{"id":14813,"date":"2020-12-21T12:27:24","date_gmt":"2020-12-21T11:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=14813"},"modified":"2020-12-21T17:29:52","modified_gmt":"2020-12-21T16:29:52","slug":"cfp-fabrikation-von-erkenntnis-experimente-in-den-digital-humanities","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=14813","title":{"rendered":"CfP: Fabrikation von Erkenntnis: Experimente in den Digital Humanities"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Call for Publications<\/strong><\/p>\n<p>Die Labor-Metapher ist in den Digital Humanities (DH) weit verbreitet (Earhart, 2015; Lane, 2016) und wird aktuell verst\u00e4rkt im Kontext der wissenschaftssoziologischen \u201claboratory studies\u201d in der Tradition von Karin Knorr Cetina (1991) auf vielf\u00e4ltige Weise diskutiert (vgl. etwa Pawlicka-Deger, 2020). H\u00e4ufig betonen DH-Labore dabei den Aspekt des wissenschaftlichen Austauschs und der Kollaboration (im Sinne eines <i>collaboratory<\/i>, vgl. Siemens &amp; Siemens, 2012), der in den interdisziplin\u00e4ren Konstellationen der DH geradezu genre-pr\u00e4gend ist. Dar\u00fcber hinaus ist das Labor traditionell eng verkn\u00fcpft mit der Funktion als Experimentierst\u00e4tte.&nbsp;<\/p>\n<p>In DH-Labs werden dementsprechend geistes- und kulturwissenschaftliche Daten in Experimentalsettings aufbereitet, transformiert, kodiert und mithilfe von speziellen Instrumenten und Verfahren (vgl. Hannaway, 1986: 585) \u2013 also digitalen Tools und Methoden \u2013 analysiert. Die regelm\u00e4\u00dfige Reflexion des wechselseitigen Einflusses von digitalen Methoden und bestehenden Theorien sowie auch Epistemen er\u00f6ffnet im DH-Lab zus\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit erkenntnistheoretischer Versuche. Dabei fungieren DH-Labs auch als dynamische Werkst\u00e4tten des Wissens. Grundlegende Praktiken der Geisteswissenschaften entfalten im Ideen- und Schreiblabor ihre kreative Kraft: Die Dokumentation wie die Kommunikation von Forschungsprozessen und -ergebnissen k\u00f6nnen dank neuer Publikationsformate an sich schon zum Experiment und zur interdisziplin\u00e4ren Ideenschmiede werden.<\/p>\n<p>Unter der Losung \u201eFabrikation von Erkenntnis: Experimente in den Digital Humanities\u201d greift dieser Call for Publications die eingangs genannten Aspekte auf und l\u00e4dt dazu ein, das experimentelle Potenzial der DH in unterschiedlichen Beitragstypen zu ergr\u00fcnden. Er greift mit dem Thema \u201cExperimente\u201d auch das Rahmenthema der vDHd2021 auf, das Alternativformat f\u00fcr die verschobene Jahrestagung des DHd-Verbands. Die vDHd2021 wird von der Community f\u00fcr die Community und mit Unterst\u00fctzung des DHd e.V. organisiert. Die verschiedenen Veranstaltungen der vDHd2021 sowie auch dieser Call for Publications sollen das Warten auf die n\u00e4chste DHd-Jahrestagung im Fr\u00fchjahr 2022 in Potsdam verk\u00fcrzen. Der Call ist zwar losgel\u00f6st von den Events der vDHd2021, m\u00f6chte aber ebenso zur Sichtbarkeit aktueller DH-Aktivit\u00e4ten im deutschsprachigen Raum beitragen \u2013 dies auch vor dem Hintergrund des Fehlens eines Book of Abstracts f\u00fcr das Jahr 2021.<\/p>\n<p>Insgesamt sind drei Typen von Einreichungen m\u00f6glich, die im Folgenden n\u00e4her erl\u00e4utert werden:&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Langartikel zu experimentellen Methoden und Verfahren der DH<\/li>\n<li>Daten-Experimente \/ Publikation von Datens\u00e4tzen<\/li>\n<li>Code-Experimente \/ Publikation von ausf\u00fchrbaren Notebooks<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr alle Beitragstypen ist zun\u00e4chst ein Abstract bis zum 15. Februar 2021 bei den jeweils angegebenen Kontaktpersonen einzureichen. Die Entscheidung \u00fcber die Annahme der Beitr\u00e4ge ergeht bis zum 15. M\u00e4rz 2021. Die vollst\u00e4ndigen Beitr\u00e4ge m\u00fcssen bis zum 10. Mai 2021 eingereicht werden. Alle angenommenen Beitr\u00e4ge werden in einer Sonderausgabe der Zeitschrift f\u00fcr digitale Geisteswissenschaften (ZfdG, <a href=\"http:\/\/www.zfdg.de\/\">http:\/\/www.zfdg.de\/<\/a>) und auf Melusina Press (<a