{"id":13490,"date":"2020-05-25T10:00:00","date_gmt":"2020-05-25T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13490"},"modified":"2020-05-24T18:20:20","modified_gmt":"2020-05-24T16:20:20","slug":"digital-medievalists-im-deutschsprachigen-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dhd-blog.org\/?p=13490","title":{"rendered":"<em>Digital Medievalists <\/em> im deutschsprachigen Raum"},"content":{"rendered":"\n<h2>Die Medi\u00e4vistik und ihre digitalen Spielr\u00e4ume auf der #DHd2020<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Mittelalterforschung wird auch heute noch nachgesagt, sie sei eher traditionell orientiert und zeige nur eine langsame Offenheit gegen\u00fcber der Anwendung neuer digitaler Methoden. Auf der diesj\u00e4hrigen <a href=\"https:\/\/dhd2020.de\/\">Tagung des DHd (Paderborn 2.\u20136. M\u00e4rz)<\/a> zeigte die Medi\u00e4vistik in der digitalen Geisteswissenschaft jedoch nicht nur eine breite wissenschaftliche Pr\u00e4senz, sondern wusste auch beim Posterlam zu \u00fcberzeugen. Als Stipendiatin des <a href=\"https:\/\/dig-hum.de\/\">DHd<\/a> und <a href=\"https:\/\/clariah-de.net\/\">CLARIAH-DE<\/a>,* war ich w\u00e4hrend der Tagung der digitalen Medi\u00e4vistik auf der Spur, es folgt ein \u00dcberblick \u00fcber die medi\u00e4vistischen Beitr\u00e4ge auf der <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/DHd2020?src=hashtag_click\">#DHd2020<\/a>:<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>*<em>An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank f\u00fcr die Unterst\u00fctzung!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Clemens Liedtke (Heidelberg) pr\u00e4sentierte im Beitrag <em>DH\u2019s Next Topmodel? Digitale Editionsentwicklung zwischen Best Practice und Innovation am Beispiel des \u201eCorpus Masoreticum\u201c <\/em>ein Beispiel aus den j\u00fcdischen Studien zur digitalen Transformation der Handschriftenforschung einer hebr\u00e4ischen Bibeledition. Er erl\u00e4uterte, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Verf\u00fcgbarkeit edierbarer Materialien hat und damit auf die Grundlagen textkritischer Editionen. Das Projekt widmet sich dem sogenannten masoretischen Text in mittelalterlichen Bibelcodizes des 12. Jahrhunderts. Am Beispiel der Langzeiteditionsvorhaben \u201e<a href=\"https:\/\/corpusmasoreticum.de\/\">Corpus Masoreticum<\/a>\u201c der Hochschule f\u00fcr J\u00fcdische Studien in Heidelberg wird ein Editionsmodell entwickelt, dass die Modellierung von vernetzten Texten und der in den Handschriften \u00fcberlieferten internen Verweisstruktur erm\u00f6glicht. Diese besteht aus metatextuellen Elementen, wie Graphemen, grammatischen, syntaktischen und semantische Notizen, Referenzen und Verweisen. Die Forschungsdaten werden in einer Graphdatenbank modelliert. Ziel des Langzeitprojektes&nbsp; ist, neben der Edition selbst, die Entwicklung einer hybriden Editionsumgebung. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Editionsprojekt aus dem Bereich der J\u00fcdischen Studien wurde von Paul Molitor et al. (Halle) im Rahmen der Postersession vorgestellt: Das DFG Projekt zur \u201e<a href=\"https:\/\/kabbalaheditions.org\/projekt.html\">Synoptischen Edition des kabbalistischen Traktats <em>Keter Shem Tov <\/em>mit englischer \u00dcbersetzung, Stellenkommentar und rezeptionsgeschichtlichen Studien<\/a>\u201c ist an der Universit\u00e4t Halle angesiedelt. Zentraler Aspekt der Edition des Traktats aus dem 13. Jahrhundert ist der Umgang mit der Vielzahl \u00fcberlieferter