{"id":1398,"date":"2013-02-16T15:51:32","date_gmt":"2013-02-16T14:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=1398"},"modified":"2013-02-16T23:44:01","modified_gmt":"2013-02-16T22:44:01","slug":"dh-in-den-medien-die-faz-uber-digitale-geschichtswissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=1398","title":{"rendered":"DH in den Medien: Die FAZ \u00fcber Digitale Geschichtswissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Wenn in den Medien \u00fcber DH berichtet wird, startet meine Rezeption immer mit gemischten Gef\u00fchlen: Freude, dass wargenommen wird, woran man arbeitet und was einen selbst interessiert; Sorge, ob ein sinnvoller Bericht dabei herauskommt und ob der Journalist oder die Journalistin auch verstanden hat, wovon er oder sie schreibt. Beim Lesen des Artikels &#8222;<a title=\"Furchtbare URL zum Artikel\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/forschung-und-lehre\/digitale-geschichtswissenschaft-mittel-auf-der-suche-nach-einem-zweck-12059672.html\" target=\"_blank\">Mittel auf der Suche nach einem Zweck<\/a>&#8220; von <a title=\"Thomas Thiel, Redakteur bei der FAZ\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/redaktion\/thomas-thiel-11104400.html\" target=\"_blank\">Thomas Thiel<\/a>, FAZ, 11.2.2013, \u00fcberwiegt die Freude \u00fcber eine gelungene Ann\u00e4herung an ein nicht ganz einfaches Thema: der zunehmende Einsatz digitaler Verfahren in den Geschichtswissenschaften und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Methodik und die Praxis der Geschichtsforschung bzw. Geschichtsschreibung. Am Rande r\u00fchrt das nat\u00fcrlich auch an einer der Grundfragen, die uns wohl alle hier umtreiben: Helfen digitale Werkzeuge bei der besseren Beantwortung alter Fragen? F\u00fchren sie zu einer Ver\u00e4nderung der Fragestellungen? Legen sie ganz neue Fragen nahe?<\/p>\n<p>Am Beispiel der Tendenz zu quantifizierenden, jedenfalls aber formalisierten Untersuchungen, die sich hier vor allem auf Textmining und Textanalyse beziehen und f\u00fcr den Bereich der historischen Forschung wird dies zumindest angedeutet. Dabei ist klar, dass im Mainstream der Forschung und in der journalistischen Berichterstattung zun\u00e4chst nur die einfachsten Verfahren ankommen: hier das Vorkommen oder gemeinsame Vorkommen (Co-Occurence) von W\u00f6rtern in Textkorpora. Dass dabei eine gewisse Neuheit behauptet werden muss, ist der Logik des Journalismus geschuldet. Den durchschnittlichen FAZ-Leser wird schlie\u00dflich nicht so sehr interessieren, dass genau diese Fragen auch schon <a title=\"Roberto Busa, einer der Urv\u00e4ter der Digital Humanities\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roberto_Busa\" target=\"_blank\">Pater Busa<\/a> vor 60 Jahren beim Aufbau seines <a title=\"Eine der neueren Installationen bzw. Anwendungen des Corpus Thomisticus\" href=\"http:\/\/www.corpusthomisticum.org\/\" target=\"_blank\">Index Thomisticus<\/a> angetrieben haben, dass sich seit Jahrzehnten die Digital Humanities und Spezialbereiche wie die Computerlinguistik oder die in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon einmal in Bl\u00fcte gestanden habende quantifizierende Geschichtsforschung mit diesen Verfahren besch\u00e4ftig(t)en und dabei theoretisch, methodisch und in der Werkzeugentwicklung sehr viel weiter als bis zum einfachen Ausz\u00e4hlen von Co-Occurences gekommen sind.<\/p>\n<p>Eine anderes &#8211; leider nicht nur journalistisches &#8211; Wahrnehmungsmuster, das in einem Blog \u00fcber Digital Humanities wohl thematisiert werden kann, ist die Unsch\u00e4rfe bzw. Ignoranz gegen\u00fcber dem Fachbereich, der diese Wandlungen auf der Entwicklungsseite vorantreibt: den Digital Humanities. Diese kommen in dem Artikel n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nicht vor. Statt dessen scheint es (einmal mehr) so, als ob Methoden und Werkzeuge entweder einfach &#8222;da&#8220; sind und in den Geisteswissenschaften nur aufgegriffen werden, oder dass sie &#8211; wie es am vorgestellten Projekt &#8222;Historical Semantic Corpus Management (HSCM)&#8220; beschrieben &#8211; in Zusammenarbeit mit (w\u00f6rtlich: &#8222;assistiert von&#8220;) einem &#8222;Informatiker&#8220; entwickelt w\u00fcrden. Dabei wird unterschlagen, dass es eben nicht die allgemeine Informatik ist, die die informatische Wende in den Geisteswissenschaften erm\u00f6glicht, sondern mit den Digital Humanities eine eigene Disziplin, die von manchen zwar als &#8222;Fachinformatik&#8220; klassifiziert wird, deren Wesen damit aber nur unzureichend zu fassen ist. Dabei reicht ein Blick auf die Webseite des <a title=\"Projektseite\" href=\"http:\/\/hscm.hucompute.org\/\" target=\"_blank\">Historical Semantic Corpus Management (HSCM)<\/a>, um zu sehen, dass das Projekt sich sogar selbst als &#8222;Digital Humanities Project&#8220; bezeichnet. Dort ist dann zwar die Rede von einer Zusammenarbeit zwischen &#8222;humanities and informatics&#8220;. Die &#8222;informatics&#8220;-Seite wird dann aber vertreten von Alexander Mehler und der hat eben keinen Abschluss in &#8222;Informatik&#8220;, sondern &#8222;graduated in computational linguistics [&#8230; and] got his PhD in computational linguistics&#8220; (so <a title=\"Prof. Dr. Alexander Mehler als Mitglied des &quot;Text Technology Lab&quot;\" href=\"http:\/\/www.hucompute.org\/team\/21\" target=\"_blank\">seine Website<\/a>) &#8211; und das ist ja auch gut so, wenn man eben Verfahren zum Text-Mining in historischen Korpora braucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn in den Medien \u00fcber DH berichtet wird, startet meine Rezeption immer mit gemischten Gef\u00fchlen: Freude, dass wargenommen wird, woran man arbeitet und was einen selbst interessiert; Sorge, ob ein sinnvoller Bericht dabei herauskommt und ob der Journalist oder die Journalistin auch verstanden hat, wovon er oder sie schreibt. 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