href=\"https:\/\/www.melusinapress.lu\/\">https:\/\/www.melusinapress.lu\/<\/a>) im Open Access ver\u00f6ffentlicht. Weiterhin werden alle Beitragstypen im Rahmen eines <i>peer review<\/i>-Verfahrens begutachtet. Die Begutachtungsverfahren k\u00f6nnen sich je nach Beitragstyp ggf. unterscheiden, weitere Details hierzu folgen. Die Abstracts sowie auch die finalen Beitr\u00e4ge k\u00f6nnen in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>(1) Langartikel zu experimentellen Methoden und Verfahren der DH<\/b><\/p>\n<p>Verantwortlich: Jo\u00eblle Weis, Timo Steyer und Peer Trilcke<\/p>\n<p>Wenngleich die DH wegen ihrer methodischen Ausrichtung immer zu einem bestimmten Grad experimentell sind (zumindest im Vergleich zu traditionellen geistes- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen), so scheinen sich in den letzten Jahren doch einige Verfahren, insbesondere im Bereich der textbasierten DH, zunehmend zu etablieren. Daher sollen in diesem Beitragstyp vor allem Methoden und Verfahren angesprochen werden, die noch experimentellen Status innehaben. Gesucht werden idealerweiseEinreichungen zu neuartigen Anwendungsbereichen und mit unorthodoxen Ideen. Die Beitr\u00e4ge k\u00f6nnen auch kritische Einblicke und Bewertungen aktueller Diskurse geben oder provokative Thesen formulieren. Willkommen sind ebenso Einreichungen zu und mit unterschiedlichen Medientypen, wie etwa Videos, Bilder, Musik, Spiele und 3D-Objekte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sollen Abstracts der geplanten Beitr\u00e4ge mit einer L\u00e4nge von 500 \u2013 1.000 W\u00f6rtern eingereicht werden. In den Abstracts soll die Fragestellung klar umrissen und der Grad der Innovativit\u00e4t deutlich gemacht werden. Die Langbeitr\u00e4ge umfassen 5.000 \u2013 7.000 W\u00f6rter (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet).&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li><i>Kontakt und Einreichung<\/i>: Jo\u00eblle Weis (weis@hab.de)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>(2) Daten-Experimente \/ Publikation von Datens\u00e4tzen<\/b><\/p>\n<p>Verantwortlich: Lisa Dieckmann und Ulrike Wuttke<\/p>\n<p>Diese Beitragskategorie besch\u00e4ftigt sich mit der Publikation von Datens\u00e4tzen. Gesucht werden hier vor allem unkonventionelle <i>corpora obscura<\/i>. Die Datens\u00e4tze sollen frei verf\u00fcgbar, bspw. \u00fcber ein anerkanntes institutionelles, fachliches oder generisches Forschungsdatenrepositorium ver\u00f6ffentlicht werden und dabei m\u00f6glichst die FAIR-Prinzipien (<i>findable<\/i>, <i>accessible<\/i>, <i>interoperable<\/i>, <i>reusable<\/i>) ber\u00fccksichtigen. Dar\u00fcber hinaus soll ein Beitrag im Umfang von 3.000 \u2013 5.000 W\u00f6rtern (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet) in der ZfdG publiziert werden, der die Erstellung und die Besonderheiten des Datensatzes beschreibt und methodische Ankn\u00fcpfungspunkte und konkrete Forschungsfragen aufzeigt (Data Paper). Die nachfolgenden Beispiele sollen die geforderte Kombination aus Datens\u00e4tzen und begleitenden Artikeln anhand bestehender <i>dataset publications<\/i> illustrieren:<\/p>\n<ul>\n<li>&nbsp; <i>Standardized Project Gutenberg <\/i>(Text: https:\/\/arxiv.org\/pdf\/1812.08092.pdf; Dataset: https:\/\/zenodo.org\/record\/2422561#.X6PZkJNKhTY)<\/li>\n<li>&nbsp; <i>TED Talks as Data<\/i> (Text: https:\/\/culturalanalytics.org\/article\/11044-ted-talks-as-data; Dataset: https:\/\/github.com\/kinnaird-laudun\/data\/tree\/master\/Release_v0)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bitte reichen Sie zun\u00e4chst Abstracts im Umfang von 500 \u2013 1.000 W\u00f6rtern ein und stellen Sie dar, welche Daten Sie publizieren wollen und inwiefern diese relevant f\u00fcr die DH-Community sind. Gehen Sie dabei auch kurz auf die Ber\u00fccksichtigung der FAIR-Prinzipien und die geplante Infrastruktur zur nachhaltigen Ver\u00f6ffentlichung der Daten ein, sofern es in diese Richtung bereits \u00dcberlegungen gibt. Falls der Datensatz bereits (vollst\u00e4ndig oder in Teilen) ver\u00f6ffentlicht wurde, bitten wir um eine kurze Motivation der Publikation im Rahmen des geplanten Sammelbands.