Textfassungen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Schnittstelle zwischen Text- und Bildwissenschaft angesiedelt ist der Beitrag <em>Erz\u00e4hlerische Spielr\u00e4ume. Medien\u00fcbergreifende Erforschung von Narrativen im Mittelalter mit ONAMA <\/em>von Isabella Nicka, Peter Hinkelmanns, Miriam Landkammer und Manuel Schwembacher (Salzburg)<em>. <\/em><a href=\"http:\/\/onama.sbg.ac.at\/\">ONAMA<\/a> \u2013 das Akronym steht f\u00fcr <em>Ontology of the Narratives of the Middle Ages<\/em> \u2013 ist eine Kooperation der beiden Langzeitvorhaben <a href=\"http:\/\/mhdbdb.sbg.ac.at\/\">Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank<\/a> (Universit\u00e4t Salzburg) und <a href=\"https:\/\/www.imareal.sbg.ac.at\/en\/realonline\/\">Bilddatenbank REALonline<\/a> (Institut f\u00fcr Realienkunde des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit, Krems\/Salzburg). Das Projekt (Laufzeit M\u00e4rz 2019 bis Februar 2021) erforscht die Modellierung von Narrativen auf (unbewegten) Bildern. Die im Projekt entwickelte Ontologie wird anhand von Beispielen aus deutschsprachigen Texten und mittelalterlichen Kunstwerken gespeist. Dabei entsteht ein intermediales Modell aus Handlung, Person, Objekt und Ort zur Erschlie\u00dfung mittelalterlicher Narrative mit dem Ziel der \u00dcberwindung fachlicher Grenzen zwischen bildlicher und textlicher \u00dcberlieferung. Das neue digitale Werkzeug erm\u00f6glicht die Annotation von Bild- und Textquellen, auf deren Basis dann Abfrageergebnisse zu Erz\u00e4hlkernen, Figurenkonstellationen, Handlungsmustern etc. erm\u00f6glicht werden. Im Vortrag wurden das eindrucksvolle Projekt sowie auch erste mit der Ontologie annotierten Ergebnisse vorgestellt<a>. <\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-twitter wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Tolle Modellierung von Narrativen in <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/ONAMA?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#ONAMA<\/a>. <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/DHd2020?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#DHd2020<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/PflsnutN5s\">pic.twitter.com\/PflsnutN5s<\/a><\/p>&mdash; Frederik Elwert (@felwert) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/felwert\/status\/1235879454204887041?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 6, 2020<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Erfreulich h\u00e4ufig tauchen im BoA die Begriffe <em>Deep Learning<\/em> und <em>Machine Learning<\/em> auf.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Auch hier fehlt es nicht an Beitr\u00e4gen aus der (digitalen) Medi\u00e4vistik. F\u00fcr den Bereich der Anwendung von <em>Deep Machine Learning<\/em> in der Bildanalyse stellten Torsten Hiltmann (Berlin) und Benjamin Risse (M\u00fcnster) in ihrem Beitrag <em>Wappen und ihre \u00dcberlieferung als kulturhistorische Herausforderung <\/em>Wappen als geeignete Bilddom\u00e4ne f\u00fcr visuelle Objekterkennung mittels <em>Deep Learning<\/em>-Algorithmen vor. Der Fokus liegt auf der Detektion heraldischer Abbildungen in mittelalterlichen und fr\u00fchneuzeitlichen Handschriften, wobei die Beschreibung der Entwicklung neuer Ressourcen und Methoden im Fokus des Vortrags standen. F\u00fcr das Training einer K\u00fcnstlichen Intelligenz zur Bilderkennung wird in der Regel auf bestehende Bilddatenbanken zur\u00fcckgegriffen. Die daf\u00fcr aufbereiteten Bilddaten decken dabei