{"id":14821,"date":"2020-12-22T17:38:32","date_gmt":"2020-12-22T16:38:32","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=14821"},"modified":"2020-12-22T17:38:32","modified_gmt":"2020-12-22T16:38:32","slug":"clariah-de-eine-gemeinsame-infrastruktur-als-verschmelzung-zweier-welten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=14821","title":{"rendered":"CLARIAH-DE: eine gemeinsame Infrastruktur als Verschmelzung zweier Welten"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Beitrag zum Projektstand aus dem CLARIAH-DE AP2.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Autoren<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li>Bernhard Fisseni (<a href=\"mailto:fisseni@ids-mannheim.de\">fisseni@ids-mannheim.de<\/a>), Leibniz-Institut f\u00fcr Deutsche Sprache, Mannheim<\/li>\n<li>Jonathan D. Geiger (<a href=\"mailto:jonathan.geiger@adwmainz.de\">jonathan.geiger@adwmainz.de<\/a>), Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung ver\u00e4ndert die Gesellschaft seit den 70er Jahren. Diese Ver\u00e4nderungen werden immer offensichtlicher: So ist der Zugang zu kulturellen G\u00fctern nicht mehr nur durch das reale Objekt oder deren materielle Form wie Bilder oder gedruckte Texte in Buchform m\u00f6glich, sondern auch in digitaler Form. In vielerlei Hinsicht m\u00fcssen daher die Konzeptionen der gesellschaftlichen Erinnerungsinstitutionen (GLAM) neu gedacht werden \u2013 das schlie\u00dft Fragen nach neuen M\u00f6glichkeiten, aber auch Herausforderungen bei der Aufnahme, Verwahrung, Verwaltung und Erforschung kultureller G\u00fcter mit ein. Eine zentrale Rolle spielen dabei auch die digitalen Werkzeuge und Services, virtuelle Forschungsumgebungen und Infrastrukturen: Tools sind einerseits an sich bereits kulturelle G\u00fcter und Zeugnisse der Gegenwart f\u00fcr die Zukunft; dar\u00fcber hinaus sind digitale Artefakte sowie Retrodigitalisate andererseits ohne die hierbei involvierten Werkzeuge nicht denkbar und damit auch nicht vollst\u00e4ndig verstehbar. Die klassische Quellenkritik muss um eine digitale Dimension erg\u00e4nzt werden, da digitale Objekte als solche erst durch Transformationen, Konvertierungen, Formatierungen, Kompression etc. entstehen und bei jedem Schritt digitale Werkzeuge beteiligt sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">CLARIAH-DE als Infrastrukturprojekt<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die digitalen Geisteswissenschaften in Deutschland ist es insbesondere das Projekt CLARIAH-DE (<a href=\"https:\/\/www.clariah.de\/\">https:\/\/www.clariah.de\/<\/a>), das f\u00fcr diese Aufgabe einen Beitrag leistet. Vor dem Hintergrund der Formierung der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) werden in diesem zwei-Jahres-Projekt (2019\u20132021) die beiden virtuellen Forschungsumgebungen CLARIN-D und DARIAH-DE in eine einzige Infrastruktur integriert, wobei Erg\u00e4nzungen und Erweiterungen des Angebots digitaler Tools und Webservices, der Abbau von Interoperabilit\u00e4tshemmnissen und die Generierung und Ausnutzung von Synergieeffekten im Vordergrund des Vorhabens stehen. Die Auflage dieser neuen virtuellen Forschungsumgebung wird hierbei wesentlich strukturiert anhand von Koordinierungsabsprachen \u00e4hnlich gelagerter Verb\u00fcnde auf europ\u00e4ischer Ebene einerseits, andererseits aber auch von den Bedarfen der Forschenden und den Anforderungen der Fachverb\u00e4nde der Geistes- und Kulturwissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Forschungswerkzeuge und virtuelle Forschungsumgebungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Arbeitspaket 2 &#8222;Gro\u00dfe Werkzeuge und virtuelle Forschungsumgebungen&#8220; arbeiten die Technische Universit\u00e4t Darmstadt, die Eberhard-Karls-Universit\u00e4t T\u00fcbingen, das Leibniz-Institut f\u00fcr Deutsche Sprache, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zusammen daran, die Angebote der beiden VREs CLARIN-D und DARIAH-DE zu sichten, zu evaluieren und zusammenf\u00fchren, sodass eine einzige Forschungsumgebung entsteht. Bei diesen Angeboten handelt es sich um Tools, Webservices, Dienste und