<\/p>\n<ul>\n<li><i>Kontakt und Einreichung<\/i>: Lisa Dieckmann (lisa.dieckmann@uni-koeln.de)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>(3) Code-Experimente \/ Publikation von ausf\u00fchrbaren Notebooks<\/b><\/p>\n<p>Verantwortlich: Manuel Burghardt und Niels Walkowski<\/p>\n<p>Neben der Publikation von Datens\u00e4tzen, ist ein weiteres Experiment dieses Sammelbands die Ver\u00f6ffentlichung von \u201eexecutable publications\u201c. Gesucht sind hier interaktive <i>Jupyter Notebooks <\/i>(Python und R-basiert), die, sofern m\u00f6glich, zusammen mit den verwendeten Daten und einer technischen Dokumentation als Git-Repositorium eingereicht werden. Alle Notebooks haben neben den Code-Abschnitten eine klar strukturierte und verst\u00e4ndliche textuelle Komponente. Einreichungen in dieser Kategorie werden parallel in einer ausf\u00fchrbaren Version bei Melusina Press und einer statischen Textversion im Umfang von 3.000 \u2013 5.000 W\u00f6rtern (Abbildungen und Referenzen nicht mitgerechnet) in der ZfdG publiziert.<\/p>\n<p>Ziel dieser Beitragskategorie ist die Verschr\u00e4nkung textueller Passagen mit code-basierten Explorationen innerhalb eines wissenschaftlich-narrativen Zusammenhangs. Dabei soll die h\u00e4ufig anzutreffende Rollenverteilung von Text als Mittel der Interpretation und Daten\/Code als Ort empirischer Stringenz aufgebrochen werden. Wir gehen davon aus, dass Code genauso gut eine Theorie kommunizieren kann wie Textualit\u00e4t verschiedenste Formen der Evidenz zu produzieren vermag. Beitr\u00e4ge in dieser Kategorie sollten diesen gleichberechtigten und experimentellen Umgang mit beiden Modalit\u00e4ten (und anderen, wie z. B. Bildern) ernstnehmen und entsprechend widerspiegeln. Code-Experimente k\u00f6nnen dabei ganz unterschiedliche Ziele verfolgen. So kann in essayistischer Manier einer Forschungsfrage oder einem Forschungsgegenstand nachgegangen werden. Ein methodisch orientiertes <i>executable paper<\/i> wiederum kann interaktive Komponenten dazu nutzen, eine neue Forschungsmethode unter weitreichender Einbeziehung von LeserInnen zu vermitteln und durch Parametrisierbarkeit diese Komponenten umf\u00e4nglich evaluierbar zu machen.<\/p>\n<p>Bei Interesse an einer Einreichung dieser Art wird um eine fr\u00fchzeitige Mitteilung gebeten. Weitere technische Anforderungen und formale Vorgaben werden nach Kontaktaufnahme zugesendet. Gefordert sind weiterhin Abstracts im Umfang von 500 \u2013 1.000 W\u00f6rtern, die das Konzept und die Struktur des Notebooks erl\u00e4utern. Es sollte dabei deutlich werden, inwiefern die sp\u00e4ter ausf\u00fchrbaren Code-Komponenten einen epistemologischen Mehrwert gegen\u00fcber einer rein textuellen Beschreibung bringen.<\/p>\n<ul>\n<li><i>Kontakt und Einreichung<\/i>: Niels-Oliver Walkowski (melusina.press@uni.lu)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Literatur zum Call<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Earhart, A. (2015). The digital humanities as a laboratory. MIT Press.<\/li>\n<li>Hannaway, O. (1986). Laboratory Design and the Aim of Science: Andreas Libavius versus Tycho Brahe. In Isis \u2013 Journal of the History of Science Society 77(4), 585-610.<\/li>\n<li>Knorr-Cetina, K. (1991). Die Fabrikation von Erkenntnis: Zur Anthropologie der Naturwissenschaft (Vol. 959). Suhrkamp.<\/li>\n<li>Lane, R. J. (2016). The Big Humanities: Digital Humanities\/Digital Laboratories. Routledge.<\/li>\n<li>Siemens, L. &amp; Siemens, R. (2012). Notes from the Collaboratory: An Informal Study of an Academic Lab in Transition. Book of Abstracts, DH Conference 2012, Hamburg.<\/li>\n<li>Pawlicka-Deger, U. (2020). The Laboratory Turn: Exploring Discourses, Landscapes, and Models of Humanities Labs. In Digital Humanities Quarterly, 14(3).<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call for Publications Die Labor-Metapher ist in den Digital Humanities (DH) weit verbreitet (Earhart, 2015; Lane, 2016) und wird aktuell verst\u00e4rkt im Kontext der wissenschaftssoziologischen \u201claboratory studies\u201d in der Tradition von Karin Knorr Cetina (1991) auf vielf\u00e4ltige Weise diskutiert (vgl. etwa Pawlicka-Deger, 2020). 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