{"id":13908,"date":"2020-06-25T16:04:09","date_gmt":"2020-06-25T14:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13908"},"modified":"2020-06-25T16:04:09","modified_gmt":"2020-06-25T14:04:09","slug":"zur-sprachenfrage-bei-der-dhd-jahrestagung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13908","title":{"rendered":"Zur Sprachenfrage bei der DHd-Jahrestagung"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Sprachenfrage stellt sich innerhalb des Verbands \u201c<a href=\"https:\/\/dig-hum.de\">Digital Humanities im deutschsprachigen Raum<\/a>\u201d (DHd-Verband) immer wieder. Das ist nicht \u00fcberraschend, ist diese definitorische Frage doch schon im Namen des Verbands eingeschrieben, zumal in der komplexen Verschr\u00e4nkung mit einer geographischen Komponente. Dabei ist der deutschsprachige Raum keine Frage von Nationalstaaten, sondern eine sprachlich determinierte geographische Umschreibung, die nicht nur Deutschland, \u00d6sterreich und Teile der Schweiz, sondern u.a. auch Luxemburg und Teile von Belgien umfasst. Zugleich erinnert der Name des Verbands auch an die Rolle des Deutschen als Werkzeug, Kommunikationsmittel und Untersuchungsgegenstand in unserer Community.\u00a0<\/p>\n<p>Einige werden sich daran erinnern, dass das Thema im Rahmen der Mitgliederversammlung w\u00e4hrend der Jahrestagung des DHd-Verbands in Bern im Jahr 2017 diskutiert wurde. Damals ist die bisher g\u00fcltige Formel vereinbart worden, nach der die schriftlichen Abstracts bevorzugt auf Deutsch, aber auch in anderen Sprachen zur Begutachtung eingereicht werden k\u00f6nnen; und dass die Sprache der Vortr\u00e4ge bevorzugt Deutsch ist, aber Vortragende, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, auch in einer anderen Sprache vortragen k\u00f6nnen. Damals haben wir ausdr\u00fccklich nicht festgelegt, welche diese anderen Sprachen sein k\u00f6nnen; aus nachvollziehbaren pragmatischen Gr\u00fcnden hat sich dies aber in der Praxis der letzten Jahre auf Englisch als Alternative zum Deutschen beschr\u00e4nkt.\u00a0<\/p>\n<p>Diskussionen der j\u00fcngeren Zeit, die an verschiedenen Stellen stattgefunden haben, haben dazu gef\u00fchrt, dass der Vorstand des DHd-Verbands sich im Juni 2020 erneut intensiv mit der Sprachenfrage insbesondere (aber nicht nur) bei der Jahreskonferenz auseinandergesetzt hat. Zahlreiche Argumente wurden gegeneinander abgewogen und sind letztlich in die k\u00fcrzlich modifizierte Formulierung des Abschnitts zur Sprachenfrage im <a href=\"https:\/\/www.dhd2021.de\/cfp\/\">Call for Papers f\u00fcr die DHd2021<\/a> eingeflossen. Dieser Abschnitt lautet nun:\u00a0<\/p>\n<blockquote>\n<p>\u201cDie prim\u00e4re Sprache der Veranstaltung ist Deutsch. Vorschl\u00e4ge sollen in deutscher Sprache eingereicht werden, sie k\u00f6nnen aber auch auf Englisch eingereicht werden. Die Beitr\u00e4ge sollen auf Deutsch vorgetragen werden, sie k\u00f6nnen aber in begr\u00fcndeten F\u00e4llen auch auf Englisch vorgetragen werden.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Mit dem vorliegenden Text m\u00f6chten wir diese Passage etwas kontextualisieren und erl\u00e4utern und eine Diskussion in der Community anregen, die auch in eine erneute Thematisierung bei der n\u00e4chsten Mitgliederversammlung m\u00fcnden kann.\u00a0<\/p>\n<p>Einiges spricht aus unserer Sicht daf\u00fcr, der deutschen Sprache auch weiterhin eine besondere Rolle bei der Jahreskonferenz zuzusprechen. Die deutsche Sprache ist ein Alleinstellungsmerkmal unseres Verbandes und unserer Konferenz, ein wichtiges Identifikationsmoment unserer Community und eine lebendige Wissenschaftssprache, die wir auch weiterhin als solche f\u00f6rdern m\u00f6chten. Auch werden durch das Deutsche als (prim\u00e4re) Konferenzsprache die Einstiegsh\u00fcrden in den wissenschaftlichen Diskurs w\u00e4hrend der Tagung f\u00fcr Nachwuchswissenschaftler*innen nicht noch durch eine zus\u00e4tzliche sprachliche Herausforderung gesteigert. Und an alternativen Konferenzen, bei denen auf Englisch vorgetragen und diskutiert werden kann, herrscht kein Mangel.