Repositorien von und f\u00fcr die digitale Forschung der Geistes- und Kulturwissenschaften, beispielsweise f\u00fcr Optical Character Recognition, Textanalyse, die Verarbeitung von Geodaten oder Formatkonvertierungen. Zur Herstellung von Interoperabilit\u00e4t werden die organisatorische, strukturelle, syntaktische und semantische Ebene in den Blick genommen: Strukturell geht es um die Anschlussf\u00e4higkeit der Werkzeuge \u00fcber stabile Downloadm\u00f6glichkeiten der stand-alone Applikationen oder APIs bei Webservices, syntaktisch stehen vor allem gemeinsame Datenaustauschformate wie TEI-p5-basierte Formate (z. B. das DTA-Basisformat) im Rahmen des Projekts im Vordergrund und semantisch werden die Tools und Webservices menschenlesbar \u00fcber den DARIAH Service Lifecycle beschrieben und dokumentiert, sowie maschinenlesbar \u00fcber kontrollierte Vokabulare (insbesondere TaDiRAH) ausgezeichnet. Einen besonderen Stellenwert nimmt hierbei das Tool Language Resources Switchboard (<a href=\"https:\/\/switchboard.clarin.eu\/\">https:\/\/switchboard.clarin.eu\/<\/a>) ein, dem als Br\u00fcckentechnologie (MIMEtype-Sniffer und Werkzeugdatenbank) eine zentrale Position zukommt.<\/p>\n<p>AP2 hat viele Aufgaben bereits erfolgreich umgesetzt: Die Werkzeuge und Forschungsumgebungen wurden identifiziert und evaluiert. Basierend auf einer Analyse der Interoperabilit\u00e4tshemmnisse wurde das LR Switchboard \u00fcberarbeitet, angepasst und erweitert. Detaillierte Werkzeugbeschreibungen wurden angefertigt, u. a. gem\u00e4\u00df dem DARIAH Service Lifecycle, und ein Datenmodell f\u00fcr die technischen Beschreibungen konzipiert, das erlaubt, aus derselben Beschreibung eine menschen- und eine maschinenlesbare Fassung zu erstellen (siehe hierzu <a href=\"https:\/\/www.clariah.de\/ueber-uns\/diensteliste\">https:\/\/www.clariah.de\/ueber-uns\/diensteliste<\/a>). Im Zuge der semantischen Durchdringung wurde die Taxonomie f\u00fcr die digital-geisteswissenschaftliche Forschung TaDiRAH grundlegend \u00fcberarbeitet, im SKOS-Format publiziert (siehe hierzu <a href=\"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13108\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13108<\/a>) und zur Auszeichnung der Werkzeuge verwendet. Noch ist nicht alles erledigt: Das LR Switchboards muss noch weiter angepasst und Schritt-f\u00fcr-Schritt-Anleitungen angefertigt werden. Doch schon jetzt kann die Fachcommunity von den erweiterten Funktionalit\u00e4ten des LR Switchboards, insbesondere auch vom deutlich angewachsenen Bestand an nutzbaren Tools und Webservices, profitieren, ebenso wie von der Neuauflage von TaDiRAH. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die menschenlesbaren Beschreibungen bei der Auswahl und Verkettung von Werkzeugen zur eigenen Forschung helfen, selbst wenn man nicht das LR Switchboard verwendet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Verwaltung des digitalen kulturellen Erbes und der Forschung<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch die Zusammenf\u00fchrung der beiden virtuellen Forschungsumgebungen CLARIN-D und DARIAH-DE stellt CLARIAH-DE die Verschmelzung zweier ehemals getrennter Welten dar. Die Werkzeuge, die insbesondere im AP2 \u00fcber die Br\u00fcckentechnologie LR Switchboard interoperabel nutzbar gemacht werden, sind neben der Forschung auch f\u00fcr die gesellschaftlichen Ged\u00e4chtniseinrichtungen eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung bei der Kuratierung digitaler und digitalisierter Objekte. Damit werden die Geistes- und Kulturwissenschaften als Theorie und Praxis des Umganges mit kulturellem Erbe ihrer Rolle auch in Bezug auf das Digitale ein Schritt mehr gerecht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag zum Projektstand aus dem CLARIAH-DE AP2. Autoren: Bernhard Fisseni (fisseni@ids-mannheim.de), Leibniz-Institut f\u00fcr Deutsche Sprache, Mannheim Jonathan D. Geiger (jonathan.geiger@adwmainz.de), Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz \u00a0 Die Digitalisierung ver\u00e4ndert die Gesellschaft seit den 70er Jahren. 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