bisher in erster Linie zwei Extreme ab, n\u00e4mlich ein stark eingegrenztes thematisches Feld, wie beispielsweise das <a href=\"http:\/\/yann.lecun.com\/exdb\/mnist\/\">MNIST Dataset<\/a> handgeschriebener Ziffern, oder sehr komplexe und weitgefasste Bildinhalte wie <a href=\"http:\/\/www.image-net.org\/\">Imagenet<\/a><a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> zur Objekterkennung. Wappen bilden durch ihre gro\u00dfe \u00dcberlieferungszahl, der Diversit\u00e4t der Gebrauchskontexte sowie der generellen Komplexit\u00e4t der Materie eine Herausforderung f\u00fcr die kulturhistorische Forschung.  Der entscheidende Vorteil von Wappen als Bilddom\u00e4ne ist ihre formalisierbare visuelle Struktur aus abstrakten Codes von Formen und  Farben. Durch diese Eigenschaften, so die Hypothese, bilden sie jedoch eine Bilddom\u00e4ne f\u00fcr <em>Deep Learning<\/em>-Algorithmen visueller Objekterkennung, die sich in ihrer Komplexit\u00e4t zwischen den beiden oben genannten Bildkorpora einordnen l\u00e4sst.  Dies bildet einen Spielraum f\u00fcr die Untersuchung der Funktionsweise der Algorithmen f\u00fcr verschiedene Bildabstraktionen; beispielweise Geometrie versus Textur, Form versus Farbe. Im Rahmen des Projektes soll ein ausreichend gro\u00dfes Datenset erstellt und zur Verf\u00fcgung gestellt werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Keine DHd ohne Beitr\u00e4ge zu aktuellen Entwicklungen in der automatischen Handschriftenerkennung (HTR). Tobias Hodel (Bern) gab in seinem Beitrag <em>Best-practices zur Erkennung alter Drucke und Handschriften. Die Nutzung von Transkribus large- und small-scale<\/em><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und das Potenzial der Nachnutzbarkeit f\u00fcr eigene Textkorpora. Dabei lag ein besonderer Fokus auf der Benutzerfreundlichkeit f\u00fcr Lai*innen sowie darauf, wie ein Neuronales Netz zur Handschriftenerkennung trainiert wird und welche Datenmengen dazu auf- und nachbereitet werden m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Spielraum der medi\u00e4vistischen Musikwissenschaft wurde im Beitrag <em>OMMR4all \u2013 ein semiautomatischer Online-Editor f\u00fcr mittelalterliche Musiknotationen<\/em> vorgestellt. <a href=\"https:\/\/ommr4all.informatik.uni-wuerzburg.de\/de\/\">OMMR4all<\/a> steht f\u00fcr <em>Optical Medieval Music Recognition for all,<\/em> wobei es sich um eine als Web-Applikation ausf\u00fchrbare <em>open source<\/em> Software handelt. Christoph Wick, Alexander Hartel und Frank Puppe (W\u00fcrzburg) stellten eine quellenoffene Software zur semiautomatischen Neumenerkennung vor. Die Software basiert auf OMR (= Optical Music Recognition) und MEI (= <a href=\"https:\/\/music-encoding.org\/\">Music Encoding Initiative<\/a>) Recognition als Output. Die Software erm\u00f6glicht das Training f\u00fcr Notenlinien und Symboldetektoren, ein Overlayeditor erlaubt die manuelle Nachkorrektur. Durch den Output als MEI XML k\u00f6nnen die erfassten Neumennotationen maschinell nachgenutzt werden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"715\" height=\"1022\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/ESaa-l4UcAAl0Cm.