{"id":1487,"date":"2013-03-26T13:11:32","date_gmt":"2013-03-26T12:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=1487"},"modified":"2014-01-06T10:05:45","modified_gmt":"2014-01-06T09:05:45","slug":"was-sie-schon-immer-uber-research-technologists-wissen-wollten-und-nie-zu-fragen-wagten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=1487","title":{"rendered":"Was Sie schon immer \u00fcber &#8222;research technologists&#8220; wissen wollten und nie zu fragen wagten"},"content":{"rendered":"<p title=\"http:\/\/www.euroris-net.eu\/e-IPF\">Vom 11. bis 12. M\u00e4rz fand am Corpus Christi College in Oxford ein Workshop zum Thema &#8222;<a href=\"http:\/\/www.eventbrite.co.uk\/event\/5340072300\/\">Recognising Research Technologists in Research: an Action Plan<\/a>&#8220; statt. Der Workshop wurde von <a href=\"http:\/\/www.jisc.ac.uk\">JISC<\/a> (UK) gemeinsam mit <a href=\" http:\/\/www.surf.nl\/en\/\">SURF<\/a> (NL) und dem <a href=\"http:\/\/www.csc.fi\/english\">CSC<\/a> (FIN) organisiert und fand im Rahmen des <a href=\"http:\/\/www.euroris-net.eu\/e-IPF\">e-Infrastructure Policy Forums<\/a> statt. Zwei kurze Tage lang diskutierten Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen und europ\u00e4ischen L\u00e4ndern dar\u00fcber, was &#8222;research technologists&#8220; definiert, welche Rolle sie im Forschungsprozess insbesondere im Kontext der Digitalisierung haben, und wie man ihren Status und ihre Karrierepfade, ihre Ausbildung und ihre Anerkennung verbessern k\u00f6nnte. Einige Ergebnisse des Workshops sollen hier in Form von Frage &amp; Antwort berichtet werden.<\/p>\n<h3><strong>1. Was sind &#8222;research technologists&#8220; \u00fcberhaupt?<\/strong><\/h3>\n<div id=\"attachment_1488\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/torstenreimer\/8554250760\/sizes\/h\/in\/photostream\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1488\" class=\" wp-image-1488   \" title=\"Torsten Reimer, &quot;Old Tunnel, New Light&quot;\" alt=\"Torsten Reimer, &quot;Old Tunnel, New Light&quot;\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/torsten-reimer-light-tunnel.png\" width=\"400\" height=\"276\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1488\" class=\"wp-caption-text\">Licht am Ende des Tunnels? (Keller der Bodleian Library, Oxford) &#8211; Torsten Reimer, &#8222;Old Tunnel, New Light&#8220;. Mit freundlicher Genehmigung, all rights reserved, Quelle: http:\/\/www.flickr.com\/photos\/torstenreimer\/8554250760\/sizes\/h\/in\/photostream\/.<\/p><\/div>\n<p>Der Begriff &#8222;research technologist&#8220; (je nach Kontext auch &#8222;scientific programmer&#8220; oder &#8222;data technologist&#8220; genannt) bezeichnet kurz gesagt eine Personengruppe, die technisch-informatische Kompetenzen und L\u00f6sungen in den wissenschaftlichen Forschungsprozess einbringt. Dabei kann man sie in einem Kontinuum verorten, das zwischen zwei Polen aufgespannt ist: auf der einen Seite die rein auf ihre disziplin\u00e4re Forschung fokussierten Wissenschaftler (von denen heute allerdings zumindest eine gewisse technische Expertise erwartet wird); auf der anderen Seite die reinen technischen oder informatischen Dienstleister, die generische Standard-L\u00f6sungen f\u00fcr bestimmte Probleme (wie Datenspeicherung, Datenmanagement, Retrieval-L\u00f6sungen, etc.) anbieten k\u00f6nnen. Zwischen diesen beiden Polen sind einereits, n\u00e4her am wissenschaftlichen Pol, die &#8222;digital humanists&#8220; oder &#8222;e-scientists&#8220; angesiedelt, die zwar prim\u00e4r ihren eigenen Forschungszielen verpflichtet sind, diese Ziele aber unter Einsatz individuell angepasster technologischer L\u00f6sungen zu erreichen suchen; andererseits, und n\u00e4her am technologischen Pol angesiedelt, gibt es eben die research technologists, die einen prim\u00e4r technisch-informatischen Hintergrund mit einem tieferen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Forschungsfragen verbinden und die forschungsgetriebene, individuell angepasste technologische L\u00f6sungen entwickeln und umsetzen.<\/p>\n<h3><strong>2. Warum sind &#8222;research technologists&#8220; wichtig?