{"id":1370,"date":"2013-02-12T20:17:20","date_gmt":"2013-02-12T19:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/dhd-blog.org\/?p=1370"},"modified":"2013-02-12T20:17:20","modified_gmt":"2013-02-12T19:17:20","slug":"wie-schreibt-man-dh-richtig-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=1370","title":{"rendered":"Wie schreibt man DH richtig? II"},"content":{"rendered":"<p>DH ernst zu nehmen, scheint mir gerade als Geisteswissenschaftler ein h\u00f6chst selbstreferentieller Prozess zu sein (s.a. meinen Beitrag zu Open Access <a href=\"..\/?p=673\">https:\/\/dhd-blog.org\/?p=673<\/a>). Nachdem die Kulturtechnik Lesen unter Titeln wie <em>distant reading<\/em> (Moretti), <em>hyperreading<\/em> (Sosnoski) oder <em>maschine reading<\/em> (Hayles) umfassend thematisiert wurde, verwundert es ein wenig, dass bisher dem Schreiben vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde, auch wenn nat\u00fcrlich die Literatur z.B. zu Markup mittlerweile Legion ist. Es ist aber m.E. ein Unterschied, ob man vorhandenene Texte &#8222;editorisch&#8220; mit Markup versieht oder ob man selbst Texte nicht mehr layoutbasiert, sondern strukturell schreibt, eben Texte, die den Anforderungen einer computergest\u00fctzten Geistes- und Kulturwissenschaft gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>In der Theorie weiss man nat\u00fcrlich, dass Word-Dateien mit Blick auf ihre maschinelle Nachbearbeitung und -nutzung enge Grenzen haben und dass es besser w\u00e4re, statt dem WYSIWYG Prinzip zu huldigen, sich wieder auf Textstrukturen und &#8211; bedeutung zu besinnen. Nun ist WYSIWYG ein s\u00fc\u00dfes Gift und hat viel dazu beigetragen, den Computer in den Geisteswissenschaften zu etablieren. Diese Leichtigkeit des Schreibens in Frage zu stellen und WORD z.B. mit einem XML Editor wie oXygen zu vertauschen, ist denn auch ein Schritt, den viele unserer Zunft vermutlich scheuen werden, und doch scheint mir genau dieser Schritt zum <em>Strukturellen Schreiben<\/em>, wie ich es nennen m\u00f6chte, unverzichtbar, um das volle Potential der DH aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen. Ich habe mich daher in einem Beitrag im Bibliotheksdienst (s. vor allem den ersten Teil DOI\u00a0<a title=\"Bibliotheksdient\" href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1515\/bd-2013-0005\">10.1515\/bd-2013-0005<\/a>) einmal mit dieser Frage auseinandergesetzt und versucht &#8222;basale&#8220; Strukturen f\u00fcr das strukturelle Schreiben, oder wie man es nennen m\u00f6chte, zu identifizieren. Das Pikante daran ist nat\u00fcrlich, dass,\u00a0 wenn man schon \u00fcber <em>Strukturelles Schreiben<\/em> &#8222;schreibt&#8220;, dann es auch f\u00fcglich selbst tun sollte. Ich hatte daher dem Verlag abbedungen, den Beitrag nicht mit einer <em>moving wall<\/em> zu belegen, sondern ihn unter einer CC BY-SA Lizenz zu ver\u00f6ffentlichen und bereitete zeitgleich eine alternative Publikation vor, die mitttlerweile auch vorliegt (vgl <a title=\"WDB\" href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/ebooks\/ed000149\/start.htm\">http:\/\/diglib.hab.de\/ebooks\/ed000149\/start.htm<\/a>). Unterdessen hat aber auch der Verlag den Text online gestellt (DOI s.o.). Dies nun ist interessant, denn wenn man die beiden Versionen vergleicht, wird unmittelbar deutlich, warum <em>online<\/em> allein nicht ausreicht (auch wenn OA ein Wert an sich ist), und es einer intensiveren Bem\u00fchung um den Text bedarf, um ihn wirklich nutzbar zu machen. Augenf\u00e4llig ist, dass z.B. die Links fehlen.