<\/p>\n<p>Zugleich gibt es auch Argumente daf\u00fcr, die Konferenz nicht ausschlie\u00dflich auf das Deutsche zu begrenzen. So ist es uns als DHd-Vorstand wichtig, alle Mitglieder der DH-Community im deutschsprachigen Raum \u2013 einschlie\u00dflich derjenigen, die im deutschsprachigen Raum leben und arbeiten und in erster Linie andere Sprachen als das Deutsche praktizieren \u2013 in unserer Community und bei unseren Jahreskonferenzen willkommen zu hei\u00dfen. Auch die M\u00f6glichkeit, internationale Sichtbarkeit f\u00fcr die Beitr\u00e4ge aus unserer Community herzustellen, ist uns ein Anliegen. Und nat\u00fcrlich spielt die englische Sprache in den digitalen Geisteswissenschaften eine gewichtige Rolle und wir gehen davon aus, dass die meisten Mitglieder unserer Community neben dem Deutschen auch das Englische und ggfs. weitere Wissenschaftssprachen praktizieren. Es erscheint uns aber aus den oben genannten Gr\u00fcnden angemessen, dass der Call for Papers weiterhin nur auf Deutsch publiziert wird.<\/p>\n<p>Den bis hierher genannten Zielen ist schon die Regelung von 2017 gefolgt. Die nun leicht ver\u00e4nderte Formulierung im Call for Papers soll diese Ziele noch einmal deutlicher machen. Zugleich schr\u00e4nken wir die Sprachauswahl aus pragmatischen, nicht so sehr aus sprachpolitischen Gr\u00fcnden, auf das Englische ein: sowohl die angemessene Begutachtung der schriftlichen Fassung als auch die Verst\u00e4ndlichkeit des m\u00fcndlichen Vortrags f\u00fcr eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zahl von Teilnehmer*innen wird auf diese Weise gef\u00f6rdert. Zudem hat die Praxis der letzten Jahre gezeigt, dass ohnehin nur Englisch als eventuelle, alternative Sprache gew\u00e4hlt wurde.\u00a0<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten in diesem Zusammenhang auch ausdr\u00fccklich deutlich machen, dass die Sprache der Einreichung kein Kriterium f\u00fcr die Begutachtung darstellt und alle Beitr\u00e4ge gleicherma\u00dfen nach den bew\u00e4hrten inhaltlichen und formalen Kriterien begutachtet werden. Unabh\u00e4ngig von der verwendeten Sprache ist selbstverst\u00e4ndlich weiterhin ein Begutachtungskriterium, ob ein Beitrag verst\u00e4ndlich formuliert ist.\u00a0<\/p>\n<p>Wir hoffen, dass wir mit dem vorliegenden Text die \u00dcberlegungen hinter der aktuellen Regelung zum Verh\u00e4ltnis von Deutsch und Englisch als Konferenzsprachen transparent und die Besonderheiten unseres Verbandes nochmals deutlich machen konnten und freuen uns auf Ihre Kommentare sowie auf die Diskussionen, die wir bis zum Wiedersehen bei der DHd2021 in Potsdam f\u00fchren werden. Bei der dortigen Mitgliederversammlung m\u00f6chten wir die Regelung mit Ihnen besprechen und f\u00fcr zun\u00e4chst drei weitere Jahre festlegen, bis dann eine erneute \u00dcberpr\u00fcfung erfolgen soll.<\/p>\n<p>Der Vorstand des DHd-Verbands im Juni 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sprachenfrage stellt sich innerhalb des Verbands \u201cDigital Humanities im deutschsprachigen Raum\u201d (DHd-Verband) immer wieder. Das ist nicht \u00fcberraschend, ist diese definitorische Frage doch schon im Namen des Verbands eingeschrieben, zumal in der komplexen Verschr\u00e4nkung mit einer geographischen Komponente. 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