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13492\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/ESaa-l4UcAAl0Cm.jpg 715w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/ESaa-l4UcAAl0Cm-210x300.jpg 210w\" sizes=\"auto, (max-width: 715px) 100vw, 715px\" \/><figcaption>Abb. 1: Posterbeitrag <em>Cooking Recipes of the Middle Ages<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Projekt CoReMa, vorgestellt durch Beitr\u00e4ge von Christian Steiner et al. (in Abwesenheit, Graz), ist der Aufbereitung von Kochrezept\u00fcberlieferungen aus Frankreich und dem deutschsprachigen Raum gewidmet. Das Korpus umfasst circa 80 Manuskripte mit einer Gesamtzahl von 8000 Kochrezepten. Die Aufbereitung erfolgt mit dem Ziel der qualitativen und quantitativen Analyse und m\u00f6chte damit einen Beitrag zur Ern\u00e4hrungsgeschichte leisten. Die Handschriften werden transkribiert, philologisch-editorisch bearbeitet und semantisch angereichert. Dadurch wird ein Abgleich von Zutaten, Kochprozessen und Kochutensilien erm\u00f6glicht. Begleitet wurde der Vortrag <em>Spielr\u00e4ume definieren: Cooking Recipies of the Middle Ages<\/em> von einem Poster (siehe Abb. 1), dessen Fokus auf den nachnutzbaren Ressourcen zur Studie \u00fcber Herkunft und die Bildung regionaler K\u00fcchen des Projektes liegt. Zeitgleich zur Konferenz wurde die <a href=\"corema\">Homepage des Projektes<\/a> mit ersten Beispielen gelauncht. Dar\u00fcber hinaus \u00fcberzeugte CoReMa auch beim Posterslam und belegte den zweiten Platz.<\/p>\n\n\n\n<p>Sarah Ihden (Hamburg) stellte w\u00e4hrend der Postersession das Projekt <a href=\"https:\/\/www.slm.uni-hamburg.de\/niederdeutsch\/forschung\/projekte\/mittelniederdeutsche-grammatik.html\"><em>Mittelniederdeutsche Grammatik, Flexionsmorphologie<\/em><\/a>  (Laufzeit 2020\u20132023) zu einer modernen mittelniederdeutschen Grammatik vor, die den Open Science Gedanken und den FAIR Prinzipien folgt. Varianz, Ambiguit\u00e4t, Unsicherheit. Methodische Schlaglichter zur mittelniederdeutschen Grammatik.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13493\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1-243x181.jpg 243w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/DM_PostgradSubcommittee-1.jpg 1867w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 2: <em>Digital Medievalist Postgraduate Subcommittee<\/em> (Design: Tessa Gengnagel)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit Tessa Gengnagel (K\u00f6ln) und Daniela Schulz (Wolfenb\u00fcttel\/Wuppertal) stellte ich selbst im Rahmen der Postersession das 2019 gegr\u00fcndete <em><a href=\"https:\/\/digitalmedievalist.wordpress.com\/about\/postgraduate-subcommittee\/\">Digital Medievalist Postgraduate Subcommittee<\/a><\/em>, Teil der internationalen, webbasierten Interessengemeinschaft <a href=\"\/Users\/Hannah\/AppData\/Local\/Temp\/digitalmedievalist.wordpress.com\"><em>Digital Medieva<\/em>list<\/a> vor. <em>Digital Medievalist<\/em> wurde 2003 gegr\u00fcndet, um Wissenschaftler*innen zu vernetzen und den Austausch bez\u00fcglich der wachsenden Herausforderungen digitaler Projekte zu unterst\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die digitalen Geisteswissenschaften und somit auch die\nDigitale Medi\u00e4vistik sind ein relativ junger und sich in st\u00e4ndiger\nWeiterentwicklung befindender Bereich, der eine heterogene Gruppe junger\nWissenschaftler*innen umfasst. Im Vergleich zu den etablierten\ngeisteswissenschaftlichen Disziplinen zeichnet sich diese Gruppe im Besonderen\ndurch ihre gro\u00dfe Diversit\u00e4t an fachlichen Hintergr\u00fcnden und abweichende\nKarrierewege aus. Durch die allgemeine Interdisziplinarit\u00e4t der Digitalen\nGeisteswissenschaften, die sich auch in den \u00fcberall aus dem Boden sprie\u00dfenden\nDH-Center und Studieng\u00e4ngen widerspiegelt, fehlt es gerade jungen\nWissenschaftler*innen