Modellierungspraxis bei digitalen Sammlungen, da Abweichungen nur dann (in einem Modell der Digital Humanities \u2248 in einer Norm) darstellbar sind, wenn ihre M\u00f6glichkeit bereits beim Erstellen des Modells ber\u00fccksichtigt wurde.<br \/>M\u00f6gliche Fragestellungen: Welche Auswirkungen hat das oben skizzierte Spannungsverh\u00e4ltnis aus Norm und Diversit\u00e4t auf formale Modellierungen \u00e4sthetischer Artefakte etwa bei Editions- oder Archivierungsprojekten? Welche best practices lassen sich formulieren, um Modelle einerseits flexibel genug zu halten f\u00fcr (koexistierende oder wom\u00f6glich erst in Zukunft auftretende) Diversit\u00e4t, und um sie andererseits nicht durch zu gro\u00dfe Flexibilit\u00e4t un\u00fcberschaubar oder in Anwendungen der Digital Humanities unwartbar zu machen? K\u00f6nnen nicht-triviale Modelle formal oder automatisch aus (Sammlungen von) Artefakten abgeleitet werden? Wie l\u00e4sst sich eine Trennlinie zwischen Normabweichung und Normbruch methodisch gesichert festmachen? Wie kann eine solche ermittelt und validiert werden?<\/p>\n<p><br \/>Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Vortr\u00e4ge oder alternative Pr\u00e4sentationsformen (Diskussionsrunden, Postersessions usw.) werden mit aussagekr\u00e4ftigem Expos\u00e9 (insgesamt max. 300 W\u00f6rter, auf Deutsch oder Englisch) und einem Kurz-CV in einer PDF-Datei bis zum <strong>31.3.2021<\/strong> erbeten an: sarah.dessi@uni-tuebingen.de und sandra.linden@uni-tuebingen.de (bitte immer an beide Adressen).<\/p>\n<p><br \/>Die Beitr\u00e4ge werden in einem Tagungsband publiziert. Die Tagung wird, falls es die Entwicklung der Corona-Pandemie zul\u00e4sst, als Pr\u00e4senzveranstaltung mit entsprechendem Hygienekonzept durchgef\u00fchrt, aber es sind auch hybride L\u00f6sungen m\u00f6glich. Das Tagungsteam bem\u00fcht sich, in diesem Punkt besonders flexibel auf die W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse der Tagungsteilnehmenden zu reagieren.<\/p>\n<p>Weitere Informationen finden Sie hier: https:\/\/uni-tuebingen.de\/forschung\/forschungsschwerpunkte\/sonderforschungsbereiche\/sfb-andere-aesthetik\/veranstaltungen\/tagungen\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internationale Tagung (SFB 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c) \u00c4sthetisches Aushandeln. Normen und Praktiken in der Vormoderne T\u00fcbingen, 11. \u2013 13. November 2021 Der T\u00fcbinger Sonderforschungsbereich 1391 \u201eAndere \u00c4sthetik\u201c untersucht \u00e4sthetische Ph\u00e4nomene der Vormoderne. 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