<\/strong><\/h3>\n<p>Im Kontext der zunehmenden Digitalisierung des kulturellen Erbes in den Geisteswissenschaften, der evidenzbasierten Sozialwissenschaften und der datengetriebenen Naturwissenschaften ist innovative Forschung ohne spezifische technisch-informatische Kompetenzen, die \u00fcber generische Standard-L\u00f6sungen hinaus gehen, kaum noch denkbar. Die Europ\u00e4ische Kommission und das eIPF haben jedenfalls formuliert, dass ohne eine gut aufgestellte community von research technologists wettbewerbsf\u00e4hige Forschung in den n\u00e4chsten Jahren und Jahrzehnten zunehmend schwieriger sein wird. Die Spezialisierung und Arbeitsteilung in der Wissenschaft macht es zunehmend unm\u00f6glich, dass ein\/e einzelne\/r Wissenschaftler\/in alle im engeren Sinne forschungsgetriebenen und alle technologischen Aspekte seiner\/ihrer Forschung selbst beherrschen, anpassen und neu entwickeln kann. Zugleich sind &#8222;research technologists&#8220; mit meist informatischem Hintergrund in der Industrie und dem Service-Sektor gefragte Arbeitskr\u00e4fte, sodass es f\u00fcr die Wissenschaft oft schwierig ist, geeignete Mitarbeiter\/innen zu finden und zu halten. Viele Projekte<strong><\/strong> in den digitalen Geisteswissenschaften sind davon betroffen.<\/p>\n<h3><strong>3. Warum ist der Status von research technologists derzeit problematisch?<\/strong><\/h3>\n<p>Zur Zeit haben &#8222;research technologists&#8220; keinen klar definierten Status; den meisten Wissenschaftlern ist der Begriff selbst unbekannt. Da sie nicht selbst disziplin\u00e4r verankerte Forschungsprojekte leiten oder eine solche Leitungsposition anstreben, steht ihnen anders als &#8222;normalen&#8220; Wissenschaftlern keine akademische Karriere offen. Da sie andererseits nicht zum festen Personal von Rechenzentren geh\u00f6ren, die \u00fcberwiegend nicht f\u00fcr so forschungsnahe und projektgetriebene Forschungsprojekte zust\u00e4ndig sind, haben sie auch hier keine konkreten Aufstiegschancen. Weil sie \u00fcberwiegend projektbasiert eingestellt werden, sind sie zumindestens in den Geistes- und Sozialwissenschaften h\u00e4ufig befristet und unsicher besch\u00e4ftigt. Und weil sie zu oft als Dienstleister gesehen werden, und nicht als vollwertig am Forschungsprozess beteiligte, sind sie h\u00e4ufig nicht Ko-Autoren wissenschaftlicher Artikel \u00fcber ihr Forschungsprojekt und bekommen demnach nicht einmal symbolisches akademisches Kapital f\u00fcr ihre Arbeit.<\/p>\n<h3><strong>4. Was k\u00f6nnen verschiedene Akteure unternehmen?<\/strong><\/h3>\n<p>Es wurden verschiedenste L\u00f6sungsans\u00e4tze diskutiert, vier davon scheinen mit aber besonders wichtig. Erstens sollte der genuine, forschungsorientierte Beitrag, den &#8222;research technologists&#8220; zum Forschungsprozess beitragen dadurch gew\u00fcrdigt werden, dass sie mit Bezug auf ihre Gehaltsstufe als Wissenschaftler eingestuft werden oder zumindest besser gestellt werden, als dies derzeit oft der Fall ist. Zweitens und kurzfristig sollten sie aus dem gleichen Grund am Verfassen und Publizieren von wissenschaftlichen Artikeln beteiligt werden, was m\u00f6glicherweise die Inhalte ebenso beeinflussen w\u00fcrde wie die geeigneten Publikationsorte. Drittens und mittelfristig sollten ver\u00e4nderte Publikationsgewohnheiten es &#8222;research technologists&#8220; erlauben, durch die Publikation von Tools und Code ebenfalls &#8222;academic credit&#8220; zu erwerben. Viertens (und das scheint mir der Bereich zu sein, wo am deutlichsten eine win-win-Situation hergestellt werden k\u00f6nnte), sollten an den Universit\u00e4ten idealerweise auf Fakult\u00e4tsebene &#8222;Research Technology Centers&#8220; oder &#8222;Digitale Forschungszentren&#8220; eingerichtet werden, die &#8222;research technologists&#8220; dauerhaft eingerichtete Stellen anbieten k\u00f6nnen. Das w\u00fcrde den RTs eine dauerhafte Perspektive er\u00f6ffnen und es Projekten zugleich erlauben, zeitweise und flexibel Expertise ins Projekt zu holen, ohne dass die RTs nach Abschluss des Projekts auf der Stra\u00dfe stehen, und ohne dass der Universit\u00e4t wertvolle Expertise verloren geht.<\/p>\n<p>Klar wird auf jeden Fall, dass die Entwicklung in der Forschungspraxis nicht haltmacht, w\u00e4hrend die kulturellen und institutionellen Gegebenheiten nur langsam reagieren. Hier sind in der Tat individuelle Forscher\/innen ebenso gefragt wie Entscheider\/innen auf institutioneller Ebene! Auch Input aus der Community ist hier gerne gefragt: Welche (vielleicht abweichende) Erfahrungen haben Sie in Ihren Projekten mit &#8222;research technologists&#8220; gemacht? Sind Sie vielleicht selbst eine\/r? Was sehen Sie als dringlichste Probleme?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 11. bis 12. M\u00e4rz fand am Corpus Christi College in Oxford ein Workshop zum Thema &#8222;Recognising Research Technologists in Research: an Action Plan&#8220; statt. Der Workshop wurde von JISC (UK) gemeinsam mit SURF (NL) und dem CSC (FIN) organisiert und fand im Rahmen des e-Infrastructure Policy Forums statt. 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