h\u00e4ufig an direktem Anschluss innerhalb der eigenen\nInstitutionen. Die Umstellung vom Zwei-Zyklus zum Drei-Zyklus System (Bachelor,\nMaster, Doktorat) mit der M\u00f6glichkeit, in nicht konsekutiven Studieng\u00e4ngen neue\nWege einzuschlagen und neue Schwerpunkte zu w\u00e4hlen, bringt bereits fr\u00fch in der\nakademischen Laufbahn eine steigende Mobilit\u00e4t mit sich. Zwar bietet der\nArbeitsmarkt f\u00fcr DH-Affine Berufseinsteiger*innen mitunter bessere\nEinstiegschancen,<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> jedoch\ngestalten h\u00e4ufigere Standortwechsel sowie die Eingliederung als\nTeilbereichsexpert*innen in interdisziplin\u00e4re Teams es schwieriger, ein lokales\nNetzwerk f\u00fcr die eigenen Forschungsschwerpunkte aufzubauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Digital Medievalist Postgraduate Subcommittee<\/em> hat sich zum Ziel gesetzt, dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Plattform zu bieten, um zum einen den Austausch untereinander zu verbessern, und um zum anderen auf die speziellen Qualifikationen dieser Gruppe \u2013 zwischen Tradition und Innovation \u2013 aufmerksam zu machen. Zu den Herausforderungen, denen junge Wissenschaftler*innen in diesem Bereich gegen\u00fcberstehen, z\u00e4hlen beispielsweise die Anerkennung alternativer Publikationsformen (Datensets, Softwarecode, aber auch die Frage nach kumulativer Dissertation versus Monographie) sowie abweichende Karrierewege mit einer hohe Zahl an Quereinsteiger*innen in die beteiligten Disziplinen. Dabei geht es auch in besonderem Ma\u00dfe darum, die erworbenen F\u00e4higkeiten aus dem Bereich der Digitalen Geisteswissenschaften, die von Vermittlungskompetenzen bis zur <em>Coding Literacy <\/em>reichen k\u00f6nnen, als gleichwertig mit der fachwissenschaftlichen Expertise im engeren Sinne anzusehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Teilnahme an der Postersession der DHd war von der M\u00f6glichkeit der Generierung von Sichtbarkeit unserer Initiative motiviert. Beim gemeinsamen Beitrag <em>Early Stage Digital Medievalist Subcommittee. Vernetzen, entgrenzen, Spielr\u00e4ume schaffen<\/em> standen zum einen die existierenden Kan\u00e4le des <em>Digital Medievalist<\/em>, wie Mailingliste, Journal und Social Media Kan\u00e4le, im Mittelpunkt zum anderen die sich in Vorbereitung befindenden Aktivit\u00e4ten des Subcommittees. Im Laufe des Jahres ist der Launch eines Podcasts geplant, bei dem der Fokus auf Projekten und Initiativen junger Wissenschaftler*innen in der Digitalen Medi\u00e4vistik liegen wird. Dar\u00fcber hinaus gaben wir einen Ausblick auf die Planung gemeinsamer zuk\u00fcnftiger Konferenzaktivit\u00e4ten (analog und virtuell), wie beispielsweise eines Panels im Rahmen des <a href=\"https:\/\/www.imc.leeds.ac.uk\/\">International Medieval Congress<\/a> in Leeds.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/dhd-blog.org\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06-1024x724.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13494\" srcset=\"https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06-1024x724.jpeg 1024w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06-300x212.jpeg 300w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06-768x543.jpeg 768w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06-1536x1085.jpeg 1536w, https:\/\/dhd-blog.org\/app\/uploads\/2020\/04\/WhatsApp-Image-2020-03-05-at-09.21.06.jpeg 1599w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Abb. 3: Posterbeitrag <em>Digital Medievalist Postgraduate Subcommittee<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Teilnahme an der Tagung wurde nicht nur durch den Gewinn\ndes Posterslams gekr\u00f6nt, sondern auch durch die M\u00f6glichkeit, w\u00e4hrend der\nPostersession eine Anlaufstelle zu bieten, die es uns erm\u00f6glichte, mit\nverschiedensten Forschenden in Kontakt zu kommen, darunter nicht nur\nMedi\u00e4vist*innen, sondern auch Personen aus den \u201aerweiterten Zielgruppen\u2018,\nwie Koordinator*innen der DH Zentren und Studieng\u00e4nge.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-twitter wp-block-embed is-type-rich is-provider-twitter\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-width=\"550\" data-dnt=\"true\"><p lang=\"en\" dir=\"ltr\">Hurray! Winner of the <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/DHd2020?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#DHd2020<\/a> poster slam: Early Stage Digital Medievalist&#39;s committee representatives Daniela Schulz <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DelaLostinDH?ref_src=twsrc%5Etfw\">@DelaLostinDH<\/a>, Tessa Gengnagel <a href=\"https:\/\/twitter.com\/resonanzfilter?ref_src=twsrc%5Etfw\">@resonanzfilter<\/a> &amp; Hannah Busch <a href=\"https:\/\/twitter.com\/cesare_blanc?ref_src=twsrc%5Etfw\">@cesare_blanc<\/a>! Congrats! So proud! So happy! So <a href=\"https:\/\/twitter.com\/digitalmedieval?ref_src=twsrc%5Etfw\">@digitalmedieval<\/a>! Thank you <a href=\"https:\/\/twitter.com\/DHDInfo?ref_src=twsrc%5Etfw\">@DHDInfo<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/CLARIAHde?ref_src=twsrc%5Etfw\">@CLARIAHde<\/a>! <a href=\"https:\/\/t.co\/JrkSUeKr4H\">https:\/\/t.co\/JrkSUeKr4H<\/a><\/p>&mdash; Digital Medievalist (@digitalmedieval) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/digitalmedieval\/status\/1235608082924871680?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 5, 2020<\/a><\/blockquote><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Beitrag hat keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, das BoA ist umfangreich, bei der Tagung mit ihren zahlreichen parallel laufenden Sessions f\u00e4llt die Wahl h\u00e4ufig schwer. Sollte ich also einen Beitrag \u00fcbersehen haben, der in dieser Auflistung jedoch dringend Br\u00fccksichtigung finden sollte, freue ich mich \u00fcber eine Erg\u00e4nzung in den Kommentaren. <\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberblick zu den Betr\u00e4gen im <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.5281\/zenodo.3666690\">Book of Abstracts<\/a>: <\/p>\n\n\n\n<p>Vortr\u00e4ge:<\/p>\n\n\n\n<p>Tobias Hodel, Best-practices zur Erkennung alter Drucke und Handschriften. Die Nutzung von Transkribus large- und small scale,  S. 84\u201387.<\/p>\n\n\n\n<p>Clemens Liedtke, DH&#8217;s Next Topmodel? Digitale Editionsentwicklung zwische Best Practice und Innovation am Beispiel des &#8222;Corpus Masoreticum&#8220;, S. 107\u2013111.<\/p>\n\n\n\n<p>Isabella Nicka et al., Erz\u00e4hlerische Spielr\u00e4ume. Medien\u00fcbergreifende Erforschung von Narrativen im Mittelalter mit ONAMA,  S. 131\u2013135.<\/p>\n\n\n\n<p>Torsten Hiltmann, Sebastian Thiele und Benjamin Risse, Friends with Benefits: Wie Deep-Learning basierte Bildanalyse und kulturhistorische Heraldik voneinander profitieren,  S. 135\u2013138.<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Wick, Alexander Hartel und Frank Puppe, OMMR4all \u2013 ein semiautomatischer Online-Editor f\u00fcr mittelalterliche Musiknotationen, S. 171\u2013174.