\u00a0 Sie sind in dem Beitrag auf der Verlagsseite allesamt nicht clickbar. \u00dcberhaupt hinterl\u00e4sst er einen etwas lieblosen Eindruck. Das Entscheinde liegt aber unter der Oberfl\u00e4che dieser Version, die unter &#8222;strukturellen Gesichtspunkten&#8220;(Markup)\u00a0 g\u00e4nzlich ungen\u00fcgend ist. Z.B. w\u00fcrde man sich zu Schlagworten und Personen GND Nummern w\u00fcnschen. Diese habe ich in meiner Version erg\u00e4nzt (wenn auch noch nicht sichtbar gemacht). Sie stecken im XML Quelltext (<a title=\"XML Version\" href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/ebooks\/ed000149\/BD-2013-01.xml\">http:\/\/diglib.hab.de\/ebooks\/ed000149\/BD-2013-01.xml<\/a>) und werden sp\u00e4ter vor allem in \u00fcbergreifenden Suchalgorithmen ausgewertet werden (zum Einsatz wird die DB <a title=\"eXist DB\" href=\"http:\/\/exist.hab.de\">eXist<\/a> kommen). Mit Blick auf zuk\u00fcnftige Szenarien der Nachnutzung im <em>semantic web<\/em> habe ich zudem einige grundlegende Dinge, wie Titel, Autor, Schlagworte mit RDFa markiert,. z.B. &lt;span property=&#8220;dc:title&#8220;&gt;Wie schreibt man Digital Humanities richtig&#8230;&lt;span&gt; (eine gut verst\u00e4ndliche Einf\u00fchrung zu RDFa findet sich hier:<a title=\"W3C Primer RDFa\" href=\"http:\/\/www.w3.org\/TR\/xhtml-rdfa-primer\/\">http:\/\/www.w3.org\/TR\/xhtml-rdfa-primer\/<\/a>). Nebenbei habe ich auch versucht diesen Blockbeitrag zu &#8222;semantisieren&#8220;, was allerdings fehlschlug, weil WordPress Attribute wie @property aus den Tags zu entfernen scheint. Aber vielleicht hat dazu jemand eine Idee?<\/p>\n<p>Das Besondere und die Herausforderung, in dieser Art zu schreiben, liegt darin, dass man sich st\u00e4ndig reflexiv mit dem Text auseinander setzen muss. Besonders schwierig ist dabei die Frage, in welcher Tiefe und Granularit\u00e4t Texte ausgezeichnet werden m\u00fcssen und sollen. Hier bedarf es sicher weiterer Erfahrungen und auch einer gewissen Kanonisierung. Da sich in einem Webumfeld auch die Lineari\u00e4t des Textes nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich versteht, muss man als Autor die Visualisierung des Textes im Auge behalten, &#8211; und hier gilt es, nicht nur mit Landow an die hypertextuellen Strukturen zu denken (Verlinkungen zu anderen Texten oder Gegenst\u00e4nden), sondern auch an Dinge wie z.B. ein zu- und aufklappbares Inhaltsverzeichnis und Abstrakt. Die Dinge werden also komplizierter, aber, so meine \u00dcberzeugung, die M\u00f6glichkeiten des strukturellen Schreibens erh\u00f6hen auch die Sichtbarkeit, Funktionalit\u00e4t und Nachnutzbarkeit elektronischer Publikationen und ebenen den Weg zu einem <em>semantic web<\/em>, das auch Forschungsliteratur auf verschiedenen Ebenen des Textes integriert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DH ernst zu nehmen, scheint mir gerade als Geisteswissenschaftler ein h\u00f6chst selbstreferentieller Prozess zu sein (s.a. meinen Beitrag zu Open Access https:\/\/dhd-blog.org\/?p=673). 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