<\/p>\n\n\n\n<p>Christian Steiner und Helmut Klug, Spielr\u00e4ume definieren: Cooking Recipes of the Middle Ages,  S. 205\u2013207. <\/p>\n\n\n\n<p>Poster:<\/p>\n\n\n\n<p>Sarah Ihden, Varianz, Ambiguit\u00e4t, Unsicherheit, Methodische Schlaglichter zur mittelniederdeutschen Grammatikographie,  S. 240\u2013243. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Christian Steiner et al., Cooking Recipes of the Middle Ages: Nachnutzbare Ressourcen eines internationalen Forschungsprojekts,  S. 286\u2013288. <\/p>\n\n\n\n<p>Hannah Busch, Tessa Gengnagel, Daniela Schulz, Early Stage Digital Medievalist Subcommittee. Vernetzen, entgrenzen, Spielr\u00e4ume schaffen,  S. 313\u2013314. <\/p>\n\n\n\n<p>Paul Molitor et al., Keter Shem Tov &#8211; Prozessualisierung eines Editionsprojekts mit 100 Textzeugen,  S. 330\u2013331. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Auf\nGrund von \u00dcberschneidungen und pers\u00f6nlicher Interessen konnte ich nicht bei\nallen Beitr\u00e4gen anwesend sein, habe sie dennoch aus dem BoA aufgenommen. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Da meine\neigene Forschung selbst in diesem Bereich angesiedelt ist, erkl\u00e4rt sich diese\npositive Einsch\u00e4tzung. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Sehr interessante Gedanken zum Thema Bias in Bilddatenbanken f\u00fcr maschinelles Lernen bot der Beitrag von Fabian Offert und Peter Bell, <em>Critical Machine Vision<\/em> nachzulesen im BoA (S. 98\u2013101).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Link zu den Beitragsfolien: <a href=\"https:\/\/www.slideshare.net\/thfalcon\/bestpractices-zur-erkennung-alter-drucke-und-handschriften-die-nutzung-von-transkribus-large-und-smallscale\">https:\/\/www.slideshare.net\/thfalcon\/bestpractices-zur-erkennung-alter-drucke-und-handschriften-die-nutzung-von-transkribus-large-und-smallscale<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Vgl.: Hannah Busch et al., Aktuelle Situation der RSEs: Karriere -welche Karriere?, in: DH-RSE, 20. August 2018, <a href=\"https:\/\/dh-rse.github.io\/workshop\/dhd2018\/karriere\/anerkennung\/arbeitsbedingungen\/2018\/08\/20\/aktuelle-situation-der-rses-karriere-welche-karriere.html\">https:\/\/dh-rse.github.io\/workshop\/dhd2018\/karriere\/anerkennung\/arbeitsbedingungen\/2018\/08\/20\/aktuelle-situation-der-rses-karriere-welche-karriere.html <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Die derzeitige globale Gesundheitskrise betrifft erwartungsgem\u00e4\u00df auch unsere gemeinsamen Aktivit\u00e4ten im Rahmen von gr\u00f6\u00dferen internationalen Konferenzen. W\u00e4hrend wir unsere Zusammenarbeit im <em>Committee <\/em>voraussichtlich noch f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Zeitraum wie gehabt ausschlie\u00dflich digital fortf\u00fchren, arbeiten wir derzeit an virtuellen Alternativen. Dies hat zum einen den Vorteil, dass die Beteiligung einzelner nicht von Reisemitteln abh\u00e4ngig ist, ersetzen auf der anderen Seite jedoch nicht pers\u00f6nliche Treffen im Rahmen von mehrt\u00e4gigen Konferenzen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Medi\u00e4vistik und ihre digitalen Spielr\u00e4ume auf der #DHd2020 Der Mittelalterforschung wird auch heute noch nachgesagt, sie sei eher traditionell orientiert und zeige nur eine langsame Offenheit gegen\u00fcber der Anwendung neuer digitaler Methoden. Auf der diesj\u00e4hrigen Tagung des DHd (Paderborn 2.\u20136. 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